Einer der größten Fehler, die man beim aktiven Handel an den weltweiten Börsen machen kann basiert auf der Psychologie des Menschen. Häufig wollen sich Anleger nicht eingestehen mit ihrer Meinung falsch gelegen zu haben und halten somit zu lange an einem Investment fest. Richtig wäre es hier natürlich z.B. durch ein Stopp-Loss Verluste zu begrenzen. Diese Sätze liest man sicherlich immer sehr früh, wenn man sich mit dem Aktienhandel beschäftigt und so musste auch ich mich das ein oder andere Mal ertappen, dass meine innere Psychologie gelenkt von Stolz und Egoismus die getroffenen Vorsätze übertrumpft.

Ähnlich sieht dies beim Value-Investing aus. Auch hier sollte sich der Anleger vor dem Investieren fragen, was ein Unternehmen genau wert ist. Denn wie bereits in früheren Artikeln erklärt funktioniert Value-Investing nur nach diesem Schema. Wenn dann ein Investment ausgemacht wurde, welches unter seinem fairen Wert gehandelt wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Aktie diesen zukünftig irgendwann auch erreicht. Nun stellt sich natürlich wie bei jedem Investment am Finanzmarkt die Frage: Wann soll ich gewinne realisieren?

Und genau hier liegt häufig die Crux in der Sache. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine günstige Aktie gefunden und nach ausgiebiger Analyse des Unternehmens auch investiert. Direkt nach der Investition ist es häufig nicht unnormal, dass eine Aktie zunächst weiter im Kurs fällt. Läuft der Titel nach einiger Zeit (Value-Investing ist bekanntermaßen keine kurzfristige Spekulation) jedoch wie erwartet positiv und entwickelt sich sehr rentabel für Ihr Portfolio stellt sich neben der Einstiegsfrage die ebenso wichtige Frage des Ausstiegs.

Wie man jedoch weiß, sind Börsen nicht immer oder sogar nur sehr selten von reiner Objektivität getrieben. Psychologische Faktoren spielen eine ebenso große Rolle wie politische Ereignisse und beeinflussen Börsenkurse positiv wie negativ, obwohl es gewissen Konzernen weiterhin blendend geht. Der klassische Value-Investor versucht hingegen seinen Einstieg festzulegen, wenn die für ihn gesetzte Sicherheitsmarge zum intrinsischen Wert gegeben ist und verkauft, wenn eben dieser erreicht wurde.

Um diese Logik ganz simpel zu verdeutlichen nehmen wir als intrinsischen Wert schlicht und einfach das KBV. Wenn dieses aktuell 0,6 beträgt notiert das Unternehmen also 40% unter dem inneren Wert. Diese 40% Sicherheitsmarge gilt es also durch einen Kursanstieg oder Veränderungen des Eigenkapitals aufzuholen. Ist dies nun geschehen, sodass ein KBV von 1 erreicht wurde, ist für den wertorientierten Anleger die Zeit gekommen um zu verkaufen. Natürlich ist es gut möglich, dass der Kurs auch danach weiterhin gut läuft. Jedoch ist es beim Investieren nach dieser Strategie so, dass der Investor die Meinung vertritt nicht prognostizieren zu können, wie weit der Kurs noch nach oben steigen könnte. Dies ist nicht die Aufgabe des Value-Investors und würde nicht seinen Prinzipien entsprechen. Laut dieser Philosophie ist also der Ausstieg nach Erreichen des fairen Wertes vorgesehen.

Natürlich ist es nie leicht, zu verkaufen, wenn ein Unternehmen gerade sehr gut läuft, der Markt sich generell gut entwickelt oder die Branche sehr vielversprechend wirkt. Daher sind Börsenbooms mit starken Hausse-Phasen nicht unbedingt Zeiten für diese Klasse der Investoren. Ein Leitsatz des Value-Investors ist es daher zu früh zu kaufen und zu früh zu verkaufen!

Die folgende Grafik veranschaulicht die erklärte Thematik sehr gut.

An dieser Grafik sieht man sehr gut, dass man beim Ausstiegspunkt bereits sehr gute Renditen erzielt haben kann, es jedoch möglich ist, weitere Kurssteigerungen zu verpassen, was natürlich in der Seele eines jeden leidenschaftlichen Anlegers brennt.

Wie immer gibt es auch hier Ausnahmen, von dieser sehr starren Investmentmethode. Warren Buffett beispielsweise paart das Value-Investing mit der Growth-Strategie und hält daher auch Titel, die bereits über ihrem fairen Wert liegen. Viele weitere Fondsmanager lassen einen Spielraum von ca. 15% nach oben und unten, um über mehr Flexibilität zu verfügen.

Im Fazit: Es lässt sich also sagen, dass zum Investieren nach der erfolgreichen Methode des wertorientierten Anlegens nicht nur ein Gespür für unterbewertet Unternehmen mit Potential für die Zukunft wichtig ist. Ebenso wichtig ist es die eigene Psychologie im Griff zu behalten, um diese Methode voll und ganz zu praktizieren. Es bleibt also immer auch an Ihnen ihre eigenen Motive für Ihr Handeln zu hinterfragen und sicherlich wird es auch Ihnen so gehen, sich das ein oder andere Mal dabei zu erwischen, wie Emotionen Ihre vorher objektiv getroffenen Entscheidungen übermannen. Also seien Sie auf der Hut und überprüfen Sie Ihre Entscheidungen in regelmäßigen Abständen.

Ich wünsche Ihnen weiterhin erfolgreiche Investments

Ihr Andreas Meyer


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