Gold steht nahe seiner Allzeithochs. Viele von uns haben physische Edelmetalle (Münzen, Barren) und wollen diese auch nicht aus der Hand geben. Man weiß ja nie, was in den nächsten Monaten passiert. Dennoch besteht – da sind sich viele einig- die akute Gefahr, dass auch diese Edelmetalle in nächster Zeit – wenn auch vorübergehend – deutlich unter Druck kommen könnten.

Die naheliegenste Möglichkeit, mal schnell verkaufen und billiger wieder einsteigen ist nur auf den allerersten Blick sinnvoll. Bereits auf den zweiten wäre es völlig verkehrt. Was, wenn der Einbruch ausbleibt und die Kurse explodieren? Was, wenn ausgerechnet in diesen Tagen, in denen ich die Metalle nicht besitze mein befürchtetes Horrorszenario eintritt und die Edelmetallpreise explodieren, während das Geld, welches ich dafür bekommen habe sich immer stärker seinem Papierwert annähert ?

Die Kosten beim An- und Verkauf physischer Edelmetalle sind darüber hinaus so hoch, dass es schon gar keinen Sinn ergibt, wenn die Preise nicht dramatisch einbrechen.

Sie sehen, das kann also nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Aber gibt es nicht für alles im Leben Versicherungen? Schließen Sie doch eine Versicherung gegen fallende Edelmetallpreise ab.

Das aus meiner Sicht sinnvollste Produkt ist der klassische Optionsschein. Sie kaufen sich mit einem solchen „Put-Optionsschein“ (anderes Wort für „Verkaufs-Recht“) das Recht ein, dem Herausgeber dieses Optionsscheines jederzeit Gold zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen. Sie haben das RECHT, das zu tun, aber nicht die Verpflichtung. Wenn der Kurs also deutlich steigt, lassen Sie es einfach bleiben. Der Herausgeber des Optionsscheines (meist eine Bank) hat dieses Wahl nicht, sondern MUSS Ihnen das Gold jederzeit zu diesem Preis abnehmen. Für dieses Recht bezahlen Sie eine Versicherungsprämie wie bei Ihrer Hausratversicherung auch. Den Preis des Optionsscheines.

In der Realität wird natürlich nie wirklich Gold über den Schalter gereicht. Ebenso wenig wie Sie Ihrer Hausratversicherung nach einem Wasserschaden die feuchten Möbel in die Konzernzentrale liefern. Diese Versicherungen (Optionen) werden mit Geldzahlungen abgerechnet.

Hier ein Beispiel :

Gold kostet heute 1112 US pro Unze

Der (beispielhafte) Put-Optionsschein mit der WKN : GS2B36 von Goldman Sachs hat einen Basispreis von 1100 US$ und hat eine Laufzeit bis zum 15.3.2011 . Das bedeutet, Sie haben das Recht, bis zum 15.März 2011 eine Unze Gold zum Preis von 1100 US$ an Goldman Sachs zu verkaufen. Dafür zahlen Sie eine Versicherungsprämie (Preis der Optionsscheine) von 87,50 Euro (120 US$).

Die meisten Optionsscheine werden in Zehntelstückelungen aufgelegt, damit sie optisch nicht so teuer wirken. Ein obiger Optionsschein berechtigt zum Verkauf einer 1/10 Unze Gold. Sie brauchen daher 10 Optionsscheine um eine Unze Gold vollständig abzusichern. Daher kostet ein solcher Optionsschein auch nur 1/10 der Versicherungsprämie, also 8,75 Euro. Ich bleibe in der weiteren Erklärung jedoch bei meiner Vereinfachung und fasse zehn „kleine“ zu einem „großen“ Optionsschein zusammen.

Schauen wir uns jetzt an, was in den verschiedenen Szenarien passiert:

1) Gold fällt auf 700 US$.  Sie dürfen ihr Gold ja für 1100 US$ an Goldman verkaufen. Also hat ihr Optionsschein einen Wert von 400 US$. Ihr physisches Gold ist um 400 US$ weniger wert, dafür haben sie von ihrer Versicherung 400 US$ bekommen (abzüglich die „Versicherungsprämie“, also der Kaufkurs des Optionsscheines von 120US$ - die sind auf jeden Fall weg) 

 Bis zu einem Goldpreis von 992 US$ (1112 $-120$) haben Sie wegen der Versicherungsprämie (Kaufpreis 120 $) den gleichen Verlust als hätten Sie keine Absicherung getätigt. Wenn Gold jedoch tiefer fällt, wird ihnen jeder weitere Dollar Verlust 1:1 ersetzt.

2) Gold steigt auf 1500 US. Sie behalten Ihr Gold und lassen die Versicherung einfach liegen. Am 15.3.2011 läuft sie aus, bis dahin sind sie vor späteren Kurseinbrüchen weiterhin versichert. Ihr Gold hat 388 US$ zugelegt. Die Versicherungsprämie müssen wir wieder gegen rechnen (120 US$). Man kann sagen : Die Goldpreissteigerung bis zu 1232 $ findet ohne Sie statt, den das ist der Teil, der für die Versicherungsprämie (120 $) draufgeht. Jeder Dollar darüber hinaus geht 1:1 zu ihren Gunsten.

3) Gold bewegt sich gar nicht und steht am 15.3.2011 immer noch bei 1112 US$. Dann läuft Ihre Versicherung wertlos aus und die 120 US$ Versicherungsprämie sind weg. Aber genau das passiert auch bei Ihrer Hausratversicherung, wenn Ihr Haus „unglücklicherweise“ nicht abbrennt. Eine Versicherung kostet eben eine Versicherungsprämie, dafür ist man gegen große Rückschläge gewappnet, ohne auf die großen Kurssteigerungen verzichten zu müssen.

Im Gegenteil. Wenn der Kurs in den nächsten Monaten stark einbrechen sollte, können Sie den großen Gewinn Ihrer Versicherung einstreichen, Ihr Gold behalten Sie ja auf jeden Fall. Die Auszahlung der Versicherung (Verkaufserlös des Optionsscheines) investieren Sie jetzt zu den niedrigen Preisen in billiges Gold und erhöhen jetzt ihre Gesamtposition. Wenn der Goldpreis wie erwartet wieder stark anzieht, haben Sie den ganz großen Reibach gemacht.

Im Schlimmsten Fall haben Sie nur gut geschlafen, weil Sie gut versichert waren.

Ein wichtiger Punkt gehört natürlich dazu: Eine Versicherung ist immer nur so gut wie die dahinterstehende „Versicherungsgesellschaft“. Was nutzt Ihnen die Versicherung durch GoldmanSachs, wenn die kurz bevor Sie ihren Optionsschein verkaufen wollen den „Lehman“ machen? Dann ist ihre Versicherung nichts mehr wert. Gut, Ihr Gold haben Sie dann immer noch und vermutlich wird der Goldpreis ohnehin explodieren, wenn GoldmanSachs kollabieren sollte, aber man muss sich über dieses „Emittentenrisiko“ im Klaren sein. Daher ist es wichtig, den Optionsschein von demjenigen Institut zu kaufen, von dem man am ehesten glaubt, dass es die Zeiten überdauert. Optionsscheine auf Gold gibt es von vielen Häusern wie GoldmanSachs, Deutsche Bank,HSBC,Citigroup,RBS…. (haben Sie eben gelacht !? ;-) )

Also gut, im Falle einer Zuspitzung der Krise sollte man vielleicht nicht bis zum allerletzten Moment warten um seine Versicherung einzulösen und den Gewinn in Gold zu wechseln….

Ich habe versucht, Ihnen die Funktionsweise eines Optionsscheines möglichst verständlich in den wesentlichsten Elementen zu erklären. Daher habe ich viele Aspekte nicht berücksichtigt, die in die Preisfindung einer solchen Versicherungsprämie mit einfließen. So steigt der Preis eines Optionsscheins (Versicherungsprämie) in Zeiten starker Kursschwankungen selbst bei gleichem Kurs des Goldes an. Klar: Höheres Risiko – höhere Versicherungsprämie und umgekehrt. Diese Punkte habe ich hier ausgeklammert, um Sie nicht zu sehr zu verwirren.   Es ging mir darum die wichtigsten Grundzüge zu erläutern. Wer sich darüber hinaus tiefer gehend mit der Materie vertraut machen möchte (was ich sehr empfehle), der findet hier alle nötigen Grundlagen :

http://www.godmode-trader.de/wissen/index.php/Optionsscheine:Grundlagen

Ich habe Ihnen oben exemplarisch einen aus meiner Sicht interessanten Optionsschein vorgestellt. Wer unter den vielen möglichen Optionsscheinen auf dem Markt seinen eigenen Favoriten heraussuchen möchte, findet hier ein nützliches Suchinstrument :

http://www.godmode-trader.de/suche/optionsscheine-zertifikate-anleihen-etfs-fonds/nach-basiswert/basiswert/133979/typ/optionsschein/strikeMin/1100/strikeMax/1100/laufzeitMin/01.02.2011/seite/1/#ergebnisse

Sie können diese Optionsscheine wie eine Aktie an den Börsen Frankfurt oder Stuttgart während der üblichen Börsenhandelszeiten kaufen und verkaufen.

Einen Aspekt haben wir noch nicht berücksichtigt. Die Währungsschwankungen. Diese können ebenfalls zu Ihren Gunsten oder Ungunsten wirken. Jetzt könnten Sie sich auch noch hiergegen mittels Optionsscheinen auf den Dollar absichern, aber da ist es wie im richtigen Leben: Es macht wenig Sinn, sich gegen alles und jeden Fall abzusichern. Das Leben selbst ist ein Risiko. Es genügt meines Erachten die ganz großen und existenziellen Risiken abzusichern und so sollte man es auch bei den Finanzanlagen machen. 

Wenn Ihnen die „Versicherungsprämie“ zu hoch ist, versichern Sie eben nur einen Teil Ihrer Bestände und kaufen weniger Optionsscheine als es Ihrem Gesamtbestand entspricht. Ganz nach Ihrem persönlichen Geschmack.

Was ich Ihnen hier zu Gold geschrieben habe, funktioniert natürlich genauso bei Silber und Aktien oder auch Aktienindizes.

In diesen Zeiten, in denen man gut beraten ist, „reale Werte“ sein Eigen zu nennen, ist die Absicherung mittels einer Versicherung der bessere Weg als ein Verkauf.

Es gibt noch zahllose weitere Möglichkeiten der Positionsabsicherung und wir werden Ihnen in loser Folge noch weitere Vorstellungen, den obigen halte ich persönlich jedoch für den am wenigsten komplizierten und besten.