"Zeit ist Geld" dieser Ausspruch stammt von dem Erfinder des Blitzableiters und vom philanthropischen Gründer der ersten Leihbibliotheken. Seine sehr lesenswerte Autobiographie trägt den Titel "Der Weg zum Reichtum". Er war ein "Macher" und sein Portrait ziert heute die 100 Dollar Note der USA.

Was will uns dieser Vergleich sagen? Etwas heute völlig geläufiges: Dass Zeit in Geld umwandelbar ist, eventuell auch Geld in Zeit. Wenn dies richtig ist, dann ist Zeit eine wichtige Größe beim strategischen Management von Vermögen. Lassen Sie uns daher einmal über diese völlig vernachlässigten Teil der Vermögensentwicklung nachdenken!  Hierzu fallen mir ein paar Anregungen ein, zu deren Diskussion ich die cashkurs-community hiermit herzlich einlade:

Freiheit

Niemand käme auf die Idee, zu sagen, er müsse sein Geld so investieren wie er es gerade tut. Dasselbe gilt für Zeit. Wir sind Eigentümer unserer Zeit . Denn in unserer Gesellschaft gibt es formal keine Sklaverei mehr. Das Individuum entscheidet (im Rahmen seiner kulturellen Prägung) frei, ob es die Welt auch de facto als frei ansieht. Der Unterschied beginnt im Kopf. Sagt man: "ja, formal bin ich frei, aber ich muss arbeiten", dann hat man sich dazu entschieden, sich selbst als gezwungen handelnd, als unfrei anzusehen. Diese Form des Denkens hat dann zur Folge, dass man sich nicht nur in irgendwelchen Strukturen gefangen fühlt, sondern eventuell auch positive Entwicklungschancen verpasst. Es gibt soziologische Studien, die zeigen, dass reiche Menschen, (darunter viele "Self-made" Millionäre) eine andere Denkweise gewählt haben. Ich schlage vor, zu sagen: "Es ist meine Zeit. Ich entscheide frei über jede Minute meines Lebens."

(… Über jede Minute? Ist das nicht etwas extrem formuliert? Gibt es nicht auch mal Dinge, die man einfach tun muss? Natürlich ist nicht alles angenehm. Aber ich erlebe es so, dass was auch immer ich tue, es ausschließlich selbst so wähle. Es ist meine freie Entscheidung, jetzt hier zu sitzen und diesen Artikel zu schreiben. Ich kann mir nicht aussuchen, zur gleichen Zeit den Nobelpreis für Literatur entgegen zu nehmen, aber ich kann entscheiden, ob ich den Artikel schreibe oder nicht. Vielleicht sollte ich einen Roman schreiben? Oder das Geburtstagsgeschenk für meine Liebsten sorgfältiger einpacken? Wer weiß. Aber es ist meine Wahl - Immer.  Und wenn ich irgendwo im Zug festsitze (ich gehöre zu den Menschen, die sich im ersten Moment darüber ärgern - besonders wenn ich es eilig habe) kann ich immer noch mit anderen Wagon-"Insassen" reden, telefonieren oder lesen. Versuchen sie mal einen 100% proaktiven Umgang mit Ihrer Zeit. Oder wie Lessing sagt: "Kein Mensch muss müssen"!)

Ein neues Zeit-Modell

Auch Zeit kann - wie Geld - investiert und verbraucht werden. Gemäß meines Ansatzes zur optimalen Entwicklung von Vermögen (vgl. Artikel Erwerbsvermögen) wäre auch die Zeit unter Portfoliogesichtspunkten zu betrachten und zu diversifizieren.  Herkömmlich wird die Zeit folgendermaßen aufgeteilt:

Während der Arbeitszeit wird vom Eigentümer Zeit in Geld umgewandelt und während der "Freizeit" wird dieses Geld verbraucht - Dieses Denkmodell ist immerhin ein erstes Instrument zum Nachdenken über die eigene Zeiteinteilung (work-life-balance). Man kann überlegen, ob man mehr Zeit in die Arbeit steckt (und so mehr Geld in der Freizeit ausgeben kann), oder lieber umgekehrt, mehr Freizeit, und dafür weniger Geld haben will. Andererseits ist dieses Denkschema m.E. nicht ausreichend um die Möglichkeiten der eigenen Zeitgestaltung zu beschreiben. Es ist antagonistisch und zweidimensional.

Stattdessen schlage ich folgende Dimensionen der Zeit-Charakterisierung vor:

Entweder geht es einem um unmittelbaren Ertrag oder um weitreichendere  Ziele. Zum anderen kann man monetäre oder ideelle  Motivationen verfolgen. Daraus ergeben sich vier Quadranten der Zeit: Eine unmittelbar auf Geld ausgerichtete Zeitverwendung ist im ersten Quadranten unten links dargestellt und könnte Cash-Flow-orientiert heißen. Handlungen des Geldes wegen. Rechts daneben im zweiten Quadranten findet sich die hedonistische (auf unmittelbaren Genuss gerichtete) Zeitverwendungsart (Beispielsweise man setzt sich in die Sonne und isst einen großen Becher Bio-Erdbeereis auf).  Geht es einem darum, mit der Zeit Kapazitäten des Erwerbsvermögens zu erhöhen oder zu erhalten, also das langfristige Cash-Flow-Potential (oftmals mit Risiken) zu erhöhen, wäre das in Quadrant III angesiedelt. Beispiele wären eine offizielle oder inoffizielle Fortbildung/Ausbildung/Studientätigkeit und vielleicht das Lesen dieses Artikels. Alle anderen Tätigkeiten,  beispielsweise Zeit mit der Familie verbringen oder sich sozial zu engagieren aber auch Sport zu treiben oder die Abstellkammer aufzuräumen fallen in den Quadranten IV.  Diese Tätigkeiten zielen auf etwas anderes als unmittelbaren Genuss ab und haben nichts mit Geld zu tun. Wer sie ausführt, für den haben sie dennoch eine Bedeutung, sei es als Selbstzweck, sei es um irgendetwas anderes damit zu erreichen.

Natürlich ist eine einzelne Tätigkeit, oder besser ein einzelner Moment in mehreren dieser Felder Zuhause. Er hat eine Ausdehnung auf allen diesen Dimensionen, auch wenn es manchmal die Ausdehnung 0 ist. (Beispielsweise hat das Schreiben dieses Artikels für mich folgendes Profil: Hauptsächlich liegt es in Quadrant III und IV. Mit dem Artikel baue ich meine Reputation als Spezialist für Vermögensentwicklung weiter auf. Ich arbeite privat an einem Buch über dieses Thema und verbessere damit die Möglichkeiten, mit dieser Expertise Geld zu verdienen. Ich halte es für sinnvoll, Menschen dabei zu beraten, auf ungewöhnliche und reflektierte Weise ihr Vermögen individuell zu entwickeln. Als Cashkurs-Autor verdiene ich auch unmittelbar etwas Geld damit. Ich wüsste zwar Tätigkeiten, die einen größeren Genuss bereiten, als vor dem Computer zu sitzen und zu schreiben, aber revolutionäre Gedanken in Form zu bringen macht auch Spaß… - aber Spaß beiseite).

Das individuelle Zeit-Portfolio

Dieses Modell erlaubt nun also eine Charakterisierung der verbrachten Zeit - und wozu soll das gut sein? A) um zu diversifizieren und b) um zu optimieren. Jemand, der immerzu Zeit in Quadrant I und III verbringt erleidet wahrscheinlich irgendwann einen Burn-out  oder eine Sinnkrise. Wer sich zudem auf Quadrant I konzentriert hat vielleicht irgendwann sogar trotzdem wenig Geld, da die Produktions-Kapazitäten vernachlässigt werden (das gilt besonders wenn zugleich Quadrant II favorisiert wird - wer diesen allerdings völlig vernachlässigt, ist irgendwann wohl ein Miesepeter oder ein Fanatiker). Es gilt, die Zeit zu diversifizieren. Das gelingt bewusster mit diesem Modell.


Den zweiten Teil finden Sie morgen auf www.cashkurs.com