Link: Investieren in Silber (Teil 1) – Die ersten wichtigen Schritte (Frank Meyer)

Link: Investieren in Silber (Teil 2) – Der Silbermarkt (Frank Meyer)

Investieren in Silbermünzen

In den ersten beiden Teilen meiner Sommerserie ging es um Silber als Wertspeicher und um den Silbermarkt, der wesentlich kleiner ist als die meisten denken. Zur Erinnerung: Investoren stehen weltweit rund 200 Millionen Unzen zur Verfügung. In Münzform sind es rund 70 Millionen, also für jeden Deutschen eine einzige Unze. Im heutigen dritten Teil soll es um Standardmünzen gehen, also um Silber für Anfänger.

Das Sammeln von seltenen Münzen überlassen wir erst einmal den Numismatikern. Es ist eine eigene Wissenschaft und eine teure dazu. Doch Vorsicht! Viele derer, die einmal mit dem Sammeln angefangen haben, übertreten früher oder später die Grenze einer gewissen Leidenschaft, die dann kostspieliger sein kann als eine aufregende Beziehung. Das nur nebenbei. Die Fragen, die Anfänger meist stellen sind: Wo bekommt man günstig Silber? Was wäre ein vernünftiger Preis? Was soll man beachten? Und vor allem: Welche Münzen und Barren taugen als Anlage? Es ist gar nicht so kompliziert. Los geht`s!

Die Vielfalt der Silbermünzen atemberaubend. Als Anleger kommt man schnell durcheinander. Es gibt ein Füllhorn verschiedener Prägungen unterschiedlicher Größe und Seltenheit, verschiedene Motive, Nennwerte und auch Farben. Man muss das Thema aber definitiv nicht studiert haben, um in Silber investieren zu können. Zu Beginn reicht es, sich auf vier Standardmünzen zu konzentrieren. Zuschlagen sollte man dann, wenn sie preiswerter geworden sind. Wann sind sie billig? Na, Sie stellen Fragen! Silbermünzen kosteten vor fünf Jahren noch weniger als zehn Euro. Vor wenigen Wochen sprang der Preis über die Marke von 20 Euro. Jetzt kommen die Preise aber wieder etwas zurück. Silbermünzen kosten gerade um 16,50 Euro.

Bezahlen können Sie damit nirgendwo. Dafür halten wir modernen Menschen buntes Papier mit runden Zahlen vorrätig, das immer mal wieder in Schwierigkeiten kommt. Heutiges Geld ist eine Frage des Vertrauens. Mehr nicht. Silbermünzen haben im Alltag längst ihre Funktion als Zahlungsmittel verloren, nicht aber ihre Eigenschaft als Wertspeicher, was man vom heutigen Geld nur bedingt und mit vielen Einschränkungen behaupten kann. Papiergeld stirbt immer wieder. Wer Silber kauft, entscheidet sich entweder ganz bewusst gegen Papiergeld als Wertspeicher oder aber für ein Investment in ein Metall, das im Vergleich zu anderen Metallen selten ist - und nach der unmaßgeblichen Meinung des Autors dieser Zeilen zu billig, vergleicht man Silber mit anderen Anlageklassen. Edel ist es auch noch – in Bezug auf seine chemischen und physikalischen Eigenschaften. Dieses Thema reiche ich in einem weiteren Teil dieser Sommerserie nach.

Wer sich für ein Investment in Silber entschieden hat, sollte zuerst „Klimpergeld“ kaufen, also Ein-Unzen-Stücke (31,1 Gramm). Die erste Kaufmannsregel besagt, dass im Einkauf der Gewinn liegt. Fällte der Preis noch tiefer als 16,50 Euro? Kann sein. Wenn ja – prima! Eine Sache erscheint mir wichtig – nämlich ob man Münzen über das Internet kauft und dabei Spuren hinterlässt, oder ob man es anonym erwirbt und auch verwahrt. Natürlich ist es nett, für eine Unze den geringsten Preis zu bezahlen. Doch wer weiß dann davon, dass man Silber besitzt? Geht es jemanden etwas an? Goldbesitzern wurde das gelbe Metall schon verboten. Silber wurde noch nicht kriminalisiert, was allerdings auch keine Garantie für die Zukunft sein muss. Mit zunehmender Überwachung und Durchleuchtungsmöglichkeiten der gläsern gemachten Bürger bleiben später vielleicht Diskretion und Anonymität auf der Strecke. Die heute günstigste Unze im Internet mag ein Schnäppchen sein oder Quell ausgelassener Heiterkeit. Doch ist es das morgen auch noch, wenn es zu Begehrlichkeiten von welcher Seite auch immer kommen kann?

Das Einmaleins der Standardmünzen

Die gängigsten für Investoren geeigneten Silbermünzen sind: American Eagle (USA), Maple Leaf (Kanada), Libertad (Mexiko) und Philharmoniker (Österreich). Mehr muss man erst einmal nicht wissen. Hier bekommt man am meisten Silber für sein Geld. Im Internet lassen sich heute auch Preise vergleichen. Sie liegen von Händler zu Händler oft weit auseinander. Vergleiche bieten unter anderem folgende Portale: www.silber-investor.de , www.silber.de oder www.bullionpage.com. Der normale Silberanleger greift anfangs besser zu diesen Standardprodukten. Das Dumme an Silber ist, dass auf Münzen gegenwärtig nicht nur sieben Prozent Mehrwertsteuer anfallen, sondern auch noch Prägekosten und die Marge für den Händler. Das verteuert eine Unze von 13,60 EUR (Spot) um rund 20 Prozent. Mit der wachsenden Zahl an Händlern stieg auch deren Konkurrenz untereinander. Damit schmolz ein Teil ihrer Marge ab - zum Vorteil der Kunden. Zudem können Kunden Münzen auch schneller wieder zu jetzt besseren Preisen verkaufen. Doch warum sollte man das jetzt tun?

Maple Leaf (1oz)

Die kanadische Silbermünze wird seit 1988 geprägt. Auf der Vorderseite befindet sich ein Blatt des Süßahorns (Maple Leaf). Auf der Rückseite sieht man das Bild von Königin Elizabeth II. Alle paar Jahre wurde ihr Abbild dem tatsächlichen Aussehen ihrer Majestät angepasst. Das ist lustig, wenn man ältere Goldmünzen anschaut. Während in den ersten Jahren zwischen einer und drei Millionen Unzen geprägt wurden, beträgt der heutige Ausstoß der Royal Canadian Mint ein Vielfaches davon. Maple Leaf Münzen sind Massenware geworden. Ihr Nennwert beträgt fünf kanadische Dollar. In manchen Jahren werden auch Sonderprägungen herausgebracht, beispielsweise die mit einem kleinen Brandenburger Tor. Diese Münzen sind hübsch, kosten aber auch gleich mal etwas mehr als normale Prägungen.

Während früher die Maples in Folie verschweißt geliefert wurden, bekommt man sie heute zu 25 Stück in einem Röhrchen (Tube). Eine Tube kostet gegenwärtig 420 Euro. Maple Leafs haben den Vorteil, dass viele Menschen auf der Welt sie kennen. Beim Verkauf muss man nicht die ganze Geschichte um die Münze erzählen. Sie ist so etwas wie die Microsoft oder Telekom unter den Aktien. Maple Leafs gibt es auch in Gold, Platin und Palladium. Übrigens sind diese Münzen auch ein schönes Geschenk für Freunde.

American Eagle (1oz)

Die Münzen aus der United States Mint sind mindestens so bekannt wie der Maple Leaf und werden nur in ter 1oz-Variante herausgegeben. Es ist die auflagenstärkste Silbermünze der USA. Geliefert werden sie in Plastikröhrchen zu je 20 Stück. Im Herbst 2008 war der American Eagle komplett vergriffen und die Aufgelder kletterten auf bis zu 60 Prozent an. Ein amerikanisches Gesetz besagt, dass diese Münzen nur aus amerikanischem Silber gepresst werden dürfen. Mit dem Engpass tauchten immer wieder Spekulationen auf, dass den Amerikanern das Silber ausgegangen sei. Das ist ja es auch. Frühere Spekulationen drehten sich darum, ob die USA Silber in Südamerika kauften, um Münzen prägen zu können. Im Gegensatz zum Maple Leaf ist der American Eagle etwas unreiner und trägt auch einen geringeren Nennwert (1 USD) Doch eine Unze bleibe eine Unze. Vorausgesetzt, Regierungen greifen nicht auch noch in Gewichtsmaße ein. Heute ist ja alles denkbar. American Eagles gibt es auch in Gold und Platin.

Philharmoniker

Seit 2008 hat auch Europa eine Standardmünze bekommen, die in der Münze Österreich gepresst wird – den Philharmoniker. Er trägt als Motiv einige Instrumente der weltberühmten Wiener Philharmoniker. Die Münzen kosten manchmal etwas weniger als ihre kanadischen oder amerikanischen Verwandten. Philharmoniker haben einen Nennwert von 1,5 Euro, was ungewöhnlich ist. Außergewöhnlich ist auch, dass die Münze keinen geriffelten Rand besitzt. Das ist so gewählt, dass Blinde sie in der Hand von einem goldenen Philharmoniker unterscheiden können, erzählte mir ein Vertreter der Münze Österreich. Binnen kurzer Zeit wurden vom Philharmoniker etliche Millionen Stücke geprägt. Inzwischen hat auch er seinen Platz unter den Standardprodukten für Silberinvestoren gefunden. Geliefert wird der Philharmoniker in Kunststoffröhrchen mit 20 Stück Inhalt.

Libertad (Onza)

Seit 1982 wird in Mexiko die Siegesgöttin „Libertad“ geprägt. Bis 1991 gab es nur 1oz-Münzen, danach auch kleinere Einheiten. Ab 1996 wurden auch 2oz- und 5oz-Münzen angeboten. Die Kilomünze aus dieser Zeit mit geringer Auflage fand unter Sammlern rasende Begeisterung, weniger jedoch wegen ihres dann doch stattlichen Preises. Interessant ist, dass auf den mexikanischen Silbermünzen der Nennwert fehlt, es aber trotzdem eine Münze ist. Ihr Nennwert richtet sich nach dem täglichen Silberpreis (Fixing London) und wird in mexikanische Pesos umgerechnet. Man kann damit also auch bezahlen. Seit einigen Monaten sind zudem halbe Unzen im Angebot. Zwei halbe Unzen kosten zurzeit nahe 19 Euro, sind also wesentlich teurer als die 1-oz-Variante.

„Kookaburras“ sind inzwischen auch Massenware. Ältere Jahrgänge bringen bei Sammlern einen höheren Preis als die aktuelle Version. Jedes Jahr wird ein neues Motiv herausgegeben. Die Münzen werden in einer durchsichtigen Plastik-Kapsel geliefert und eigenen sich hervorragend für Silbersammler. Wer nicht gerade auf Kookaburras steht und eher Koalas kuscheliger findet, für den gibt es auch Kilomünzen mit einem solchen Bären drauf. Diese Kilomünzen kosten etwas wenige Euro mehr mehr als die komischen Vögel, sind aber für Silbersammler auch bestens für das Investieren geeignet. Von den beiden Kilomünzen werden auch 1oz, 2oz, 5oz und 10oz angeboten, sind aber im Vergleich zu Standardmünzen teurer.

http://www.silber-und-gold.com/silber-und-goldhandler-liste

Lunar-Serie

Neben den Kookaburras und Koalas gibt es je nach Stand des Mondes Kilomünzen, die Lunare genannt werden und mit dem entsprechenden Motiv aus dem Mondkalender versehen sind. In diesem Jahr ist der Tiger dran. Im letzten Jahr war es der Ochse (Lunar-II-Serie). Für ältere Motive wie Drache, Pferd, Hahn und Schlage (Lunar-I-Serie) zahlen Sammler schon mal bis zu 1.200 Euro pro Kilomünze. Alle Tiere gibt es auch in kleineren Größen (10oz, 5oz, 2oz und 1oz). So hübsch sie auch sind, so hübsch hoch sind auch ihre Aufgelder. Sollten Sie kein Sammler sein, würde man heute für eine Schlangen-Münze zwei Kookaburras bekommen, wenn man nur am Silber interessiert ist. Über das Spekulieren mit diesen Münzen bringe ich noch ein extra Kapitel. Inzwischen werden auch mehr Kilomünzen mit der mexikanischen Siegesgöttin angeboten, kosten aber meist mehr als Kookaburras und Koalas, vor allem die Münzen aus der Lunar-I-Serie...

Kaufen Sie keine Münzen in einer noch so hübschen Schatulle. Das kostet nur sinnlos viel Geld. Und fallen Sie bitte auch nicht auf Werbung herein, die Ihnen ein hohes Wertsteigerungspotential versprechen. Was die Münzen Wert sind, erfahren Sie dann, wenn Sie sie wieder loswerden wollen...

Ein paar Kleinigkeiten

In fast jeder größeren Stadt gibt es inzwischen einen Münzhändler, wo Silber anonym käuflich ist. (http://www.silber-und-gold.com/silber-und-goldhandler-liste). Wer Metalle im Wert von über 15.000 Euro kauft, muss sich aufgrund des Geldwäschegesetzes ausweisen. Das ist heute schon bei einem halben Kilo Gold der Fall. Die meisten Banken verlangen den Personalausweis auch schon bei kleineren Beträgen. Unter 15.000 Euro empfiehlt sich ein sogenanntes Tafelgeschäft: Man legt Geld auf den Tisch und nimmt die Ware mit. Fertig.

Wer nicht in Berlin, München, Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf oder Leipzig wohnt und dort einen Metallhändler um die Ecke hat, der kann ja sein altes Sparschwein mit einem monatlichen Betrag füttern, der sich aus Einnahmen minus Ausgaben ergibt. Wenn die Preise dann wie gerade jetzt niedriger geworden sind, kann man ja einen Ausflug in eine solche Stadt machen und Papier gegen Edles tauschen. Inzwischen werden auch Sparpläne angeboten. Doch das ist schon wieder ein eigenes Kapitel. Erst einmal soll es um das Klimpergeld gehen...

Für die sturen Leser unter Ihnen gäbe es noch eine andere sture Strategie: Man spielt Eichhörnchen und sammelt einmal im Monat für einen Betrag beim Metallhändler seines Vertrauens Silber ein, regelmäßig, und egal wo die Preise gerade stehen. Damit legt man einen eigenen Silbersparplan auf und bekommt eine Art von Mischpreis, wenn man mal billiger, mal teurer oder zum Durchschnittspreis kauft.

Keiner kann seriös sagen, wie sich die Preise auf kurze Zeit bewegen. Im zweiten Teil der Serie habe Ich Ihnen viele Zahlen geliefert, aus denen Sie sich eine eigene Meinung über den Silbermarkt bilden können und darüber, ob Silber ein lohnendes Investment sein könnte. Man wird wie im Aktienmarkt nie den niedrigsten Preis erwischen. Im Edelmetallmarkt ist es nicht anders. Das Einkaufen in diesen Markt ist wie das normale Leben - eine Mischkalkulation.

Linktipps:

ww.silber.de

www.bullionpage.com

www.silber-investor.de

http://www.silber-und-gold.com/silber-und-goldhandler-liste