Guten Tag liebe Damen und Herren,

das griechische Drama ging auch in dieser Woche weiter. Nachdem man sich Anfang der Woche damit abgefunden hatte, dass das Thema Griechenland wohl zunächst durch ist, kam am Mittwoch die Meldung herein, dass Tsipras wohl doch die Auflagen zur „Rettung des Landes“ akzeptieren würde. Lediglich minimale Änderungen würde man verlangen. Jetzt geht also alles wieder von vorne los. Die Börse dankte es mit einem starkem Plus, nachdem zum Wochenstart noch ein deutliches Minus zu Buche stand. Wir werden sicherlich noch so manche Kehrtwendung sehen. Diesmal gibt es nicht nur an der Börse, sondern im politischen Brüssel manchen „Irren Iwan“ (unerwartete Richtungswechsel – in Anlehnung an „Jagd auf Roter Oktober“). Zum Wochenausklang wurde es dann etwas ruhiger um Griechenland. Das alleine wäre schon fast eine Sondermeldung wert.

Die DAX-Marken

Die Marken im DAX lesen sich diese Woche wie folgt: 11.300 Punkte nach oben und weiter dann 11.500/11.600. Erst über dem Bereich um 11.800/12.000 Punkte wäre die Ampel wieder auf grün geschaltet und wir wären wieder im Bullenmarkt. Bis dahin sind wir weiter im neutralen Gebiet mit eher kritischem Unterton. Bei 11.100 Punkten liegt eine leichte Unterstützung. Wesentlich wichtiger ist allerdings der Bereich um 10.800 Punkte. Dieser wurde ja bereits in den letzten Tagen schon getestet. Darunter liegt noch eine Notlinie bei 10.000, aber da wird es dann auch düster. Die nächste Autobahnausfahrt läge dann bei etwa 8.300. Mit ins Kalkül ziehen sollte man diese Möglichkeit in jedem Fall, auch wenn das nicht das Hauptszenario ist.

Griechenland – Zusammenfassung der jüngsten Entwicklungen

Kommen wir noch einmal zurück zu Griechenland. 48 Stunden hat die Hektik an den Börsen nach den Gesprächen am Sonntag gedauert. Wie erwartet blieben diese ohne allzu große Auswirkungen. Die europäischen Medien haben das Thema sehr gehypt. In China interessiert es niemanden, ob Griechenland im Euro bleibt oder nicht. Die Amerikaner wissen zum Teil wahrscheinlich nicht mal wo Griechenland liegt. Ein völliger No-Event für die internationalen Börsen. Daher wurde das Thema auch sehr schnell abgefrühstückt. Das Verhältnis EUR/USD war überhaupt nicht beeindruckt von allen Entwicklungen am Wochenende und die Hedgefonds haben sich eh schon lange aus Griechenland verabschiedet. Ähnlich wie bereits beim Schuldenschnitt 2010 wurde alles an den Börsen heißer gekocht als gegessen.

Keine Zahlung an den IWF – und jetzt?

Der IWF wurde nicht bezahlt. Und was war passiert? Nix. Schon gar kein offizieller Default. Dieser tritt erst ein, wenn private Gläubiger nicht mehr bezahlt werden und der IWF wird jetzt zunächst Mahnschreiben senden müssen, um dann in ein paar Monaten den Zahlungsausfall festzustellen. Bis dahin ist erst mal nichts Dramatisches passiert. Anders sieht es für die Griechen aus. Die werden es in der nächsten Zeit schwer haben, über die Runden zu kommen. Irgendwann ist auch das Geld aus den Automaten aufgebraucht. Was kommt danach? Schuldzettel der eigenen Regierung, also praktisch eine eigene Währung? Vielleicht kommt es auch ganz anders und nachdem Tsipras die „Rettungsangebote“ akzeptiert hat kommt die Wende, oder zumindest ein Durchatmen, weil man wieder etwas Zeit gewonnen hat. Schlussendlich wird man auch das Referendum vom Wochenende abwarten müssen.

Aus den meisten Umfragen geht hervor, dass die griechische Bevölkerung überwiegend den Euro behalten möchte. Aus der Sicht des Bürgers ist das durchaus nachzuvollziehen. Hier ist man froh, einmal eine halbwegs stabile Währung zu haben, zumindest im Vergleich zur Drachme vorher. Man ist nicht direkt größeren Inflationsrisiken ausgesetzt. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist der Euro allerdings wenig sinnvoll. Und würde der Bürger diese Sicht berücksichtigen, dann würde er sich vielleicht doch lieber die Drachme zurückwünschen. Die aktuellen Gegebenheiten resultieren aus dem eklatanten Versagen der Politiker der letzten 20 Jahre. Die Griechen waren zu keinem Zeitpunkt bereit oder in der Verfassung für eine Gemeinschaftswährung mit Deutschland. Das Versagen liegt dabei sowohl bei den Griechen, die damals ihre Zahlen deutlich geschönt haben sowie auf der Gegenseite, die die Zahlen nicht in Frage gestellt hat. Die Banken haben Kredite an Griechenland gegeben, ohne die Risiken ausreichend zu berücksichtigen. Die Kredite hätten gar nicht erst gegeben werden dürfen. Wenn ich einem Obdachlosen 30.000 Euro Kredit gebe, dann muss ich mich am Ende auch fragen, ob ich nicht auch Schuld daran habe, wenn dieser die 30.000 Euro nicht zurückzahlen kann.

Das griechische Dilemma

Seit lediglich fünf Monaten ist nun Syriza an der Macht, und die stecken nun im Dilemma. Die momentane Situation ist nicht positiv aufzulösen, egal welche Schritte man unternimmt. Entweder zahlt man keine Schulden mehr zurück und geht zurück zur Drachme mit katastrophalen kurzfristigen Folgen für die Bevölkerung, die sich vielleicht erst in zwei Jahren durch eine aufgrund der günstigen Währung wieder  wettbewerbsfähigen Wirtschaft auflösen, oder man nimmt die „vergifteten Geschenke“ der Troika an, stellt sich weiteren extremen Einsparungen für die Bevölkerung und steht in absehbarer Zeit am gleichen Punkt wie jetzt. Die aktuelle Regierung hat die Situation nicht zu verantworten. Das ist eher den europäischen Politikern zuzuschreiben, die heute immer noch im Amt sind. Hier sollte man überlegen, wie man den Griechen aus der von unseren Politikern und Banken über 15 Jahre mitverschuldeten Situation heraushilft. Klar hätte man den Euro in Griechenland nicht einführen dürfen. Vielleicht sollte man einen Weg finden, wie man Griechenland geordnet wieder den Weg zur Drachme ebnet. Eine eigene Währung, die zur Wirtschaftsleitung passt, so wie Polen, Tschechien und viele andere auch. Dann hätten wir wirklich Zeit gewonnen Griechenland grundlegend zu reformieren, denn dieser Staat muss von Grund auf neu aufgebaut werden.

Warum bleibt der Steuerzahler in der Haftung?

Es heißt immer, dass die wahrscheinlich anstehenden Ausfälle bei der EZB vom europäischen Steuerzahler getragen werden müssten. Ist das wirklich so? Müssen diese wirklich zu Lasten des Steuerzahlers gehen? Die EZB schafft dieses Geld doch selbst. Sie schuldet es niemanden. Also warum muss die EZB Geld, das sie nicht zurückbekommt, abschreiben? Wieso macht man nicht einfach eine Gegenbuchung? Die EZB hat vor Jahren auch Sonderziehungsrechte vom IWF bekommen, und zwar kostenlos. Die wurden nur eingebucht, also quasi geschenkt. Diese Sonderziehungsrechte hat man auch nicht als Gewinn eingebucht, sondern man hat lediglich eine Gegenbuchung vorgenommen. Warum kann die EZB nun nicht das gleiche mit den Euros machen, die sie nicht mehr von den griechischen Banken zurückerhält? Die EZB schuldet dieses Geld ja niemandem. Deshalb halte ich die Diskussion, dass der europäische Steuerzahler nun auf den Schulden sitzenbleiben sollte, für fragwürdig.

Dramatischer als Griechenland

Richten wir den Blick nach Asien, bzw. Shanghai. Hier ging es an der Börse inzwischen um ca. 25% nach unten und zwar innerhalb von weniger als drei Wochen. Das ist mehr als das, was wir unter einem Crash verstehen. Ein Crash ist definiert mit 20% Kursverfall innerhalb kurzer Zeit. Aktuell ist in Shanghai der Stand von Anfang April erreicht. Das zeigt uns gleichzeitig, wie extrem der Hype an der Shanghaier Börse in den letzten Monaten war, nämlich ähnlich wie bei uns damals im neuen Markt. Wir haben letzte Woche schon ausführlich auf die Kaskaden hingewiesen, die durch die immensen Aktienkredite ausgelöst und beschleunigt werden. Inzwischen hat die chinesische Regierung schon versucht dagegenzuwirken, indem sie die Kosten für den Wertpapierhandel an der Börse deutlich reduziert hat. Auch einige weitere Maßnahmen wurden ergriffen, um den Handel an der Börse zu beleben. Die Kaskaden nach unten gehen aber weiter und hier ist noch reichlich Luft, nachdem der Index in den letzten Monaten extrem nach oben geschossen ist. Die Spekulation auf Kredit von extrem unerfahrenen Teilnehmern ist ausgesprochen gefährlich. Kreditnehmer, wie Kreditgeber laufen auf große Probleme zu.

Wenn es zu Einbrüchen an den Märkten kommt, dann sicherlich nicht wegen Griechenland. Hier gibt es einige andere ernstzunehmende Entwicklungen, die man im Auge behalten sollte. Die Risiken für größere Einbrüche an den Märkten sind in diesen Tagen deutlich höher als zu früheren Zeiten. Ob die einzelnen Gefahren, die da lauern, am Ende auf die Märkte durchschlagen, bleibt abzuwarten. Genauso kann uns auch noch ein deutlicher Anstieg bevorstehen. Die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung erfordert die passende Strategie, auf die wir an dieser Stelle ja auch schon häufiger verwiesen haben. Weiterhin gilt: Strategie haben geht vor Recht haben.

Ein Blick auf die Autobauer

er Absatz von Daimlers E-Klasse in den USA geht deutlich zurück. Im Juni konnte hier ein Minus von 54% gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden. Aber keine Sorge,  Anfang 2016 kommt die neue E-Klasse auf den Markt. Hier warten die Käufer einfach auf die neuen Modelle. Das ist der ganz normale Produktzyklus, den wir hier sehen. Insgesamt ging es bei Daimler um 6,4% nach oben in USA. VW verzeichnete ein ähnliches Plus mit 5,6% im Juni bei den US-Verkäufen. General Motors schwächeln hingegen mit einem Minus von 3,3%. Der schwache Euro scheint hier den deutschen Autobauern zu helfen. Insgesamt ist der US-Autoabsatz leicht gesunken und immer wieder sieht man Bilder von unglaublichen Flächen, auf denen neue Autos auf Halde stehen, weil sie nicht abverkauft werden können. Produktion auf Halde ist leider kein gutes Zeichen.

BMW ist in Gesprächen mit Apple, Google und anderen Partnern, um das vernetzte Auto voranzutreiben. Es wird ja immer wieder diskutiert, ob Apple ein eigenes Auto auf den Markt bringen wird. Möglich wäre das sicherlich. Vorstellen kann ich es mir allerdings weniger. Das gleiche gilt auch für Google. Warum sollten sich die beiden Unternehmen das antun? Es würde ihre Margen dramatisch verwässern und Margen sind für Unternehmen ganz wesentlich. Apple beispielsweise verzeichnet Nettomargen weit über 20%. Bei den Autobauern reden wir über 6-7%. Würden Apple und Google nun anfangen Autos zu bauen, dann würde das die Gesamtnettomargen des Unternehmens verwässern und sich auf die Bewertungen und die Strategien der Unternehmen deutlich auswirken. Üblicherweise investiert man dort am meisten, wo man für sein investiertes Geld die höchsten Margen erhält. Die Eigenkapitalrenditen von Apple sind in den bestehenden Bereichen deutlich höher, als sie es im hart umkämpften Automarkt wären. Daher wäre es durchaus sinnvoll, sich mit einem großen, etablierten Spieler zusammenzutun, der schon Autos bauen kann und diesem dann die Software zur Verfügung zu stellen. Am Ende ist das Auto nur das Werkzeug und man selbst hat die Steuerung in der Hand.

In Frankreich ging der Autoabsatz im Juni um 4,5% nach oben im Vergleich zum Vorjahr. Ein positives Signal für Europa.

ACE übernimmt Chubb

Eine schöne Überraschung gab es bei ACE Ltd. Ein Versicherer, der uns im Dirk Müller Premium Aktien Fonds ohnehin schon Freude bereitet, übernimmt Chubb für 28,3 Mrd. USD. Ein riesen Merger in den USA. Chubb ist bekannt als Immobilienversicherer für hochpreisige Villen, aber auch für Schmuck und Kunst. Nach der Übernahme ist ACE nun zweitgrößter Player auf dem amerikanischen Markt. Der Kurs entwickelt sich nach dem Bekanntwerden der Übernahme positiv.

Reallöhne steigen

Gute Nachrichten aus Deutschland. Die Reallöhne im ersten Quartal sind um +2,5% gestiegen. Unter Reallöhnen versteht man die Löhne in Verbindung mit der Inflation, die ja momentan um die 0% liegt. Die Lohnerhöhungen schlagen daher aktuell also voll durch. Noch besser lief es bei den geringfügig Beschäftigten oder Ungelernten. Dort ging es um 4 bis 5 Prozent nach oben und die können es ja wirklich gut gebrauchen. Das sind dann wohl die ersten Auswirkungen der Mindestlohnvereinbarungen. Die absolute Katastrophe für die Wirtschaft, die so häufig prognostiziert wurde, scheint ebenso auszubleiben.

NSA-Skandal erreicht neue Höhen, bleibt aber Randthema

Die NSA hörte in der Vergangenheit nicht nur die Kanzlerin ab, sondern weite Teile der Regierung, darunter die Ministerien Wirtschaft, Landwirtschaft und Finanzen. Einige weitere dürften sicherlich auch noch auf der Liste stehen. Klar, die Terrorgefahr muss man eindämmen. Das Landwirtschaftsministerium muss man sicherlich genau im Auge behalten. Die Vitaminbomben von deutschen Äckern darf man einfach nicht unterschätzen. Dort lauert immer wieder Gefahr. Was wir hier wirklich sehen, ist nichts anderes als ein feindlicher Angriff gegen die Bundesrepublik Deutschland. Immerhin findet Herr Steinmeier die Sache inzwischen „problematisch“.  Und de Maizière verkündet, dass man „misstrauischer geworden sei“. Bitte verschaukelt uns doch nicht weiter. Sagt doch einfach wie es ist. Wir sind ein Untertan der USA, ihnen aus diversen historischen und gegenwärtigen Gründen hörig und es gibt keine Möglichkeit das zu ändern. Es ist nun mal der Status quo. Damit müssen wir uns abfinden oder eine langfristige Änderung anstreben. Alles andere ist und bleibt Volksverdummung. Das kann man den Leuten ruhig so sagen, sie wissen es doch ohnehin. Inzwischen liegt übrigens eine Strafanzeige aus Österreich gegen die beiden oben genannten Herren vor, weil sie im Auftrag der USA mit BND und Telekom im Verein eine Nachrichtenleitung der Österreicher angezapft haben. Super Sache, inzwischen machen wir uns schon gegenseitig in Europa das Leben als Schergen im Auftrag des großen Bruders schwer.

Bleiben wir beim Thema US-Militärstrategie. Der Generalstabschef der USA stuft Russland und China inzwischen als Bedrohung ein und sieht eine steigende Gefahr für einen interstaatlichen Krieg mit einer Großmacht. Das bedeutet nichts anderes als Weltkrieg. Mal so nebenbei erwähnt....

Genießen Sie das sonnige Wochenende. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Herzlichst,

Ihr Dirk Müller