Nach dem Krieg und in den Zeiten des angeblichen Wirtschaftswunders war es einmal so, dass nach Ludwig Erhard die Aufgabe von Kompromissen in der Politik darin bestand, einen Kuchen so zu verteilen, dass alle meinen, sie hätten das größte Stück bekommen. Gleichzeitig sollte Eigentum verpflichtend wirken. Sein Gebrauch sollte zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen, forderten schon die Väter des Grundgesetzes. [1]

Die Politik versuchte, von den Reichen das Geld und von den Armen die Wahlstimmen zu bekommen – beides mit dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit. Doch Gerechtigkeit – was ist denn schon gerecht? – hat noch niemals auf der Erde existiert und ist auch heutigentags eine Utopie. [2] Wie sonst ist es zu erklären, dass man in der Gegenwart einerseits den Gott Mammon anbetet und die Geldvermehrung einzig und allein Ziel und Sinn allen Wirtschaftens sein soll und andererseits alle drei Sekunden ein Erdenkind auf diesem Planeten verhungert?

„Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“, heißt es in der Bibel (Matthäus 6,24).

Erstes Erwachen

Wer eigentlich ist man selbst? Wofür steht man ein? Wie sieht das eigene Leben aus? Ist man glücklich? Mit einem selbst und dem, was man gerade tut? Es ist recht merkwürdig, aber im jetzigen Augenblick geht es mir persönlich hervorragend. Es könnte gar nicht besser sein. Doch eigentlich war das auch schon immer so – an jedem von der Zeit verwehten Punkt meines Lebens.

Doch ging es mir in der Vergangenheit auch öfter mal schlecht. Und zwar immer genau dann, wenn ich mir in manchen vergangenen Nus eine ungewisse, möglicherweise negative Zukunft ausmalte. Schlechte – im Nachhinein betrachtet –
völlig unnötige Sorgen. Gedanken an die Zukunft fressen Gegenwart! Manchmal wird man krank davon – von diesen fixen Ideen an kommende, doch nur vielleicht schlechte Zeiten. Und doch! Selbst in Zeiten von Krankheiten und Verletzungen können Dir gute Gedanken an die Zukunft den momentanen Schmerz und die gegenwärtige Pein ertragen und vergessen lassen.

Und dann gibt es noch die wenigen Momente im Leben, die einem die Augen öffnen,  Erkenntnis schaffen, aber auch Urvertrauen vernichten. In meinem Fall war ein solcher Zeitpunkt, als mich im Jahre 1999 meine damals dreijährige Tochter fragte, wo das Geld herkomme. Die Frage hat mich damals recht schwer getroffen. Ich hatte keine, mich wirklich zufrieden stellende Antwort auf dieses Rätsel. Geld war doch einfach da! So wie die Luft zum Atmen. Man musste es doch nur verdienen! Oder etwa nicht?

Ich vermutete, dass unser Geld vom Staat kommt. Wie aber kann das sein, wenn der Staat selbst nicht nur keines hat, sondern im Gegenteil enorme Schuldenlasten trägt?

Occupy Yourself!

[...] Ehrlich gesagt, hatte ich damals nicht den blassen Schimmer einer Ahnung und antwortete vorsichtig und obwohl ich es nicht wußte: „Vom Staat, Schatz. Der Staat macht das.“

In Wirklichkeit war ich sehr erschrocken über mich selbst. Zeit seines Lebens tritt man in die Mühle, um möglichst viel von diesem seltsamen, geheimnisvollen Stoff zu ergattern. Hat man zu wenig, bekommt man Angst. Hat man genug, ist das schön. Zuviel hatten wir nie. Und doch wußte ich damals nicht, woher das Geld kommt, wer es in den Umlauf gibt und welche Prozesse es entstehen lassen. Auf Deutsch gesagt: Gegenüber meiner Tochter kam ich mir vor wie ein Idiot. Mich beschlich das komische Gefühl der völligen Unwissenheit über die Realität. Ich hatte damals die widerliche Wahrnehmung, eine Marionette zu sein, an Fäden zu hängen und gezwungenermaßen an einem (Schau-)Spiel teilzunehmen, dessen grundsätzliche Regeln ich nicht verstand. Ich war wütend über mich selbst, aber gleichzeitig erwachten Neugierde und Wissensdurst. [...]


Die Reise begann und die ersten Bücher wurden gekauft. Das für die Allgemeinheit noch recht junge Medium „Internet“ bot noch recht dürftige Informationen, wobei man sich damals noch die Frage stellte, wie man überhaupt „rein“ kommt.
WDR Computerclub 1999 - Wie kommt man ins Internet

Die Bücher von Helmut Creutz, Bernd Senf, Margrit Kennedy, Günter Hannich, Eberhard & Eike Hamer, Heinsohn & Steiger, Robert Prechter, Reinhard Deutsch, Ferdinand Lipps, Paul C. Martin, etc. ließen mich in den folgenden drei Jahren zu einer völlig neuen Welt- und Geldsicht gelangen. Und das Internet wuchs und wuchs und schon Anfang der 2000er Jahre stieß ich auf die ersten Foren und Seiten im World Wide Web, die sich kritisch mit unserem Geld- und Wirtschaftssystem befassten.

Der zweite Schritt nach dem Erwachen

Das Wissen, welches in den Büchern vermittelt wurde, machte mich bei Diskussionen mit Freunden zum Außenseiter und Schwarzseher. Auch wenn die Dotcom-Blase gerade erst geplatzt war, wollte man im Bekanntenkreis von einem bevorstehenden, möglichen Crash des gesamten Geldsystem nichts wissen. Es fühlte sich komisch an, als eigentlich angesehener Unternehmer plötzlich in die Spinner- und Verschwörungstheoretikerecke gedrückt zu werden. Nicht nur von Freunden und Bekannten, sondern auch von den Bank- und Versicherungs„beratern“, die unsere Firma schon lange Jahre begleiteten und teils belustigt, teils wütend auf bestimmte Aussagen zum herrschenden Geldsystem reagierten. Und auch das mitleidige Lächeln der Frau K. von der Sparkasse bei meiner Bestellungen von 10 gr. Goldbarren zum Traumpreis von 109,- Euro ist mir auch heute noch in bester Erinnerung.

Zur damaligen Zeit war ich oft nach solchen Diskussionen verbittert, angesichts der vermeintlichen Blind- und Unwissenheit meiner Gesprächspartner und doch habe ich im Laufe der Jahre gelernt, dafür Verständnis zu haben. Habe ich doch selbst mehr als dreißig Jahre lang völlig ahnungslos das sich überraschenderweise immer noch drehende Hamsterrad – welches sich hinter dem Pseudonym „Freie Marktwirtschaft“ versteckt – mitgetreten.

Irgendwann – es muss Anfang 2003 gewesen sein – erhielt ich eine Einladung per E-Mail zu einem Treffen in einer Stadt im Ruhrgebiet. Mit einem meiner Brüder machte ich mich auf den Weg und traf auf recht eigentümliche Gesellen in einer nicht gerade schönen Hochhaussiedlung. Diese konspirativ angehauchte Versammlung empfand ich damals als recht eigenartig, doch umso interessanter war sie auch. Ein sehr alter Mann aus Kanada erzählte begeistert vom Wörgler Wunder [3] und ein Plan – der niemals existent werden sollte –  wurde geschmiedet. Man hatte tatsächlich vor, im gesamten Ruhrgebiet ein selbst gedrucktes Geld zu verteilen. Einfach so, ohne dass eine Deckung durch den Euro erforderlich wäre.

Der Chiemgauer, der im September 2002 gerade in Bayern gestartet war, wurde verachtet. Man wollte keine Bindung an die bestehende Währung, sondern ein echtes, eigenständiges Geld mit Wechselkurs zum Euro. „Verrückte spinnerte Revoluzzer!“, dachte ich damals ohne freilich zu ahnen, das ich selbst genau dieses Vorhaben 2005 als einziger im Ruhrgebiet in meiner Heimatstadt umsetzen würde.

... wird in Teil 4 fortgesetzt.

[1] Grundgesetz Art. 14

[2] DER SPIEGEL: DIE REICHEN IN DEUTSCHLAND / TITEL V. 05.09.1966

[3] DIE ZEIT: DAS WUNDER VON WÖRGL

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