Es heißt, Griechenland steht das Wasser bis zum Hals. Das ist die halbe Wahrheit bzw. eine halbe Lüge. Wenn Griechenland nicht zahlt, weil es nicht zahlen kann, dann steht nämlich den Gläubigern das Wasser bis zum Hals…

Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Irgendwann wird weißer Rauch aufsteigen und die „Erfolge der harten Verhandlungen“ gefeiert. Der Pulverdampf, der keiner war, wird sich als Zuckerstaub in den Lungen der Medien-Konsumenten zu einem wohligen Gefühl wandeln – mit einem “endlich!”

Was ansteht, ist eine Vertiefung der Transferunion. Das Geld, was die Gläubiger erschaffen, wird für einen Moment über Griechenland sofort zurück an die Gläubiger fließen. Diese retten sich damit selbst und nicht etwa  Griechenlands Bürger. Das Geld macht nur einen Umweg. Die Sache ist politisch und eigentlich wieder mal ganz einfach: Scheitern ist eine Option. Derzeit wird nur die entsprechende Unterhaltung in der Sache geliefert, dass es nach einem harten Kampf aussieht. Wie das nervt!

Ach ja, es gab eine Umfrage auf meinem Sender, wonach 94 Prozent der Anrufer sich für ein Ende der Zahlungen aussprechen. Dann bekommen sie es. Das ist fast garantiert, Dinge heute zu bekommen, die die Mehrheit nicht will.

Wenn es denn so schön wäre: Wenn Griechenland nicht zahlt, weil es nicht zahlen kann, dann werden die Schulden eben geschnitten. Dann wird es richtig teuer – und zwar für die Steuerzahler, die ihre Expertisen derzeit an den Stammtischen voller Inbrunst der Überzeugung in die Bierkrüge rülpsen. Die entsprechenden Abgaben für sie sind ja längst in Vorbereitung. Otto Normal wird zudem nörgeln, dass seine Kinder in heruntergekommenen Schulen die Vorteile der EU gelehrt bekommen und er seinen Nachwuchs zweimal täglich durch Schlaglöcher fährt. Und auch, dass Griechen faul und gierig bleiben dürfen, obwohl es vor Ort und in den Geldbörsen der Leute teilweise so aussieht wie in Bitterfeld zu DDR-Zeiten.

Hoppla! Man gibt sogar Fehler der sich heute als Institutionen nennenden Protagonisten zu. Der Kleine zahlt dort die Zeche in Form von Lohn – und Rentenkürzungen bei exorbitant gestiegenen Steuern und Abgaben. Was für eine Erkenntnis! Es gab für diejenigen mit Geld und die 1.000 Oligarchen genügend Zeit, ihre Ersparnisse in Sicherheit zu bringen – nach London, in die Schweiz oder in den deutschen Immobilienmarkt. Und Herr Papandreou, der mit der ewig fliederfarbenen Krawatte, bekam damals von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann irgend eine Auszeichnung aus Blech in Berlin. Damals sagte Papandreou, jeder Euro wird zurückgezahlt. Ehrenwort!

Während Herr Ackermann damals seine Schuldscheine der öffentlichen Hand übereignet hat, sendet diese nun aus dem Nichts geschaffenes Geld, um nicht aufgrund eines Schuldanschnittes nackig in den Erbsen zu sehen. Was für eine widerliche Vorstellung! Aber wer begreift das schon? Wirtschaftlich ist die Lage klar: Griechenland ist pleite. Politisch ist die Lage ebenso klar: Griechenland darf nicht pleite sein! Und darauf läuft es hinaus. Wie immer. Der Rest ist Zeitverschwendung. Fahren Sie Fahrrad! Gehen Sie spazieren! Kochen Sie Erdbeermarmelade oder verschlafen Sie die Zeit einfach. Alles bleibt gut, bis es nicht mehr gut bleibt.

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