Finden Sie die Frage komisch? Ich nicht, weil sie nämlich gar nicht so leicht zu beantworten ist. Da gibt es Zentralbankgeld, Bargeld, Buchgeld, Bankengeld, Sichtguthaben, Giralgeld, FIAT-Money, Hartgeld, die Geldmengen M1, M2, M3 et cetera, et cetera.

Früher bezeichnete der Begriff „Geld“ nur das „gesetzliche Zahlungsmittel“, das vom Staat oder von der für die Geldschöpfung eingesetzten Zentralbank ausgegeben wurde: Geldmünzen und Banknoten. Heute ist der Begriff „Geld“ deutlich weiter gefasst.

Wo liegen die Unterschiede bei den verschiedenen monetären Begriffen, die gemeinhin unter dem Wort „Geld“ zusammengefasst werden? Und was zum Beispiel geht genau vor sich, wenn in den Zeitungen steht, dass die Zentralbanken die Geldmärkte „fluten“?

Ist es nicht erstaunlich, welche Fähigkeiten dem lieben Geld oft angedichtet werden?  Mich verwundern immer wieder die vielen Dinge, die unsere Banknoten und Münzen angeblich können sollen. Da hört und liest man oft, dass Geld „geflutet“ oder dass Kapital „gespritzt“ wird. Geld kann sich angeblich „vermehren“, es kann „wachsen“ und sogar „arbeiten“. Münzen und Geldscheine sind in der Lage zu „fließen“, zu „rollen“ und zu „wandern“. Manchmal wird Geld in die Märkte oder von einem Freund „gepumpt“. Kapital kann aber auch „flüchten“ oder schlichtweg „vernichtet“ werden.

Es hat sich eine sehr bildhafte Sprache rund um das Geld entwickelt, die nicht gerade dazu beiträgt, den Schleier um das Geld zu lüften.

Den meisten Menschen sind die Vorgänge rund ums Geld und die Geldbegriffe rätselhaft. Nicht umsonst nannte Professor Bernd Senf eines seiner Bücher „Der Nebel um das Geld.“ Auch können nur Wenige auf die Frage, wie Geld eigentlich entsteht, eine korrekte Antwort geben.

Gehen wir den Dingen auf den Grund.

Zentralbankgeld (ZBG)

Das Zentralbankgeld - auch Basisgeld, Geldbasis, monetäre Basis oder Geldmenge M0 genannt - umfasst erstens die Banknoten, also unsere bunten Scheinchen im Portemonnaie und zweitens die Zentralbankguthaben der Banken. Die Bankleitzahl ist übrigens nichts anderes als die Kontonummer der Geschäftsbank bei der Zentralbank.

Wenn Sie hören oder lesen, dass Zentralbanken Geld in die Märkte „pumpen“ bedeutet das, dass die Zentralbanken den Banken die Möglichkeit geben - gegen eine Gebühr (Zins) -  die Guthaben auf ihren Zentralbankkonten aufzufüllen. Dieses Zentralbankgeld dient folgenden Zwecken:

1. Abwicklung des Zahlungsverkehrs zwischen den Banken

Was passiert, wenn Sie von einer Hamburger Bank € 100,00 auf das Konto eines Freundes überweisen, der bei einer Münchner Bank ein Konto unterhält?

In Hamburg wird keineswegs ein Geldtransporter gemietet, der einen 100-€-Schein nach München transportiert, sondern parallel zu den Kontobewegungen auf den Kundenkonten findet eine Buchung auf den Zentralbankkonten der beiden betroffenen Banken statt.

Es kann natürlich passieren, dass bei einer Bank an einem Tag sehr hohe Überweisungen getätigt werden. Stellen wir uns einmal vor, jemand in Hamburg hat 50 rote Ferrari in München gekauft und überweist das Geld von seinem Girokonto auf das Konto des Autohändlers in München. Parallel zu dieser Buchung müssen auf den Zentralbankkonten der beiden Banken Plus und Minus Buchungen erfolgen.

2. Verleihen von Zentralbankgeld zwischen verschiedenen Geschäftsbanken

Es könnte jetzt passieren, dass das Zentralbankkonto der Hamburger Bank ins Minus rutscht. Ist die Bank in einer solchen Bredouille, kann sie sich Zentralbankgeld von einer anderen Geschäftsbank leihen. Das ist der sogenannte Interbanken- oder Geldmarkt, der vor wenigen Monaten zusammengebrochen ist, weil sich die Banken gegenseitig nicht mehr über den Weg getraut haben. Sie hatten Angst, ihr verliehenes Zentralbankgeld von einer anderen Bank nicht zurückzubekommen.

Falls die Bank auf dem Interbankenmarkt kein Geld mehr bekommt, kann sie sich auch mit einem Über-Nacht-Kredit bei der Zentralbank behelfen, zahlt für dieses frische Zentralbankgeld jedoch einen höheren Zins als auf dem Geldmarkt.

3. Auffüllung der Mindestreserven 

Banken benötigen eine Mindestreserve im Euroraum von 2%. Hat eine Bank auf ihrem Zentralbankkonto ein höheres Guthaben als die Mindestreserve, nennt man das Überschussreserve.

Angenommen eine Bank erhält durch eine Einzahlung 100 € Bargeld, so kann die Bank dieses Geld auf ihr Zentralbankgeldkonto einzahlen. Tatsächlich fährt dann ein Werttransporter bei der Bank vor, und jemand (meistens bekleidet mit einem schwarzen Overall und einer Smith & Wesson am Gürtel) befördert diese Geldscheine dann zur nächsten Filiale der Zentralbank.

Dieses Bargeld wird dem Zentralbankkonto der Bank (Kontonummer ist die Bankleitzahl) gutgeschrieben. Aufgrund dieser Bargeldeinzahlung ist es jetzt der Bank erlaubt, einem anderen Bankkunden einen Kredit in Höhe von € 5000,- zu gewähren.

Und das funktioniert so: Ein verschuldungsbereiter Bankkunde, der unbedingt ein neues Plasma-TV-Gerät mit 500cm Bildschirmdiagonale für sein Wohnzimmer braucht, betritt die Bankfiliale. Nachdem seine Bonität geprüft wurde, - und sich herausgestellt hat, dass er noch nicht in Kurzarbeit oder Hartz-IV. Empfänger ist - wird innerhalb der Bankbuchhaltung ein Kreditkonto auf Namen des Bankkunden eröffnet, auf das eine Belastung in Höhe von € 5000,- gebucht wird. Zusätzlich wird dieses Konto innerhalb der Kreditlaufzeit mit dem vereinbarten Zins belastet.

Damit der Kunde über den Kredit verfügen kann, erfolgt eine Buchung in Höhe von € 5000,- auf das Girokonto des Kunden. Juhu, der Kunde freut sich: Auf seinem Girokonto befindet sich nun ein Guthaben in Höhe von € 5000,- und schon bald kann er schöne DVD-Abende in seinem Wohnzimmer genießen.

Natürlich muss er ab sofort dafür sorgen, dass der Kredit samt Zinsen getilgt wird. Innerhalb der Bank erfolgt nun jeden Monat eine Buchung von seinem Girokonto auf das Kreditkonto, solange bis dieses wieder auf Null steht. Geht irgendetwas schief, und unser DVD-Fan verliert seine Arbeit, so könnte die Bank sich irgendwann gezwungen sehen, den nun von Hartz IV. lebenden Kunden dazu zu nötigen, seinen Fernseher wieder zu verkaufen. Passiert das vielen Menschen werden große Plasma-TV-Geräte sehr billig und die Leute, die noch Geld haben, können ein solches Gerät dann für € 500,00 statt für € 5000,00 erwerben.

Zentralbankgeld kann von Geschäftsbanken nicht direkt zur Kreditvergabe genutzt werden

Zentralbankgeld begleitet jede Überweisung von Girokonten bei verschiedenen Banken. Findet eine Überweisung bei ein und derselben Bank statt, ist das nur eine Buchung innerhalb der Bankbuchhaltung.

Geschäftsbanken können Zentralbankgeld nicht nutzen, indem Sie von ihrem Zentralbankkonto einen Betrag direkt auf das Girokonto eines Kunden buchen. Zentralbankgeld kann von den Banken nur in Form von Banknoten (Papierscheinen) bei der Zentralbank angefordert und in Umlauf gebracht werden.

Das Zentralbankgeld wird deswegen Geldbasis, Basisgeld oder monetäre Basis  genannt, weil es die Grundlage ist für die Kredit(geld)schöpfung der Geschäftsbanken.

Demnächst in Teil 2:  Die Besonderheiten des Münzgeldes und die Sichtguthaben

Beitrag senden Beitrag drucken