In meinen vorherigen Beiträgen Eine kurze Geschichte der Ökonomie und In einem Land vor unserer Zeit ... bin ich bereits auf das bestehende Tauschparadigma in der Volkswirtschaftslehre eingegangen und möchte diese Reise in die Historie des Geldes und seiner Entstehung nun fortsetzen.

Ganz zu Beginn dieses Artikels sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es bei der Analyse von Systemen in erster Linie immer auch darum geht, eben diese als Ganzes zu betrachten. Es ist niemals zielführend, nur Teilaspekte zu betrachten oder Wechselwirkungen innerhalb von Systemen auszublenden. Denn auch der beste Ingenieur muss zu dem Schluss kommen, dass sich ein Ferrari niemals von der Stelle bewegen kann, wenn er bei der Untersuchung des Fahrzeugs ausschließlich Motor und Getriebe wissenschaftlich durchleuchtet und ausforscht, die Existenz der restlichen Fahrzeugkomponenten – wie beispielsweise dem Fahrwerk – hingegen entweder nicht wahrnimmt oder schlichtweg negiert. Gerade beim Geld und seinen zahlreichen Erscheinungsformen in der Vergangenheit – von der Muschel, über Gold und Silber bis zur heutigen digitalen Verrechnungseinheit in Form von Bits & Bytes – ist dieser Aspekt von herausragender Bedeutung.

Widmen wir uns nun dieser Historie. Sicherlich kennen Sie auch den ein oder anderen systemkritischen Beitrag über unser Geldsystem aus dem Internet. Genannt sei beispielsweise der Film Fabian – Gib mir die Welt plus 5 Prozent. Schon des Öfteren war dieses durchaus gut gemachte und auf den ersten Blick ansprechende Werk ein Thema – nicht nur hier auf cashkurs.com. Doch ging es bei der Kritik an diesem Film in erster Linie immer nur um die zweifelhaften Quellen, denen dieser pseudo-aufklärerische Streifen entsprang. Seine mehr als fragwürdigen Inhalte werden und wurden hingegen in vielen Foren, auf diversen Blogs und auch in Kommentaren auf cashkurs.com unkritisch, teils sogar begeistert geteilt. [1]

Erzählt wird auch in diesem Filmchen wieder einmal die Geschichte von der Unmöglichkeit des Zinses, da dieser bei der Kreditvergabe nicht miterschaffen wird und somit nicht zurückgezahlt werden kann. Die Macher von Fabian beschreiben hier eine Wirklichkeit, die weder in vergangenen noch heutigen Zeiten etwas mit der Realität oder geschichtlichen Vergangenheit zu tun hat. Fakt ist, dass in unserem bestehenden und auch früheren Geldsystemen niemals alle Kredite zu einem bestimmten Zeitpunkt endfällig gestellt wurden und gleichzeitig die Zinsen am Ende dieser Laufzeit komplett getilgt werden mussten.

Denn in Wahrheit existieren unzählige Kredite mit verschiedenen Laufzeiten nebeneinander, die in der Regel in bestimmten Zeiträumen, beispielsweise durch monatliche Zahlungen – die gemeinhin auch einen Zinsanteil beinhalten – getilgt werden. Den Zins nun als Quelle allen Übels auszumachen greift daher deutlich zu kurz. Denn wenn eingenommene Zinsen monatlich in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen – z.B. als Gehaltszahlungen an Bankangestellte – kann im Gesamtkreislauf auch wieder das Geld für die nächsten monatlichen Zinszahlungen verdient werden.

Die verheerende exponentielle Dynamik eines Zinseszinssystems entsteht infolgedessen erst mit dem Sparen und der Wiederveranlagung eingenommener Zinserträge. Allein diese Tatsache rechtfertigt eine Steuer oder Umlaufsicherungsgebühr (ULG) auf stetig wachsende Geldvermögen. Nicht die Existenz von Zinsen an sich, die durch die regulative Maßnahme einer ULG bei einem Überangebot von Kapital ins Negative abrutschen würden, sollten und vor allem könnten.

Zudem ist dieser Vorgang auch etwas recht Natürliches. Ein ständig positiver Zins hingegen etwas Widernatürliches. Denn zu allen Zeiten kostete die Verwahrung von unverliehenem Geld – beispielsweise in Form von Goldmünzen – eine Aufbewahrungsgebühr, der man nur durch Verleih an Dritte entkommen konnte. Entweder handelte es sich um tatsächliche Aufwendungen, die durch Sicherungsmaßnahmen (Tresor, Schließfach, Banksafe, Colt etc.) anfielen oder durch das Risiko des Verlustes in Form von Diebstahl.

Natürlich muss an dieser Stelle auch der deflatorische Effekt der Hortung von Geld berücksichtigt werden, der bei zu hohen Ersparnissen und dem daraus resultierenden Geldmangel in der Wirtschaft zum Vorteil der Sparer gereicht. Führt massive Geldhortung doch zu sinkenden Preisen von Waren und Dienstleistungen. Doch sei ebenfalls darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um den genau umgekehrten Effekt handelt, der von manchem Vertreter der österreichischen Schule als Kritik am FIAT-Money-System vorgebracht wird. Nämlich dem Vorsprung, den der Geldemittent genießt, wenn er als erstes vor allen anderen Wirtschaftsteilnehmern Geld in den Kreislauf gibt und somit Waren zu noch günstigen Preisen erstehen kann, bevor diese aufgrund der erzeugten Inflation teurer werden.

Aber auch hinsichtlich historischer Tatsachen tischt uns nicht nur die Story vom Goldschmied Fabian ein Märchen über die wahre Geschichte unseres Geld- und Wirtschaftssystems auf. Es ist mehr als verwunderlich, dass der eine oder andere diesen Unsinn tatsächlich glaubt und ihn im wahrsten Sinne des Wortes für bare Münze nimmt.

Wird in Teil 2/2 fortgesetzt…

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