In Donald Trumps Buch "Think like a billionaire" gibt es eine lange Liste von Luxusgegenständen die man haben muss, um dazuzugehören. Nur das Beste. Aber Dom Perignon ist nicht der beste Champagner. Wer Dom Perignon für den besten hält, hat den besten noch nicht getrunken, meint Trump. Was nun der Beste sei, verrät er nicht. Dafür gibt er eine Liste aus, mit dem besten Juwelier, dem besten Kunsthändler und so weiter.

Das Beste soll also sein, was andere für das Beste halten? Warum sonst sollte man "den besten Kunsthändler" aufsuchen, anstatt selber auf Vernissagen zu gehen und sich seinen eigenen Geschmack zu bilden. Das hat ein bisschen was von denen, die ins Museum gehen und sich sagen lassen, wann und wo die jeweiligen Bilder entstanden sind, anstatt ihren eigenen echten Zugang zur Kunst zu suchen.

Selbst Trump räumt ein, die besten Bilder der Welt seien die Bilder seiner Tochter. Und so ist es auch. Er hat Recht.

Der Kunstmarkt

Trotzdem: Es gibt unzählige Bücher, die sich mit Kunst als Vermögensanlage beschäftigen. Die Zeitschrift „artinvestor“ schließt von der Medienpräsenz auf die künftige Wertentwicklung zeitgenössischer Künstler. Manche Autoren haben die Wertentwicklung von Klassikern (dazu gehört auch die "klassische Moderne" also Picasso, Munch, die Impressionisten usw.) zurückverfolgt und wollen eine Rendite von 10% im langjährigen Mittel festgestellt haben. Aber lässt sich die langfristige Wert-Entwicklung eines Kunstwerkes in der Zukunft einschätzen? Sicher wird ein Picasso in 50 Jahren mehr wert sein als ein zweitrangiger Künstler. Aber dafür ist der Picasso auch jetzt schon teurer.  Auch der Kunstmarkt ist nicht ineffizient. Aber es fehlen fundamentale Orientierungen, die woanders, bei Aktien zum Beispiel, immerhin manche Möglichkeiten öffnen.

Der Kunstmarkt ist wegen der hohen Transaktionskosten (bei Auktionen im zweistelligen Prozentbereich), der Einzigartigkeit der Objekte und des hohen Expertenwissens illiquide, intransparent und risikobehaftet.

Kunstkauf mit Grahams Theorie

Wenn Sie Kunst kaufen wollen, gehen Sie doch einfach so vor: Beschäftigen Sie sich mit der Materie, lesen sie gute Bücher (zur Einführung empfehle ich die Kunstgeschichte von Gombrich), besuchen sie Museen, um ihre Lieblinge im Original zu sehen. Auch in Deutschland gibt es überall Museen, zum Beispiel die Hamburger Kunsthalle, wo die Runges hängen. Gehen sie auf Ausstellungen und in Galerien und dann kaufen sie einfach die Bilder, die ihnen gefallen. Der Preis, den sie zahlen sollten, ist nicht der, den andere dafür vielleicht bezahlen würden, sondern der, den Sie selbst, unabhängig von anderen zahlen wollen!

Wenden Sie Benjamin Grahams "Innerer-Wert"-Theorie auf Kunst an: Ist Ihnen der Besitz eines Bildes 700 Euro im Jahr Wert  (das sind etwa 60 Euro im Monat und entspricht je nach Lage und Ausstattung 5 Quadratmeter Wohnraum) dann zahlen Sie nicht mehr als 10 Mal so viel, also 7000 Euro. Wenn sie sich dann wirklich 10 Jahre und mehr daran erfreuen, war es ein gutes Geschäft. Ist das Bild von einem umtriebigen oder sogar genialen Künstler, kann es zudem sein dass das Bild seinen Wert behält oder sogar vergrößert.

Wir lieben Bilder, weil sie Seele haben

Es gibt aber eine Menge begabter Künstler, die sich nicht lange am Kunstmarkt aufhalten, oder gar nicht vertreten sind. Der Vorteil ist, dass man deren Bilder günstiger kaufen kann. Einen noch günstigeren Zustieg zur Welt der Kunst ist es, tatsächlich seine eigenen Bilder zu machen. Weder ist dies jedem möglich, noch muss das günstig sein. Wer da Ansprüche hat, zahlt auch. Ich selbst habe 20 Tausend Euro für Material und Instrumente in meine eigene Kunst investiert. Echter Luxus eben, aber manche Leute brauchen das (sei es um sich zu betätigen, sei es sich von dem Drang nach dieser Betätigung zu heilen). Günstiger (und oft schöner) ist es, wie sogar Trump es zugibt, die Bilder seiner Kinder aufzuhängen. Denn  warum hängen wir uns Bilder auf? Meistens weil sie uns eine spritzige (ungekünstelte!) aber doch entfernt vertraute Welt zeigen, die den (scheinbar) grauen, funktionalen Alltag anschaulich beleben. Wir lieben Bilder, weil sie Seele haben. Diese aber finden wir am ehesten in Bildern derer, die wir lieben.

Kunst kaufen ist ein Versuch die Seele und das Leben anderer zu kaufen. Im Idealfall. Wenn nicht, ist es Angeberei oder Charity. Mein Großvater war Kunstsammler. Die Worpsweder Künstler bettelten ihn an, er möge ihnen ein Bild abkaufen, sie lebten schließlich davon.  

Mit kapitalen Investitionen in großen Luxus (wie sehr teure Kunst) begeben sie sich auf dünnes Eis. Ob diese Investition ein Gewinn wird, hängt davon ab, was andere später davon halten. Die Motivation für derartige "Investitionen" ist meist der Wunsch, Zugehörigkeit zu erlangen. Auf die Forbes Liste der 500 reichsten Menschen kommen Sie so aber nicht.

Luxus und Sinn

Der "Wolf" der Wall Street, Jordan Belford und seine Kollegen umgaben sich mit allerlei Luxus. Sicher war das spaßig. Diese Leute waren allerdings unfähig, etwas Sinnvolles mit ihrem Geld anzufangen. Sie nahmen ständig Drogen und veranstalteten immer stärkere Ausschweifungen. Zum Beispiel warfen sie zum Vergnügen Liliputaner durch die Gegend. (Nachzusehen in der ziemlich nah am Original gehaltenen Verfilmung des Buches von Belford). Sinn geben wir nur selbst. Ist es wirklich sinnvoll, eine Zeitlang die besten Yachten in den besten Häfen haben zu müssen?

Andererseits… Sich einfach mal etwas zu gönnen, ohne jede Notwendigkeit: Das ist schon ein Stück Freiheit! Gönnen sie sich es! Besonders dann, wenn es auch ein inneres Fest ist.

Wer immer nur das tut, was einen Nutzen für etwas anderes hat, nur das, was ein zwingendes Glied in einer Kausalkette ist, schmeckt wenig vom Leben.

Wie sagt Oscar Wilde: "Man versehe mich mit Luxus. Auf alles Notwendige kann ich verzichten"

Luxus also. Das kann aber auch eine Zen-Meditation sein. Oder jemandem zum Essen einzuladen. Einfach so.

Handlungsempfehlung

Legen sie ihr monetäres Vermögen nur dann und zu einem kleinen Teil in Kunst an, wenn es sehr hoch ist, oder sie echte Leidenschaft und Kenntnisse für Kunst haben. Meiden sie teure Luxusgegenstände. Investieren Sie stattdessen in produktives Kapitalvermögen, wie Aktien und Unternehmen. Umgeben Sie sich mit der Kunst, die Ihnen gefällt, und die Sie entweder günstig in Ihrer Umgebung kaufen können, oder die von Ihren Liebsten als Geschenk angefertigt wurde. Finden Sie Ihren eigenen Luxus.