Liebe Cashkurs-Community,

das Thema Absicherungen ist hier bei Cashkurs ein ständiges Thema. In dem nun folgenden Artikel von Dirk Müller wird bis ins kleines Detail genau erklärt wie man seine Bestände gegen Kurseinbrüche absichert. Gerade jetzt vor dem Urlaub ist es ganz besonders wichtig sich darüber zu informieren wie das funktioniert und was Sie dabei beachten müssen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen,

Ihre

Cashkurs-Redaktion

Die Urlaubszeit steht vor der Tür. Der Zugang zum Depot ist für viele hier nur schwer möglich. Der Segeltörn im Mittelmeer ohne Internetzugang, die Reise auf die andere Seite der Welt, wo während der normalen Tageszeiten die Börsen in Europa geschlossen haben – oder einfach nur das Bedürfnis, drei Wochen lang nichts von diesem Eurowahnsinn und den verrückten Kursbewegungen mitzubekommen. Abschalten! Im wahrsten Sinne des Wortes! Nur zu verständlich. Aber dazu gehört die richtige Vorbereitung, sonst droht unter Umständen eine böse Überraschung nach dem Urlaub.

Zwei Wochen Urlaub und danach 30 Prozent ärmer?

Ich denke an das letzte Jahr 2011. Ich war gerade mit dem Geländewagen Richtung Ukraine aufgebrochen, als die Märkte verrückt spielten. Der Dax verlor binnen zwei Wochen 30 Prozent! Kaum eine Telefonverbindung, geschweige denn Internet. Hätte ich nicht vor dem Urlaub entsprechende Vorbereitungen für meine eigenen Finanzen als auch die der Kunden von Cashkurs-Trends getroffen, hätte dieser Urlaub im finanziellen Desaster geendet. Durch vorrausschauende Maßnahmen haben weder die Kunden noch ich selbst in dieser Phase Geld verloren. So sollte es auch sein, wir wollen an der Börse Geld in gute Ideen investieren und nicht im Casino „Rot oder Schwarz“ spielen. Dafür arbeiten wir alle zu hart. Die Lage hat sich keineswegs in eine sorgenfreie verändert, so dass auch heuer Absicherung Trumpf ist.

Da ich weiß, dass diese Absicherungsgeschäfte für viele Leser noch immer nicht ganz nachvollziehbar sind, möchte ich Ihnen hier noch mal eine detaillierte „Bastelanleitung“ geben.

Wie sichere ich meine Aktien oder Edelmetalle für den Urlaub ab?

Es ist in der Tat ein Unterschied, ob ich eine kurzfristige Absicherung in turbulenten Tagen vornehme, aber jederzeit selbst reagieren kann, oder ob ich zwei bis drei Wochen „außer Gefecht“ bin. Daher konzentriere ich mich im ersten Bericht auf dieses Szenario, indem ich klassische Optionsscheine einsetze. Im Wesentlichen ist zwischen klassischen Optionsscheinen und sogenannten „Knock-Out“-Zertifikaten, auf die ich am Ende noch kurz zu sprechen komme, zu unterscheiden.

Der klassische Optionsschein (OS) funktioniert stark vereinfacht so:

(Beispiel Gold, ich möchte eine Unze Gold – Münze im Tresor – gegen Wertverlust absichern)

Eine Bank verkauft mir (über die Börse) einen Verkaufs-OS auf 1 Unze Gold. Ich darf nun während eines bestimmten Zeitraumes (ich kann zwischen wenigen Tagen bis mehreren Jahren wählen) 1 Unze Gold zu einem bereits heute festgelegten Wert (auch hier kann ich fast frei wählen zwischen einem Goldpreis von 200 bis 4000 US-Dollar je Unze) an diese Bank verkaufen. Egal wie der Goldpreis steht.

Das ist nichts anderes als eine Versicherung meiner Goldmünzen gegen Kursverluste. Im Schadensfall muss ich aber gar nicht die Münze tatsächlich an die Bank verkaufen, ich bekomme einfach den Schaden ersetzt, indem ich den jetzt entsprechend wertvolleren OS wieder über die Börse verkaufe.

Natürlich will die Bank für diese Versicherungsleistung eine Versicherungsprämie haben.

Alles der Reihe nach

Machen wir es der Reihe nach. Ich nehme zum besseren Verständnis die Internetseite von GodmodeTrader, um mir den passenden Optionsschein aus der Flut der Möglichkeiten herauszusuchen.

www.godmode-trader.de

Hier bewege ich die Maus über „Hebelprodukte“ und wähle im aufpoppenden Menü

 „Suche Optionsschein“

Im nachfolgenden Menü wähle ich unter (Pfeil 1) „Typ wählen“ das Produkt aus, dass ich absichern will. In unserem Fall „Rohstoffe“ und danach „Gold“.

Nun wähle ich (Pfeil 2) „Put“ aus. („Put“ steht für Verkaufsoptionsschein, „Call“ steht für das Gegenteil: Kaufoptionsschein. Also sichert der Put gegen fallende Märkte ab.)

Bei Basispreis wähle ich jetzt zum leichten Verständnis den aktuellen Goldpreis aus, also in etwa 1580 US-Dollar je Unze.

Die Restlaufzeit wähle ich kleiner als 3 Monate, ich möchte ja nur meine Urlaubszeit absichern.

Nun erscheint eine Aufstellung mit allen „Versicherungspolicen“ (Verkaufsoptionsscheinen), die es zurzeit an der Börse zu erwerben gibt. Ich entscheide mich beispielhaft für den OS der DZ-Bank. (In der Grafik habe ich alle anderen der Übersichtlichkeit wegen entfernt)

Legende der aufgerufenen Tabelle

WKN: Die WKN ist die eindeutige Identifikationsnummer, mit der man den OS an der Börse kauft.

Name: ergibt sich von selbst ;-). Hier sind die Banken teilweise seeeehr kreativ.

Emittent: Die herausgebende Bank heißt Emittent – die „Versicherungsgesellschaft“, wenn Sie so wollen.

Basispreis: Zu diesem Preis darf ich 1 Unze Gold an die Bank verkaufen.

Bezugsverhältnis: Ich darf für 1 Optionsschein nicht 1 Unze, sondern nur 0,1 Unzen an die Bank verkaufen. Ich brauche also 10 Optionsscheine, um 1 Unze Gold abzusichern.

Hebel: Der Wert des Optionsscheins verändert sich 33 mal heftiger als der Goldpreis. Fällt der Goldpreis um 1 Prozent, steigt der Wert des Optionsscheines um 33 Prozent. Vorsicht! Das ist nur ein sehr grober Näherungswert, der durch viele Faktoren schnell ändern kann.

Fälligkeit: Bis zu diesem Termin gilt meine Versicherung. Bis dahin kann ich jederzeit meinen Optionsschein an der Börse verkaufen. Wenn ich es vergesse, wird er am letzten Tag automatisch verkauft und abgerechnet.

Bid und Ask: Der Ankaufspreis und Verkaufspreis. Wenn ich diesen Optionsschein jetzt an der Börse kaufe, zahle ich 3,84 Euro dafür, wenn ich ihn jetzt verkaufen würde, bekäme ich 3,80 Euro.

Spread: Die Handelsspanne zwischen dem Ankaufspreis (Bid) und dem Verkaufspreis (Ask) an der Börse. Sollte nicht zu hoch sein. Im Beispiel liegt der Spread bei 4 Cent.

Aber jetzt zu den Details. Wir haben am Bezugsverhältnis (0,1) gesehen, dass ich 10 Optionsscheine brauche, um eine Unze Gold abzusichern. Ich muss also 10 x 3,80 Euro = 38 Euro bezahlen. Das ist meine Versicherungsprämie.

Würden Sie sich für diesen Weg der Absicherung entscheiden, gingen Sie zu Ihrer Bank und würden dort wie für eine Aktie einen Kaufauftrag über 10 Verkaufsoptionsscheine mit der WKN  DZ7FK8 erteilen.

Es gibt nun drei mögliche Szenarien. Gold steigt, fällt oder bewegt sich nicht.

Szenario 1 : Gold bewegt sich nicht

Würde der Goldpreis sich von heute (16. Juli) an bis zum 25. September NICHT bewegen, haben Sie nach wie vor Ihr Gold, aber 38 Euro je Unze umsonst (oder besser: für einen erholsamen Urlaub) ausgegeben.

Szenario 2 : Gold fällt

Fällt hingegen der Goldpreis in dieser Zeit von 1580 Dollar auf zum Beispiel 1400 Dollar, so sind Ihre 10 OS an jenem 25. September 147,50 Euro wert. Sie haben also den Wertverlust Ihres Goldes (bis auf die bezahlte Versicherungsprämie) voll ersetzt bekommen.

Sie haben ja das Recht erworben, 1 Unze Gold zu 1580 Dollar zu verkaufen. Jetzt, nach Ihrem Urlaub, steht das Gold aber bei 1400 Dollar. Ihre 10 OS sind also: 1580 – 1400 = 180 Dollar wert. Bei einem aktuellen EUR/USD-Wechselkurs von 1,22 bedeutet das: 180 Dollar / 1,22 = 147,50 Euro. Sie haben 10 Optionsscheine zu je 3,80 Euro gekauft, von denen jetzt jeder einzelne 14,75 Euro wert ist.

Sie verkaufen die Optionsscheine wieder an der Börse, kassieren den Gewinn und haben weiterhin ihre Goldmünze im Banktresor, deren Wert ja auch wieder steigen kann. Vielleicht kaufen Sie sich von ihrer „Versicherungssumme“ ja wieder neue Edelmetalle dazu.

Szenario 3 : Gold steigt

Nach Ihrem Urlaub freuen Sie sich, dass der Goldpreis tatsächlich auf 1800 US-Dollar gesprungen ist.

Wir machen die Abrechnung: Sie haben zuvor das Recht erworben, eine Unze Gold zu 1580 Dollar zu verkaufen. Das macht bei einem Goldstand von 1800 Dollar wahrlich keinen Sinn. Sie haben die Versicherungsprämie umsonst bezahlt, die 38 Euro sind futsch.

Aber: Ihre Goldmünzen sind um 220 US-Dollar (180 Euro)  pro Unze gestiegen. Diesen Gewinn haben Sie gemacht. Sie haben also statt 180 Euro nur 142 Euro Gewinn gemacht (180 Euro Goldsteigerung – 38 Euro Versicherungsprämie). Sie sind bei den Gewinnen des Goldes unbegrenzt nach oben dabei, lediglich die Versicherungsprämie von fixen 38 Euro gehen davon ab. Dafür haben Sie nach unten eine unbegrenzte Absicherung, die sie vor möglichen schweren Verlusten schützt.

Das sind die Grundzüge der „Urlaubsabsicherung“. Das funktioniert mit Aktien oder Silber  ganz genauso. Sie können diese Absicherung für Aktien machen, indem Sie umständlich jede eigene Aktie separat absichern (würde ich nur bei großen Einzelpositionen empfehlen). Viel einfacher ist es, sein ganzes Depot beispielsweise über einen Verkaufsoptionsschein auf den Gesamtmarkt (zum Beispiel den Dax) abzusichern.

Hier stellt sich dann die Frage: „Ja, wie viele OS brauche ich denn dann auf diesen Dax, um mein Depot abzusichern!?“

Ich nehme hier eine ganz grobe Näherungslösung, die aber für unsere Zwecke durchaus reichen sollte:

Sie erinnern sich in der obigen Aufstellung an den „Hebel“?

„Hebel: Der Wert des Optionsscheins verändert sich 33 mal heftiger als der Goldpreis. Fällt der Goldpreis um 1 Prozent, steigt der Wert des Optionsscheines um 33 Prozent. Vorsicht! Das ist nur ein sehr grober Näherungswert, der durch viele Faktoren schnell ändern kann.“

Ich mache es mir ganz einfach. Sie haben ein Aktiendepot mit 50.000 Euro. Nehmen wir an, wir haben uns einen OS mit einem Hebel von 33 herausgesucht, dann würde es ungefähr hinkommen, wenn ich 1/33  meines Depotwertes in diesen Optionsschein investiere: Also 50.000 / 33 = 1.515 Euro.

Ich kaufe mir also für etwa 1500 Euro einen solchen Optionsschein und das dürfte genügen, um mir einen unbeschwerten Urlaub zu gönnen. Ich bin für die nächsten drei Monate abgesichert.

Hier noch einige ergänzende Informationen:

- Natürlich gibt es ein „Emittentenrisiko“. Das bedeutet: Wenn die herausgebende Bank (in unserem obigen Beispiel die DZ-Bank) bis September Pleite gehen sollte, ist Ihre Versicherungspolice (OS) wertlos. Sie haben noch immer Ihr Gold oder Ihre Aktien, aber die Versicherung wäre weg. Daher sollte man sich einen stabilen Emittenten suchen, von dem man annimmt, dass er noch lange existiert.

- Wieso nehmen wir nicht ein Knock-Out-Zertifikat? Ein K.O.-Zertifikat funktioniert sehr ähnlich wie ein klassischer OS. Der größte Unterschied ist jedoch, dass es sofort wertlos wird und aufhört zu existieren, sobald eine bestimmte Marke (die K.O.-Schwelle) erreicht wird. Nehmen wir in unserem obigen Beispiel an, sie hätten statt des beschriebenen OS ein K.O.-Zertifikat mit einer K.O.-Schwelle von 1700 US-Dollar erworben. Während des Urlaubes springt Gold tatsächlich wegen einer überraschenden Zinssenkung der amerikanischen Notenbank für zwei Tage auf 1700 US-Dollar. Ihr K.O.-Schein geht „K.O.“ und erlischt. Doch danach bricht der Goldpreis erst richtig ein und fällt auf 1300 US-Dollar. Sie haben die Versicherungsprämie umsonst bezahlt UND zusätzlich den gesamten Verlust Ihres Goldpreises tragen müssen.

Der Vorteil des K.O.-Zertifikates besteht in einer geringeren Versicherungsprämie. Diese Zertifikate sind, einfach ausgedrückt, billiger. Man kann sie einsetzen, wenn man direkt vor dem Geschehen sitzt und jederzeit eingreifen kann – beispielsweise indem man nach dem K.O. und wieder fallenden Preisen erneut eine Absicherung einkauft. Sitzt man jedoch entspannt auf der Badeinsel, hat man diese Möglichkeit häufig nicht. Daher ist für eine solche Urlaubsabsicherung der klassische Optionsschein vorzuziehen.

- steuerliche Aspekte blieben hier unberücksichtigt. Auf die Erträge aus den Absicherungen ist gegebenenfalls die Kapitalertragssteuer zu bezahlen.

- es ist nicht wichtig, eine 100%-rundum-Sorglos-Absicherung zu haben. Das ganze Leben ist mit Risiken versehen, auch hier ist nicht alles absicherbar. Dennoch sollte man zumindest die größten Risiken herausnehmen und einen „Totalschaden“ vermeiden. Daher ist es sinnvoller, eine einfache und ungefähre Näherungsabsicherung zu machen, als wegen zu komplexer Detailberechnungen ganz darauf zu verzichten.

- Wie immer gilt auch hier: Machen Sie nichts, was Sie nicht wirklich verstanden haben, lassen Sie sich im Zweifel noch einmal beraten oder fragen Sie nach.

Und vor allem: Ihnen allen einen wunderbaren, erholsamen und unbeschwerten Urlaub!

Ihr Dirk Müller