Hier noch mal Teil 1

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Hier noch mal Teil 3

Hier noch mal Teil 4

Hier noch mal Teil 5

Gold und Silber haben dieser Tage neue Höchststände in US$ erreicht und es ist davon auszugehen, dass die Preise weiter steigen werden, solange die Probleme des derzeitigen Geldsystems nicht nachhaltig gelöst werden oder ein neues Währungssystem, - welcher Art auch immer - eingeführt wird. Immer lauter werden die Rufe nach einer vermeintlich stabilen, durch Gold gedeckten Währung. Auf große Begeisterung bei den Goldbugs stieß die Aussage des Weltbankpräsidenten Robert Zoellick, der letzte Woche eine Art modifizierten Goldstandard forderte. Betrachten wir nun, ob ein neuer Goldstandard tatsächlich bestehende Probleme lösen könnte.

Bevor ich in Teil 7 darauf eingehen werde, wie leicht auch unter einem Goldstandard nach Österreichischer Schule die Geldmenge erhöht werden kann, möchte ich zunächst auf naheliegendere Probleme zu sprechen kommen. Grundsätzlich habe ich starke Bedenken, dass ein neuer Goldstandard ohne Weiteres funktionieren wird.


Die Problematik einer Goldwährung

In der Tat könnte ein goldgedecktes System funktionieren, wenn Banken zu reinen Depotbanken und ausschließlichen Vermittlern zwischen Kreditgeber und –nehmer gemacht würden. Zudem müssten Goldbesitzer tatsächlich bereit sein, Ihr gespartes Gold als Kredit weiterzuverleihen. Hilfreich für das Gelingen wäre die Erhebung einer Goldaufbewahrungsgebühr (Demurrage) und das Verbot, mit den Hinterlegungszetteln für Gold (Ansprüche auf Rückzahlung von Gold) zu handeln.

Viele Menschen würden sicherlich über die einmalige Anschaffung eines stabilen Tresors nachdenken, um die Goldhortungsgebühren bei einer Bank zu umgehen. Nehmen wir also an, Goldbesitzer bringen ihr Gold nicht zu einer Bank, die Aufbewahrungsgebühren verlangt, sondern stecken es zuhause in einen sicheren Safe. Das Gold würde verschatzt und stünde den Banken und somit kreditaufnahmewilligen Wirtschaftsteilnehmern nicht mehr als Zahlungsmittel zur Verfügung.

Falls sehr viele Goldbesitzer in dieser Form sparten, käme es sehr schnell zu einem Mangel an Goldgeld in der Wirtschaft: die Preise für Waren und Dienstleistungen würden sinken und sich auf das nachfragende Gold einpendeln. In diesem Fall würde auch das (zunächst) nicht nachfragende Gold in den Tresoren eine Aufwertung erfahren: die Goldsparer bräuchten nur lange genug zu warten, um eine Rendite für ihr gespartes Gold zu erzielen. Anders ausgedrückt: sie wären die Profiteure einer Deflation, die sie selbst durch ihre Goldersparnisse ausgelöst hätten. Auf der einen Seite könnten sparende Goldbesitzer mehr Waren für ihr Gold kaufen oder auf der anderen Seite die Zinsen bestimmen und hochtreiben, um das Gold wieder als Kredit frei zu geben.

Doch hierfür haben heutige Vertreter der Österreichischen Schule eine Lösung: „Falls die Goldbesitzer auf ihrem Gold sitzen bleiben, sollen sie es doch tun, bis sie schwarz werden.“ Oliver Janich ergänzt diese Aussage in seinem Buch auf S. 69 mit einer recht interessanten Theorie:

[...] Aus der Tatsache, dass Gold eine Ware ist, wird auch ersichtlich, warum das Horten von Geld völlig unproblematisch ist. Alle Ökonomen mit Ausnahme der Österreicher haben eine panische Angst davor, dass die Menschen Ihr Geld horten. Keynes hat daraus die Theorie der Liquiditätsfalle entwickelt. Er soll sich dabei übrigens auf die Arbeiten des anderen Voodoo-Ökonomen Silvio Gesell bezogen haben, was nicht verwundert. Wie wir bereits gesehen haben, stellt das Horten schon deshalb kein Problem dar, weil das gesparte Gold/Geld dem Kreislauf entzogen ist. Das restliche, das heißt im Umlauf befindliche Gold – und natürlich auch das gehortete – steigt entsprechend im Wert. [...]

Zunächst einmal sei angemerkt, dass Geld prinzipiell ständig gehortet ist. Das gilt für Ihr Bargeld, das sich gerade in Ihrem Portemonnaie befindet, für das Geld in den Supermarktkassen und auch für das Giralgeld auf Spar- und Girokonten. Geld ist grundsätzlich zu fast jedem Zeitpunkt einem Besitzer zuzuordnen. Streng genommen gibt es in diesem Sinne kein „ungehortetes Geld im Umlauf“.

Führt man diesen Gedankengang konsequent zu Ende, dürfte es nach seinen Ausführungen ja auch kein Problem darstellen, wenn alles Gold/Geld dem Umlauf durch Hortung entzogen wäre. Ein in meinen Augen abstruser Gedanke, denn eines sollte jedem Menschen klar sein: Ohne Geld funktioniert keine arbeitsteilige Wirtschaft, schon gar nicht mehr in unserer heutigen, globalisierten Welt.

Entscheidend und wichtigste Eigenschaft des Geldes ist vielmehr der winzige „energetische“ Moment seiner Weitergabe, der Zeitpunkt an dem es seine eigentliche Aufgabe als Aufteilungsmittel in der Wirtschaft erfüllt. Die herausragende Bedeutung von Geld besteht also nicht in seinem physischen Vorhandensein, sondern in seiner Verwendung, wobei die Form und der stoffliche, materielle Teil des Geldes vernachlässigt werden kann.

Doch auch wenn die Form von Geld nebensächlich ist, wird ein Medium – welcher Art auch immer – für die Übertragung benötigt. Das gilt für die heutige Zeit und ihren Computer-Giralgeld-Bits ebenso wie für eine reine Tauschwirtschaft, zu der die Österreichische Schule mit einem freien Waren-/Marktgeld zurückkehren möchte. Die Angst vor einer Deflation sei hierbei völlig unbegründet, denn nach Meinung der Österreicher würden sich die Menschen im Fall einer Goldknappheit einfach ein anderes freies Marktgeld schaffen. Ruckzuck würde man auf Silber, Zigaretten oder eventuell auch auf Alkohol ausweichen.

Welch eine Schnapsidee in Bezug auf ausstehende Goldkredite! Nehmen wir an, Sie haben jemandem zu einem bestimmten Zinssatz Goldgeld überlassen. Wie erfreut wären Sie, wenn Ihnen Ihr Kreditnehmer als Rückzahlung ein paar Flaschen 38%igen Doppelkorn anbieten würde, um die Schuld zu begleichen? Im Falle einer bestehenden Alkoholsucht würden Sie vielleicht sogar zustimmen, doch halte ich es für eher wahrscheinlich, dass Kreditnehmer durch die Aufwertung von Gold während der Kreditlaufzeit ruiniert werden würden und eine einsetzende Deflation - wie zu Ende der 1920iger Jahre - zu schweren sozialen Verwerfungen führen würde.

Nun muss man sich fragen, wen man tatsächlich als „Voodoo-Ökonom“ bezeichnen sollte: Gesell oder Janich? Es ist kaum zu glauben, dass man tatsächlich ernsthaft in Erwägung zieht, zu einer reinen Tauschwirtschaft zurückkehren!

... wird in Teil 7 fortgesetzt.

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