Liebe Cashkurs-Community,

heute möchten wir Sie auf die äußerst sehenswerte Dokumentation Mammon - Per Anhalter durch das Geldsystem  aufmerksam machen. Der Filmemacher Phillip Enders begibt sich auf eine Reise durch das Geldsystem und trifft auf einige alte Bekannte in Form verschiedener Geld-Experten. Neben Tomáš Sedláček, Christian Felber und anderen darf natürlich auch Dirk Müller nicht fehlen, der in gewohnter Art die Psychologie an den Börsen erklärt und u.a. den Sinn und Zweck des Hochgeschwindigkeitshandels kritisiert.

Überaus interessant fand ich, wie in dieser Dokumentation immer wieder der Zusammenhang zwischen Geld auf der einen Seite und Gefühlen, Glaube und Vertrauen auf der anderen Seite hergestellt wird und sich wie ein roter Faden durch die Dokumentation zieht. Ist es doch so, dass Gefühle, Glaube und Vertrauen einen nicht unbedeutenden Teil einer für das Bewusstsein verborgenen Realität an dessen Oberfläche spülen. Sie entspringen also durchaus einer objektiven Wahrnehmung und haben somit etwas Wahrhaftiges. Sie sind Teil einer objektiv betrachteten Realität, was ich mit einer kurzen Geschichte erläutern möchte.

Die Geschichte eines New Yorker Ex-Cops

Vielleicht kennen Sie die Geschichte des pensionierten New Yorker Cops Peter Newton bereits. Gerade im Ruhestand machte er einen Spaziergang über den Broadway, passierte ein am Straßenrand geparktes Lincoln Town Car und blieb abrupt stehen. Irgendetwas schien mit diesem Auto nicht zu stimmen. Doch er wusste nicht, was genau es war. Trotzdem war Peter Newton sich zu einhundert Prozent sicher: Dieses Auto war gestohlen!

Er betrachtete das Oberklassemodell von allen Seiten. Eigentlich sah es völlig normal aus. Nichts schien auf einen Diebstahl hinzudeuten. Doch sein komisches Bauchgefühl blieb. Er rief seine ehemaligen Kollegen und tatsächlich stellte sich heraus, dass wenige Tage zuvor eine Diebstahlanzeige erstattet worden war.

Tagelang grübelte Peter Newton. Warum nur hatte er gewusst, dass das Auto geklaut worden war? Immer und immer wieder schaute er die Fotos an, die er vom Lincoln geschossen hatte. Und ganz plötzlich sah er es: Das hintere Nummernschild war übersäht von toten Fliegen, das vordere hingegen frei von Insekten. Die Nummernschilder waren vertauscht. Sein Unterbewusstsein hatte dieses Indiz sofort richtig eingestuft, aber diese Information nicht an sein Bewusstsein weitergeleitet. Denn nur sehr wenige der Reize, die vom Gehirn verarbeitet werden, werden den Menschen auch bewusst. Dieses Beispiel zeigt, dass man sich oftmals durchaus auf sein Bauchgefühl verlassen sollte.

Mammon - Per Anhalter durch das Geldsystem

Kommen wir nun zurück zur sehenswerten Dokumentation Mammon - Per Anhalter durch das Geldsystem. Phillip Enders ergeht es zumindest zu Beginn seiner Reise, die mit einem Besuch bei einer Wahrsagerin beginnt genau anders herum. Wenigstens wenn man der Kartenlegerin vertraut: „Denn obwohl du gebildet bist und einiges über Geld weißt, […] bist du diesbezüglich emotionalen Einflüssen ausgesetzt. Die Mondkarte deute auf einen Mangel an Logik hin“, erklärt sie ihm. Und sie fährt fort: „Der Mangel an Logik käme von emotionalen Einflüssen rund um das Thema Geld, die es unmöglich machen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Das Resultat einer vermeintlich rationalen Anlagestrategie seines Anlageberaters ohne Bauchgefühl ist hingegen verheerend: Phillip hat seine gesamten Ersparnisse für die Altersvorsorge verloren. Das Geld ist weg, einfach fort, als wäre es nie dagewesen. Doch stößt er auf eine phantastische Smart-Phone-App, die ihm bei der Suche nach seinem Geld behilflich ist. Denn schon Amschel Meyer Rothschild wusste: Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund, es hat nur ein anderer.

Die Reise durch das Geldsystem

Auf seiner Reise durch das Geldsystem landet Phillip zunächst auf einer Bauruine in Spanien und trifft auf den Ökonom und Philosophen Tomás Sedlácek, was Banken tatsächlich mit dem Geld der Anleger tun und das Geld in Wahrheit ein Gestaltwandler ist. Über die Frage, ob Banken für den Eigenhandel tatsächlich das Geld der Sparer verwenden und nötig haben, kann man mit Tomás Sedlácek durchaus geteilter Meinung sien.

Wobei die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun hingegen meint, dass niemand Geld tatsächlich verstehen kann und es niemals ohne Bauchgefühl, pardon Gefühle, Glauben und Vertrauen funktioniert.

Die Entstehung des Geldes

Äußerst interessant gestaltet sich die Frage nach der Entstehung des Geldes - obwohl auch in dieser Dokumentation einmal mehr das Märchen von einem florierenden Tauschhandel in früheren Gesellschaften erzählt wird. Es stellt sich an dieser Stelle wieder einmal die Frage zu welcher Zeit und wo auf der Welt es Gesellschaften gegeben haben soll, deren Wirtschafts- und Handelssystem über längere Zeiträume auf Tauschhandel beruhte. Wird doch gleichzeitig erläutert, dass die ersten Münzen bereits 2500 Jahre v. Chr. im Umlauf waren und sich die Form des Geldes immer wieder auch den technischen Erfindungen angepasst hat. So wurde beispielsweise Papiergeld erst durch die Erfindung des Buchdrucks möglich, genau wie unser heutiges elektronisches Geld auf dem Siegeszug der Computertechnik beruht.

Einen kleinen Fauxpas leistet sich Phillip Enders des Weiteren als er laut nachdenkend zu dem Schluss kommt, dass man selbst als kleiner Bürger Geld ja nicht nach Art der Geschäftsbanken einfach selbst erfinden könne. Nur um kurze Zeit später ausführlich zu dokumentieren, wie Bürgergeld in Form sozialer Währungen in Spanien funktioniert. Und auch das Beispiel Bitcoin - dass im Film nicht erwähnt wird - zeigt natürlich, dass eine private Geldschöpfung ohne Geschäftsbanken nicht nur möglich, sondern durch die digitale Revolution auch bestens umsetzbar ist.

Äußerst interessant und auf viel Kritik dürfte der Ansatz des Wirtschaftswissenschaftlers Giacomo Corneo stoßen, der einen Aktienmarktsozialismus vorschlägt, indem sich die Produktionsmittel der Aktiengesellschaften in öffentlicher Hand befinden und Dividenden in den Staatshaushalt fließen.

Der Wille zum Wandel ist überall vorhanden

Letztendlich kommt Phillip Enders in seiner Dokumentation zu dem Schluss, dass überall in verschiedensten Formen ein Wille zum Wandel des bestehenden Systems in ein besseres vorhanden ist. Egal ob beim Daytrader, dem Befreiungstheologen oder den verschiedensten Wirtschaftswissenschaftlern. Und der Grund ist folgender: Es fehle schlichtweg ein fairer Plan für einen unausweichlichen Crash des Gesamtsystems und den folgenden Neustart.

Ich wünsche Ihnen viel Erkenntnisgewinn beim Ansehen von Mammon - Per Anhalter durch das Geldsystem.

Herzlichst

Ihr Helmut Reinhardt