Warum fällt der DAX? Warum steigen die Zinsen? Normalerweise ist daran der Putin schuld. Bevor es aber zu lächerlich wird, sind es die Griechen, deren Regierung sich keinem weiteren Selbstmord-Spardiktat unterwerfen will…

Die letzten fünf Jahren brachten dem Land und seinen Leuten mehr Elend statt Aufschwung – als offiziell Griechenland gerettet wurde, aber die Forderungen der Banken in die öffentlichen Hände bzw. EZB und Rettungsschirme wanderten. Sie wollen auch jetzt weiteres Geld borgen, um nicht erklären zu müssen, warum sonst alles weg sein wird – gegen ein paar politische Bedingungen.

Syriza weiß den Schuldenberg als Waffe zu gebrauchen für ein Land, das ohnehin pleite ist. Ein weiteres Spardiktat wäre Verrat an denen, die die Suppe ihrer vorherigen korrupten Regierungen seit fünf Jahren auslöffeln – und das nach Willen der Geldgeber (an sich selbst), obwohl der Teller bis auf die Keramik ausgekratzt ist.

Ja, man habe Fehler gemacht, hieß es von Jean Claude Junker. Oh Wunder! Nach fünf Jahren und einer ausgewachsenen Depression des Landes, kommt diese Erkenntnis ziemlich spät. Deshalb soll in Zukunft noch mehr gespart werden, so die Forderung der „Institutionen“, die früher noch „Troika“ hieß. Die als neuer Wein in alte Schläuche gegossene Wohltätigkeitsorganisation verfolgt damit die gleiche und falsche Politik.

Alfred Herrhausen, der Ex-Chef der Deutschen Bank, hatte schon Recht, als er bemerkte, man dürfte einem Schuldner die Luft nur soweit abdrehen, dass er noch den Schuldendienst leisten kann. In diesem Fall sind die Banken ja fein raus. Das Prinzip ist aber ähnlich. Die Gläubiger sind heute nur so etwas wie eine Bank der öffentlichen Hand mit Diplomaten-Status und der Lizenz für Geheimniskrämerei ohne sie jemals strafrechtlich zur Verantwortung ziehen zu können. Dass das mit Krediten passiert, die es ja nie für ein anderes Euroland hat geben sollen, ist eine weitere Episode aus dem Hollywood-Film „Geliebtes Europa“. Von ihm stammt auch: “Die meiste Zeit geht dadurch verloren, daß man nicht zu Ende denkt.”

Die Griechen ziehen derweil ihr Geld von den Banken ab. Es ist erstaunlich, dass dort überhaupt noch Geld herumliegt. Das vor zwei Jahren abgeschaltete griechische Staatsfernsehen ging ja erst letzte Woche wieder ans Netz. Information waren in dieser Zeit vielleicht Mangelware.

Sollte Griechenland den Euro verlassen, haben die Sparer noch harte Euros unter der Matratze und eine Weichwährung, die zu den wirtschaftlichen Verhältnissen passt. Fünf Jahre hatten die Oligarchen Zeit, ihre unter der Obhut der Regierung und Aufsicht der Troika ergaunerten Milliarden ins Ausland zu schaffen, während die politischen Saubermänner sich diese Chance nicht entgehen ließen.

Nach einem Schuldenschnitt für Griechenland kann der Aufschwung kommen, unter den neidischen Blicken der überschuldeten Nachbarn. Die Erfahrungen aus Argentinien und Island zeigen, dass es übergangsweise für die Griechen noch härter wird. Aber danach dürfte es besser werden.

Unterdessen stockt die EZB seit Wochen ihre Notkredite weiter auf, obwohl es heißt, sie drehe den Banken den Hahn ab. 83 Milliarden Euro sind griechische Banken der EZB schuldig. Ach, Sie können das Thema nicht mehr hören? Gut so! Damit wird jede Lösung eine Erlösung, und sei sie noch so teuer. Kommt der DAX deswegen unter Druck? Wohl kaum.

Die einfachste Lösung war immer, gutes Geld mit künftig schlechtem Geld zurückzuzahlen. Aber man gab den Griechen damals die falsche Währung, um dieses allgemeine Prinzip eines Papiergeldsystems zu nutzen. Gut gemeint, so sieht man jetzt, war wie bei so vielen politischen Ideen eben doch nicht gut, vor allem, wenn man keine Ahnung von der Wirkungsweise eines Geldsystems hat und glaubt, das Geld wächst auf den Bäumen.

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