Griechenland und seine Partner in der EU müssen sich immer noch darüber einigen, wie mit den schon seit längerer Zeit ausstehenden Krediten des Euro-Rettungsschirms für Griechenland verfahren werden soll. Ohne diese Kredite könnte Griechenland nämlich innerhalb der nächsten Wochen das Geld ausgehen, was bedeuten würde, dass es nicht mehr in der Lage wäre, seinen Gläubigern deren Schulden zurück zu zahlen.

Die griechische Regierung und seine Partner in der EU befinden sich nun schon seit längerer Zeit in Streitigkeiten bezüglich eines Reformprogramms, das den Griechen Zahlungen aus dem EU-Rettungsschirmprogramm zusichert. Die Tatsache, dass sich bis jetzt jedoch noch nicht wirklich viel getan hat, lässt die Hoffnung schwinden, dass beide Parteien bis (Ende) April eine Lösung gefunden haben. Infolgedessen konzentriert man sich momentan auf die bald eintretende Deadline – das Treffen der Eurogruppenländer am 11 Mai, - also den Tag bevor Griechenland 800 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen muss.

Einige Beobachter (und Beamte der griechischen Regierung) sind überzeugt, dass man nicht allzu besorgt über die derzeitige Lage sein sollte. Dies sei lediglich Teil des langwierigen und schwierigen Prozesses mit Hilfe dessen die Europäische Union Entscheidungen treffen würde.

Bisher lässt sich aber nur eine Sache mit Sicherheit sagen: Das Maß an Feindseligkeit, das momentan herrscht und die Art und Weise, wie andere Länder der Euro-Zone die Kompromisslosigkeit der griechischen Regierung kritisieren, sind unserer Meinung nach vollkommen inakzeptabel. 

Es herrscht zudem vollkommene Uneinigkeit zwischen der griechischen Regierung und den anderen Ländern der EU darüber, wie man in dieser Situation am besten vorgehen sollte. Der griechische Premierminister Alexis Tsipras hatte erst kürzlich vier der Hauptdiskussionspunkte angesprochen: Die Arbeitsmarktregulierungen, Rentenreformen, Privatisierungen und eine Mehrwertsteuerregelung. Die ersten drei dieser Punkte sind Reformen, die jede andere Regierung der Euroländer als unabdingbar betrachten würde, falls Griechenland seine Wirtschaft modernisieren und seine Wachstumschancen auf lange Sicht hin wahren wolle.

Wie dies funktionieren könnte, ist momentan schwierig abzuschätzen. Eine Sache ist jedoch sicher. Falls Griechenland nicht einlenken sollte, wird es in Zukunft keine Gelder von seinen Partnern in der Europäischen Union bekommen. Und falls es keine neuen Kredite bekommen sollte, wird der griechischen Regierung aller Wahrscheinlichkeit nach bald das Geld ausgehen.

Leider haben wir momentan nicht genügend Informationen, um abschätzen zu können, wie sich die Situation entwickeln könnte. Bisher gibt es nur widersprüchliche Hinweise von offiziellen Stellen. Indem sie sich neue Kredite aneignen, die Rückzahlungen an die Schuldnern verzögern und somit die eigene Wirtschaft lähmen würde, könnte die Regierung nur für kurze Zeit die Dinge in ihrem Land am Laufen halten.

Eine neue Geldkrise steht bevor

Griechenland steuert momentan in einem gehörigen Tempo dem Abgrund entgegen und die Situation könnte sich im Mai sogar noch weiter zuspitzen. Falls dies bis dahin noch nicht eintreten sollte, wird es mit Sicherheit im Juni (nämlich dann, wenn Griechenland 1,5 Milliarden Euro an den IWF zurückzahlen muss) oder aller spätestens im Juli passieren (dann sind 500 Millionen Euro an den IWF und 3,6 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank fällig).

Wann und vor allem ob wir diesen Punkt erreichen werden, wird sich zeigen, wenn die griechische Regierung abwägen muss, ob sie eher die Gehälter und Renten an ihr Volk oder die Schulden an ihre Gläubiger zahlt. Falls Griechenland in Zahlungsrückstände mit dem IWF kommt, würde sich dies positiv auf die Wirtschaft auswirken. Falls man es jedoch vorziehen sollte, die Schulden zurückzuzahlen, wäre dies ein Verrat gegenüber den Wahlversprechen der (erst kürzlich gewählten linken) Regierung und wäre auf politischer Ebene sehr schädlich für das Land.

Wir sollten uns also darauf einstellen, dass Griechenland die von vielen geforderten Absprachen nicht einhalten wird. Sollte dies passieren, wird Griechenland sehr wahrscheinlich gezwungen sein, Kapitalkontrollen zuzulassen, um so den Verlust von Geld und Rücklagen zu vermeiden. Keines dieser Szenarien würde jedoch automatisch dazu führen, dass Griechenland den Euro verlassen muss. Das Risiko, dass es soweit kommt, ist in den letzten Monaten dennoch zusehends gestiegen.

Die widrigen Entwicklungen in Griechenland beeinflussen seit kurzer Zeit nun auch die Anleihenmärkte der umliegenden Länder. Bis wir nicht mehr und genaueres über Griechenland wissen, sollten wir also davon ausgehen, dass die unruhigen Zeiten andauern werden.

Die Meinungen, die in diesem Artikel widergegeben wurden, beruhen nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, Beraterinformationen oder Handelsempfehlungen und repräsentieren darüber hinaus nicht die Meinung aller AB Portfolio Management Teams. AllianceBernstein Limited ist und wird von der Financial Conduct Authority im Vereinigten Königreich zugelassen und kontrolliert. 

Darren Williams ist ein Senior European Economist bei AllianceBernstein.



Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von www.valuewalk.com exklusiv für Cashkurs übersetzt. Den Originalbeitrag finden Sie in englischer Sprache unter: http://www.valuewalk.com/2015/04/cash-crunch-greece/

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