Die sogenannten directors dealings müssen seit 10 Jahren gemeldet werden – Umfangreiche Statistiken und jede Menge Zertifikate – Die Aktionen der Bosse  können Tipps abgeben, aber auch in die Irre führen – Ein Börsenfaktor, der auch der genauen Analyse bedarf

Wer möchte nicht hier und da mal einen schnellen Reibach an der Börse machen, ohne sich vorher tage- oder wochenlang mit tiefschürfenden Aktienanalysen beschäftigt zu haben. Aus diesem Wunsch heraus sind zwar die directors dealings nicht entstanden, dass also die Manager von börsennotierten Unternehmen ihre Transaktionen umgehend melden müssen und diese inzwischen in einschlägigen Datenbanken sofort und auch rückwirkend nachgeschlagen werden können, zum Beispiel beim BaFin, der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (vergl. www.bafin.de/DE/Aufsicht.)Dort ist eine Datenbank mit allen gemeldeten Directors Dealings einzusehen. Und das geht ganz einfach alphabetisch von A-Z, so dass der Interessent schnell findet, was die ins Auge gefassten Börsengesellschafen bzw. deren Manager (Vorstände, Aufsichtsräte etc.) so alles mit den Aktien ihres Unternehmens „treiben“. Kamen die Bosse anfangs diesen Verpflichtungen ausgesprochen zäh und nicht innerhalb der vorgegebenen fünf Tage nach, so klappt das inzwischen doch sehr gut.

Die Transaktionen der Manager nachvollziehen

Schnell waren natürlich dann auch pfiffige Finanzdienstleister und Web-Portale zur Stelle, die diese Meldungen akribisch konstatierten und auswerteten ( z.B. wallstreet-online.de / finanztreff.de / finanzen.net ). Doch Vorsicht, so einfach in lukrative Geschäfte umzusetzen sind diese Statistiken leider nicht. Sicher steht hinter einer Beobachtung der Käufe und Verkäufe der Manager und ihrer Angehörigen die Erwartung, dass diese Personen natürlich mehr vom Unternehmen wissen als wir außenstehenden Aktionäre. Und einige Untersuchungen haben auch ergeben, dass auf der Basis eines Nachvollziehens hier und da ganz ordentliche Geschäfte gemacht werden können. Aber langfristig, siehe Chart, liegt der DAX doch um einiges besser.

Jetzt kommen noch einige „aber“. Auch Manager können sich irren; und zwar sowohl hinsichtlich des weiteren Geschäftsverlaufs, wenn plötzlich unvorhersehbare makroökonomische Turbulenzen eintreten, um es einmal so dramatisch zu formulieren. Andererseits sind die Unternehmensmanager in der Regel keine Börsianer. Sie haben oft überhaupt keine Vorstellung darüber, wie diese oder jene Nachricht aus dem Unternehmen auf die Anleger, also auf den Kursverlauf wirkt. Nach einigen Jahrzehnten Beobachtung der Szenerie ist der Schreiber dieser Zeilen zu der Erkenntnis gelangt, auf die Börsenbeurteilung der Unternehmensführer in Bezug auf ihre eigenen Aktien ausgesprochen wenig zu geben; wenn diese also zum Beispiel nach Unternehmensmeetings andeuten, dass ihre Aktien eigentlich viel zu billig sind, sofort Verkaufen.

Wer verkauft kann auch Bares benötigen

Aber es gibt auch noch andere Faktoren, die außenstehende Anleger hinsichtlich der Käufe und Verkäufe in die Irre führen können. So muss zum Beispiel der Verkauf von Aktien seitens des Vorstandsvorsitzenden nicht unbedingt heißen, das ihm seine Aktie nicht mehr geheuer ist und er einen Kursabfall erwartet. Es gibt ja auch durchaus andere Gründe, weshalb er sich von Teilen seiner Aktien trennt. Wenn er zum Beispiel in seinen Geldanlagen diversifizieren will, um ein Klumpenrisiko in seinem Depot zu vermeiden; oder wenn ihn eine Scheidung vor schwerwiegende finanzielle Anforderungen stellt. Und als erfahrener und damit stets misstrauischer Anleger sollte auch an Fälle gedacht werden, wo auf unseriöse Art und Weise zum Beispiel ein Vorstand über die Publizität seiner Aktienkäufe positive Nachahmereffekte  für seine Aktien erzielen möchte, die Käufe also wirklich völlig manipulativ gedacht waren. Es geht also auch bei diesen Directors Dealings wie immer in der Aktienanlage darum, kritisch an diese Sachverhalte heranzugehen und eventuell sogar noch die Motivationen der Manager zu durchleuchten bzw. auch dem Investors Relations Manager des Unternehmens mit einigen kritischen Fragen auf die Pelle zu rücken.

Natürlich gibt es für diese „Nachahmerstrategie“ inzwischen schon einen Index, den Solactive Insider Index (Total Return). Dieser bildet die Kursentwicklung liquider, am amtlichen Markt gelisteter deutsche Unternehmen ab, die im abgelaufenen Quartal das höchste Verhältnis von Insider-Käufen im Verhältnis zur Marktkapitalisierung aufwiesen. Fazit: Auf Sicht war der DAX deutlich besser. Folglich führt die pauschale Nachahmung der Insider-Käufe nicht zum Erfolg. Was aber nicht bedeutet, dass im Einzelfall die Beobachtung derartiger Aktivitäten doch nützliche Hinweise senden kann.

Jeden Fall einzeln beleuchten

Zwei Blicke auf zwei Aktien, einmal groß, einmal klein, bei denen zuletzt einiges in Bewegung war. RWE und Energiewende war schon Thema in meinem Beitrag vom

11. April. Ein Blick in die Bafin Datenbank bringt zutage, dass im laufenden Jahr zwei Vorstände Aktien gekauft haben: Der erste Mann am Ruder, Peter Terium, kaufte am 20. März dieses Jahres 6249 Aktien zum Kurs von 28,90 Euro und am 1. Juni 2012 7239 Aktien zu 29,41 Euro. Vorstandsmitglied Uwe Tigges kaufte am 22. April dieses Jahres 2600 Aktien zum Kurs von 26,34 Euro. Derzeitiger Kurs bei 26,80 Euro. Interessenten können also derzeit auf jeden Fall günstiger einsteigen als Herr Terium.

Bei euromicron, einem Komplett-Lösungsanbieter für Kommunikations-, Übertragungs-, Daten- und Sicherheitsnetzwerke wurden am 1. März dieses Jahres eine deutliche Dividendensenkung von 1,1o Euro auf 0,2 bis 0,4 Euro angedroht. Die beiden Vorstände scheinen aber nach wie vor von dem Wachstumscharakter ihres Unternehmens überzeugt zu sein. Denn der 1. Mann an Bord, Willibald Späth, kaufte am 6. März 2013 3000 Aktien zum Kurs von 15,50 Euro und am 16. April dann noch einmal 2000 Aktien zum Kurs von 14,60 Euro. Vorstand Thomas Hoffmann kaufte am 4. März 2013 1000 Aktien zum Kurs von 15,90 Euro. Aktueller Kurs 15,20 Euro. Richtig im Gewinn sind die Herren also noch nicht.

Rechtshinweis: Der Schreiber hat seit Jahren einige euromicron-Aktien im Depot.

Grafik comdirekt

Obere blaue Kurve  ist der DAX Performance Index

Die untere Kurve ist der Solactive Insider Index (Total Return)