Mit diesem Rohstoffexplorer erzielen Sie 1000% Gewinn – Sofortiger Kauf!

… so oder so ähnlich lauten die Schlagzeilen der Marktschreier unter den kostenlosen Börsenbriefen! Kostenlose Börsenbriefe gibt es zuhauf. Viele von ihnen sind lesenswert, doch leider gibt es auch hier schwarze Schafe. Gerade, wenn sich ein kostenloser Börsenbrief ausschließlich mit ausländischen Rohstoffaktien befasst, sollte bei Ihnen auf jeden Fall nach dem Motto „Vorsicht ist besser als Nachsicht“ gehandelt werden. Wenn dann zusätzlich zu den besprochenen Aktien noch Kaufempfehlungen mit einem ähnlichen Slogan wie die heutige Überschrift dieses Artikels versehen werden, hat das Ganze bereits einen faden Beigeschmack. Blicken Sie als Erstes in das Impressum des jeweiligen Börsenbriefes. Finden Sie hier einen Sitz auf den Cayman Islands, einer Limited in England, die Anguilla British West Indies oder sonstige Domizile vor, so dürfen bei Ihnen die Alarmglocken klingeln! In der Regel besprechen diese kostenlosen Börsenbriefe meist Rohstoffaktien aus den USA & Kanada. Ziel der Besprechung ist es, Ihnen die wertlosen Aktien durch schmackhafte Eyecatcher in Form der reißerischen Überschrift und wenig tiefgründiger Recherche unterzujubeln!

Entweder wurde der Börsenbrief quasi vom Auftraggeber in wertlosen Aktien oder in Cash bezahlt. Die wertlosen Aktien möchten die dubiosen Ersteller des Börsenbriefes natürlich gewinnbringend an den deutschen Anleger bringen. Das „stupid german money“ hat in der kanadischen sowie amerikanischen Pennystockscene nicht umsonst einen heiß geliebten Ruf. Wurde der Börsenbrief vom Auftraggeber, welcher die Firma selber oder aber große Altaktionäre sein können, bezahlt, so geht es meist darum, den Kurs durch kurstreibende Nachrichten in die Höhe zu schreiben. Am Hoch einer Bewegung machen die Initiatoren des Pushs dann Kasse. Die Herausgeber des Börsenbriefes haben ein Honorar für die Berichterstattung erhalten und gleichzeitig freut sich der Auftraggeber über den gelungenen Aktienpush. Wenn Ihnen solch ein Börsenbrief in die Finger gerät, achten Sie auf jeden Fall auf den Disclaimer. Der Börsenbrief ist verpflichtet, bestehende Interessenskonflikte gegenüber seinen Lesern deutlich zu machen. Finden Sie im Disclaimer des Briefes weder einen Hinweis auf gehaltene Aktien des besprochenen Unternehmens, noch auf einen Honorarhinweis, so können Sie zu 99,9% sicher sein, dass es sich bei dem besprochenen Unternehmen um pure Abzocke handelt. Die Informationen des Börsenbriefes bezüglich der besprochenen Firma können Sie dann eigentlich ungelesen in den Müll befördern. Die in Aussicht gestellten 1000% Gewinn werden sich letztendlich als 100% Verlust für den „dummen deutschen Käufer“ entpuppen!

Sind im Disclaimer die bestehenden Interessenskonflikte tatsächlich aufgelistet, so sollten Sie hier einmal genauer hinschauen. Hier sollte der kostenlose Börsenbrief ausdrücklich darauf verweisen, in welcher Form er vom Auftraggeber bezahlt wurde. Entweder wird darauf verwiesen, dass der Auftraggeber die Berichterstattung finanziell begleitet oder sie in Form von Aktien bezahlt. Durch diesen Hinweis wissen Sie dann immerhin woran Sie sind. Kritische Fragen gegenüber dem analysierten „Rohstoffexplorer“ werden Sie im Bericht wahrscheinlich trotzdem nicht vorfinden.  

Nun sollten Sie sich an die weitere Recherche begeben. Gehen Sie dazu wie im ersten Teil dieser Serie beschrieben vor. An welcher Börse ist die Aktie primär gelistet? Handelt es sich um ein amerikanisches oder kanadisches Unternehmen? Sind die Umsätze an der Heimatbörse höher als in Deutschland? Falls nein, ist dies ein weiteres Indiz auf einen promoteten Wert aus Deutschland!  Wie viel Cash weist die Bilanz aus und wie viele Aktien stehen aus? Wenden Sie hierzu die Informationen des zweiten Teils dieser Serie an! Will Ihnen der kostenlose Börsenbrief einen Rohstoffexplorer schmackhaft machen, welcher annähernd über kein Cash verfügt oder über 100 Mio. Aktien ausstehend hat? Spätestens dann sollten die Alarmglocken ein weiteres Mal klingeln.

Fazit: Achten Sie bei jedem kostenlosen Börsenbrief auf das Impressum. Liegt dieses in den oben angesprochenen Domizilen, sollten Sie mit höchster Aufmerksamkeit weiter lesen. Weist der Autor mögliche Interessenskonflikte aus? Können Sie diese Frage mit „nein“ beantworten, so können Sie in der Regel sicher sein, dass hier gelogen wurde! Sind Interessenskonflikte ausgewiesen, hinterfragen Sie immer, wieso das analysierte Unternehmen für die Berichterstattung zahlt? Achten Sie darauf, um was für einen Rohstoffexplorer es sich handelt. Wo liegt die Heimatbörse, wie hoch sind hier die Umsätze und wie hoch sind die bestehenden Cashpositionen des Explorers oder vermeintlichen Produzenten? Wenn Sie diese Tipps beim nächsten kostenlosen Börsenbrief beherzigen, werden Sie schnell lernen, die guten von den weniger guten Briefen zu unterscheiden!

Ausdrücklich möchte ich aber an dieser Stelle darauf verweisen, dass nicht alle kostenlosen Börsenbriefe fragwürdig sind! Viele kostenlose Publikationen gibt es im deutschsprachigen Raum die über Rohstoffexplorer- und Produzenten berichten! Viele dieser kostenlosen Börsenbriefe verweisen ausdrücklich in ihrem Disclaimer auf §34 des Wertpapierhandelsgesetzes. Dieses verpflichtet, alle offenen Interessenskonflikte offen zu legen. Ohnehin ist es nicht verwerflich, wenn ein seriöses Unternehmen für eine Berichterstattung in einem kostenlosen Börsenbrief bezahlt. Die kostenlosen Börsenbriefe müssen sich schließlich auch finanzieren. Wenn der Autor dann auch noch ausdrücklich darauf verweist, steht der spannenden Recherche nichts mehr im Wege. In meinem Trendspekulant INSIDE Börsenbrief verweise ich in jeder Ausgabe auf mögliche Interessenskonflikte. Dieses tue ich ohnehin gerne, da jede Transaktion von mir persönlich real an der Börse getätigt wird. Jeder kostenlose Börsenbrief sollte ähnlich handeln, denn dann wäre das ein positiver Schritt in Richtung einer klaren Transparenz gegenüber dem Leser!

Beitrag senden Beitrag drucken