Link: Investieren in Silber (Teil 1) – Die ersten wichtigen Schritte (Frank Meyer)

Link: Investieren in Silber (Teil 2) – Der Silbermarkt (Frank Meyer)

Link: Investieren in Silber (Teil 3) – Silbermünzen (Frank Meyer)

Link: Investieren in Silber (Teil 4) - Silberbarren (Update, Frank Meyer)

Link: Investieren in Silber (Teil 5) - Silberzehner (Frank Meyer)

In unserer heutigen Welt würde ohne Silber als Rohstoff nicht viel funktionieren. Silber ist extrem vielseitig, da seine Eigenschaften es in der Industrie zum Star machen. Meistens wird pro Produkt nur eine winzige Menge verbraucht, doch diese vielen Winzigkeiten summieren sich innerhalb eines Jahres auf rund 11.000 Tonnen. Gut die Hälfte der jährlichen Förderung verschwindet in diesen technischen Anwendungen.

Es sind vor allem die chemischen und physikalischen Eigenschaften, die an Silber geschätzt werden. So leitet es am besten Strom und Wärme und wird deshalb in der Elektrotechnik eingesetzt. Zunehmend greifen auch neue Technologien immer stärker auf den Silbermarkt zu. So wurden im Jahr 2006 rund 600 Tonnen Silber in der Solartechnik verbraucht. Nach Einschätzung von Virtual Metals könnte sich diese Nachfrage bis zum übernächsten Jahr auf 1.270 Tonnen erhöhen. Pro Watt Kapazität benötigen Siliziummodule 0,12 Gramm Silber. Die Kapazität aus der Produktion von Solarpanels soll in diesem Jahr um 44 Prozent auf 33 Milliarden Watt steigen, erwartet die in Brüssel beheimatete European Photovoltaic Industry Association. Das reicht, um 66 Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen.

Die Wenigsten wissen auch, dass in einem Mobiltelefon ein viertel Gramm Silber steckt. Eine Unze reicht also für 120 Telefone. Bei 1,2 Milliarden Handys, die laut Gartner im letzten Jahr gebaut worden sind, kommt da eine Menge von 300 Tonnen zusammen. Nur wenige dieser Handys werden aber recycelt. Nebenbei stecken in einem Handy auch 24 Milligramm Gold und neun Milligramm Palladium. Nicht zu vergessen die Automobilindustrie: Für die Produktion eines Autos braucht man im Schnitt zwei Unzen Silber. Laut VDA wurden im letzten Jahr weltweit 60 Millionen PKW und Nutzfahrzeuge gebaut. Rechnerisch hätte die Branche also bis zu 120 Millionen Unzen Silber verbraucht.

Oder noch dies: In einem Flachbildschirm stecken 40 Gramm Silber, berichtet die VM Group. Ein weiterer den Silbermarkt betretender Abnehmer RFID-Brache. Das Übertragen von Funkwellen auf kurze Distanzen benötigt ein paar Milligramm Silber. Diese Technik soll Einzug bei Bezahlvorgängen, Sicherheitstechnik und anderen Formen Einzug halten. Es bedarf hier nur kleinster Mengen Silber, doch in der Menge der Anwendungen kommt schon etwas zusammen. Silber findet inzwischen auch Einsatz in der Katalysatorentechnik. Japan stellte 2009 den ersten Akku auf Silberbasis vor. Wenn Silber auch hier seinen technologischen Siegeszug startet... Als Katalysator findet der bleiche Bruder des Goldes schon lange Verwendung.

Feind aller Keime

Haben Sie gewusst, dass Silber wie ein Antibiotikum wirkt? Seit Jahrhunderten ist seine antibakterielle Wirkung bekannt. So kann das  Metall in homöopathischen Dosen Keime vernichten, übrigens auch dort, wo normale Antibiotika versagen. Es wirkt in einer wässrigen Lösung keimtötend und ist unter Heilpraktikern als kolloidales Silber bekannt. Im Alltag findet Silber in Filtern in der Wasseraufbereitung Verwendung, wegen seiner keimtötenden Wirkung. Diese macht sich auch die Bekleidungsindustrie zu Nutze, indem sie Silberfäden durch Sportkleidung webt. Diese Fäden geben kontinuierlich kleinste Mengen Silberatome ab, die dann den komischen Geruch in der Sportkleidung unterbinden. Neuerdings werden Deosprays mit Silber angeboten. Auch in den modernen Kühlschränken und Waschmaschinen hat Silber Einzug gehalten. Es soll ja nicht nur sauber, sondern rein sein. Kennen Sie Pflaster mit Silber? Genau! Dort nutzt man auch seine antibakterielle Wirkung.

Noch eine Überlegung... Vielleicht sind die alten Fürsten ja deshalb älter als die normale Bevölkerung geworden, weil sie Silbergeschirr verwendeten? Mag sein, wurden sie doch damit permanent mit Silberatomen konfrontiert. Wenn sie aßen und tranken, haben sie ein Antibiotikum zu sich genommen, von dem sie überhaupt keine Ahnung hatten.

Über Fotografie muss man wenig schreiben. Die Nachfrage reduziert sich von Jahr zu Jahr. Zu bedenken ist auch, dass dann weniger Silber aus den alten Silberplatten, -lösungen und -papieren zurück gewonnen werden kann. Da Silber Licht hervorragend reflektiert, findet es in der optischen Industrie regen Einsatz.

Gold – Silber

Die Wenigsten wissen, dass es auf der Erdoberfläche weit mehr Gold als Silber gibt – zumindest in den Lagern. Gemeint sind physische Bestände, die vor allem Investoren mögen (Barren, Münzen) Doch wieviel gibt es davon? Wo ist das Silber? Nun, es ist schwierig, das zu ermitteln. Im zweiten Teil der Serie hatte ich eine ganze Menge an Zahlen geliefert. Diese hier liefen mir neulich auf Seeking Alpha von Chris Mack über den Weg. Er hat die oberirdischen Bestände zusammen getragen:

Zusammen gerechnet wurden knapp eine Milliarde Unzen anhand der Lagerbestände in Lagerhäusern, geprägter Münzen und Hinterlegungen in ETF`s identifiziert. Das entspricht etwa 15 Monaten weltweiter Silberproduktion. Moment! In seinen Berechnungen liegt ein kleiner Fehler. Der Bestand an ZKB-Silber beträgt 73 Millionen Unzen. Doch das ändert an der oft kursierenden Zahl von einer Milliarde Unzen recht wenig.

Kein Mensch weiß genau, wieviel Gold bislang gefördert worden ist. Doch es gibt Schätzungen, die auf bislang rund 160.000 Tonnen Gold kommen – rund fünf Millliarden Unzen. Für jeden Erdenbürger gibt es damit rechnerisch eine knappe Unze im Gegenwert von ca. 900 Dollar. (Anleihen ca. 14.000 USD) Nur zehn Prozent der Goldförderung findet in der Industrie Anwendung – meist in der Computertechnik. Wegen des hohen Preises wird es auch meist wieder zurück gewonnen.

Silber ist in weit größerem Umfang gefördert worden als Gold, doch es stehen für Investitionen nur rund eine Milliarde Unzen zur Verfügung. Investieren bedeutet den Kauf von Münzen und Barren. Oder möchten Sie abgelegter Ringe, Zuckerlöffel und Teekannen kaufen? Sehen Sie! Die Industrie möchte richtige Barren (31,1 Kilogramm) und Granulat. Investoren bevorzugen Münzen und Barren. Wie schnell es zu Engpässen kommt, zeigen die letzten Monate, als Edelmetalle als Sicherheitsgründen gekauft worden sind, weil dem Papiergeld nicht zu trauen gewesen war. Dabei trocknete der Markt binnen weniger Tage schon zum zweiten Mal aus. Wie würde die Industrie wohl reagieren, wenn ihr die Investoren das nicht beliebig vermehrbare Silber streitig machen würde? Sie ahnen es! Sie würde in Panik geraten. Wenn eine solche Panik aufkäme, dann zuerst dort. Die Preise wären dann nur noch Nebensache. Wegen eines fehlenden Barrens hält man doch nicht die komplette Produktion an...

Nehmen wir an, höhere Preise von würden für eine Welle der Enthortung bei denen sorgen, die bei acht oder zwölf Euro Silbermünzen oder -barren gekauft haben. Sie hätten einen schönen Gewinn. Doch warum haben die Leute damals echtes Silber gekauft? Ein großer Münzhändler in Frankfurt berichtete neulich, dass für 30 verkaufte Unze im Schnitt eine wieder zurück kommt. Das hat sich nicht in den letzten Jahren nicht sonderlich geändert. Sicherlich haben die Investoren der frühen Stunde Silber nicht aus Spaß gekauft und sicherlich auch nicht, um mit den Preisen zu spielen. Dafür gibt es doch weit komfortablere Produkte als so einen ollen Silberbarren, auf den auch noch 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig werden.

Die meisten Silberinvestoren besitzen das Metall als Geldspeicher oder aufgrund der hier und im zweiten Teil der Serie genannten fundamentalen Überlegungen. Heute Kasse zu machen, bedeutete Silber in Papier zu tauschen. Glauben Sie, dass das die früheren Käufer tun werden und ihre Gewinne mitnehmen? Einige ja. Die meisten nicht. Die Abhängigkeit der Industrie vom Silber und die Seltenheit für Investitionen sind der eigentliche Grund, zumindest etwas Silber zu haben. Das mit der Fragilität des Finanzmarktes als weiteren Grund muss ich hier nicht weiter ausführen.

Schweres Metall

Für Anleger/Sparer/Investoren/Angsthasen in echtes Metall stellt sich die Frage, ob man selbst Zugriff auf Münzen und Barren haben möchte, oder die Lagerung anderen gegen ein Entgelt überlässt. Für 100.000 Euro bekommt man heute ca. 180 Kilogramm des weißen Metalls. Wer gar eine Million Euro investieren will, sollte sicherstellen, dass dem Mieter unter sich die Decke nicht auf den Kopf fällt - wenn die Diele nachgibt. Das Thema Lagerung greife ich später noch einmal auf. Kurz sei gesagt, dass man die Wahl hat zwischen einem eigenen Safe, einem geheimen Ort oder ob man sein Edelmetall in einem Schließfach bei einer Bank einlagern sollte. Es ist eine Frage des Vertrauens. Was passiert, wenn die Bank am Wochenende natürlich ganz überraschend schließen sollte? Ob es wirklich bei einer Bank sein muss? Zyniker meinen, man lässt eine Leberwurst ja auch nicht von einem Schäferhund bewachen.