Gold ist eine Versicherung.  Diese kosten normalerweise Prämien. Über viele Jahre wurde diese nicht belastet, sondern die Versicherung hat sogar Geld eingespielt. Dies führte zu dem Trugschluss, der Besitz von Gold koste nichts. Gerne wurde auch der Eindruck vermittelt, Gold könne nur steigen. Beides ist natürlich falsch. Alles hat seinen Preis und keine Anlageklasse steigt immer. Den schnell und stark gefallenen Preis sollten Anleger daher als Anlass nehmen, ihre ursprünglichen Investitionsmotive zu hinterfragen und mit den eigenen Zukunftserwartungen abzugleichen. Die typischen Motive und deren aktuelle Rahmenbedingungen sehen so aus:

Inflation:

Nach offiziellen Zahlen befindet sich die Teuerung der Konsumentenpreise in den USA und Deutschland auf einem niedrigen Niveau. Die realen Preissteigerungen sind sicher höher, aber weit von den durch „Experten“ und Inflationspäpsten entworfenen Horrorszenarien entfernt.    

Zerfall der Eurozone:

Aufgrund der Interventionen der Europäischen Zentralbank und der überraschend hohen Leidensfähigkeit in den Südstaaten der Eurozone scheint das Risiko aktuell geringer geworden zu sein. Aber: Entweder besitzt der Anleger in dem Moment einer ungeordneten Währungsauflösung Gold und das Metall erfüllt dann wirklich die erwartete Funktion als Wertspeicher, oder er besitzt es nicht. Da weder die Eintrittswahrscheinlichkeit noch die Folgen einer Auflösung des Währungsraums abschätzbar sind, muss der Anleger permanent investiert sein. Auch die beliebten Alternativen der Währungsflüchtlinge haben Licht- und Schattenseiten. Der US-Dollar scheint kurzfristig ein sicherer Hafen zu sein. Langfristig steht das Land, wie alle anderen Industrienationen, vor dem gesellschaftlichen Problem der Nicht-Finanzierbarkeit von Verpflichtungen der sozialen Sicherungssysteme. NOK, AUD und CHF: Teilweise haben diese Währungen sehr stark aufgewertet und die Bewegungen der letzten Wochen zeigen, dass auch hier mit massiven Schwankungen gerechnet und politischen Interventionen gerechnet werden muss. So zeigt der AUD aktuell zweistellige Verluste gegenüber dem Euro. Ironie CHF: Die Schweizer Nationalbank hat ihre Bilanz u.a. mit der Währungen aufgeplustert, die ein Motiv für die Flucht in den Franken waren: EUR und USD. Hat das den Franken für den Extremfall eines Währungszerfalls stabiler gemacht?

Kollaps des Finanzsystems: Ebenfalls ein Ereignis, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenpotential nicht kalkuliert werden kann. Wer Gold für dieses Ereignis als geeigneten Wertspeicher sieht, der muss wohl permanent investiert sein. Es wäre naiv anzunehmen, dass Anleger bei Gold bessere Timing Fähigkeiten haben, als bei Aktien.

Staatliche Enteignung:

Auf Basis von nominellen Sparguthaben und Anleihen hat und findet bereits eine Enteignung auf realer Basis statt. Im Fall einer Vermögensteuer ist ein globaler Zugriff der Staaten auf Konten, Depots und Immobilien via Steuern und Abgaben wahrscheinlich. Aufgrund der Möglichkeit einer bankenunabhängigen Lagerung wäre Gold ein diskreter und legaler Vermögenswert.   

Fazit:

Alles hat seinen Preis. Dieser ist nur nicht permanent sichtbar und wirtschaftlich messbar. Die gleiche Aussage gilt allerdingt auch für den Nutzen. Wenn ich neun Jahre eine Feuerversicherung bezahle und mein Haus nicht abbrennt, dann war es ein wirtschaftlicher Totalverlust. Brennt es im zehnten Jahr ab und der wirtschaftliche Schaden wird durch die Versicherung aufgefangen, dann ist die Betrachtung eine ganz andere. Trotzdem sollten natürlich Höhe und Umfang der Versicherung (=Anteil von Gold im Vermögen) regelmäßig überprüft werden, da sich diese durch Preisbewegungen ändert. Eine Überversicherung kann auch nicht im Sinne des Anlegers sein und ein Rebalancing mit den anderen Vermögensklassen ist dann sinnvoll.

Letztendlich spielt es keine Rolle, was den kurzfristigen Preis eines Vermögenswerts beeinflusst. Die historischen Bewegungen bei Gold und anderen Vermögenswerten zeigen, dass es immer wieder zu Übertreibungen bei Preisentwicklungen kommt. Anleger sollten sich hier nicht von wechselnden Analysen und reißerischen Überschriften leiten lassen.

Daher gilt auch für Gold:

Die Dosis macht das Gift. Es ist ein Instrument der Vermögensanlage und kein Allheilmittel für alle Herausforderungen.  Anleger, die für ihre Bedürfnisse nicht ausreichend physisches Metall besitzen, können die aktuell sehr negative Stimmung nutzen. Bereits stark investierte, denen die Kursbewegungen zu starke Bauchschmerzen verursachen, sollten hinterfragen, ob die ursprünglichen Investitionsmotive noch intakt sind.

Ein Problem von Gold gegenüber seinen großen Konkurrenten Aktien und Anleihen ist das Fehlen eines offensichtlich inneren Wertes. Denn während sich der innere Wert einer Aktie beispielsweise  aus dem hiermit verbundenen Teilbesitz an einem Unternehmen (und den generierten Dividenden) ergibt, erlangt Gold seinen Wert durch die schwankende Wertbeimessung der Gesellschaft (jeder glaubt, dass jeder glaubt, dass Gold wertvoll ist…).