Als ich vor einem Jahr meine Sommer-Serie zum Thema „Silber für Anfänger“ schrieb, dachte ich gar nicht, wie schnell sich die Dinge verändern. Inzwischen zeigt unser Geldsystem seine Fehlkonstruktionen mehr oder weniger offen und in unterschiedlichen Fassetten. Immer öfters muss es mit Notnägeln, Rettungsschirmen und Milliardenkrediten zusammengehalten werden, während die Politik den Fokus auf das „Positive“ lenkt. Der sture Autor dieser Zeilen bleibt skeptisch. Einerseits funktionieren Wirtschaften nicht losgelöst ökonomischer Gesetze, was auch zu langen Erholungen führt, andererseits taucht die Überschuldungsproblematik immer häufiger auf, verändert den Alltag und inzwischen auch gesellschaftliche Verhältnisse. In Sachen Erspartes gibt es heute größere Herausforderungen als früher. Ich bleibe dabei: Gold bleibt die beste Versicherung, nur übertroffen vom Silber – und das nicht nur wegen des Preises.

Schuldenfrei zu sein, heißt frei zu sein und ein Mehr an Lebensqualität. Doch ist man damit auch schuldenfrei? Mitnichten. Das, womit wir täglich unsere Einkäufe bezahlen und was wir für schlechte Zeiten zur Seite legen, ist im herkömmlichen Sinne gar kein Geld, sondern Kredit mit einem Schuldner dahinter. Die Guthaben des einen sind die Schulden des anderen. Sind Schulden nicht zu bedienen, fallen Guthaben aus. Diese Grundkonstruktion unseres Papiergeldes ist nicht einfach zu verstehen. Doch hat man es einmal verstanden, wird klar, warum Papiergeldsysteme immer wieder scheitern. Guthaben und Schulden löschen sich dann aus. Und dagegen ist kein Kraut gewachsen. Vielleicht hatten die Götter einen guten Tag, als sie Gold und Silber im Erdinneren verbuddelten.

Immer wieder heißt es, bei Edelmetallen würde es sich um eine Blase handeln. Selbst bei kritischer Betrachtung ist das Unfug. Wo sich Blasen befinden, ist kaum ersichtlich, denn wir stecken mitten in Blasen wie in einem Wald, in dem man die Bäume sucht. Echte Blasen gibt es im Bereich der Schulden und der Anzahl der falschen Experten, die sich zwar mit Finanzdingen beschäftigen, doch von der Realität regelmäßig überrollt werden und es nicht merken.

Unser Geldsystem wächst seit geraumer Zeit schneller als die Summe aller Wirtschaftsgüter. Und es ist in die Tage gekommen. Es wird Zeit, sich um sein Erspartes zu kümmern. Wenn die Schwierigkeiten in den Schlagzeilen stehen, sollte man das erledigt haben. Was ist ein geeigneter Wertspeicher, wenn es das normale Geld nicht mehr ist? Es bleiben nur Sachwerte. So sind Edelmetalle seit Generationen ein beständiges Gut - klein, kompakt, fungibel und mit einer hohen Wertdichte. Immobilien, die momentan als heißer Inflationsschutz gehandelt werden, sind im monetären Sinne Verbrauchsgegenstände und wie der Begriff schon sagt: immobil. Taugen Aktien als Wertspeicher? Ich bin mir nicht sicher. Viele Unternehmen wird es in zehn Jahren gar nicht mehr geben. Zudem muss man den Chefs ständig auf die Finger schauen. Andere Sachwerte sind zu voluminös, um damit Ersparnisse zu speichern. 1.000 Euro kaufen heute 1.000 Raviolibüchsen. Mahlzeit. Als kompakte Wertspeicher haben Gold, Silber, Platin, Palladium und auch Edelsteine sowie Kunst ihre Vorteile, wobei man in Sachen Kunst und Diamanten wahnsinnig viel wissen muss. Die einfachsten Wertspeicher bleiben Gold und Silber, wovon Silber im Vergleich zu Gold 70-mal preiswerter ist.

Geldfraß

Edelmetalle sind die natürlichen Feinde des Papiergeldes. Deshalb warnen viele Adressen der Papiergeldindustrie davor, als ob es sich um radioaktiven Müll handeln würde, wobei die meisten Experten dort weder das Geldsystem noch den Metallmarkt verstehen. Keiner kann sagen, was heutiges Geld später wert sein wird, wenn man es braucht. Vielleicht heißt der Euro dann NukNuk?

Goldmünzen kosteten vor einem Jahr 670 Euro und Silberunzen wurden bei 12,30 Euro gehandelt. Der Preis beider Metalle legte binnen eines Jahres um bis zu 50 Prozent zu, was nicht von ungefähr kommt...

Gold (EUR) 12-Monate

Silber (EUR) 12-Monate

Das mag alle freuen, die vor einem Jahr bereits Münzen oder Barren gekauft hatten. Die Charts zeigen aber eigentlich etwas anderes: Edelmetalle haben gegenüber dem Papiergeld aufgewertet. Papiergeld hat abgewertet. Käufer mussten von Monat zu Monat mehr und mehr auf den Tisch legen, um eine Einheit Metall zu bekommen. Dreht man die Charts auf den Kopf, erkennt man die Schwäche des Euro gegenüber einer Einheit des Metalls.

Chart Gold auf dem Kopf

Chart Silber auf dem Kopf

Wer sich für Edelmetalle entscheidet, entscheidet sich meist bewusst gegen Papiergeld. Er tauscht Geld, hinter dem nichts steckt außer spröder werdendes Vertrauen, gegen eine anfassbare Sache, ohne Schuldner oder die Gefahr des Ausfalls. Natürlich lässt sich auf die Preise der Metalle spekulieren. So ein schneller KO-Schein, eine nette Option oder ein Papierchen mit oder ohne Bonus, Puffer und Discount kann ganz heiter sein. Ob long oder short – das Geld ist fort und das manchmal schnell. Doch darum soll es in meiner Sommerserie gar nicht gehen. Vielmehr sollen Sparen und Investieren im Vordergrund stehen - also etwas ganz langweiliges...

Investieren – spekulieren

Investoren sind meist die besseren Anleger und oft auch diejenigen mit mehr Zeit und besserem Nervenkostüm. Zum Investieren eignen sich Dinge, deren Preis steigen wird, weil es einen triftigen Grund dafür gibt. Bei Edelmetallen liegt dieser Grund im Weichmacher der Papierwährung, dem Zins und Zinseszins. Geld kann heute soviel hergestellt werden, wie es deren Hüter für richtig halten. In ihrer Geldbäckerei setzen sie einen Hefekuchen an und stellen diesen warm. Irgendwann tropft der Teig über den Rand der Schüssel und es gibt eine große Sauerei. Statt aber die Temperatur zu drosseln, erhöhen die Hüter der Schüssel diese weiter und rühren emsig Mehl und Zucker dazu. Und dann ist es angerichtet.

Investoren denken nach, bevor sie handeln. Trader tun das auch. Oft bezieht sich ihr Handeln auf meist kurze Zeiträume. Sie schauen auf Linien, Formationen, Überkauftheiten und andere Signale, die einem Investor nicht so wichtig sind. Er kauft bei Gelegenheiten und nur dann, wenn er Unterbewertungen entdeckt. Trader verbringen den Großteil ihrer Zeit vor dem Computer - Investoren oft mitten im Leben.

Zum Investieren braucht man etwas, was zu billig ist und sich das Missverhältnis in absehbarer Zeit aufheben wird. Goldinvestoren finden Gold preiswert und gegenüber dem Papiergeld zu billig. Silberinvestoren denken das Gleiche, vergleichen aber die Nützlichkeiten beider Metalle. Sie stellen dabei fest, dass Silber überaus nützlich ist und sich die Industrie einen größer werdenden Teil der jährlich rund 20.000 Tonnen, die aus der Erde geholt werden, reserviert. Silber ist ein Metall, das durch kaum ein anderes Metall ersetzt werden kann. Für Investitionszwecke stehen dem Markt rund 170 Millionen Unzen zur Verfügung.

Als Investor braucht man Geld, eine Idee, Zeit und Geduld. Wer Geld hat, bringt oft keine Geduld mit. Wer Zeit und Geduld mitbringt, dem fehlt oft das nötige Geld. Glücklich kann sich der schätzen, wer über ein regelmäßiges und auskömmliches Einkommen verfügt. Wenn man dann davon weniger ausgibt, wachsen sogar die Ersparnisse. Puhhh... Ist das kompliziert... Nicht wahr? Großeltern wissen in dieser Frage meist noch guten Rat.

Als Investor muss man etwas finden, was mit hoher Wahrscheinlichkeit später teurer wird. Während sich die meisten Anlageklassen einfach produzieren bzw. reproduzieren lassen, trifft das auf Edelmetalle nur in beschränktem Maße zu. Weltweit werden weit mehr Häuser, Aktien, Anleihen und synthetische Derivate geboren als gelbes oder weißes Metall. Sie bleiben selten, eine Eigenschaft die auch auf Geld zutreffen sollte, es aber nicht mehr tut.

Jetzt kommt wohl das Schlimmste an der ganzen Sache: Zeit und Geduld. Beides bekommt man nicht mal nebenbei im Supermarkt. Geduld ist ein Band, das sich vom Beginn einer Idee bis hin zum Eintreten des vermuteten Ereignisses um die Uhrzeiger wickelt. Wie oft reißen Geduldsfäden? Geduld ist vielleicht sogar ein Freund der Sturheit, Wege laufen zu können und gleichzeitig entgegen kommenden Fußgängern, Joggern und Fahrradfahrern auszuweichen. Ohne Geduld kann man eine Flinte sofort ins Korn werfen. Und davon sind viele unterwegs...

Gegenverkehr

Ich gebe den Gold – und Silber-Bashern wie denen von „finanztest“ recht. Münzen kann man nicht essen. Ob Finanzstar Tenhagen Aktien und Anleihen im Fall der Fälle körperlich besser „verwerten“ kann, bleibt Spekulation. Das mit dem „wirft keine Erträge ab“,  hat sich inzwischen als Falschaussage herausgestellt. Vielleicht hatte ich auch nur Glück, diesen „Mist“ auf diesen Seiten immer mal wieder empfohlen zu haben. Dabei setzte ich auf Logik. Und das mit dem „hochspekulativ“ - naja, das trifft inzwischen auf Staatsanleihen zu.  Heute zählen Gold und Silber auf einmal auch zum „sicheren Hafen“. Komisch. Zur Erinnerung: Es ist nur ein einziges Jahr vergangen.

1.000 Euro kauften vor einem Jahr 80 echte Unzen Silber. (a 12,30 Euro) Beim heutigen Preis von durchschnittlich 18 Euro bekommt man noch 55 Feinunzen, obwohl von einer Inflation weit und breit offiziell nichts zu sehen ist. Expertenrat: Edelmetalle werden immer dann teurer, wenn die Inflation kommt. Dass die Experten Inflation mit Teuerung verwechseln, lassen wir an dieser Stelle mal unkommentiert. Nach offizieller Lesart gibt es derzeit keine Inflation. Trotzdem sind die Metalle teurer geworden. Für 100 Euro bekommt man heute 150 Gramm Silber. Vor einem Jahr waren es noch 250 Gramm. Wer seine 100 Euro monatlich nicht in Papierverträgen spart und Silberunzen kauft, sammelt aufs Jahr gesehen zwei Kilogramm des weißen Metalls zusammen (2009: 3 Kilo). Da unser Papiergeldsystem schon in die Jahre gekommen, sein Getriebe ständig Öl verliert und nach noch mehr Schmierstoffen verlangt, lagen und liegen Sachwerte gut im Rennen - als Sicherheit für den Fall der Fälle.

Die Frage ist doch, ob unser Währungssystem bis zur Rente durchhält? Wir wissen es nicht, auch nicht, was wir für hundert Euro im Jahr 2030 bekommen. Eine Bratwurst? Oder nur das Brötchen? Gesichert ist aber, dass auch im Jahr 2030 eine Unze eine Unze sein wird. (31,1 Gramm). Ein Kilogramm wird dann wohl auch einem Kilogramm entsprechen, außer der Staat mischt sich hier auch noch ein…

Aktuell dreht sich die Diskussion auch um die Mehrwertsteuer. Für Silberinvestoren ist das wichtig, zahlt man doch für Münzen sieben Prozent Märchensteuer und für Barren 19 Prozent. Vielleicht wird der Satz ja bald schon von sieben Prozent auf 19 Prozent angehoben und dann alle Sätze über die 20-Prozent-Marke gedrückt? Es würde die Preise von derzeit 18 Euro auf über 20 Euro pro Feinunze verteuern, ohne dass sich der Spot-Preis bewegt. Vielleicht betrifft es künftig auch Gold? Bis auf wenige Ausnahmen wird Gold mehrwertsteuerfrei verkauft. Noch. Ich würde nicht ausschließen, dass sich das ändert. Doch dazu später mehr im  nächsten Teil meiner Sommer-Serie. Da der Autor dieser Zeilen, unter dem Sie wahrscheinlich ebenso leiden wie er selbst, nichts Besseres zu tun hat, schickt er in den kommenden Tagen immer mal wieder einen Beitrag zum Thema Silber heraus, sozusagen eine Bedienungsanleitung für die Nicht-Silberbugs. Viel Spaß damit...!