Dieser Artikel ist Fortsetzung meiner früheren Abhandlungen zum bestehenden Geldsystem. Teil 1 dieses Beitrags finden Sie hier. Untersucht werden in diesem Aufsatz Vorgänge und Auswirkungen des Sparens im geldtechnischen Sinn.

Auswirkungen des Sparens auf die Geldmenge M1

Wie in Teil 1 beschrieben, reduziert sich die für die Realwirtschaft verfügbare Geldmenge M1 bei jeder Erhöhung des Sparvolumens, also dem Anwachsen der Geldmenge M – M1. Nur die Geldmenge M1 kann in der Realwirtschaft nachfragewirksam als Kaufkraft in Erscheinung treten. Um bei einer Reduzierung der Geldmenge M1 zumindest wieder das Ausgangsvolumen zu erreichen, müssen Banken als Ausgleich zum steigenden Sparvolumen neue Kredite vergeben, die die Geldmenge M1 wieder auffüllen. Gespartes Geld wird also durch neues Giralgeld, - geschöpft aus der Kreditvergabe - ersetzt. Mit dem Kredit entsteht neues Giralgeld, das sowohl die Geldmenge M1 als auch die gesamte Geldmenge M erhöht.

Werden die beiden Vorgänge nacheinander betrachtet, dann ist ersichtlich, dass dauerhaft (exponentiell) zunehmende Sparvolumen eine Aufschuldung zur Folge haben müssen. Der Zwang zur Neuverschuldung seitens der Wirtschaftsteilnehmer und des Staates wird demnach durch Erhöhung der Sparvolumina (M - M1) erzwungen. Schlussfolgernd erweist sich die Ausweitung und Erhöhung der Spargeldbestände (M – M1) als die eigentliche Ursache der ständig notwendigen Neuverschuldung, die eine deflationäre gesamtwirtschaftliche Entwicklung verhindert. Gegenteilig würde eine Verringerung des Sparvolumens und eine hohe Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge M1 für stetige und hohe Einnahmen und Einkommen bei Unternehmen, Staat und, - wenn politisch und gesellschaftlich gewollt – auch bei den Bürgern sorgen.

Dienstag, 17. Mai 2011

Fast 5 Billionen Euro - Deutsche reich wie nie

Der verfügbare Reichtum der Deutschen steigt im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordniveau. Nach den Berechnungen der Bundesbank summiert sich das Geldvermögen der Bundesbürger insgesamt auf fast 5 Billionen Euro - Immobilien, Unternehmenswerte, Kunst und Grundbesitz nicht mitgerechnet.

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Deutsche-reich-wie-nie-article3352631.html

Können (oder wollen!) seitens des Staates und seiner dafür verantwortlichen Politik keine ausreichenden Steuereinnahmen generiert werden, um die Staatsausgaben zu decken, ist die Notwendigkeit einer Neuverschuldung zwanghaft. Auch wenn der Bund der Steuerzahler jedes Jahr zu Recht Steuergeldverschwendung in Form unsinniger Ausgaben anprangert, ist der überwiegende Anteil der Staats- und kommunalen Ausgaben sinnvoll und im Übrigen durch die bestehende Gesetzgebung größtenteils verpflichtend.

Können seitens der Unternehmen und Privatleute keine ausreichenden Einnahmen aus Umsätzen und Einkommen verzeichnet werden, bleibt bedingt durch den durch das Sparen verursachten Nachfrageverzicht nur die Geldbeschaffung mittels neuer Kredite.

Bliebe dagegen die Kreditvergabe aus, bestünde für die Wirtschaft die akute Gefahr des Abgleitens in eine Deflation und letztendlich Depression. Zurzeit wird dieses Abgleiten durch die extremen Neuverschuldungen der Staaten verhindert. Wir sehen hier in der Tat, was Ben Bernanke meinte, als er davon sprach notfalls Geld mit dem Helikopter abwerfen zu können, falls deflationäre Tendenzen auftreten. Allerdings sind die amerikanische Notenbank und auch alle anderen Zentralbanken dieser Welt nur in der Lage, mit Zentralbankgeld das Banken- und Finanzsystem aufrecht zu erhalten. Des Weiteren bedeutet das sogenannte „Gelddrucken der Zentralbanken“ noch lange nicht, dass von diesen Stützungsmaßnahmen, - die beispielsweise Nachfragemängel der Banken nach Staatsanleihen ausgleichen – Inflation oder gar eine Hyperinflation in der Realwirtschaft ausgelöst werden könnte. Das einzige, was derzeit passiert ist, dass durch niedrige Zinsen und den Stützungsmaßnahmen durch Quantitative Easing verschiedene Blasen an den Finanzmärkten erzeugt werden. Doch kann man sicher sein, dass diese Blasen, - egal ob sie in den Bereichen Rohstoffe, Real Estate oder Aktien entstehen – früher oder später platzen werden, um die Gewinner danach einen neuen, noch leeren Luftballon suchen zu lassen. Dieses Spiel kann jedoch nicht endlos weitergespielt werden, da die steuerlichen Belastungen und Kürzungen, - die sich zwangsweise durch den staatlichen Schuldendienst ergeben - unweigerlich ab einem gewissen Punkt zu Aufständen in der Bevölkerung führen müssen. Wann das Spiel abgepfiffen wird, entscheiden also weder die Politik oder gar die Finanzmärkte, sondern das Volk auf der Straße.   

Der Zeitfaktor

Zurück zum Sparen. Vergessen wir einen wichtigen Punkt nicht: Innerhalb eines jeden Zeitraums werden Geldanlagen sowohl aufgelöst, als auch neue Gelder von der Geldmenge M1 in die Menge M - M1 überführt. Unter Berücksichtigung des Zeitfaktors kann man nun also folgende abschließenden Aussagen tätigen:

Der positive Sparsaldo einer Zeitperiode hat eine Neuverschuldung in Höhe der Differenz zur Folge, wenn die liquide Geldmenge unverändert bleiben soll. Soll die nachfragefähige Geldmenge auf einem bestimmten Niveau gehalten werden, muss demnach eine Neuverschuldung in Höhe des Unterschieds zwischen Neusparen und Auszahlungen erfolgen.

Vielleicht vermissen Sie an dieser Stelle den Zins, doch möchte ich dieses Thema aufgrund seines Umfangs in einem separaten Folgeartikel ausführlich behandeln.

Horten

Betrachten wir die Geldmenge M1, so ist zwar unzweifelhaft, dass nur diese für realwirtschaftliche Ausgaben zur Verfügung steht, doch muss beachtet werden, dass auch die Geldumlaufgeschwindigkeit eine erhebliche Rolle für wirtschaftliche Entwicklungen spielt. Um es anschaubar darzustellen sei angemerkt, dass ein 10-Euro-Geldschein Umsätze von zwanzig Euro, aber durchaus auch von eintausend oder mehr Euro generieren kann, abhängig davon, wie oft dieser Zehner in einem bestimmten Zeitraum zum Einkaufen genutzt wird.

Wir müssen im Übrigen feststellen, dass Geld grundsätzlich gehortet ist, außer beim klitzekleinen Moment seiner Weitergabe, der das entscheidende Momentum für die Wirtschaft und seine Teilnehmer darstellt. Trotzdem möchte ich den Vorgang des Hortens weiterfassend definieren. Es ist die Absicht, liquides Geld in nächster Zeit oder gar nicht einsetzen zu wollen. Dabei ist es unerheblich, ob es nun physisch als Bargeld in einem Tresor liegt oder in Form von Giralgeld auf einem Girokonto als digitale Information Speicherplatz belegt. Jeder Betrag, der sofort verwendbar ist, - aber in näherer Zeit keine Verwendungsabsicht hat - gilt als gehortet.

Dazu zählen beispielsweise die beiden 50-Euro-Scheine, die jahrelang zwischen Personalausweis und Führerschein stecken und für absolute Notfälle gedacht sind, wobei es keine Rolle spielt, ob sie dann und wann gegen frische Scheine ausgetauscht werden. Genauso zählt der vergessene 100-DM-Schein im alten, unmodisch gewordenen Herrenanzug dazu. Ebenso gilt das Gleiche für das Guthaben eines Girokontos, das einen ständigen Sockelbetrag in Höhe von z.B. 30.000 Euro aufweist.

Geldanlagen erfüllen ebenfalls den Zustand des Hortens, allerdings mit dem Unterschied, das die Absicht des Nicht-Verwendens klar sichtbar und statistisch nachvollzogen werden kann. Mit der Geldanlage sind liquide Zahlungsmittel in den Zustand der Nichtverwendung übergegangen. Bei einem Vergleich mit Wasser ist die Geldmenge M1 flüssig und die Menge (M - M1) eingefroren und deshalb nicht trinkbar.

Erst nach Ablauf der Anlagedauer stehen die Zahlungsmittel wieder in der liquiden Form zur Verfügung.

Die Geldmenge kann also in die Teile Hortungen liquider Mittel und Geld mit Nutzungsabsicht aufgeteilt werden.

... wird in Teil 3 fortgesetzt.

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