Bei der Eroberung Lateinamerikas ließen die Spanier Platin links liegen und stürzten sich lieber auf andere Schätze. Wegen seiner gräulichen Farbe hat Platin nie die Faszination ausgestrahlt wie Silber oder Gold. Dabei ist es das teuerste und seltenste Edelmetall, das dieser Planet hervorbringt. In Sachen Wertentwicklung braucht sich Platin jedenfalls nicht zu verstecken. Die Feinunze kostet rund 1.700 Dollar, 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit ist der Platinpreis deutlich stärker gestiegen als der von Gold.

Eine Eigendynamik sehen Edelmetallexperten allerdings nicht, auch wenn Platin sehr viel stärker industriell genutzt wird als beispielsweise Gold. Die Bedeutung von Platin wurde erst spät erkannt, wahrscheinlich deshalb, weil sich die Gewinnung kompliziert darstellt. Um ein Gramm Platin zu gewinnen. Müssen zehn Tonnen Gestein gebrochen werden. Bei Gold sind es „nur“ drei Tonnen.

Zudem muss das reine Edelmetall aus Platinmetallen heraus raffiniert werden. Zu dieser Platinfamilie gehören unter anderem Palladium, Rhodium, Ruthenium, Osmium oder Iridium. Wegen seiner Festigkeit und wegen des geringen Abriebs verwandten die Franzosen Platin, um aus ihm im Jahr 1795 das genormte Ein-Kilo-Gewicht zu erstellen. Seit man in den Jahren danach lernte, wie man das Metall schmieden kann, konnte Platin seinen Siegeszug antreten.

In der jüngeren Vergangenheit profitierte Platin vor allen Dingen vom Autokatalysator und vom Dieselrußfilter. Während bei den Benzinern Platin durch das sehr viel billigere Palladium ersetzt werden kann, geht das beim Diesel nicht. Der kontinuierliche Anstieg des Dieselanteils hat die Platin-Nachfrage deutlich erhöht. Die Krisen bei den Autoriesen hatten dementsprechend die Preise für Palladium und Platin zwischenzeitlich unter Druck gesetzt.

Ansonsten findet sich Platin überall dort, es  absolut sauber zugehen muss. Korrosionsfreie Elektrokontakte werden ebenso aus dem weißen Edelmetall hergestellt, wie Herzschrittmacher oder Gehirnsonden. In der Zahnmedizin wird Goldzähnen Platin beigemischt, um die Beißfestigkeit zu erhöhen.

Auch Palladium wird in der Medizin verwandt, unter anderem für chirurgische Instrumente.

Rhodium wirkt in Platin und Palladiumlegierungen festigkeitssteigernd. Es findet sich in Heizspiralen, Laborgeräten, Thermoelementen und vielen anderen industriellen Anwendungen. Alle Metalle der Platinfamilie dienen in der Chemie als Katalysator.

Wegen der guten Verträglichkeit ist Rhodium als Material für Piercingschmuck sehr beliebt. Überhaupt hat die Platinfamilie erst eine vergleichsweise kurze Geschichte als Schmuckmetall. Palladium ist der „Weißmacher“ für Gold.

Anfang des 20. Jahrhunderts stellte Louis Cartier die erste erfolgreiche Schmuckkollektion aus Platin vor. Der Untergang der Titanic machte Platin zum angesagten Mode-Accessoire, da aus dem weißen Metall Schmuck hergestellt wurde, der auch „in Trauer“ getragen werden konnte. Elvis Presley war der wohl berühmteste „Promi“, der einen Ehering aus Platin trug.

Inzwischen wird etwa ein Drittel des geförderten Platins für Schmuck verwendet. Die Juweliere sind von diesem Trend nicht begeistert, weil der hohe Einkaufspreis die Gewinnmargen belastet.

Platin unterliegt beim Kauf wie Silber auch und im Gegensatz zu Gold der Mehrwertsteuerpflicht. In Münz- oder Barrenform hat es sich nicht durchgesetzt und führt eher ein Exotendasein. Als Wertanlage kann man ebenso wie bei anderen Metallen neben dem physischen Besitz in Zertifikaten (Achtung Emittentenrisiko!!!) investieren oder ein Metallkonto führen, dass wie ein Sparbuch funktioniert und als Währung im entsprechenden Rohstoff geführt. Zinsgewinne gibt es keine. Nur die Wertsteigerung bringt die Rendite.