Im fünften Teil dieser Reihe kommen wir nun zur Geldmenge M2 und M3.

Grundsätzlich erfüllt Geld drei Aufgaben. Es dient uns als Tauschmittel, Wertmaßstab und Wertaufbewahrungsmittel, - wobei die Funktionen Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel niemals gleichzeitig erfüllt werden können.

Wenn Sie sich die Geldmengengrafik einmal anschauen, fällt ein entscheidender Unterschied zwischen den Geldmengen M1 und M2+M3 sofort auf: Nur mit dem Geld, das zu M1 zählt, kann man auch tatsächlich bezahlen. Bedeutet ganz einfach, dass Sie mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel Bargeld oder mit Ihrer EC-Karte (Giralgeld) im Supermarkt einkaufen gehen können, - was jedoch mit dem Sparbuch oder einem Anteil an einem Geldmarktfonds eher schwierig ist.

Folglich handelt es sich bei den Geldmengen M2 und M3 lediglich um Ansprüche auf Auszahlung von Bar- oder Giralgeld (mit    

Kündigungsfrist belegt: nur zu einem bestimmten Termin.)

Die Geldmengen M2 und M3 sind also die Summen der gesparten Gelder, die meistens auf Depotauszügen sichtbar gemacht werden, abzüglich der Geldmenge M1 mit der Banken und Nichtbanken tatsächlich bezahlen können. Es ist daher sehr zweifelhaft, ob man die Geldmengen M2 und M3 abzüglich M1 überhaupt als „Geld“ bezeichnen darf, denn Ihnen fehlt eine wichtige Geldfunktion, - nämlich die Möglichkeit, dieses „Geld“ als Zahlungsmittel benutzen zu können.

(Anm.: M2 ist bereits in M3 enthalten, deswegen würde es reichen nur von M3 zu sprechen. Der Deutlichkeit halber spreche ich von M2 und M3.)

Die Problematik des Sparens

Sicher kennen Sie das alte Sprichwort: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Entschließt sich jemand, Geld in welcher Form auch immer zu sparen (sei es als Bargeld im Sparstrumpf oder auf einem Spar- oder Festgeldkonto mit Kündigungsfrist), so kann es dem Sparer nicht mehr als Tauschmittel dienen. Die Motivation, die hinter dem Sparen steht ist klar, - man möchte für schlechte Zeiten vorsorgen. Die Problematik des Sparens und der bei langfristigem Sparen entstehende Zinseszins-Effekt bei Spareinlagen wird weitestgehend von Wirtschaftswissenschaftlern und Politikern ausgeblendet.

Um Sparguthaben verzinsen zu können, müssen andere Wirtschaftsteilnehmer bereit sein, sich zu verschulden, indem sie einen Kredit bei einer Geschäftsbank (GB) aufnehmen.

Voraussetzungen für die Vergabe eines Kredites und somit der Schöpfung von Giralgeld ist:

1. Jemand muss bereit sein, sich zu verschulden.

2. Die kreditgebende Bank erachtet diesen Menschen als kreditwürdig (sie glaubt an eine Rückzahlung des Kredites und verlangt in der Regel eine Sicherheit)

Damit gespartes Geld der Wirtschaft, - die heutzutage ohne Geld nicht mehr funktionieren kann und auf Geld dringend angewiesen ist - zur Verfügung steht, wird in der herkömmlichen Volkswirtschaftslehre der Zins als legitimes Mittel betrachtet, um den Sparer dazu zu bewegen, sein Geld anderen Dieses Bild Wirtschaftsteilnehmern zur Verfügung zu stellen. Das Zinsnehmen wird damit begründet und legitimiert, dass der Verleih von Geld einher geht mit einem Konsumverzicht des Sparers und auch mit dem Risiko für den Fall, dass der Sparer das verliehene Geld nicht zurück erhält.

Seit Anfang der 1970iger Jahre ist es jedoch so, dass das Bargeld (=Zentralbankgeld) im Zuge der Technisierung im Bankenverkehr mehr und mehr seine Funktion als Basisgeld verloren hat. Ein überwiegender Teil der Sichtguthaben auf Girokonten ist nicht durch die Einzahlung von Bargeld entstanden, sondern durch Umbuchungen von Giralgeld, das durch die Vergabe eines Kredites geschaffen wurde.

Um das anschaulich darzustellen, möchte ich Ihnen folgendes Beispiel geben. Nehmen wir einmal an, Sie brauchen einen neuen Mercedes, sind aber gerade knapp bei Kasse. Ihre Hausbank hält Sie für einen seriösen Menschen, der sogar als Sicherheit das Reihenhäuschen der Oma anbieten kann (notfalls nimmt sie auch ihr neues Auto) und bewilligt Ihren Kreditwunsch. Die Bank legt für Sie ein Kreditkonto an, das mit € 30.000 belastet wird und bucht parallel ein Guthaben von € 30.000 auf Ihr Girokonto. Sie kaufen das Auto, überweisen das Geld an den Verkäufer und der zahlt es am Bankschalter direkt auf sein Sparbuch mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten ein. Dazu füllt er einen Auszahlungszettel für das Girokonto und einen Einzahlungszettel für das Sparbuch aus. Das Vorhandensein von Bargeld ist für diesen Vorgang nicht erforderlich.

Das Sparguthaben ist also entstanden, ohne das in irgendeiner Form eine Bargeldeinzahlung eines anderen Wirtschaftsteilnehmers erfolgt ist. (Anm. 1). Auch das Beschaffen der erforderlichen Mindestreserve ist für die kreditgebende Bank in normalen Zeiten kein Problem. Sie kann es sich jederzeit auf dem Geld-(Interbanken)Markt von anderen Banken oder auch von der Zentralbank selbst leihen, die sofort einspringt, wenn auf dem Geldmarkt „Störungen“ (=Misstrauen) auftreten.

Nun gibt es nicht wenige, die glauben, dass die Bank nur den Kredit schöpft, aber nicht die Zinsen, die für den Kredit fällig werden. Dem ist nicht so! Auch die Zinsen werden von der GB geschöpft, nämlich indem sie gebucht werden, - und das meist monatlich auf das Kreditkonto des Schuldners. Die gebuchten Zinsen stellen für die Geschäftsbank eine Einnahme dar und kommen somit ins Geldsystem. Der Kreditnehmer hat nun die lästige Pflicht, in die Welt hinaus zu ziehen und dieses Geld anderen abzujagen, um damit seinen Zinspflichten gegenüber der Bank nachzukommen. Das ist zwar schwer, aber möglich und die Bank hat es dem Kreditnehmer zugetraut, dass er draußen in der Welt erfolgreich sein wird.

Sparen führt also dazu, dass ständig neue Schuldner gefunden werden müssen, um die Sparguthaben (welche Form auch immer diese haben) verzinsen zu können. Die Verzinsung der Sparguthaben beinhaltet den Zinseszinseffekt und irgendwann ist die Verzinsung durch Erschaffung eines Mehrwertes durch Arbeit nicht mehr möglich. Das Wachstum der Sparguthaben übersteigt mehr und mehr das Wachstum der Wirtschaft und überfordert es letztendlich.

Nichtsdestotrotz müssen die Sparguthaben bedient werden und so werden ständig neue Finanzprodukte erfunden und Blasen geschaffen, um das Unvermögen der Wirtschaft exponentiell zu wachsen auszugleichen. Auf Dauer funktionieren kann das nicht. Irgendwann ist Zahltag und die Menschen, die brav gespart haben, werden Ihre „Geld“ersparnisse (=Ansprüche auf Auszahlung von Bargeld) verlieren und sich ärgern, ihre gespeicherte Arbeitskraft nicht vorher konsumiert zu haben, was die Probleme erst gar nicht hätte aufkommen lassen.

Eine Lösung gäbe es für dieses Problem, nämlich die Nichtverzinsung von Ersparnissen. Der Geldbedarf wird dem Bedarf der Wirtschaft angepasst. Um das möglich zu machen, ist eine Umlaufsicherung auf Bar- und Giralgeld erforderlich. Bar- und Giralgeld wird mit einer Geldhortungsgebühr belegt, um das Sparen auf Sparkonten - die von dieser Gebühr befreit sind - attraktiv zu machen. Bevor ich Bargeld also im Küchenschrank verstecke, oder Giralgeld nicht zum Einkaufen benutze und diese Geldhortung bestraft wird, stelle ich es auch gerne der Wirtschaft ohne Zins zur Verfügung. Durch Anpassung der Geldmenge an den Bedarf der Volkswirtschaft sind Inflationen und Deflationen nicht mehr möglich. Gespartes Geld behält auch für zukünftigen Konsum seinen vollen Wert. Die Einführung einer solchen Geldhaltungsgebühr ist heute technisch ohne Probleme möglich und wurde erst kürzlich auch vom angesehenen Harvard-Ökonomen N. Gregory Mankiw in der New York Times gefordert.

www.nytimes.com/2009/04/19/business/economy/19view.html

Ein erster Schritt in diese Richtung wäre eine Rückführung des Rechtes zur Geldschöpfung in staatliche Hand. Näheres hierzu finden Sie unter dem Link www.monetative.de.

Anm. 1: Jede Überweisung von Giralgeld (siehe Teil 1) wird von einer Überweisung durch Zentralbankgeld begleitet. Innerhalb des Bankensystems gleichen sich diese Zahlungen aber weitestgehend aus. Nur der verbleibende Saldo wird mit Zentralbankgeld ausgeglichen. Fehlt einer Bank Zentralbankgeld auf ihrem ZB-Konto, kann sie es sich kurzfristig auf dem Interbankenmarkt (Geldmarkt) oder durch einen Übernachtkredit bei der Zentralbank besorgen.

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