Für mündige Anleger gibt es das Problem nicht – Inzwischen viele unabhängige und kostenlose Info´s, Ratings und Einschätzungen – Die „Kostenlos-Kultur“ sitzt tief – Eventuell hier beraten lassen und dort kaufen?

Seitdem der Schreiber dieser Zeilen seine Banklehre absolvierte hat sich die Welt der Anlageberatung mächtig verändert. Geblieben ist allerdings die einzementierte Erwartung der Geldanleger, dass die Beratung durch seine Bank kostenlos erteilt wird - jedenfalls ohne ersichtliche und in irgendeiner seiner Kaufabrechnungen auftauchende Kosten. Das ist der Ansatzpunkt für die immer größer werdende Schar der Befürworter einer Anlageberatung gegen ein offenes Honorar, eventuell also auf Stundenbasis mit Sätzen von 100 oder 150 Euro.

Es sollte nicht, so diese Berater-Spezies, eine angeblich kostenlose Beratung vorgegaukelt werden und dann beim Kauf der Kunde, ohne das dies in der Kaufabrechnung ersichtlich wird, über im Kaufpreis enthaltene mehr oder minder hohe Provisionen über den Tisch gezogen werden. Denn das führe dazu, dass der Anleger nicht wirklich objektiv beraten werde sondern ihm Produkte empfohlen würden, bei dem der Berater die höchsten Provisionen vereinnahmen könne.

Beratung und Produkt trennen

Es sollten, so die Honorarberater, die Beratung und das Produkt getrennt werden. Es wird nach den persönlichen Gegebenheiten beim Kunden beraten und entschieden über die Anlage und der Beratungskunde zahlt dann ein Beratungshonorar. Nur so werde, so die „honorigen“ Berater, wirklich optimal für den Kunden entschieden. Klingt gut, nur darf bezweifelt werden, ob ein solches Umschalten von der gewohnten „Kostenlos-Beratung“ hin zu einem offen in Rechnung gestellten Beratungshonorar, wirklich funktioniert. Diese Zweifel nähren sich aus unterschiedlichen Quellen.

Zum einen sind wir es alle gewohnt, am Bankschalter kostenlose Expertise zu erhalten. Wenn das plötzlich nicht mehr der Fall sein sollte, wird todsicher jeder überlegen, wie er um das geforderte, ungewohnte Beratungshonorar herumkommt. Das wird verstärkt durch das unterschwellig sowieso vorhandene Unbehagen, wieso ihm bei seiner Volksbank immer nur Fonds der Union Investment, bei der Deutschen Bank nur DWS-Fonds und bei den Sparkassen nur Fonds der Deka empfohlen werden; oder seien wir genauer, empfohlen wurden. Denn auch hier hat sich die Welt schon gewandelt.

Immer mehr Selbstentscheider

Inzwischen werden die Grenzen fließender. Allein schon dadurch, dass es inzwischen für jeden Anleger – nicht nur im Web, auch in den Gazetten -  einsehbare Rennlisten, Ratings, Performance-Tabellen, Muster-Portfolios für unterschiedliche Anlegerkategorien und derlei gibt; all das liefert dem Investor schon klare Hinweise auf die Art und Qualität der einzelnen Anlageprodukte, zum Beispiel Investment-Fonds. Soll heißen, der Anleger ist wesentlich informierter, wenn er denn nur will. Viele Anleger sind zu Selbstentscheidern geworden und geben durchaus einiges Geld dafür aus, sich selbst gut zu informieren und eine Anlageentscheidung in Ruhe vorzubereiten.

Und in der Stufe zwei wissen immer mehr Anleger auch, dass sie Anlageprodukte nicht unbedingt bei ihrer alten Hausbank um die Ecke kaufen müssen, bei der sie seit Jahren und Jahrzehnten ihr Gehaltskonto etc. laufen haben. Discount ist nicht nur bei den Gütern des täglichen Bedarfs eine Modewort, sondern inzwischen auch im Banking, für das Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren. Hier spielt es gegen die Honorarberatungsfans, dass viele dieser Häuser große Listen von Fonds ins Web setzten, die über sie ohne jeglichen Ausgabeaufschlag oder zu nur minimalen Gebühren erworben werden können. Und so wie die Verbraucher sich Geräte im Fachhandel ansehen und empfehlen lassen, anschließend diese dann jedoch im Web bei Amazon & Co. kaufen, genau so lassen sich viele Kaufwillige von ihrer Bank einen Rat geben und kaufen dann bei den Banking-Discountern. Der Kunde, auch jene der Banken, sind halt wesentlich informierter und selbstbewusster als früher.

Anleger greifen zu kostengünstigen ETF´s

Nur am Rande sei erwähnt, dass die Finanzbranche selbst, meist aber eben Töchter oder Schwester-Gesellschaften der Etablierten, vor dem Hintergrund dieser Kosten- bzw. Provisionsüberlegungen selbst „Billig-Produkte“ entwickelt haben. Die Zweifel zum Beispiel daran, das ein Fondsmanagement es schafft, regelmäßig besser abzuschneiden als der jeweilige Referenzindex, hat die sogenannten ETF´s, die mit nur geringsten Verwaltungskosten ausgestatteten Index-Fonds entstehen lassen. Dieser Markt expandiert mächtig, getrieben von den Performance-Zweifeln an den Fondsmanagern und eben dem Kostenargument. Alles Entwicklungen, die der eigentlich logischen und zu befürwortenden Idee einer Honorarberatung Gegenwind bringen. Auch hier kann es heutzutage eben passieren, dass ein Anleger nach der Empfehlung seines Anlageberaters für sizilianische Weingüter am häuslichen PC googelt, ob es denn auf diese Aktienkategorie nicht einen netten ETF gibt.

Fazit: Derschreiber dieser Zeilen glaubt nicht, dass der Honorarberatung der große Durchbruch gelingt. In Stichworten:

  • Anleger sehen die kostenlose Beratung als ihr Gewohnheitsrecht (und menschliche Gewohnheiten zu ändern ist....)
  • Anleger sind kritischer, aufgeschlossener und besser informiert als früher
  • Anleger greifen zu preiswerten Produkten
  • Anleger schauen über den Tellerrand und beachten nicht nur die Möglichkeiten und Angebote ihrer Hausbank
  • Viele wichtigen Bewertungen, Klassifizierungen, Ratings und Rankings fallen vom Web-Himmel
  • Aufgrund der genannten Punkte kommt die sicher oft gerechtfertigte Kritik am bisherigen Verhalten vieler Banken zu spät.(Andererseits ist die pauschale Kritik an vielen Bankanlageberatern, die seit Jahrzehnten um das Wohl ihrer Clientel bemüht sind, auch oft stark übertrieben)
  • Viele Banken bieten inzwischen gruppenübergreifend die besten am Markt vorhandenen Produkte an (die Kritik hat also schon vieles bewirkt)

Die wesentlich verbesserten Möglichkeiten zur Einschätzung der unterschiedlichsten Geldanlagen hat das Thema Provisionen zumindest für den mündigen Anleger in den Hintergrund treten lassen. Dazu wollen auch Informationsangebote wie cashkurs beitragen