Einnahmen und Ausgaben

Wer beim Berufseinstieg die Weichen richtig stellt, kann sich eine Menge Nerven und Geld sparen. Das beginnt vor allem bei den Einnahmen und Ausgaben. Die Statistik für Sachsen zeigt folgendes Bild bei den Personen zwischen 25 und 35 Jahren:

Man mag über solche Zahlen in München schmunzeln, doch entscheidender als die absolute Höhe der Ausgaben, ist das Bewusstsein, wofür das Geld ausgegeben wird. Es ist unerheblich, ob 1.600€ oder 2.500€ zum Einstieg verdient werden, wenn das Geld 1:1 ausgegeben wird. Das Führen eines Haushaltsbuchs ist jedoch längst aus der Mode gekommen und so verwundert es kaum, dass viele junge Menschen mit Schulden ins Erwerbsleben starten. Die wichtigste Empfehlungen lautet also: Ausgaben erfassen und auswerten. Das geht mit Zettel und Stift, per Excel oder einer App. Die Erfahrungen aus unserer Beratung zeigen unisono: Wer den Überblick über seine Ausgaben behält, hat am Ende des Monats noch Geld und nicht umgekehrt.

Übernahme Krankheitskosten

Die wichtigste Versicherung ist in Deutschland mittlerweile Pflicht und für die meisten die gesetzliche Krankenversicherung. Der Beitrag dafür richtet sich nach dem Bruttoeinkommen und wird direkt vom Arbeitgeber an die entsprechende Kasse überwiesen. Die gesetzliche Krankenversicherung bietet allen Unkenrufen zum Trotz nach wie vor einen hervorragenden Schutz. Die Leistungen der Kassen sind größtenteils identisch, jedoch kann man beispielsweise gute Bonusprogramme nutzen, um jedes Jahr eine kleine Finanzspritze zu bekommen. Ein zweiter Tipp sind Wahltarife. Wer gesund ist, kann einen kleinen Selbstbehalt vereinbaren und bekommt eine Beitragsrückerstattung, wenn man nicht beim Arzt gewesen ist. Einfach mal bei der Krankenkasse nachfragen.

Haftungsrisiken

Spätestens mit dem Abschluss der Ausbildung oder des Studiums endet der Versicherungsschutz über die Eltern. Dann ist eine eigene Privathaftpflichtversicherung notwendig. Die Haftung ist grundsätzlich unbeschränkt und daher für die Privatperson unkalkulierbar. Aus diesem Grund ist eine Versicherung absolut notwendig. Sinnvoll ist die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung im Schadensfall. Dabei zahlt der Kunde die ersten z.B. 150€ des Schadens, den Rest übernimmt die Versicherung. Dadurch wird der Beitrag günstiger und man spart sich so im Laufe der Zeit viel Geld. Denn die Versicherung sollte nicht dazu genutzt werden, Kleinstschäden wie das kaputte Handy des besten Kumpels zu bezahlen.

Krankheits-/unfallbedingte Einkommensausfälle

Das mit Abstand größte Vermögen der allermeisten Berufseinsteiger ist die eigene Arbeitskraft. Wer 2.500€ brutto verdient, sitzt auf einem sog. Humankapital von über 700.000€. Da die gesetzliche Absicherung zu Anfang der Karriere quasi nicht existiert und auch später eher dürftig ist, ist die Arbeitskraftabsicherung die dritte Versicherung, die der Berufseinsteiger benötigt. Die Qual der Wahl des richtigen Produkts ist groß. Nicht immer muss es unbedingt die BU sein. Eine vernünftige Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist gerade bei Schreibtischtätern eine sinnvolle Alternative. Denn ca. 70% der berufsunfähigen Büromenschen sind auch erwerbsunfähig. Wer bereits früher einen Vertrag abgeschlossen hat, kann oftmals Nachversicherungsoptionen nutzen und ohne erneute Gesundheitsprüfung seinen Schutz anpassen. Empfehlenswert sind etwa 80% des Einkommens.

Langlebigkeitsrisiko

Seit Jahren wird die Werbetrommel kräftig gerührt: Fang so früh wie möglich mit der Altersvorsorge an! Da winken Steuervorteile und Zinseszins-Effekte. Den Hinweis früher an später zu denken, sollte man besser sehr schnell wieder vergessen. Es geht in jungen Jahren nicht um den Ruhestand, sondern um die Absicherung der großen Risiken und die Finanzierung der nächsten Jahre. Altersvorsorgeverträge haben unserer Meinung nach bei jungen Menschen nichts verloren! Gerade für die großen Veränderungen im Leben wie Familie, Immobilie und Existenzgründung sollte ausreichend frei verfügbares Geld zur Verfügung stehen, um sich nicht von Kredit zu Kredit zu hangeln.

Sonstige Risiken

Es liegt nahe, sich gegen alles und jeden zu versichern: Hausrat, Rechtsschutz, Unfall, Krankenhaustagegeld und so weiter. Doch je mehr Versicherungen man abschließt, desto höher sind die Fixkosten und gerade die sollte man zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn möglichst gering halten. Im Einzelfall können solche Verträge durchaus sinnvoll sein, in der Mehrzahl der Fälle ist man den drei obigen ausreichend bedient.

Vermögen - Verbindlichkeiten

Der größte Feind des jungen Menschen ist der Dispokredit. Sollte dieser wegen Umzug und Co. in Anspruch genommen worden sein, ist es das oberste Ziel, diesen zu tilgen. Kreditkarten gehören vernichtet. Auch andere scheinbare „Null-Prozent-Finanzierungen“ sollten schnellstmöglich zurückgezahlt und für die Zukunft vermieden werden. Wer sich schuldenfrei bezeichnen darf, sollte sich als nächstes ein ausreichendes Finanzpolster von mindestens drei Monatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto erarbeiten. Dieser Notgroschen dient als Reserve für Notfälle. Das kann der kaputte Kühlschrank oder die Behandlung beim Zahnarzt sein. Wer auch diese Hürde gemeistert hat, sollte sich mit Finanzierung bevorstehender Anschaffungen, Urlaube oder Weiterbildungen beschäftigen.

Fazit

Das wichtigste Kapitel für junge Menschen sind weder Versicherungen noch tolle Geldanlagen, sondern sie selbst. Wie oben gezeigt, reichen drei Versicherungen und zwei Finanzprodukte in den ersten Jahren vollkommen aus. Versicherungen springen ein, wenn es brennt, die eigene Reserve garantiert Freiheit. Man wird nicht durch Zinsen reich, sondern durch Arbeit und Konsumverzicht, auch wenn das arg langweilig erscheint. Die Investition in die eigene Gesundheit und Karriere ist die sicherste und ertragreichste. Dabei geht es aber vor allem um eine echte Berufung und nicht Dienst nach Vorschrift. So lassen sich auch Durstrecken überwinden und echte Erfüllung finden. Klingt pathetisch, ist aber so.

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