Wer Wertpapiere, seien es Aktien, Zertifikate, Optionsscheine etc. an der Börse kaufen möchte, sucht sich das Produkt seiner Wahl aus den zahlreichem Fundus an Möglichkeiten heraus. Je nachdem wie Trading-Affin man persönlich veranlagt ist, kann und muss man sich mit der Thematik der Orderabläufe auf kurz oder lang befassen.  Es gibt dabei zahlreiche Dinge die Beachtung finden müssen.

Valorennummer, WKN & ISIN

Wenn das Investment der Begierde definiert ist geht es ab ins eigene Depot. Das Wertpapier wird meistens z.B. mit Hilfe der WKN (Wertpapierkennungsnummer)  gesucht. Die WKN ist lediglich in Deutschland bekannt und dient als Alternative zur ISIN (International Securities Identification Number), welche wiederum weltweit Gültigkeit findet. Die Vergabe beider Kennzahlen erfolgt hierzulande durch den WM Datenservice. Diese sind im Übrigen auch für zahlreiche Datenlieferungen, seien es z.B. Kurse oder andere Wertpapierstatistiken, an Fondsgesellschaften, Datenanbieter usw. verantwortlich.  Der WM Datenservice ist in einer Organisation tätig, innerhalb derer sich alle nationalen Vergabestellen konsolidieren, der Association of National Numbering Agencies.

Schaut man über die Grenzen wird man sehen, dass es jedoch auch ein nationales Pendant zur WKN in anderen Ländern gibt. In der Schweiz wird diese einmalige Bezifferung unter dem Namen „Valorennummer“ oder „Valor“ vergeben. Wenn Sie diese Bezeichnung also hören handelt es sich um nichts anderes. In Österreich ist man dafür, den aus meiner Sicht richtigen Schritt gegangen, hat die nationale Bezeichnung abgeschafft und sich auf eine gemeinsame Identifizierungskennzahl, die ISIN, beschränkt.

Der Börsenplatz

Je nachdem um welche Art von Investment es sich handelt, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Börsenplatzwahl. In Deutschland gehören derzeit folgende Börsenplätze zu den wichtigsten:

Börse Frankfurt

  • Xetra
  • Eurex
  • Zertifikatebörse Frankfurt

Börse Stuttgart

  • Euwax

BÖAG Börsen AG – Wertpapierbörsen Hamburg und Hannover

Berliner Börse

Börse Bremen

Börse München

Tradegate

Lang & Schwarz

Die meisten dieser Börsenplätze spielen eine eher untergeordnete Rolle und wie zu erwarten ist Frankfurt der Börsenplatz mit der größten Aufmerksamkeit. Von hier aus wird auch die Börse „Xetra“ betrieben. Dies ist eine vollautomatisierte elektronische Handelsplattform. Aufgrund der großen Vorteile durch den dadurch reibungslosen Handel werden heute über 90% aller Aktientransaktionen in Deutschland über Xetra verbucht.  Der klassische Parketthandel mit schreienden Börsenmaklern existiert heute nicht mehr und so wurde in 2011 auch der Parketthandel  in Frankfurt auf das Xetra-System umgestellt. Was wir heute im Fernsehen sehen, wenn die vielen Berichterstatter aus Frankfurt live ihren Kommentar abgeben, ist vor allem noch den Marketingzwecken geschuldet um der Börse ein Gesicht zu verleihen. Die dort sitzenden Köpfe heißen „Spezialisten“ und sind für die Überwachung der genannten Systeme zuständig.

Vor allem für institutionelle Anleger hat die Eurex in Frankfurt, an der Optionen & Futures gehandelt werden, eine besondere Bedeutung. Die Zertifikatebörse Frankfurt und die Euwax buhlen um die Gunst der Privatanleger im Bereich der Zertifikate und die Börsen Hamburg & Hannover sind führend, was den Fondshandel betrifft. Eine Ausnahme stellt Lang und Schwarz da. Hier handelt man nicht mit anderen Börsenteilnehmern (will ich kaufen muss ja auch ein Verkäufer existieren), sondern mit Lang & Schwarz direkt. An der Börse selbst kenne ich den Verkäufer nicht, da sich dort alle Marktakteure treffen und von der Börse zusammengebracht werden. Die Kurse bei L&S hingegen orientieren sich an den allgemeinen Marktpreisen. Hier ist es sogar möglich am Wochenende zu handeln.

Bei vielen Wertpapieren hingegen bietet sich auch ein OTC-Handel an. Dabei wird direkt mit dem Emittenten, also der Bank, die z.B. ein Zertifikat entworfen hat, gehandelt. Dies ist in den üblichen Fällen bis abends um 22 Uhr möglich, wenn die Börsen bereits geschlossen haben. Allerdings ist die Bank nie verpflichtet ein Produkt zurückzunehmen, was eine Börse wie die Euwax hingegen garantiert.

Die Orderaufgabe

Wertpapier, Ordergröße und Börsenplatz sind definiert. Die technische Umsetzung kann nun jedoch nochmals zur Herausforderung werden. Es kann beispielsweise bei großen Aktienkäufen zu mehrfach Ausführungen kommen. Nicht selten fallen dann auch die Ordergebühren mehrfach an. Andernfalls kann es passieren, dass der Kurs plötzlich rasant steigt und man zu einem viel höheren Kurs kauft als man anfänglich geplant hat. Genau umgekehrt möchte man verkaufen, der Kurs sinkt in diesen Augenblicken plötzlich und man verkauft zu einem Preis, den man nicht eingeplant hat. Gegebenenfalls kann man die Aktie auch nicht permanent beobachten oder ist im Urlaub. Auch hier gibt es automatisierte Lösungen. Um diese und Herausforderungen und viele mehr zu vermeiden haben sich findige Broker unterschiedlichste Ordertypen einfallen lassen.

Billigst: Bei diesem Ordertypen wird ein unlimitierter Kaufkurs angegeben, sodass dieser zum nächstmöglichen handelbaren Kurs ausgeführt wird. Hierbei ist der Briefkurs eines Wertpapiers entscheidend. Bei sehr liquiden Wertpapieren stellt dieser Ordertyp kein Problem dar. Bei hingegen eher selten gehandelten Investmentobjekten, die schon durch kleinere Orders größere Kurssprünge einsetzen könnten, sollte man mit Limits arbeiten.

Limit: Nutzt man den eben angesprochenen Ordertyp „Limit“ legt man vor dem Kauf einen Kurs fest  bis zu dem man kaufen möchte. Somit wird erst ausgeführt, wenn der Kurs unter diesem Limit liegt. Andersherum wird eine Verkaufsorder erst ausgeführt, wenn der Kurs des gehaltenen Wertpapieres über dem Limit-Kurs liegt, sodass man ein Mindestvolumen an Einnahmen garantiert.

Stop-Buy: Dieser Typ ist eine Kombination. Der Anleger legt einen Kurs (Limit) fest und bei Erreichen wird der Kaufauftrag zum nächst möglich handelbaren Kurs billigst ausgeführt. Es spielt dabei allerdings keine Rolle ob dieser nächste Kurs über oder unter dem vom Anleger anfangs festgesetzten Kurs liegt. Genutzt werden kann dieser Ordertyp z.B. dann, wenn charttechnisch ausgerichtete Investoren gewisse Kursgrenzen als neue Unterstützung sehen etc.

Stopp Loss: Einer der sicherlich am häufigsten benutzten Varianten im Handel mit Wertpapieren, da er der Verlustminimierung dient. Hierbei wird ein Kurs festgelegt, bei dessen Erreichen das gehaltene Engagement verkauft werden soll. Wenn man die Kurse also nicht täglich beobachten kann garantiert diese Variante, dass Verluste begrenzt werden, sollte ein Wertpapier fallen. Nichtsdestotrotz ist dieser Ordertyp auch stark kritisiert. Wenn Kurse kurzfristig fallen, wie beispielsweise bei technischen Börsenproblemen oder den sog. Fat-Finger Phänomenen. Kurse sacken in kürzester Zeit rapide ab, ziehen dann jedoch rasant wieder an. Die Folge: Der Stopp-Loss wird ausgelöst, dass Wertpapier verkauft, ein Verlust wird eingefahren, und wenn man am folgenden Tag wieder auf den Kurs schaut, befindet sich dieser wieder im Normalbereich. Ein teures Ärgernis. Weiterhin kann sich somit auch eine Art Kettenreaktion auslösen. Eine Stopp-Loss Order erhöht den Verkaufsdruck senkt den Kurs weiter und löst die nächste Stopp-Loss Order aus. Dieser Ordertyp ist also mit Vorsicht zu genießen.

One-Cancel-Other: Auch hierbei handelt es sich um eine Kombination. Dabei wird ein Verkaufslimit über dem derzeitigen Kurs festgesetzt. Weiterhin wird gleichzeitig ein Stopp-Loss platziert um eine Position im Rahmen der Verlustbegrenzung nach unten hin abzusichern. Wenn nun eins der Limits erreicht wird, wird die andere direkt wieder gelöscht. Es wird also entweder die Verkaufsorder ausgeführt um einen Gewinn einzufahren oder der Stopp-Loss um den Verlust zu begrenzen.

Trailing Stop Loss: Ähnlich wie beim Stopp-Loss handelt es sich auch hier um eine Möglichkeit den Verlust zu begrenzen. Jedoch ist diese Variante deutlich dynamischer. Man setzt dabei kein bestimmtes Limit fest, sondern einen Abstand zum aktuellen Kurs. Dieser kann z.B. bei 10% unter dem aktuellen Kurs liegen. Wenn eine Aktie also bei 15€ notiert, so wird die Position verkauft, sobald der Kurs von 13,50€ unterschritten wird. Steigt die Aktie nun auf 16€, so wird die Verkaufsorder erst beim Unterschreiten von 14,40€ aktiviert. Diese 14,40€ sind also nun die unterste Grenze bis die Aktie weiter als 16€ klettert. Wenn die Aktie nun nach dem Erreichen der 16€ lange Zeit z.B. zwischen 15-16€ schwankt, so wird der Stopp-Loss stets bei 14,40€ liegen.

All diese Ordertypen können, müssen aber nicht beim regelmäßigen Handel an der Börse oder im außerbörslichen Handel helfen. Wichtig ist unterm Strich sich mit allen Varianten und Vielfältigkeiten, die das spannende Börsenleben mit sich bringt, genauestens unter die Lupe zu nehmen.

Ihr Andreas Meyer