"Nahrungsmittel-Spekulation verschärft Hungerkrisen: Deutsche Bank muss aussteigen"

Liebe Leser,

Vielen von Ihnen kennen bereits meine Einstellung zum Thema "Spekulation mit Lebensmitteln". Wir haben das Thema und die Entwicklungen hierzu schon seit längerer Zeit im Blick. Viele von Ihnen kennen bereits meine Einstellung hierzu und wissen, dass mir das Thema sehr am Herzen liegt. Im vergangenen Jahr durfte ich mich hierzu unter anderem bei einer Öffentlichen Anhörung zum Thema "Spekulationen mit agrarischen Rohstoffen verhindern" beim  Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz äußern. Ich freue mich immer wieder, wenn ich etwas zu diesem Thema beitragen kann und es in die Öffentlichkeit zu tragen.

Daneben haben auch Nichtregierungsorganisationen das Thema seit längerer Zeit aufgegriffen. MISEREOR, Oxfam und Weed engagieren sich diesbezüglich auch gemeinsam. Für MISEREOR durfte ich im letzten Jahr ebenfalls eine umfangreiche Studie erstellen, die über die Organisation verbreitet wurde. Hier können Sie die Studie einsehen.

Aktuell fordern die drei oben genannten Organisationen die Deutsche Bank auf bis Ende Januar 2012 den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu beschließen und schnellstmöglich umzusetzen. Die dazugehörige Erklärung sowie das dazugehörige Factsheet finden Sie unten angehängt.

Über die weiteren Entwicklungen halten wir Sie selbstverständlich auf dem Laufenden.

Ihr Dirk Müller

Oxfam, Misereor, Weed:

Nahrungsmittel-Spekulation verschärft Hungerkrisen: Deutsche Bank muss aussteigen

Berlin/Aachen, 17. Januar 2012. Oxfam, Misereor und WEED werfen der Deutschen Bank vor, mitverantwortlich für Preisexplosionen auf den Weltagrarmärkten zu sein, die Lebensmittel für in Armut lebende Menschen unbezahlbar machen. Die Nichtregierungsorganisationen fordern das Geldinstitut auf, bis Ende Januar 2012 den Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu beschließen und schnellstmöglich umzusetzen.

Die Deutsche Bank ist global die Nummer 1 bei börsengehandelten Rohstoffprodukten (Exchange Traded Products, ETPs) im Agrarbereich. „Die Deutsche Bank mischt beim Spekulieren mit Nahrungsmitteln international in der ersten Liga mit. Solange sie mit Essen spielt, riskiert sie den Hungertod von Menschen“, erklärt Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise, insbesondere die starken Preisschwankungen, ließen sich nicht nur mit den Ernteerträgen, der Nachfrage und den Lagerbeständen erklären.

Zahlreichen Experten zufolge, darunter die Weltbank, spielten die Investment- bzw. Indexfonds der Deutschen Bank und anderer Finanzspekulanten bereits eine Schlüsselrolle bei der Preisexplosion bei Nahrungsmitteln im Jahr 2007/2008. Von Januar 2005 bis Juni 2008 waren die Weizenpreise um 127 Prozent gestiegen, und die Maispreise hatten sich verdreifacht. 100 Millionen Menschen konnten sich infolge der Preisexplosion nicht mehr ausreichend Nahrungsmittel leisten und mussten hungern.

Recherchen im Auftrag von Oxfam, Misereor und WEED haben ergeben, dass aus 45 Rohstofffonds der Deutschen Bank bis zum Jahresende 2010 knapp fünf Milliarden US-Dollar in Agrarrohstofffonds und knapp 3,6 Milliarden US-Dollar in Energiefonds investiert worden sind. Diese Fonds wetten auf steigende Agrar- bzw. Ölpreise und tragen damit zu Preisspitzen bei Nahrungsmitteln bei.

Misereor-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer fordert deshalb: „Die Deutsche Bank darf nicht nur gegenüber ihren Aktionären, sondern muss in einer globalisierten Welt auch gegenüber den Ärmsten ihre Verantwortung wahrnehmen und mit dem Ausstieg aus der Nahrungsmittelspekulation ein Zeichen setzen.“ Markus Henn, Finanzexperte bei WEED, verweist auf den Zusammenhang zwischen steigenden Ölpreisen und steigenden Nahrungsmittelpreisen. „Bei der Preisentwicklung von Öl ist die massive Finanzspekulation ein wichtiger Einflussfaktor“, erklärt Henn. Steige der Ölpreis, so steige auch der Preis von Nahrungsmitteln.

Oxfam, Misereor und WEED fordern die Bundesregierung auf, bei der anstehenden EU-Finanzmarktreform für mehr Transparenz auf den Warenterminmärkten zu sorgen und die maßlose Spekulation durch Höchstgrenzen für den Handel mit Termingeschäften einzudämmen.

Hier geht es zum factsheet.

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