Schon seit ein paar Monaten erzähle ich immer wieder, dass die beste Anlagestrategie meiner Meinung nach zur Zeit darin besteht, reale Werte zu kaufen und diese über Optionsscheine gegen einen eventuellen deflationären Schock (fallende Kurse) zu versichern. Doch wie funktionieren diese Optionsscheine eigentlich genau. Das möchte ich Ihnen heute anhand dieses Beitrags noch einmal erläutern. 

Optionsscheine (OS) sind verbriefte, d.h. als Wertpapier ausgestaltete und somit handelbar gemachte, Rechte. Jeder Option und somit auch jedem OS liegt nämlich ein so genannter Basiswert zu Grunde, auf den sich die Option bezieht. Dieser Basiswert kann z.B. eine Aktie, ein Index, eine Währung, ein Rohstoff oder eine Anleihe sein. Mit Kaufoptionsscheinen (Call) können Anleger auf steigende und mit Verkaufsoptionsscheinen (Put) auf fallende Kurse des Basiswertes setzen.

Optionsscheine verbriefen normalerweise das Recht, aber nicht die Pflicht, den Basiswert, (Aktie etc.), zu einem vorher festgelegten Preis (Basispreis) innerhalb einer festgelegten Bezugsfrist zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Der Normalfall ist die so genannte amerikanische Option. Bei amerikanischen Optionen kann der Inhaber der Option bzw. des OS sein Recht während der gesamten Laufzeit ausüben. Das Pendant zur amerikanischen ist die europäische Option. Hier ist die Ausübung nur am Laufzeitende möglich.

OS können, z.B. defensiv zur Absicherung bestehender Aktien-Positionen eingesetzt werden. So habe ich auch am 07.04.2010 das Musterdepot von Cashkurs*Trends über einen Put-Optionsschein auf den Dax gegen fallende Daxkurse abgesichert.

Aufgrund des geringeren Kapitaleinsatzes beim Kauf einer Option, verglichen mit einem direkten Kauf des Basiswerts, besteht zum Teil eine hohe Hebelwirkung, so dass Optionsscheine auch zur Spekulation eingesetzt werden können. Kauft sich der Anleger einen OS, so partizipiert er von diesem Moment an prinzipiell an der Wertentwicklung des Basiswertes (Kursverlauf der Aktie). Verglichen mit einem Direktinvestment in den Basiswert (also z.B. in die entsprechende Aktie) muss der Anleger beim OS allerdings teilweise weit weniger Geld einsetzen. Der OS kostet also nicht so viel wie die Aktie selbst. Das Verhältnis, welches sich aus dem Wert des Basiswertes (Aktie) und dem Wert des OS zu diesem Zeitpunkt ergibt, stellt den Hebel des Investments dar. Wie diese Hebelwirkung genau funktioniert, werde ich weiter unten noch einmal anhand eines Beispiels verdeutlichen.

Beachten sollte man allerdings, dass diese Hebelwirkung auch in die andere Richtung wirkt, so dass diese Papiere nur für solche Investoren geeignet sind, die die Funktionsweise von Optionsscheinen richtig verstanden haben und etwas risikofreudiger sind. Man muss sich immer darüber im Klaren sein, dass das komplette Geld, das man in einen Optionsschein investiert hat, weg sein kann. Aber auch nicht mehr. Lachen Sie nicht, es gibt Produkte wie Futures oder CFD´s, bei denen Sie unbegrenzt Geld verlieren können. Ohnehin sollten Sie Ihr Geld nur in die Produkte investieren, die Sie auch wirklich verstanden haben.

Der Kaufoptionsschein (Call)

Mit einem Kaufoptionsschein kann der Anleger auf steigende Kurse des Basiswertes setzen. Kauft er einen Call, so erwirbt er das Recht, einen Basiswert (Aktie) zu einem vorher festgelegten Preis (Basispreis) während der Laufzeit vom Verkäufer des OS (die Emissionsbank) zu kaufen. Für dieses Recht muss der Call-Inhaber an den Verkäufer des OS zum Kaufzeitpunkt eine Optionsprämie zahlen, den Call-Preis. Das können Sie wie eine Versicherungsprämie verstehen. Ein Call-OS verbrieft also ein Kaufrecht auf den Basiswert.

Ein kleines Beispiel soll das doch etwas trockene Thema verdeutlichen. Kauft ein Anleger beispielsweise von einer Bank (Emittent) einen Kaufoptionsschein auf eine Aktie der Pfefferminzia AG mit einem Basispreis von 100 Euro und einer Laufzeit von einem Jahr, dann hat der Anleger das Recht, von dem Emittenten innerhalb eines Jahres die Lieferung einer Aktie der Pfefferminzia AG zu einem Preis von 100 Euro zu verlangen.

Die Inanspruchnahme dieses Kaufrechts lohnt sich allerdings nur dann, wenn die Aktie über 100 Euro notiert, da die Aktie in diesem Fall über den Optionsschein günstiger bezogen werden kann als über die Börse. Sollte der Aktienwert dagegen unter 100 Euro fallen, könnte der Anleger die Aktie an der Börse günstiger erwerben, als über sein Optionsrecht. In diesem Fall würde der Anleger sein Optionsrecht verfallen lassen und die Aktie direkt an der Börse kaufen.

Kurz ein Wort zur Abrechnung: Optionsscheine werden am Ende grundsätzlich nicht durch wirkliche Auslieferung des Basiswertes (Aktien, Index, Gold etc.) abgerechnet, sondern durch einen Barausgleich. Sie müssen also nicht wirklich Ihre abgesicherten Aktien oder Gold beim Emittenten abliefern um Ihren Gewinn einzustreichen, sondern erhalten nur den Differenzbetrag auf Ihr Konto überwiesen, so als würden Sie den Optionsschein am letzten Tag verkaufen.

Einen Gewinn erzielt der Investor dann, wenn der Kurs der Pfefferminzia AG über dem Basispreis zuzüglich der Optionsprämie notiert. Kostet der Kaufoptionsschein z.B. 10€, dann erzielt der Investor erst dann einen Gewinn, wenn der Kurs der Pfefferminzia AG am Fälligkeitstag über 110€ (100€+10€) steht.

Mit einem Call partizipiert der Anleger unbegrenzt an steigenden Kursen des Basiswertes, während sein Verlust bei fallenden Kursen auf die Optionsscheinprämie begrenzt bleibt. 

Der Wert des Kaufoptionsscheins wird also maßgeblich von der Kursentwicklung der Aktie der Pfefferminzia AG beeinflusst. Da der Anleger aber im Vergleich zum direkten Kauf der Aktie der Pfefferminzia AG für den Optionsschein deutlich weniger bezahlt hat, entsteht eine Hebelwirkung im Optionsschein.

Steigt der Wert der Aktie beispielsweise um 20€ auf 120€, so gewinnt die Aktie 20% an Wert. Steigt der Call mit Basispreis 100€ z.B. von 10€ auf 20€, so legt er um 100% zu. Somit hat der Call-Optionsschein einen Hebel von 5, da er über den Call prozentual 5mal mehr Gewinn macht als mit der Aktie selbst (100% / 20%). Andererseits verliert der Call bei fallendem Aktienkurs auch um den Faktor 5.

Hier kommt ein elementares Gesetz der Finanzierungstheorie zum Tragen: eine höhere Renditechance geht immer mit einem höheren Risiko einher.

Der Verkaufsoptionsschein (Put)

Mit einem Verkaufsoptionsschein (Put), dem Gegenstück zum Kaufoptionsschein, kann der Anleger einerseits auf fallende Kurse des Basiswertes setzen und andererseits sein Depot gegen Kursrückgänge absichern. Da der Put-OS bei sinkenden Kursen im Preis steigt, gleicht er im Optimalfall die Depotverluste wieder aus.

Hier erwirbt der Anleger das Recht, einen Basiswert zu einem vorher festgelegten Preis während der Laufzeit an den Verkäufer des Optionsscheins zu verkaufen. Die Abrechnung findet natürlich wieder, wie beim Call, durch einen Barausgleich, und nicht durch physische Lieferung, statt. Für dieses Recht muss der Put-Inhaber wieder eine Prämie an den Verkäufer des Optionsscheins zahlen, in diesem Fall den Put-Preis.

Der Besitzer eines solchen Puts profitiert vom Verfall des Basiswertes. Er wird sein Verkaufsrecht so lange ausüben, wie er den Basiswert, über seinen OS teurer verkaufen kann als über die Börse. Andererseits lässt er sein Verkaufsrecht, das er über den Put-Optionsschein erworben hat, verfallen. Das können sie sich wiederum wie eine Versicherungsprämie vorstellen.

Als Beispiel schauen wir uns wieder die Aktie der Pfefferminzia AG an. Wir nehmen einmal an, dass die Aktie bei 100€ notiert. Der Put-Optionsschein auf die Aktie der Pfefferminzia AG hat einen Basispreis von ebenfalls 100€ und kostet 5€. Damit der Put am Ende der Laufzeit einen positiven Wert besitzt, muss die Aktie unter 100€ stehen. In die Gewinnzone rutscht der Put-Inhaber allerdings erst dann, wenn die Aktie unter 95€ fällt, da er eine Optionsprämie (Versicherungsprämie) von 5€ bezahlt hatte. Der Verlust ist wie beim Call auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt.

Die Wertentwicklung sowohl von Put- als auch von Call-Optionsscheinen hängt hauptsächlich von der Kursentwicklung des Basiswertes, dem Basispreis, der Schwankungsintensität des Basiswertes (Volatilität oder kurz Vola) sowie der Restlaufzeit bzw. dem Zeitwert ab.

Der Zeitwert

Schauen wir uns den Zeitwert einmal etwas genauer an: Je länger der Zeitraum ist, in dem Sie das Recht haben, die Aktie der Pfefferminzia AG zu kaufen bzw. zu verkaufen, umso wertvoller ist dieses Recht. Klar: Wenn Sie das Recht nur bis Morgen hätten, wäre es ziemlich unwahrscheinlich, dass sich der Kurs der Aktie großartig bewegen würde. Wenn die Laufzeit allerdings über 5 Jahre geht, ist es viel wahrscheinlicher, dass sich die Aktie nach oben oder unten bewegt. Also ist ein solches Recht (OS) umso teurer, je länger seine Laufzeit ist. Der Mehrwert der Restlaufzeit ihres OS reduziert sich mit jedem Tag ein klein wenig, bis er am Ende bei Null steht (der Zeitwert!). Dann hat der OS nur noch seinen „inneren Wert“ (also den Basispreis zu dem Sie kaufen/verkaufen dürfen minus dem aktuellen Kurs).

Die Vola

Wie erwähnt wird der Preis eines OS ebenfalls von der Schwankungsintensität (Volatilität oder einfach nur „Vola“) beeinflusst. Auch hier ganz klar: Wenn sich die Aktie über Monate gar nicht bewegt und jeden Tag bei 100 Euro steht, dann ist es doch seeehr unwahrscheinlich, dass es plötzlich einen Riesenhopser macht und unter 100 fällt oder über 100 steigt, nicht wahr? Wenn aber die Aktie jeden Tag um 20 US$ hoch und runter springt, mal 30$ hoch und dann wieder 40 nach unten, wäre die Wahrscheinlichkeit schon wesentlich höher, dass sie im Laufe der Zeit eben auch mal deutlich unter bzw. über 100 US$ fällt bzw. steigt.  Daher ergibt sich, dass ein solches Recht (OS) natürlich umso wertvoller (teurer) ist, je höher die aktuellen Schwankungen sind. In ruhigen Phasen wird der Preisanteil am OS, der durch die Vola entsteht sehr gering sein, in verrückten Märkten, wo es ständig auf und ab geht, deutlich höher.

Das Bezugsverhältnis

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie viele OS benötigt werden, um das Recht auf den Kauf/Verkauf einer Einheit des Basiswertes zu erlangen. Das erkennt man am Bezugsverhältnis, das jeder OS besitzt. Dieses Bezugsverhältnis gibt an, wieviele Einheiten eines Basiswertes durch einen OS ge- (Call) oder verkauft (Put) werden können.

Im einfachsten Fall beträgt das Bezugsverhältnis 1:1. Zur Ausübung eines Optionsrechts wird dann lediglich ein Optionsschein zum Bezug einer Einheit benötigt. Es gibt aber auch durchaus niedrigere Bezugsverhältnisse. So werden Optionsscheine auf den Deutschen Aktienindex DAX meist mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 ausgegeben, damit Anleger auch kleinere Summen einsetzen können. Als Dezimalzahl ausgedrückt sind das dann 0,01. Ein Anleger benötigt hier 100 Optionsscheine, um einen kompletten Index abzubilden. Anders ausgedrückt: Ein Optionsschein bezieht sich auf ein Hundertstel des Index. Bei Aktienoptionsscheinen kann das Bezugsverhältnis aber durchaus höher ausfallen, etwa 10:1 (0,1).

Liegt beispielsweise das Bezugsverhältnis eines Call-OS mit einem Basispreis von 80 Euro auf die Aktie der Pfefferminzia AG, die bei 100€ steht, bei 10: 1 oder 0,1, dann kostet ein Call-OS am Laufzeitende unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses 2 statt 20 Euro (20/10 oder 20*0,1). Bei der Berechnung des Werts eines OS muss das Bezugsverhältnis stets berücksichtigt werden.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel für ein wenig Klarheit in Sachen Optionsscheinen sorgen.

Herzlichst

Ihr Dirk Müller