Geldanlageformen ethisch betrachtet - Teil 2: Investmentfonds und fondsgebundene Lebens- und Rentenpolicen (Michael Heimrich)

hier finden Sie den vorangegangenen Teil 1 der Serie:

Geldanlageformen ethisch betrachtet - Teil 1: Einfache Zinsprodukte, Staatsanleihen, Aktien (Michael Heimrich)

Nachhaltige Fonds sind unter Anlegern sehr gefragt. Vor allem Produkte, die in Aktien und Anleihen investieren dürfen, konnten zuletzt die höchsten Zuflüsse verzeichnen. Doch nicht alle Fondsmanager investieren nur in ökologisch und ethisch korrekt handelnde Unternehmen oder Staaten. Es stellt sich daher die Frage, wo eigentlich die Trennlinie zwischen anstößig und anmaßend, gut und böse, liegt? So viel schon einmal vorweg: Wie nachhaltig „grüne“ Fonds tatsächlich sind, lässt sich nur schwer beurteilen. Denn es gibt bisher kein überzeugendes Verfahren, die Nachhaltigkeit der Produkte zu messen.

Weil ein umweltschonendes oder ein politisch korrektes Verhalten vielen Menschen ein positives Gefühl liefert, haben zahlreiche Fondsgesellschaften das Kompetenzcenter „Ethik und Nachhaltigkeit“ nicht im Investmentbereich, sondern in der Marketingabteilung angesiedelt. Dies führt dazu, dass immer mehr Themenfonds aufgelegt werden, die auf erneuerbare Energien oder auf Wasser, Wald und Landwirtschaft setzen. Diese Produkte sind allerdings nur oberflächlich betrachtet so verantwortungsvoll wie die komplexeren Nachhaltigkeitsfonds. Letztere haben nämlich eine Reihe von Ausschlusskriterien wie Sklaven- und Kinderarbeit, Waffenhandel, Glücksspiel, Tabak oder Alkohol festgelegt und setzen auf Unternehmen, die auf ökologischer, sozialer und betriebswirtschaftlicher Ebene schonend und verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen. Dass jedoch auch sie häufig nicht ganz koscher sind – dazu später mehr. Es stellt bei Themenfonds die Frage, wie nachhaltig beispielsweise eine Windkraftanlage ist. Denn schließlich werden viel Beton für das Fundament, reichlich Stahl für den Träger und Glasfiber für die Rotoren benötigt. Die Umweltbilanz eines Umwelttechnologiefonds ist unter diesen Aspekten dann gar nicht mehr so günstig, wie es auf den ersten Blick aussieht. Aber Umweltthemen lassen sich in Themenfonds nun einmal leichter verkaufen und erhöhen als nachhaltig geltende Geldanlagen den Absatz.

Welcher Ansatz ist der beste?

Nicht selten sind in Fonds Unternehmen enthalten, die sogar die Umwelt massiv schädigen und/oder elementare Menschenrechte missachten. Während BP-Aktien nach dem Öldesaster im Golf von Mexiko meines Wissens endlich aus allen Öko-Fonds eliminiert worden sind, zählen etwa die Papiere von Occidental Petroleum noch immer zum Inventar des ING Sustainable Growth Fund. Bekannt wurde das Unternehmen vor 23 Jahren, als durch ein Feuer auf der Bohrinsel Piper Alpha 167 Menschen starben. Occidental werden auch Menschenrechtsverletzungen an einem Indianervolk in Ecuador vorgeworfen. Eine Ursache für die nicht als Einzelfall herauszustellende missglückte Titelauswahl ist sicherlich der Umstand, dass viele Investmentgesellschaften einen „Best in Class“-Ansatz verfolgen. Danach wird jenen Unternehmen in jeder Branche der Vorzug gegeben, die sich in Sachen Nachhaltigkeit besser als ihre Mitbewerber verhalten. Nach dieser ausgesprochen fragwürdigen Methode sind in Nachhaltigkeitsfonds auch Titel aus Branchen enthalten, deren Auswahl für ethisch motivierte Anleger in keiner Weise nachvollziehbar ist. 

„Best in Class“ dient nach meiner Einschätzung wegen der großen Überlappung mit konventionellen Portfolios lediglich als Krücke für eine bessere Vermarktung ethischer Kapitalmarktprodukte. Ich empfehle daher Investoren, sich besser auf Anteile von Fonds zu konzentrieren, welche die klassische Branchenzuteilung aufbrechen, indem sie einzelne Servicesektoren bilden. Dies muss ich näher erklären. In Anlehnung an den von der unabhängigen Schweizer Nachhaltigkeits-Ratingagentur Inrate entwickelten „Best in Service“-Ansatz werden ökologische und soziale Wirkungen pro Service-Einheit verglichen. Das heißt, dass Unternehmen, die gleiche Dienstleistungen und/oder Produkte anbieten, einen eigenen Sektor darstellen. Dadurch wird der Horizont für Vergleiche um die aus nachhaltiger Perspektive relevanten Dimensionen vergrößert und die Hürde für eine positive Beurteilung im Vergleich zum „Best in Class“-Konzept anders gesetzt. Ein konkretes Beispiel: In der Energiebranche würde der „Best in Service“-Ansatz zur Gegenüberstellung einer Solarfirma mit einem Erdölkonzern führen. Einem solchen Vergleich müssen sich Ölgesellschaften nach dem „Best in Class“-Prinzip nicht stellen, da dort etwa ein Unternehmen wie Solarworld zur Industriebranche, Occidental Petroleum dagegen zum Energiesektor gezählt wird.

In einem ersten Schritt wäre schon viel gewonnen, wenn es dem European Sustainable Investment Forum (Eurosif), einem Dachverband der Branche, wenigstens gelänge, sein Transparenzsiegel für Nachhaltigkeitsfonds zum Standard zu erheben. Auch wenn das Qualitätszeichen bisher nur anzeigt, dass eine Fondsgesellschaft lediglich umfassende Informationen über seine Nachhaltigkeitskriterien, seine Ziele und sein Research zur Verfügung stellt. In einem weiteren Schritt müsste Eurosif allerdings noch prüfen, wie ethisch und ökologisch korrekt die Entscheidungen eines Asset-Managers letztendlich sind.

Ruhekissen mit grünem Bezug

Auch bei Versicherungen ist keinesfalls alles öko, was als nachhaltig angeboten wird. Denn die Assekuranz verpasst ihren fondsgebundenen Lebens- und Rentenpolicen in vielen Fällen lediglich einen grünen Anstrich. Die Versicherungen haben erkannt, dass viele Anleger seit der Finanzkrise konventionellen Produkten den Rücken zukehren und beackern deshalb diesen noch immer unübersichtlichen, von der Basisrente und Sofortrente über die betriebliche Altersversorgung bis hin zur Zusatzversicherung gegen Berufsunfähigkeit reichenden Markt. Damit kein Missverständnis entsteht: Ich spreche hier und im Folgenden nicht von den in Zukunft gefährdeten klassischen kapitalbildenden Lebensversicherungen und Riester-Verträge mit langfristigen Zinsgarantien. Denn die Mindestverzinsung könnten für solche Policen – ähnlich wie in Japan – künftig weiter sinken und damit für Vorsorgende noch unattraktiver werden als bereits heute.  

Zwar können Sie als Versicherter wählen, in welche Aktien-, Renten- oder Mischfonds ihr Geld fließt. Doch werden schon in der Ansparphase einer fondsgebundenen Riester-Renten-Versicherung durchschnittlich nur 30 bis 50 Prozent des Kapitals nach ökologischen Gesichtspunkten investiert. Obendrein wird das in Ökofonds angelegte Geld in der Regel zu Rentenbeginn wieder umgeschichtet. Und sicher können Sie sich über den „ökologischen Wert“ einer Riester-Rente nur sein, wenn der Versicherer seine eigenen Anlagen nach strengen Nachhaltigkeitskriterien investiert. Laut einer Untersuchung von „Ökotest“ sticht hier neben Debeka, Volkswohlbund und Skandia die Oeco Capital hervor, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Concordia Versicherung.

Fondsgebundene Öko-Lebensversicherungen zur reinen Vermögensbildung halte ich für keine gute Wahl, da die Kostenquote zu hoch und die Rentabilität zu gering ist. Selbst bei preisgünstigen Policen fließen nach meinen Berechnungen im Schnitt nur 85 Prozent der Prämien in Spareinlagen. Bei der Altersvorsorge ist das anders, da sich hier eine fondsgebundene Öko-Police – ohne an dieser Stelle ins Detail gehen zu können – dank staatlicher Förderung und Steuerzulagen wieder lohnen kann.

(wird in Teil 3 fortgesetzt)