Der Steuerzahler soll künftig erst in allerletzter Instanz für Insolvenzen der Banken geradestehen, ein EU Abwicklungsfond soll das möglich machen.

Ist das ein weiser Schachzug der EU-Finanzminister? Welche Konsequenzen hat das wirklich für den deutschen Steuerzahler?

Die Absicht der Finanzminister ist für mich nebulös. Aber am Ende streut man nur Sand in die Augen der Sparer und Steuerzahler. Natürlich werden künftig zuerst die Gläubiger und Eigentümer einzelner maroder Banken zur Kasse gebeten. Das wird aber selten ausreichen. Im nächsten Schritt aber werden schon Sparer um ihr Geld gebracht. Jetzt mag der eine oder andere behaupten, das träfe ja nur eine Minderheit mit Sparguthaben über 100.000 Euro und die könnten das Opfer leicht erbringen. Doch die Grenze von 100.000 Euro ist aktuell nirgendwo gesetzlich festgelegt und selbst wenn das passiert, wird eine Vollendung der europäischen Bankenunion die Sparguthaben aller Deutschen gefährden, in dem dann die Banken in ganz Europa für einander haften werden und damit die Einlagensicherung verwässert wird.  Außerdem wird der Fonds erst in einigen Jahren in ansatzweise funktionsfähig sein. Und selbst wenn die Bankwirtschaft einige Jahre in den Fonds einzahlt, wird deshalb noch lange keine Bankenkrise daraus finanziert werden können. 2008 lagen geschätzte 5 Mrd. Euro in den Einlagensicherungsfonds der Banken deponiert. Im Gegensatz zu den 5 Bill. Euro Sparguthaben der Bundesbürger ein Peanuts. Erst werden künftig die Sparer abgezockt und dann die Steuerzahler. Wir zahlen also in Zukunft mindestens doppelt bei Bankenpleiten.     

Wie sollen die neuen Regeln für Banken aussehen, sind sie für alle Banken in der EU gleich?

Die Regeln werden in Zukunft immer mehr angenähert, was eine europäische Harmonisierung nach sich ziehen wird. Allerdings ist angedacht die Regeln in einzelnen Stufen einzuführen. Nationale Gesetze müssen aber zuvor noch verabschiedet werden. 

Am 18. Dezember kurz vor dem EU-Gipfel soll es zur Einigung kommen? Die Finanzminister sind glücklich, die Banken nicht. Wieso?

Die europäische Bankenbranche kostet die Regulierung 9 Mrd. Euro jährlich. Die Banken ächzen unter den zunehmenden Kosten der Regulierung. 7 Mrd. entfallen auf Kapital- und Liquiditätsausstattung, 1,4 Mrd. auf weitere Personal- und Sachkosten und 600 Mio. auf die Bankenabgabe. Dazu kommen niedrige operative Erträge durch die erhöhten Eigenkapitalanforderungen. Durch die Direkthaftung von Gläubigern und Aktionären werden auch die Refinanzierungskosten steigen. Also weshalb sollte die Bankenbranche über die neuesten Entwicklungen glücklich sein.  

Banken müssen jetzt Eigenkapital beim Kauf von Staatsanleihen hinterlegt haben? Spiegelt das das Risiko der Staatsanleihen oder das Risiko der Bankinsolvenz?

Das ist noch keine beschlossene Sache, dass Banken für Staatsanleihen der Güteklasse A Eigenkapital hinterlegen müssen. Zu Recht prüft diesen Sachverhalt derzeit aber die EZB im Rahmen der anstehenden Bilanzprüfungen. Diese Maßnahme wäre aber sowohl ein Spiegel der gestiegenen Risiken für Staatsanleihen, wie auch wichtig und richtig um die Solidität des europäischen Bankensektors zu sichern. 

Wie sieht es bei den deutschen Banken mit Insolvenzrisiko aus?

Das ist nicht ganz klar. Alle Banken haben in der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht ganz ehrlich bilanziert. Aus dieser Zeit lagert ergo noch viel giftiges Material in den Bilanzen. Sollten die Institute nun zur Ehrlichkeit gezwungen werden, so kann das zumindest einige europäische Institute an den Rand der Insolvenz bringen. Genau das und die anstehende Bilanzprüfung der EZB sind die Gründe für das Misstrauen in der Bankenbranche und den schleppenden Interbankenhandel. Deutsche Institute bilden da keine Ausnahme.

Europäischer Abwicklungsfonds, wer zahlt das? Ist das gut für die deutschen Steuerzahler?

Der Fonds soll von den europäischen Banken finanziert werden. Jedoch ist dessen Reife erst in 5 Jahren zu erwarten. Über eine Übergangslösung wird derzeit noch nachgedacht. Durch den Bankeninsolvenzplan wird der Steuerzahler im Einzelfall künftig entlastet. Für den Fall einer Krise oder einer Schieflage eines systemrelevanten Institutes taugt er nicht und schütz deshalb auch nicht die Steuerzahler. Wer das behauptet zündet bewusst Nebelkerzen zur Verschleierung der Tatsachen. 

Macht es Sinn sein Geld auf verschiedene Banken zu verteilen um es bei einer Insolvenz der Bank nicht zu verlieren?

Das Verteilen von Sparguthaben auf mehrere Banken um die Grenze von 100.000 Euro zu vermeiden, reduziert das Risiko nur. Ganz ausschließen kann man es ab demnächst nicht mehr. Zypern ist zur Blaupause der Europäischen Politik geworden und nichts schützt den Sparer künftig davor.

Bankenaktien sind daher wohl gerade nicht interessant?  Welche Branchen sollte man sich anschauen?

Ich denke, dass Konsumaktien noch interessant sind. Aber generell rate ich aktuell niemandem mehr auf diesem hohen Niveau noch in Aktien einzusteigen, der nicht schon investiert ist.