Wer deutsche, europäische oder US-amerikanische Aktien kaufen möchte, sucht sich die WKN (Wertpapierkennnummer) oder ISIN (International Securities Identification Number) und handelt diese über den hauseigenen Broker.  Aktie ist jedoch nicht immer gleich Aktie und in zahlreichen Fällen findet man für ein und dieselbe Company gleich mehrere Anteilsklassen.

Ganz klassisch unterscheiden in Deutschland viele Aktiengesellschaften ihre Aktien in Vorzugs- und Stammaktien. Dies ist oft dann Gang und gebe, wenn große Unternehmen die Entscheidungsgewalt z.B. in Händen einiger weniger Eigentümer oder Investoren halten wollen. Dabei haben die Stammaktien dann bei der Hauptversammlung mehr Stimmrecht als dies bei Vorzugsaktien der Fall ist. Die Vorzüge hingegen enthalten dann als Entschädigung für das geringere Mitbestimmungsrecht eine höhere Dividende.

Vorzugs- und Stammaktien

Ein gutes Beispiel ist in diesem Fall die Volkswagen AG mit u.a. dem Land Niedersachsen als Großaktionär.

Bekanntermaßen ist Volkswagen auch im größten deutschen Aktienindex dem DAX30 gelistet. Bis 2009 war der Wolfsburger Autobauer noch mit den Stammaktien im Index vertreten. Da jedoch die Mindestanforderungen der Deutschen Börse AG an 10% frei handelbarer Aktien durch den Einstieg Qatar’s nicht mehr eingehalten werden konnte, musste das Unternehmen weichen. Jedoch nicht völlig von der Sichtfläche verschwunden, wurden stattdessen die stimmrechtlosen VW-Vorzugsaktien aufgenommen.

Auch im englischen findet man diese Unterteilung. Hier heißen die Stamm- und Vorzugsaktien (St & Vz) hingegen Class A Shares und Class B Shares, und werden am Ende des Unternehmensnamens mit A oder B abgekürzt. In ihrer Funktion jedoch sind diese identisch.

Eine weitere Gattung ist neben den klassischen Aktiengesellschaften die sog. KGaA. Die Abkürzung steht dabei für Kommanditgesellschaft auf Aktien. Auch hierbei handelt es sich um eine Kapitalgesellschaft, welche jedoch häufig den Hintergrund eines Familienunternehmens besitzt. Die Gründung oder den Börsengang als KGaA plant man dann, wenn Geschäftsführung und Inhaber weiterhin das Ruder in der Hand behalten wollen, jedoch auf eine gewisse Fremdfinanzierung angewiesen sind. Somit behält der Vorstand eine deutlich stärkere Stellung, da die Charakterzüge der KG ebenso Anwendung in der praktischen Leitung einer KGaA finden. Dies führt abschließend auch dazu, dass eine KGaA allgemein als sehr übernahmeresistent gilt.

ADR – ausländische Aktien handeln

Immer wieder findet man ebenso die Bezeichnung „ADR“ oder „spons. Adr“ hinter Aktien. Jede unterschiedliche Rechtsform hat somit auch eine eigene WKN und ISIN, was umso mehr für Verwirrung sorgen kann. Das Kürzel ADR steht dabei für „american depositary receipt“. Alternativ  findet man ebenso oft ADS für „american depositary share“. Auf eine solche Abkürzung trifft man vor allem dann, wenn man versucht, ausländische und häufig etwas exotischere Aktien zu handeln. Dabei handelt es sich streng genommen jedoch nicht um Aktien, sondern lediglich um eine Art Zertifikat. Hinter diesem Zertifikat, welches nun z.B. von einem US-Kreditinstitut aufgelegt wird, liegen eine gewisse Anzahl an Aktien. Diese werden als Sicherheit bei eben jenem emittierenden Bankhaus hinterlegt. Somit wird dabei also auch an der Entwicklung eines Unternehmens partizipiert, jedoch eben in einem anderen Verhältnis.

Auch ADRs werden unterteilt

Diese ADRs werden weiterhin in sponsored ADRs und unsponsored ADRs unterschieden. Bei unsponsored ADRs ist allein die jeweilige Depotbank, welche gleichermaßen oft auch der Händler ist, zuständig und treibt die Auflage eines solchen Zertifikats voran. Der Hintergrund ist dabei, attraktive Handelsgebühren zu erwirtschaften, weil der Handel eines attraktiven ausländischen Unternehmens z.B. auf rege Nachfrage bei Investoren treffen könnte, diese jedoch Hemmschwellen haben in exotischere Länder zu investieren. Allerdings werden diese häufig nicht zum öffentlichen Handel an der Börse zugelassen und haben somit in der Praxis eher weniger Bedeutung.

Bei den sponsored ADRs hingegen tritt ein Unternehmen an die Depotbank heran, um die eigene Aktie über ein solches Zertifikat für eine breitere Auswahl an Investoren attraktiv zu machen. Dabei wird ein Vertrag (depositary agreement) geschlossen. Dieser verpflichtet zur transparenten Gestaltung, der Weitergabe wichtiger Informationen, der Ausgestaltung von Stimmrechten sowie zum Weiterleiten der Dividende an den Anleger. Auch die Kosten trägt hierbei das Unternehmen, welches seine Aktien über ein solches Zertifikat vertreiben will.   

Was jedoch passiert in diesem Fall mit der Dividende? Im ersten Schritt erhält die Depotbank diese, da hier ja auch die Aktien liegen. Die Dividende sollte dann im Normallfall direkt an den Investor des Zertifikats weitergegeben werden. Im Normalfall jedoch behält sich die Depotbank eine Gebühr ein, welche gut und gerne bis zu 10% betragen kann.

Mögliche Risiken sollte man abwägen

Bei den ADRs liegen jedoch auch Risiken. Man ist eben kein Besitzer eines Unternehmensanteils, weswegen ich gerade bei langfristigen Anlagen immer ein Investment in die „originalen“ Aktien bevorzugen würde. Weiterhin kann das Risiko bestehen, dass das ADR-Programm plötzlich ausläuft. So auch geschehen im Falle der „Central Norseman“. Hier wurden zahlreiche Investoren durch die Auflösung der ADRs mit einer ungerechtfertigten Auszahlung abgehandelt und haben dadurch wahres Geld verloren. Im Zuge dessen riefen viele Finanzmarktexperten zu einem Boykott gegen ADR-Programme auf, weswegen man die Risiken, die ich heutzutage jedoch nicht zu hoch einschätze, auf jeden Fall beachten muss.

Unterm Strich muss man sich jedoch genau darüber bewusst sein, warum man in welche Anteile investiert, da sich oft relevante Unterschiede ergeben können. Abschließend kann Ihnen ein kurzer Blick auf die Umsätze in einem Wertpapier einen guten Eindruck geben, welche Anteilsklassen handelsüblich sind. Eine hohe Liquidität garantiert dann auch, dass man die Anteile bei Bedarf schnell wieder veräußern kann.

Ihr Andreas Meyer