Dipl.-Volkswirt Prof. Dr. Ulrich Scheiper, Andreas Bangemann, Axel C. Baumgart und Helmut Creutz im Gespräch.

Moderation: Helmut Reinhardt

Hier finden Sie Teil 1 und Teil 2

Gold erreicht dieser Tage neue Rekordstände, sowohl in US-Dollar, als auch in Euro. Papiergeld verliert gegenüber Gold und Silber an Wert. Wäre aufgrund der Wertbeständigkeit von Edelmetallen über Jahrtausende hinweg die Rückkehr zu einem Goldstandard sinnvoll? Sollte man in dieser unsicheren Zeit in Gold investieren?

Helmut Reinhardt: Herr Baumgart, Gold kann nicht beliebig vermehrt werden. Sollen wir zum Goldstandard zurückkehren? Wie stehen Sie zu Edelmetallen als Krisenvorsorge?

Axel C. Baumgart: Eine Rückkehr zum Goldstandard wäre für die ehrbaren Menschen fatal, denn dann wäre das Wirtschaftsgeschehen von den Fördermengen des Goldes abhängig und wenn dann die Goldminen sogar noch in privater Hand wären, hängen die schaffenden Menschen an der „Nadel“ der Goldminenbesitzer! Dieses Thema sollten wir endgültig und für alle Male begraben. Ob es sinnvoll ist, in Edelmetalle zu investieren, muß jeder für sich selbst entscheiden, denn damit wird man automatisch zum Spekulanten. Im Falle eines Supergaus, kann man vielleicht dafür etwas kaufen, sofern der Verkäufer hierzu willens ist; denn satt werden kann man von Edelmetallen bekanntlich nicht.

Helmut Reinhardt: Also ich denke nicht, dass man als Edelmetallinvestor automatisch zum Spekulanten wird. Es kommt auf die Betrachtungsweise an.

Grundsätzlich halte ich langfristiges Sparen und Geldhortung und den daraus resultierenden Zinseszins auf die gesparten Vermögen für so schädlich, dass ein Wirtschaftssystem deshalb immer in einer Katasstrophe enden muss. Allerdings halte ich das Ausgeben von Geld für Dinge, die nicht als Währung dienen, für unschädlich.

Bin ich automatisch Spekulant, wenn ich einem unbekannten Künstler ein Gemälde (das mir gut gefällt) abkaufe?  Ist es moralisch verwerflich, wenn ich es später vielleicht für ein Vielfaches weiterverkaufen kann, weil anderen Kunstinteressenten die Bilder dieses Künstlers plötzlich auch sehr gefallen und der Meinung sind, dass das Bild mehr Geld wert ist? Für mich ist das ganz normaler Handel, den jeder Kaufmann betreibt.

Für mich ist Gold keine Spekulation, sondern Handel (ebenso wie Aktien), der durchaus mit einem gewissen (großen) kaufmännischem Risiko einhergeht, wobei man allerdings beachten sollte, dass Gold und Silber den Vorteil haben, über Jahrtausende als wertvoll erachtet worden zu sein und man Edelmetalle immer gegen die gerade gültige Währung eintauschen konnte.

Warum ist das so? Ich denke, es liegt an der Unzerstörbarkeit des Goldes. Gold entsteht nur bei Supanovae und das Gold, das auf diesem Planeten vorkommt, ist älter als unsere Erde, älter gar als das gesamte Sonnensystem. Ich gebe zu, Gold ist im Prinzip völlig nutzlos und dient fast nur als Schmuck.

Ich möchte fast so weit gehen, dass ich mir die Faszination der Menschen für Gold nur aus religiöser Sicht erklären kann. Da es nutzlos ist, einfach nur vorhanden und gleichzeitig fast unzerstörbar, könnte es aus religiöser Sicht das Sein und ewiges Leben symbolisieren. Auch nach tausenden Jahren in der Erde, verliert es niemals seinen Glanz und könnte somit ein Sinnbild für das Licht -das Göttliche an sich - sein. Gleichzeitig fanden viele Kriege wegen Gold statt, genau wie es in der Geschichte der Menschheit viele Religionskriege (Kriege um Gott) gab. Mag sein, dass ich mit dieser These falsch liege, - ich weiß es nicht.

Von einer reinen Edelmetallwährung halte ich übrigens, - genau wie alle hier im Kreis - auch nichts, außer Gold und Silber wären Bestandteil eines Warenkorbes mit vielen Rohstoffen, der als Deckung einer umlaufgesicherten Währung (Bancor, Terra) dienen würde.

Mit der Argumentation „physischer Goldkauf ist reine Spekulation“ könnte man auch jeden Hauseigentümer, der sein Haus selbst bewohnt als Spekulanten bezeichnen (bei einem reinen Investment in Mietshäuser sieht das ein wenig aus). Diese Haltung lehne ich ab. Ein Investment in physische Sach- und Substanzwerte ist für eine Volkswirtschaft nicht schädlich, sondern förderlich, ganz einfach, weil das Geld, das für diese Dinge ausgegeben wird, im Fluss bleibt, - und das ist doch genau das, was wir wollen.

Die Betonung liegt hierbei auf dem Wort „physisch“. Papierspekulationen zum Beispiel auf Lebensmittel gehören verboten, da sie den Menschen den Zugriff auf lebensnotwendige Dinge nehmen. Wir erinnern uns an die seltsame Explosion der Lebensmittelpreise im Jahre 2008, welche zu teils heftigen Ausschreitungen in Afrika, auf den Phillipinen und in Indonesien führte. 

Das einzige, was in meinen Augen gegen Edelmetalle spricht, sind die Umweltschäden, die bei der Förderung entstehen. Doch wo soll ich da anfangen? Wenn ich soweit ginge, müßte ich auch mein Auto jeden Tag stehen lassen, dürfte keinen Strom mehr verbrauchen und auch nicht mehr in den Urlaub fliegen.


Helmut Reinhardt: Aber nun ein anderes Thema. Herr Baumgart, was kommt nach einer möglichen Währungsreform und der eventuellen Rückkehr zu nationalen Währungen in Europa auf uns zu? Bekommen wir eine Deflationskrise oder droht eine Hyperinflation oder steht gar der "Weltuntergang" unmittelbar bevor?

Axel C. Baumgart: Bekanntlich ist der letzten großen Währungsreform eine Deflationskrise vorausgegangen und dieser Wahnsinn der damaligen Reichsbank hat Millionen von Arbeitslosen auf die Straße geschickt und diese letztendlich den Nazis in die „Arme“ getrieben. Damit ist für mich unstreitig, daß die Nazis niemals eine Chance gehabt hätten, an die Macht zu kommen, sofern der seinerzeitige Reichskanzler Brüning diese fatale Geldpolitik nicht zugelassen hätte und damit sind die wahren Schuldigen der nationalen Katastrophe in erster Linie bei den Krisen-Verursachern zu suchen! Ich weiß zwar, daß man das nicht gerne hört, aber dies ist nun einmal Fakt und leider haben wir bis heute keine Antwort darauf, wer dann diese braunen Herrschaften namentlich finanziert hat.

Traurig aber wahr! Ob wir allerdings diesmal zunächst eine Hyperinflation bekommen, hängt einzig und allein von den Verantwortlichen ab, denn „Alle Übel sind das Werk von Menschen. Folglich können sie auch von Menschen aus der Welt geschaffen werden“ (Jennifer Brown) Und nochmals der geniale Silvio Gesell: „Die Währung hält den Staat zusammen oder sprengt ihn – je nachdem. Wird hier gepfuscht, so löst er sich in kleinste Teile auf, in Atome, die sich gegenseitig abstoßen. Stadt gegen Land, Beruf gegen Beruf, Volksstamm gegen Volksstamm, Norden gegen Süden, Gläubiger gegen Schuldner, Festbesoldete gegen Lohnarbeiter, bis schließlich Arbeiterbataillone gegen Arbeiterbataillone marschieren!“ Soviel zu Ihrer Frage zum „Weltuntergang“ und sollten tatsächlich bei dem heutigen weltweiten Waffenpotential die Atombomben „fliegen“,  dann dürfte unser schöner Erdball massiv gefährdet sein.

Helmut Reinhardt: Herr Professor Scheiper, wie sieht die Zukunft aus?

Professor Scheiper: Für mich ist das schwer zu beantworten. Die Zukunft ist nun einmal das Reich des Nichtwissens. Die Welt wird sicher nicht untergehen. Was ist die Welt? Was ist Untergang? Konzepte in unserem Kopf! Untergehen werden falsche Weltbilder und sicher auch Vermögenswerte, die ohnehin nur auf dem Papier bzw. in der Vorstellung existieren. Die Subprime-Krise in den USA hat uns das doch vor Augen geführt. Neue Weltbilder und neue Werte werden entstehen. Ich hoffe, dass die neuen Konzepte sich mehr und mehr am Glück der Menschen orientieren. Das ist nicht in ökonomischen Werten zu finden.

Helmut Reinhardt: Herr Bangemann, kommt eine Währungsreform? War die Währungsunion ein richtiger Schritt?


Andreas Bangemann:
Eine Währungsreform ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation. Wenn es eine geben sollte, dann gehen ihr sehr chaotische Verhältnisse voraus, so dass die Einschätzung, wer danach unter welchen Bedingungen einen Neuanfang starten kann ein Feld für Glaskugel-Wahrsager ist.

Die Währungsunion ohne vorherige Wirtschaftsunion war ein Fehler, doch gibt es heute kein einfaches Zurück mehr. Wie ich schon aufgezeigt habe, sind die Möglichkeiten der Entschuldung im Falle der Zahlungsunfähigkeit begrenzt. Derzeit betreiben wir Insolvenzverschleppung und steuern auf den Ausweg Inflation zu. Weltuntergangsstimmung in einer Zeit zu verbreiten, in der sich durchaus noch Handlungsmöglichkeiten bieten, halte ich für total verfehlt. 

Helmut Reinhardt: Herr Creutz, was würde eine Währungsreform bringen?

Helmut Creutz: Wenn es eine wirkliche Währungsreform sein würde, verbunden mit einer Reform des Bodenrechtes, dann könnte ein solcher Neustart höchst erfolgreich sein. Denn zur Erholung der Volkswirtschaften und zur Loslösung aus den Fängen des kapitalistischen Systems kann es nur durch Währungen kommen, die zu ihrer Umlaufsicherung nicht mehr auf ständig positive Zinsen angewiesen sind und in denen die Diskrepanzen zwischen Arm und Reich nicht mehr ständig zunehmen müssen. Denn die heutigen Währungs-Systeme lassen allen Ländern nur die Alternative: Entweder mit Wachstum in die ökologische oder ohne Wachstum in die soziale Krise.

Helmut Reinhardt: Herr Bangemann, wie hoch schätzen Sie die Chance ein, dass ein nachhaltiges, umlaufgesichertes Geldsystem weltweit und in Deutschland eingeführt wird?

Andreas Bangemann: Hoch, denn die theoretische Grundlage zu einer solchen Einführung ist in jahrzehntelangen Forschungen und Arbeiten, bis hin zu aktuellen Modellen von Mathematik-Professoren so gut vorbereitet, dass einer Einführung keine langwierigen Forschungen mehr vorausgehen müssen. Helmut Creutz und Margrit Kennedy gehören zu den weltweit kompetentesten lebenden Protagonisten einer zukunftsfähigen Geld- und Bodenordnung. Sie stehen in enger Verbindung zu einem schier unerschöpflichen Netzwerk ebenfalls höchst kompetenter Fachleute auf diesem Gebiet. Es braucht eigentlich nur den politischen Willen. Mensch und Natur waren im Laufe der Geschichte zu ganz anderen Entwicklungssprüngen fähig. Da werden wir es doch schaffen, eine schon erdachte Alternative zum zerstörerischen Kapitalismus einzuführen.

Helmut Reinhardt: Herr Baumgart, Herr Professor Scheiper, wird es ein umlaufgesichertes Geldsystem geben?

Axel C. Baumgart: Das kommt ganz darauf an, ob man wieder einmal in der Geschichte eine weltweite Sachkapitalvernichtung – sprich Krieg – riskieren will oder nicht. Da aber bei der heutigen Konstellation die Kriegsgewinnler selbst große Gefahr laufen, diesen Supergau nicht zu überleben, besteht diesmal, sobald die Schmerzgrenze erreicht ist, die große Chance, dass irgendein Land mit einem umlaufgesicherten Geldsystem beginnt. Es wäre doch gerade für uns von der Geschichte gebeutelten Deutschen besonders schön, wenn wir damit beginnen würden und somit einen riesigen Beitrag für einen nachhaltigen Frieden liefern könnten – oder?

Helmut Reinhardt: Herr Professor Scheiper, Sie wirken ein wenig skeptisch. Sind Sie anderer Meinung?

Professor Scheiper: Ja, ich für meinen Teil schätze die Chance für die nächsten zehn Jahre als sehr gering ein. Meiner Meinung nach fehlt dafür noch das breite Verständnis und erst recht der Wille derjenigen, die am großen Rad drehen. Auf regionaler Ebene erwarte ich aber deutliche Fortschritte und noch viele leuchtende Beispiele.

Helmut Reinhardt: Sie sind mit stolzen 87 Jahren der älteste von uns. Gerne überlasse ich Ihnen das letzte Wort. Besteht in Ihren Augen eine Möglichkeit zur Geldsystemveränderung?

Helmut Creutz: Diese Chance besteht nur, wenn Politiker und die meisten Ökonomen zuerst einmal die Ursachen unserer Misere begreifen und damit die Rolle, die unser heutiges Geld dabei spielt. Angesichts der Entwicklungen in den letzten Jahren sollte dazu eigentlich eine ausreichend große Bereitschaft vorhanden sein, in der Politik ebenso wie in der zuständigen Wirtschaftswissenschaft und bei den Bürgern. Das gilt vor allem für die Erkenntnis, dass die heutigen destruktiven Umlaufsicherungsmittel für unser Geld, also Inflation und ständig positive Zinsen, durch konstruktive Geldhalte- bzw. Geldrückhaltegebühren ersetzt werden müssen.

Mit solchen Gebühren auf die Haltung der Zahlungsmittel würden sich nicht nur die heutigen kaum noch erfassbaren und um die Erde vagabundierenden Unruhe stiftenden Dollar- und Euro-Milliarden nach und nach abbauen, sondern sich auch dorthin verlagern, wo sie hingehören: In die Hände der Arbeit leistenden Menschen! -  Schon Keynes hat in den 1930er Jahren in seinem Hauptwerk geschrieben, dass eine solche Gebühr „den sanften Tod des Rentiers bedeuten (würde) und folglich den sanften Tod der sich steigernden Unterdrückungsmacht des Kapitalisten, den Knappheitswert des Kapitals auszubeuten“.

Und die Einführung einer solchen umlaufgesicherten Währung ist keinesfalls weltweit auf einen Schlag erforderlich, so wenig wie eine weltweite Einheitlichkeit der Inflations- oder Zinshöhen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass auf Grund der positiven Folgen in dem einführenden Land, sich ähnlich rasch Nachahmer finden werden, wie das z. B. bei der Abkopplung des Geldes von der Goldbindung der Fall gewesen ist.

Helmut Reinhardt: Meine Herren, vielen Dank für diese interessante Gesprächsrunde und Ihre Ansichten und Gedanken.

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