Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung meiner früheren Beiträge zum bestehenden Geldsystem und beschäftigt sich mit dem Sparen im gelddtechnischen Sinn. Untersucht werden die Vorgänge, die beim Sparen ablaufen und deren Wirkungen auf die Geldmengen. Ferner werden unterschiedliche Sparformen und die Ursachen betrachtet, die zur (staatlichen) Aufschuldung führen. Des Weiteren analysiert dieser Beitrag das Horten von Geld mit sofortiger Verfügbarkeit und die Folgen und Konsequenzen des aktiven Sparens bzw. Spekulierens auf den weltweiten Finanzmärkten.

Es gibt kaum Ausdrücke, - außer vielleicht den Wörtern Liebe und Frömmigkeit - die so positiv besetzt sind wie die Begriffe Sparen und Sparsamkeit. Sparsamkeit gilt in unserem Kulturkreis als tugendhaft, redlich und anständig und viel Wahrheit beinhaltet ein sehr bekanntes und unanfechtbares Sprichwort, das den ursprünglichen Sinn des Sparens verdeutlicht: „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“ Der genuine Grund des Zurücklegens von Geld und der Einlagerung von Nahrungsmitteln war seit Menschengedenken, Zahlungsmittel und haltbare Güter in späteren, eventuell schlechteren Zeiten zu verwenden, aufzubrauchen oder zu verzehren.

Das Wort Sparen wird jedoch in vielfältigem Kontext verwendet, um nicht zu sagen, dass seine eigentliche Bedeutung oftmals völlig verhunzt wird. Wie bereits erwähnt, bedeutete der Begriff ursprünglich das Zurücklegen von Geld, um mit diesen Ersparnissen zu einem späteren Zeitpunkt eine Anschaffung zu tätigen. In der Werbung wird der Begriff oftmals verballhornt, indem mit dem Slogan Spar Dich reich! suggeriert wird, dass man spart, wenn man günstiger bei einem bestimmten Anbieter einkauft. Überdies wird vom Sparen gesprochen, wenn der Preis der Ware bei Rabattaktionen geringer ausfällt als ursprünglich angeschrieben: Heute sparen Sie die Mehrwertsteuer! Gerade dieser Werbespruch ist an Sinnfreiheit und Blödheit (Wir sind doch gar nicht blöd!) wohl nicht zu überbieten, da allgemein bekannt sein dürfte, dass die Mehrwertsteuer natürlich auch in jedem reduzierten Preis enthalten ist und an das Finanzamt abgeführt werden muss.

Überaus interessant ist es überdies, wenn Politiker im Falle einer sinkenden Neuverschuldung von erfolgreicher Konsolidierung und Sparerfolgen sprechen. Man vermittelt den Bürgern, dass durch eine gelungene „Sparpolitik“ die Neuverschuldung im Vergleich zum Vorjahr gesenkt wurde, obwohl der Schuldenberg natürlich auch in dem betreffenden Jahr weiter angewachsen ist. Man „spart“ dieser Logik zufolge also sogar, wenn sich die eigenen Schulden weiter erhöhen und noch nicht einmal etwas vom bestehenden Schuldenberg getilgt wurde. Oftmals grenzt die Freude, die in Nachrichtensendungen über eine sinkende Neuverschuldung zum Ausdruck kommt an Volksverdummung und ist in meinen Augen an Sarkasmus nicht zu überbieten. Mich würde in der Tat einmal interessieren, wieviele Menschen wirklich glauben, dass sich die Schulden eines Staates reduzieren, wenn die Nachricht über ein Sinken der Neuverschuldung in den Medien verbreitet wird. 

Das Sparen im geldtechnischen Sinn

Kommen wir nun zum Sparen im geldtechnischen Sinn. Es beschreibt die Absicht und den Vorgang, Geld nicht in der sogenannten Realwirtschaft ausgeben zu wollen. Der Begriff Realwirtschaft bezeichnet den Bereich einer Volkswirtschaft, in dem Waren und Güter tatsächlich hergestellt, gehandelt und verkonsumiert werden bzw. das Leistungsangebot und die Inanspruchnahme von Dienstleistungen. Die Finanzwirtschaft muss von der Realwirtschaft abgegrenzt werden, da in dieser der Handel mit Waren und Gütern (Rohstoffen), Aktien und anderen Wertpapieren nicht um des Konsumwillens erfolgt, sondern zum Zwecke einer möglichst hohen Kapitalrendite.

Mit dieser Abgrenzung werden nun die Geldmengen betrachtet, die in mehrere Bereiche aufgeteilt werden können. Diese Aufteilung ist schon aus meinen Analysen vorangegangener Aufsätze zum Geldsystem bekannt:

Um die Vorgänge, die beim Sparen ablaufen sichtbar zu machen, ist es von Vorteil, die Geldmengen in den Teil der sofort verfügbaren Menge und den der Geldanlagen aufzuteilen. Die Geldmenge M1 ist nach den Definitionen Bestandteil der übergeordneten Mengen. Hier ist sie nun herausgezogen, so das für den Rest die Menge Gesamt-M minus M1 entsteht.

Die Teilung der Geldmengen bietet sich an, da nur die Geldmenge M1 sofort verfügbare (den Menschen dienende) Zahlungsmittel enthält, die für Wirtschaftsteilnehmer in der Realwirtschaft zur Verteilung von Waren und Dienstleistungen bereit stehen. Veränderungen dieser Menge geben also an, ob in einer Volkswirtschaft mehr oder weniger Geld für die tatsächliche Verteilung von Waren und Dienstleistungen zur Verfügung steht. Aus dem Umfang der Veränderungen lässt sich ableiten, ob die Geldmenge M1 zur Verhinderung einer Deflation (in Folge sinkende Preise, Firmenpleiten) aufgefüllt werden sollte oder ob eventuell zuviel Zahlungsmittel (Inflation: in Folge steigende Preise, Lohn-Preis-Spirale) vorhanden sind.

Der Vorgang des Sparens in Geldanlagen reduziert den Anteil der liquiden Geldmenge und erhöht den Anteil der gesparten bzw. in der Realwirtschaft nicht verwendbaren Geldmenge.

Es ist hierbei völlig unerheblich, ob die Überführung von Zahlungsmitteln auf ein Sparbuch, ein Festgeldkonto, in Bankschuldverschreibungen, hybride Anlagen oder anderweitige Finanzprodukte erfolgt, die auf der Passivseite einer Bankbilanz geführt werden. Jede dieser Formen des Sparens reduziert die potentiell verfügbare Geldmenge, die zu Zahlungszwecken der Realwirtschaft zur Verfügung steht.

Sehr wichtig ist es hierbei zu verstehen, dass den Banken durch die Überführung von Geld aus Menge M1 in Menge M-M1, - also durch den Vorgang des Sparens bzw. der Geldanlage -  kein zusätzliches Geld zum Verleihen zugeführt wird, das „weiterverliehen“ werden könnte.

Im Gegenteil! Die Kosten der Banken erhöhen sich durch den Vorgang des Sparens. War das Giralgeld zuvor auf einem Girokonto für die Bank kostenneutral, d.h. ohne Zinsansprüche des Girokonteninhabers als Giralgeld geführt, so entstehen der Bank durch den Geldsparer Zinskosten, die seitens des Geldinstitutes durch Schaffung neuen Giralgeldes mittels Kreditvergabe und/oder Eigengeschäften am Finanzmarkt „erwirtschaftet“ werden müssen.

Diese Aussagen gelten auch für den Fall, das Bargeld auf (Spar-)konten einer Bank eingezahlt wird. Bargeld ist kurzzeitig herumspazierendes Giralgeld und war vor seiner Abhebung aus Bits und Bytes bestehendes Giralgeld, - anders ausgedrückt: pure, digitale Information auf einer Computerfestplatte. Eine Einzahlung führt das Bargeld wieder in seine Ursprungsform des Giralgelds zurück. Banken geben das Bargeld, das sie sich beim Zentralbanksystem leihweise besorgen mussten, wieder zur Zentralbank zurück. Mit der Rückgabe wird ein Zentralbankgiralgeld gebucht, mit dem

· noch offene Verbindlichkeiten gegenüber anderen Banken reduziert werden können

· Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank verringert oder Zentralbankguthaben angesammelt werden können

· am Interbankenmarkt zinsbringende Ausleihungen an andere Banken getätigt werden können

Natürlich müssen Geschäftsbanken auch den Kassenbestand an Bargeld pflegen, um der Bargeldnachfrage der Nichtbanken gerecht werden zu können. Banken mit vielen Filialen und umfangreicheren Geldautomatennetz sind hier gegenüber reinen Internetbanken im Nachteil und versuchen natürlich diese Banken und deren Kunden an den Kosten für den Kundenservice über möglichst hohe Gebühren zu beteiligen.

wird in Teil 2 fortgesetzt...

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