Passend zur Weihnachtszeit - denn Weihnachten ist das Fest der Liebe und Liebe bezieht sich meist auf andere Menschen - gibt es hier einen "besinnlichen" Artikel zu einer sehr sozialen Vermögensart. Aber auch das Soziale ist von einem gewissen Standpunkt aus gesehen "egoistisch".

Was ist Sozialvermögen?

Sozialvermögen auf individueller Ebene ist ein Produkt aus Persönlichkeitsvermögen und Umfeld. Einerseits ist es als Teil des Persönlichkeitsvermögens in der Persönlichkeit selbst angesiedelt, andererseits erstreckt es sich zu den tatsächlichen Bindungen und Bekanntschaften in Beziehungen zu Anderen hinein. Damit hat Sozialvermögen eine Persönlichkeits- und eine Gesellschaftskomponente. Die gesellschaftliche Komponente des Sozialvermögens muss nicht unbedingt immaterieller Natur sein, sondern kann auch in Form von Sozialversicherungen,  Erbschaftsanrechten oder Unterhaltsansprüchen materiell bestehen. Sozialvermögen ist außerdem in all seinen Formen monetisierbar, dass heisst es  lässt sich (sogar relativ leicht) zu Geld machen.

Viele Facetten:

Sozialvermögen kann in Einzelbereichen sehr ausgeprägt sein, und dennoch für bestimmte Vorhaben von geringem Wert sein. Die intelligenten, erlernten Verhaltensweisen eines Straßenräubers im Umgang mit potentiellen Opfern oder Konkurennten und seine Kontakte zur Gang nutzen ihm nicht unbedingt beim Aufbau einer bürgerlichen Existenz.  

Wie lässt sich Sozialvermögen in Geld umwandeln?

Dass es manchmal einfach ist, Sozialvermögen zu Geld zu machen illustriert der klassische Fall der "Oma" die einer jungen Unternehmerin/Studentin etc. auf Anfrage Geld leiht oder schenkt. Wer hat nicht wenigstens eine Handvoll Freunde, die einen gern mal zum Essen einladen?  Irgendwann wird man dann möglicherweise unbeliebt und das Sozialvermögen sinkt. Aus der Perspektive des strategischen Vermögensmanagements stellt dieses Zuwendungspotential zwar auch Sozialvermögen dar, ist aber normalerweise weder nachhaltig noch ergiebig und ohnehin zu vernachlässigen. Wichtiger sind die Freundschaften, Familienbanden, Bekanntschaften und Netzwerke die einem zum Beispiel Empfehlungen, Jobs oder Aufträge vermitteln können. Die Umwandlung (von sozialem- zu monetärem Vermögen) erfolgt in diesem Fall verbrauchslos über den Aufbau von Erwerbsvermögen und verlangt eigenes Zutun. Dann aber ist Sozialvermögen ein nachhaltiger Katalysator für die Entwicklung anderer Vermögensarten. Wie so oft ist das Unmittelbare (Schnelles Geld) häufig weit weniger interessant als das Mittelbare (Vermögen).

Vorteile des Sozialvermögens

Sozialvermögen hat viele Vorteile: Es lässt sich gut diversifizieren und ist unabhängig von Inflation oder Deflation.  Es vermehrt sich ab einer gewissen Schwelle von alleine. Ein guter Ruf verbreitet sich, eine Freundschaft vertieft sich. Das schönste ist, das Sozialvermögen für viele Menschen anders als manche andere Vermögensformen einen Wert an sich darstellt, das heisst es wird nicht um etwas anderes Willen begehrt sondern in an sich selbst erfüllend. "Zoon Politikon", ein Gemeinschaftswesen, nennt Aristoteles den Menschen.

Nachteile dieser Vermögensform:

Sozialvermögen ist nicht gerade die liquideste Vermögensform. Auch ist es weder messbar noch gewiss, wie sich die Investition in Sozialvermögen auszahlt. Wenn man genau überlegt, hat Sozialvermögen aber kaum Nachteile, denn im Endeffekt ist vieles von dem ,was wir zum guten Leben brauchen etwas das mit  anderen Menschen zu tun hat, oder das von anderen Menschen geliefert wird. Andererseits sind Menschen häufig durch eigene Vorteile motiviert, was zu dem magischen Charakter des Geldes führt. Mit Geld kann man Menschen veranlassen Dinge zu tun, die sie sonst nicht täten, zum Beispiel - wie ich letztens - einen fremden Dachdecker (ich kenne keinen freundschaftlich) dazu bewegen, ein Dachfenster zu liefern und einzubauen. Selbst wenn ich einen Freund hätte, der Dachdecker wäre: Hätte er mir kostenlos ein Fenster eingebaut? Einfach so? Das Sozialvermögen ist außerhalb von Verwandten in direkter Linie letztlich immer eine schwache und difuse Form. Deshalb ist Sozialvermögen auf der Ebene persönlicher Bindung niemals etwas, in das man großes Geld investiert. Die Beatles haben das melodischer formuliert: "Can't buy me love."

Lässt sich Sozialvermögen kaufen?

In der Tat ist das schwer: Wer erfolgreich monetäres Vermögen in Sozialvermögen umwandeln will braucht schon mehr Fingespitzengefühl, als der Neureiche, der sich überall einkaufen will, Lebensstilberater konsultiert aber dennoch so schnell nicht den - für die Kreise, in denen er beliebt sein möchte  - "richtigen" Umgangston findet.

Ein Art von Sozialvermögen scheint besonders begehrt zu sein: Die Zugehörigkeit zu einer von der übrigen Mehrheit abgegrenzten Gemeinschaft. Für Exklusives wird oft viel Geld geboten: Da werden 10000 Tausend Euro und mehr für eine Clubmitgliedschaft bezahlt (Buchquelle: Biedermann: Logen, Clubs und Bruderschaften), mehrere Millionen für ein Haus in der richtigen Nachbarschaft und über hundert Millionen für das Bild eines angesagten Künstlers. Oft geht es dabei um Zugehörigkeit.

Lohnt es sich, Luxus zu kaufen?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, aber kaum ob, sondern nur welchen und allenfalls ein bisschen wieviel Luxus er oder sie kauft. Denn ob wir überhaupt Zeit verschwenden und Luxus kaufen, ist gar keine Frage, egal wie reich oder weniger reich wir sein mögen. Ob es sich lohnt oder nicht, wir alle kaufen und tun unnötiges. Und das ist eigentlich gar nichts Schlechtes oder auch nur Verwerfliches. Es bedeutet Freiheit.

Luxus ist Freiheit

Denn gäbe es keinen Spielraum an Zeit und Geld, also keinen Raum für Nicht- Notwendiges, dann wäre ja alles was wir täten notwendig und folglich keine freie Wahl.

Nun könnte man natürlich denken, unterhalb eines bestimmten Einkommens gäbe es eben keine freie Wahl und natürlich auch keinen Luxus. Dieses Einkommen müsste aber mikroskopisches Niveau haben, denn der alltägliche Konsum enthält viele Komponenten, die streng genommen nicht notwendig sind. Es ist nicht notwendig, dass die Bedienung im Café eine reinweiße Schürze anhat, es ist nicht notwendig sich den Kaffee von einer Bedienung bringen zu lassen, es ist nicht einmal notwendig überhaupt Kaffee zu trinken. Es ist nicht notwendig fernzusehen (der "Beitragsservice" offenbar schon), es ist nicht notwendig, mehr als ein Licht im Raum brennen zu haben, es ist nicht notwendig mehr als einen Raum für sich allein zu haben, es ist nicht notwendig zwei paar Schuhe zu besitzen, und so weiter und so weiter. Wo fängt die psychologisch selbst suggerierte "Notwendigkeit" an?

Meint "notwendig" nicht meistens "notwendig  für den sozialen Status"?

Der Soziologe und Philosoph Thorstein Veblen hat in seinem 1899 erschienenen Buch "The Theory of the Leisure Class", die These vertreten, dass  Menschen ständig darum bemüht sind, durch demonstrative Zeitverschwendung und Konsum ihren sozialen Status zu erhöhen. Besonders Reiche führten ihr Leben unter diesem Gesichtspunkt. Mehr oder weniger unbewusst. Aber auch Arme Menschen wären nicht völlig frei davon.  

Wenn diese Überlegungen nachvollziehbar sind, haben wir also alle eine gewisse Freiheit, mit unserer Zeit und unserem Geld etwas für uns Sinnvolles zu tun. Es ist nun die Frage, ob man die Anteile an "unnötiger" Zeit und "unnötigem" Geld auf eine für sich selbst optimale Weise verwendet, (oder ob man darüber noch nie nachgedacht hat und sich anstrengen muss, um mit Anderen gleich zu ziehen)? Wenn ein Großteil dieser "Verschwendung" darauf hinausläuft, einer imaginären Zugehörigkeit hinterherzulaufen fehlt vielleicht Zeit und Geld für Wichtigeres.

Sind nicht die Kinder, die Familie, der Freund, die Freundin, die Nachbarin, die Zeit für Freundlichkeit gegenüber dem "Nächsten" wichtiger als "unnötiger" Konsum, so chic dieser auch ist? Sind nicht Reisen, Meditation, Musik… was auch immer… schönerer Luxus als die vermeintliche Zugehörigkeit zur besseren Gesellschaft?

Wir können unser Sozialvermögen gestalten. Der Aufbau von Sozialvermögen "kostet" Zeit und fordert oft die ganze Persönlichkeit. Zeitvermögen und Persönlichkeitsvermögen lassen sich in Sozialvermögen umwandeln. Das ist meist Sinn und Genuss an sich.

Fazit:

Sozialvermögen in Form von Besitz-Prestige scheint überbewertet zu werden. Alternativ-Investitionen in Sozialvermögen in Form von Familie Freundschaft und dauerhaften Bindungen kommen dagegen oft viel zu kurz.

Handlungsempfehlung:

Bauen sie Sozialvermögen in Form von familiären und freundschaftlichen Bindungen auf, indem Sie in diese Zeit investieren und dabei auch nicht auf jeden Pfennig schauen. Meiden sie stattdessen Ausgaben für vermeintlich sozialprestigereiche Besitztümer und investieren sie dieses Geld lieber in produktives Kapitalvermögen.