Investieren in Silber (Teil 1) – Die ersten wichtigen Schritte (Frank Meyer)

Investieren in Silber (Teil 2) – Der Silbermarkt (Frank Meyer)

Investieren in Silber (Teil 3) – Silbermünzen (Frank Meyer)

Investieren in Silber (Teil 4) - Silberbarren (Update, Frank Meyer)

Investieren in Silber (Teil 5) - Silberzehner (Frank Meyer)

Investieren in Silber (Teil 6) - Silber: der Tausendsassa (Frank Meyer)

Silber wirft keine Zinsen ab. Das ist gut so, denn Silber ist eine Ware und kein Kredit wie unser heutiges Geld. Doch auch wenn sich eine Unze nicht „vermehrt“, so steigt doch oft ihr Preis im Laufe der Zeit an, vor allem, wenn es sich um eine begrenzte Auflage handelt. Mit Münzen kann man eine ganz nette „Rendite“ machen, wenn man weiß wie es funktioniert und wie man es geschickt anstellt.

Es gibt einige Münzen, die steigen im Preis fast automatisch. Das liegt daran, dass ein Jahrgang nicht wieder aufgelegt wird und  später immer weniger Stücke handelbar sind. Wer sich heute beispielsweise auf die Suche nach alten Kookaburras oder Pandas macht, wird feststellen, dass diese oft nicht einfach zu beschaffen sind, und wird staunen, wie hoch inzwischen die Aufgelder auf den Silberpreis geworden sind. Die Preise orientieren sich nach der Häufigkeit und Verfügbarkeit der Münzen. Gerade in den letzten Jahren hat die Anzahl der Sammler zugenommen. Silbermünzen verhalten sich oft wie alter Wein – mit dem Unterschied, dass sie nicht „umkippen“ und sauer werden können. Sie eignen sich hervorragend als Geldanlage, wenn man weiß, was selten ist und was nicht.

Kookaburra, der australische Eisvogel

Als zu Beginn des Jahrzehnts der australische Kookaburra auch hierzulande bekannter wurde, galt er in der „Silbergemeinde“ als exotisch. Diese australischen Silbermünzen in unterschiedlichen Größen (1oz, 2oz, 10oz, 1kg) werden seit 1990 geprägt. Vor sechs Jahren kosteten die Münzen rund acht Euro. Okay, inzwischen ist auch der Silberpreis gestiegen. Doch im Vergleich zu Standardmünzen (Philharmoniker, Maple Leaf, American Eagle) hat sich ihr Aufgeld deutlich erhöht. Im Vergleich zu Silbermünzen sieht der DAX da ziemlich blass aus. Es gibt viele Leute, die ihre aktuellen Ausgaben um alte Stücke ergänzen wollen. Am einfachsten geht das über Ebay und andere Versteigerungsplattformen, wo man einen guten Überblick über Angebot und Preise bekommen kann. Man staunt nicht schlecht, wenn so ein Stück jetzt schon 25 Euro kostet, obwohl der Silberpreis sich ja „nur“ verdoppelt hat. Mancher Kookaburra aus früherer Zeit ist inzwischen ein kleines Schätzchen geworden. Woran liegt das? Die früheren Auflagen waren deutlich niedriger als heute. Bis eine Münze im Bekanntheitsgrad steigt oder sich gar als Investmentmünze durchgesetzt hat, dauert es eine Weile. Der Kookaburra hat sich als Anlagemünze durchgesetzt. Inzwischen  kommen mit jedem Jahr auch mehr und mehr solcher Silberlinge auf den Markt - für Prägeanstalten ist es ein lohnendes Geschäft.

Kiwi, der neuseeländische Laufvogel

Ein gutes Beispiel für exorbitante Preissteigerungen innerhalb weniger Jahre ist der „Kiwi“. Er hat inzwischen eine richtige Fangemeinde gefunden. Die ersten Ausgaben aus dem Jahr 2004 sind heute Raritäten, von denen kaum welche mehr angeboten werden. Und wenn doch, dann zu gepfefferten Preisen. Seine Auflage betrug 2004 nur 2.500 Stück in der Prägequalität „Stempelglanz“ und 1.502 Stück in der höchsten Qualität „Polierte Platte“. Damals kosteten sie rund 23 bzw. 40 Euro. Einen 2004er Silber-Kiwi heute zu ergattern, ist reine Glückssache. Sammler zahlen dafür oft mehr als 200 Euro. Inzwischen stieg die Auflage auf 10.000 Stücke in „Stempelglanz“ und 7.500 Münzen in polierter Platte. Nach allem, was man hört, gibt es künftig keine weitere Auflage.

Panda, der chinesische Bär

Ein Paradebeispiel ist auch der chinesische Panda. Die Silbermünze mit dem süßen Bären wurde erstmals 1983 herausgegeben. Mit Unzen und 99,9 Prozent Reinheit hatte das damals noch nichts zu tun. Erst ab 1989 gab es die ersten richtigen Silberunzen (31,1 Gramm) neben Stempelglanz auch in polierter Platte. Alte Pandas sind teils auch farbig. Dabei handelt es sich um private Ausgaben, die nachträglich eingefärbt wurden. Wer damals Silberpandas gekauft hat, besitzt heute ein kleines Vermögen. Selbst die 2010er Ausgabe kostet mit rund 22 Euro - ein Viertel mehr als Standardmünzen. Pandas aus dem letzten Jahr sind binnen weniger Monate im Aufgeld um vier bis fünf Euro gestiegen und liegen heute bei rund 24 Euro. Die chinesischen Münzen gibt es auch in der Größenordnung von 2, 5 und 12 Unzen. Beliebt sind auch die Kilogramm-Münzen, doch runzeln Sie nicht die Stirn, wenn Sie den Preis sehen. (ca. 950 Euro). Neben Silber-Pandas brachten auch Gold-Pandas den Sammlern nette Aufschläge. Die Panda-Sammelgemeinschaft wuchs in den letzten Jahren gewaltig an.

Lunare, die Mondmünzen

Nehmen Sie als viertes Beispiel die Lunare. Hier gibt es fast schon eine Garantie für steigende Aufgelder. Lunare sind Silbermünzen, wie der Name schon sagt, mit einem Motiv aus dem chinesischen Tierkreiszeichen (Mondkalender). 2010 ist das Jahr des Tigers, 2009 war das „Jahr des Ochsen“. Wer damals „Silberochsen“ gekauft hat, freut sich in diesem Jahr über ein doch recht stattliches Aufgeld von bis zu 20 Prozent. Den Tigermünzen wird es im kommenden Jahr ähnlich ergehen, wenn der Mond dann ins chinesische Sternzeichen des Hasen gedreht hat: Sie werden teurer.

Die erste Lunar-Serie startete im Jahr 1999 mit dem Hasen und endet in diesem Jahr mit dem Tiger. Die Silberdrachen (2000), Silberschlangen (2001) oder auch Silberpferde (2002) kosten jetzt meist mehr als das Doppelte der normalen Silbermünzen. Im kommenden Jahr beginnt mit dem Hasen die zweite Lunar-Serie. Drache (2012), Schlange (2013), Pferd (2014), Ziege (2015), Affe (2016), Hahn (2017), Hund (2018) und Schwein (2019)

Wer solche ältere Raritäten besitzt, kann entweder warten, bis sie noch teurer geworden sind, oder man tauscht sie in normale Standardmünzen um. Tausche eine Schlange gegen zwei Kookaburras. Oder drei. Das betrifft alle Größenordnungen. Interessant sind die aktuellen Silber-Tiger in der 10-Unzen-Ausgabe. Diese wird es schon im nächsten Jahr nur noch vereinzelt geben, wohl auch wie die 10oz-Silberochsen aus dem Angebot verschwinden und damit schlagartig um 30-40 Euro teurer.

Lohnendes Geschäft?

Das Sammeln von Münzen mit dem Zweck der Preissteigerung ist nur etwas für Kenner. Viele Silberbugs investieren wegen der ungewissen Zukunft des Papiergeldes erst in Standardprodukte (Münzen, Barren, Kilomünzen) bevor sie später auch andere Münzen kennenlernen und lieb gewinnen. Geld ist die eine, Geduld ist die andere Vorraussetzung, die man zum Investieren braucht. Wichtig ist auch, dass man mit edlen Münzen sorgsam umgeht, sie nicht aus ihrer Verpackung nimmt oder gar anfasst. Unberührt, vor Licht und Hitze geschützt, bewahren sie nicht nur ihre Schönheit, sondern auch ihren Wert.

Als Sammler sollte man sich spezialisieren, denn das Hobby wird recht schnell kostspielig. Schaut man sich im Angebot der internationalen Münzpressen um, (Australien, Neuseeland, US-Mint, Royal Mint of Canada) kann einem Sammler wegen der Vielfalt an kleinen, großen, bunten und farbigen Münzen in vielen Sonderausgaben schwindelig werden. Besser ist es mit Münzen mit einem höheren Bekanntheitsgrad zu beginnen und sich darauf spezialisiert, sofern man Lust daran findet. Die vier aufgezeigten Münzen sind eine Art Zwitter zwischen Anlagemünze und Sammelmünze. Einerseits wohnt ihnen die Versicherung des Silbers inne, andererseits auch das zunehmende Interesse weltweiter Silbersammler.

Eines sollte man für den Fall wirklicher Schwierigkeiten im Finanzsystem wissen: Kommt es zum Crash, ist das Aufgeld auf Sammlermünzen schnell dahin bzw. egal. Dann zählt nur noch die Unze, egal ob diese Kookaburra, Kiwi, Panda, oder „Ganz-Toll-Silbermünze“ heißt.

Preise

Silbermünzen kann man teuer kaufen, besser aber gezielt die Preise vergleichen. Wer Pech hat, zahlt schon mal den doppelten Preis eines anderen Anbieters. Einen guten Überblick bekommt man bei Ebay. Oder man fragt einen Münzhändler seines Vertrauens bzw. durchforstet die auf Münzen spezialisierten Foren. Augen auf beim Silberkauf ist nicht der schlechteste Rat. Wenn man Interesse gefunden hat, sollte man zudem klein beginnen.

Fazit

Silbermünzen sind tolle Sammlerobjekte. Am besten, man kauft Münzen aus dem aktuellen Jahr, die im kommenden Jahr nicht mehr angeboten werden. Kookaburras, Pandas und Lunare eignen sich für Einsteiger am besten. Wie ihre älteren Kumpels werden sie im nächsten Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach teurer gehandelt. Je nach Geldbeutel eignen sich alle gängigen Größen zum Sammeln. Meine Favoriten sind 1oz-Pandas, 1oz, 10oz und Kilo-Lunare und die vor allem die 10-Unzen-Kookaburras.

Superschnäppchen im Ausverkauf

Fallen Sie bitte nicht auf die „Ganz-toll-weil-ganz-selten“- Werbeshows für Münzen im Fernsehen herein oder auf die üblich verdächtigen Verkäufer von ganz seltenen Ausgaben von irgendwelchen Münzen per Postwurfsendung. Hier fallen Sie garantiert auf die Nase, denn das „Wertsteigerungspotential“ stecken sich die Verkäufer selbst in die Tasche. Wer wenig Ahnung hat, kauft da schon mal eine Münze zum Preis von 200 Euro das Stück. Für einen Investor ist bei solchen Angeboten meist nichts dabei. Auf dem Trödelmarkt erfährt er dann später den wahren Wert und erlebt ein Beben der Enttäuschung. Auch hier gilt: Hausaufgaben machen, sich umschauen, vergleichen und daran denken: Was der Silberbug nicht kennt, frisst er nicht, Pardon, kauft er nicht.