Guten Tag liebe Leser,

viele von Ihnen befinden sich nun in einer sommerlichen Auszeit und auch an den Märkten werden Nachrichtenlage und Umsätze allmählich dünner. Vielleicht abgesehen von der Berichtssaison, die uns auch in sommerlicher Hitze noch für ein paar Tage beschäftigen wird. Der deutsche Leitindex scheint bereits in den Urlaubsmodus geschaltet zu haben und pendelt bei recht geringer Volatilität in einer übergeordneten Seitwärtsrange zwischen 11.800 Punkten auf der Oberseite sowie bei 10.950-11.000 Punkten nach unten, wo sich in etwa auch die weiterhin langsam ansteigende 200-Tage-Linie befindet. Erst bei einem nachhaltigen Über- oder Unterschreiten dieser Marken werden neue Trends gesetzt.

China verdrängt den Dauerbrenner Griechenland

So spektakulär die – zudem vorab erwarteten – Marktbewegungen nach der fünfwöchigen Zwangspause an den griechischen Börsenplätzen auch gewesen sein mögen, so sehr müssen sie auch in ein vernünftiges Verhältnis gesetzt werden: Denn im Vergleich mit dem chinesischen Elefanten handelt es sich hierbei – bei allem Respekt – doch eher um eine griechische Maus. Nichtsdestotrotz werden die realwirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich durch die strammen Kapitalverkehrskontrollen noch einmal massiv verschärft haben, die ohnehin prekäre bis katastrophale Situation der griechischen Bevölkerung nicht eben zum Besseren wenden. Nicht zuletzt die prekäre Lage im hellenischen Finanz- und Gesundheitssektor sprechen eine deutliche Sprache. Die anhaltend miesen Indikationen aus der Realwirtschaft – Stichwort: abstürzende Einkaufsmanagerindices – sowieso…

Nichtsdestotrotz wandert das Auge des Sauron weiter ostwärts und hat sich nun auf das Reich der Mitte fokussiert. Es sei die Frage erlaubt, warum dies erst jetzt geschieht? Schließlich sind die oftmals eng miteinander verbundenen Problemlagen, die u.a. aus extremer Verschuldung – nicht selten sogar noch auf Kredit! – massiven Fehlallokationen von Kapital, konjunkturellen Abkühlungstendenzen und einer erheblichen Intransparenz auf allen Ebenen (einschließlich hinsichtlich der Qualität einschlägiger Daten) weder neu noch in irgendeiner Weise vernachlässigbar. Schon die schiere ökonomische Größe der Volksrepublik, ihre globale Vernetzung und die hohen Volatilitäten in eher weniger als mehr durchschaubaren Märkten, sollte höchste Wachsamkeit erregen und gut durchdachte Vorsichtsmaßnahmen nach sich ziehen. Erst recht dann, wenn bedeutende geopolitische Karten ausgespielt werden, welche an dieser Stelle ebenfalls nicht zum ersten Mal angesprochen werden. Vorsicht ist deshalb einmal mehr die Mutter der Porzellankiste, auch und gerade für Privatanleger. Dies gilt insbesondere natürlich dann, wenn aus gutem Grund einmal PC und Smartphone für ein paar Tage zur Seite gelegt werden. Die wohlverdiente Auszeit mit einem abgesicherten Depot zu genießen, dürfte von daher sicherlich nicht die schlechteste Idee sein…

China und die Bilanzen internationaler Unternehmen

Auch die Quartalszahlen zahlreicher börsennotierter Unternehmen bleiben – trotz erfreulicherweise wieder anziehender Verkaufszahlen in Europa – von der Entwicklung in China nicht unbeeinflusst. Mit Auswirkungen auch auf die Ausblicke in die kommenden Quartale. So hatte BMW ein durchaus holpriges Vierteljahr zu vermelden, für das wohl weniger der erst frisch ans Konzernruder gelangte Harald Krüger verantwortlich zu machen sein dürfte als vielmehr die übergeordnete Konjunkturlage im zweitgrößten Automarkt der Welt, nämlich China. Wenngleich auch andere Autobauer – in- und außerhalb des Premiumsegments – vor ähnlichen Herausforderungen stehen dürften. BMW traf diese negative Entwicklung, die durch weltweite Preiskämpfe und höhere Ausgaben für Modellentwicklungen und Personal verstärkt wurde, sichtbar in dessen Vierteljahresbilanz: Der Vorsteuergewinn (EBIT) sank um 16 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro. Die Rendite der Autosparte im Verhältnis zum EBIT sank binnen Jahresfrist von 11,7 auf 8,4 Prozent.

Besser lief es beim Automobilzulieferer Continental. Zwar bekam auch dieser Hersteller von Reifen und Fahrassistenzsystemen die Abkühlung bei einem seiner Hauptkunden, der Volkswagen AG, zu spüren – wiederum auch aufgrund der Geschäftsentwicklung in China und in anderen Schwellenländern – konnte dies aber durch eine hervorragende Geschäftsentwicklung insbesondere in den in den letzten Jahren neu hinzugekommenen Geschäftsfeldern mehr als wett machen: Der Quartalsumsatz der Hannoveraner wuchs um satte 18 Prozent auf gut 10 Milliarden Euro, der Unternehmensgewinn im gleichen Zeitraum um gar 30 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. Zusätzlich Rückenwind verliehen dem Reifenhersteller die deutlich gefallenen Rohstoffpreise, vor allem für Naturkautschuk. Continental hob denn auch sogleich seine Prognose für die beiden Folgequartale an.

Der Reigen positiver Unternehmenszahlen im Automobilsektor setzte sich auch bei dem jüngst durch VW entthronten ehemals weltgrößten Fahrzeughersteller fort: Toyota vermeldete im zweiten Jahresquartal einen Umsatzzuwachs von 9,3 Prozent auf sieben Billionen Yen (rund 51 Milliarden Euro), bei einem nahezu entsprechend mitwachsenden Gewinn. Dies gelang übrigens trotz rückläufiger Absatzzahlen: Die deutliche Abschwächung des Yen-Außenwertes versüßte in diesem Fall ganz maßgeblich die (Yen-basierte) Bilanz. Wie nachhaltig eine durch Politik und Notenbanken forcierte „Beggar-thy-neighbor“- Politik ist, nicht zuletzt für die vordergründig zunächst als Begünstigte dastehende heimische Unternehmen, bleibt indes abzuwarten. Generell sei die Frage aufgeworfen, was passieren dürfte, wenn auch andere Player eine derart kurzsichtige Strategie in ebenso rabiater Weise umsetzen sollten…

Und noch mehr aus der Automobilwelt: Warum die Nokia-Sparte „Here“ so wertvoll ist

Eine monatelange Übernahmeschlacht um eine Perle im ansonsten schwächelnden, einstigen Weltkonzern Nokia scheint unterdessen entschieden worden zu sein: BMW, Daimler und die Volkswagensparte Audi werden für knapp drei Milliarden Euro den Kartendienst „Here“ mit seinen 6.000 Mitarbeitern von den Finnen übernehmen. Mit dieser wichtigen strategischen Entscheidung für den Entwickler hochauflösender digitaler Straßenkarten konnte man nicht nur die schärfsten Mitbewerber, in erster Linie amerikanische und chinesische Internetkonzerne, ausstechen, sondern sich auch einen entscheidenden Baustein für die Entwicklung autonomer bzw. selbstfahrender Autos sichern. Denn eine allenfalls metergenaue Navigationstechnik, die zudem höchstens alle paar Wochen aktualisiert wird, ist nicht nur nutzlos – wenn beispielsweise eine Tagesbaustelle eingerichtet wird. Sondern sie kann sogar zur großen Gefahr werden – man denke etwa an einen emporgehobenen Kanaldeckel… Spannend dürfte es allerdings hinsichtlich des quasi mitbeschlossenen Kooperationszwangs zwischen Mitbewerbern werden. Werden sich die Automobilhersteller auch wirklich vertragen oder steht hier eher ein Hauen und Stechen zu befürchten? Außerdem wären da ja noch die Bestandskunden von Nokia Here, wie z.B. Toyota, General Motors oder FiatChrysler...

Die Bilanzsaison in weiteren Branchen: Beispiel Chemie

Doch nicht nur rund um den Automobilsektor regnete es Quartalszahlen. Auch die Unternehmen der Chemiesparte warteten mit Bilanzzahlen auf – und einige mit alles andere als schlechten. Beispiel Evonik: Der Essener Konzern für Spezialchemie verkündete mit einem Umsatz von knapp 3,52 Milliarden Euro ein Quartalsplus von acht Prozent. Man konnte bei anziehenden Geschäften oftmals auch noch höhere Preise durchsetzen. Unterm Strich stand auch ein sattes Gewinnplus von 40 Prozent, insgesamt 611 Millionen Euro, auf der Uhr. Selbstredend wurde zugleich auch das Jahresziel mit angehoben.

Auch bei Beiersdorf lief es, abgesehen vom nach wie vor eher verhaltenen China-Geschäft, rund. Vor allem den positiven Geschäftsentwicklungen in den anderen großen Schwellenländen wie Russland oder Brasilien sei Dank: Um 7,3 Prozent stiegen die Erlöse, um gar 12,4 Prozent der Betriebsgewinn, bei einer ebenfalls erhöhten Prognose für die zweite Jahreshälfte. Die – allerdings bereits zuvor alles andere als günstige – Aktie dankt es mit einem Intraday-Aufschlag von 1,8 Prozent.

Merck wartete ebenfalls mit klar schwarzen Zahlen auf, die insbesondere aus dem starken Geschäft mit neu entwickelten Life-Science-Produkten resultieren: 14 Prozent mehr Umsatz und sechs Prozent mehr Gewinn im zweiten Quartal sind ein klarer Nachweis für diesen Erfolg. Allerdings darf – wie schon im Vorquartal – der Rückenwindeffekt durch einen deutlich abgeschwächten Euro, vor allem im jeweiligen Vorjahresvergleich, nicht außer Acht gelassen werden. Übrigens auch nicht bei anderen exportstarken europäischen Unternehmen. Wie lange mag sich dieser Zusatzbonus bemerkbar machen, sobald sich ein gewisser Basiseffekt eingestellt haben wird oder noch heftiger, wenn der Eurokurs gänzlich unerwartet wieder gen Norden durchstarten sollte?

Eher unter der Kategorie „kurios“ sind die – oberflächlich betrachtet – recht ordentlichen Zahlen des Solarzulieferers Wacker-Chemie einzuordnen. Zu den vermeldeten gut 108 Millionen Euro Gewinn (im Vorjahr waren es gerade einmal 29,4 Millionen Euro) trugen allein Ausfall- und Schadensersatzleistungen aus der Solarindustrie im Umfang von knapp 87 Millionen Euro bei. Im Klartext: Ohne diese in vielen Lieferverträgen festgelegten Konventionalstrafen wäre der Quartalsgewinn – und dies bei steigenden Umsätzen – sogar noch geringer ausgefallen als im Jahr zuvor. Ohnehin kämpft man in der von nach wie vor unter harten Wettbewerbsbedingungen operierenden Solarindustrie mit weltweiten Überkapazitäten und fallenden Preisen. Wohl Anlass genug, sich weiterhin nach neuen Geschäftsfeldern umzusehen – nicht nur bei Wacker Chemie.

Deutsche Telekom – Der Turnaround einer ehemaligen „Volksaktie“

Was hat jener medial bis zum Exzess getriebene Hype um einen Börsengang einer eigentlich „so langweiligen“ Aktie wie der der Deutschen Telekom rund um die Jahrtausendwende ausgelöst?! Und nach dem Absturz der „Volksaktie“ an Schaden in der ohnehin unterbelichteten deutschen Aktienkultur hinterlassen – und zwar bis zum heutigen Tage?! Nie wieder wollte eine erdrückende Mehrheit der deutschen Privatanleger ein derart wertevernichtendes Wert-Papier auch nur mit der Kneifzange anfassen! Doch das ist nun schon ein paar Tage her. Ganz heimlich, still und leise haben sich die Bonner in der Zwischenzeit neu erfunden und entsprechend aufgestellt. Selbst die hohen Verluste bei der Sorgentochter in den USA scheinen nun passé zu sein. Die in dieser Woche vermeldeten Zahlen konnten von daher durchaus überzeugen, und zwar sowohl bei T-Mobile US als auch beim Gesamtkonzern. Der Umsatz stieg im zweiten Jahresquartal alles in allem um ordentliche 15,3 Prozent auf 17,4 Milliarden Euro, der Gewinn in nahezu gleicher Rate um 13,5 Prozent auf fünf Milliarden Euro. Nahezu ohne schlagzeilenträchtige Medienbegleitung hat sich der Aktienkurs des Telekommunikationsunternehmens allein im laufenden Jahr um gut 30 Prozent emporgeschoben. Zwar dürfen und sollten langfristig aufgestellte Value-Investoren beim Blick auf einige andere wichtige Fundamentaldaten des Konzerns weiterhin durchaus kritisch sein Die Bonner Turnaround-Story könnte aber eine weiterhin erfreuliche Fortsetzung erfahren.

Disney: Der weite Spagat zwischen Performance und Erwartungen

„Der glücklichste Ort auf Erden“ – oder zumindest der US-Unterhaltungskonzern, der ihn geschaffen hat – konnte wieder einmal glänzende Quartalszahlen vorweisen, die eigentlich jeden Anleger diesem Ort ein ganzes Stück näher bringen sollten. Ein Umsatzplus von fünf Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar, ein Gewinnzuwachs von satten elf Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar im Hause Disney. Vor allem Hollywood-Blockbuster wie etwa „Avengers“ und umfangreichere Erlöse aus dem weltweiten Merchandising ließen die Disney-Kassen kräftig klingeln. Aber auch die Fernsehsparte, die Freizeitparks oder der Bereich Kreuzfahrten sollten reichlich zum Aktionärsglück beisteuern. Doch warum „eigentlich“ und „sollten“? Und warum fällt unmittelbar nach der Zahlenbekanntgabe die Aktie um zwei Prozent? Weil man von Seiten der Analysten wieder einmal mehr – oder besser: viel zu viel – erwartet hatte. Fundamentale Daten und Unternehmenshistorien zählen leider nun einmal im kurzen Zeitfenster nur bedingt. Vielmehr noch interessiert viele Marktteilnehmer und – Beobachter ausschließlich, ob die Erwartungen des Analysten-Mainstream mehr oder weniger erfüllt wurden. Lassen Sie sich bei Ihrer Anlagestrategie bloß nicht zu sehr in die Irre führen von allzu kurzfristigen Einschätzungen, die immer wieder zu Zuckungen in den einschlägigen Charts führen! Jene an einem langfristigen Anlagehorizont orientierten Anleger, der sich an guten und marktbestimmenden Unternehmen orientieren, welche Jahr für Jahr Gewinne einfahren und außerdem nicht zu teuer bewertet sind, werden sich von einem derart kurzsichtigen market spin nicht beirren lassen.

Twitter: Das Vögelchen bekommt lahme Flügel

Apropos market spin: Sie erinnern sich sicherlich noch an die mit großem Medien- und Analysten-Bohei begleitete Börseneinführung des Kurznachrichtendienstes Twitter. Ein Mediendienst, der sich gewiss großer Beliebtheit erfreut, aber sich dennoch lange nicht für einen Premiumplatz in einem Depot eines Privatanlegers qualifiziert! Denn trotz beachtlicher, wenngleich per Saldo kaum noch wachsender Kundenzahlen, die den Dienst aktiv nutzen, hat das Unternehmen seinen Nachhaltigkeitsnachweis noch immer nicht erbracht. Welcher sich eben auch nicht ganz unwesentlich in harten Zahlen bemisst, von künftigen Wachstumspotenzialen einmal ganz zu schweigen. Ein Unternehmen, das aber nicht wächst, muss irgendwann weichen. Ganz besonders in einem überaus schnelllebigen Umfeld wie jenes der Internet- und Medienplattformen. Es drängt sich von daher schon die Frage nach einem Investor oder Kandidaten für eine Übernahme auf. Wohl eine der wenigen Hoffnungen, die bereits Investierten momentan noch bleibt. Denn der Aktienkurs des einst hochfliegenden IPO-Stars zwitschert und trällert schon lang keine Freudenlieder mehr: 29 Dollar und damit Tiefststand seit dem Börsenstart 2013.

Die Britische Justiz und das LIBOR-Bauernopfer

Justitia hat auf der Insel gesprochen – und zwar in einem prominenten Fall von Betrug an den Finanzmärkten. Ein britischer Wertpapierhändler, der von seinem Tradingplatz in Tokio aus den zentralen Interbankenzins LIBOR manipuliert hat, muss für 14 Jahre hinter schwedische Gardinen. So weit, so gut. Immerhin handelt es sich nämlich bei diesem tagtäglich neu bestimmten Marktpreis um nicht weniger als eine unabdingbare Vorgabe, an der sich Zinsen und Kurse in einem Volumen von mindestens 350 Billionen (!) US-Dollar orientieren. Der durch diese jahrelange Manipulationen entstandene Schaden, der sich bis hin zu den Zinskosten beispielsweise für private Immobilienkredite bemerkbar macht, ist ohnehin weder aufzuwiegen noch gutzumachen. Bezeichnend ist aber wieder einmal, dass nicht nur andere direkt Beteiligte bislang ungeschoren davon gekommen sind, sondern insbesondere die tatsächlich Verantwortlichen in den obersten Etagen von Banken und Brokerhäusern. Schließlich darf zumindest angenommen werden, dass dort die entsprechenden Anreize für derart kriminelle Machenschaften gesetzt wurden (und werden). Die Verurteilung von Tom Hayes darf von daher getrost der Kategorie „Bauernopfer“ zugeordnet werden. Beschämend in diesem Zusammenhang ist übrigens auch das – gelinde gesagt – wenig zupackende Verhalten der zuständigen Aufsichtsbehörden. Übrigens auf beiden Seiten des Atlantiks. Will man diesen Tricksereien und ihren Hintermännern nicht ernsthaft auf die Spur kommen oder kann man es schlicht nicht? Etwa weil Mittel und Personal fehlen oder es politisch nicht opportun ist, derartige Machtstrukturen, denen zudem stets der Verdacht auf organisiertes Verbrechen anhaftet, zu durchleuchten oder gar zu hinterfragen…?

Ermittlungen gegen deutsche Blogger: Noch ein Bauernopfer

In einem anderen, nicht nur potenzielle Sommerlöcher füllenden Skandal, dürfte der Begriff „Bauernopfer“ ebenfalls nicht fehl am Platze sein. Ein Bauernopfer in einer Justiz-Posse, die in vielerlei Hinsicht so einiges aussagt über das doch recht unterschiedliche Verständnis von Recht und Rechtsstaat sowie dem doch insgesamt recht überschaubares Engagement des hiesigen Souveräns für Freiheits- und Verfassungsprinzipien. Justiz und Behörden in Deutschland plusterten sich jüngst in lange nicht gesehener Weise über einen Fall angeblichen Geheimnisverrats auf, der sogleich auch noch mit Hilfe des Attributs „Landesverrat“ aufgebauscht wird. Einmal ganz abgesehen davon, wie dieser Begriff genau definiert ist und was darunter überhaupt zu subsummieren ist, reibt man sich angesichts eines miesen Albtraums, in dem man sich wähnt, verwundert die Augen. Denn in welchem Verhältnis bewegen sich Offenlegungen von Informationen über geplante zusätzliche Überwachungsmaßnahmen des Verfassungsschutzes zu der millionenfach erfolgten Ausspähung sensibler Daten und privatester Informationen durch eben – ja eben, ganz genau – eine „fremde Macht“, und zwar per Datenleitung und über viele Jahre hinweg?! Millionen- und milliardenfach, streng vertrauliche Regierungskorrespondenzen und essenzielle Erkenntnisse und Ergebnisse von Entwicklungen und Innovationen aus einer Unzahl europäischer Unternehmen, die nicht mehr und nicht weniger den Kapitalstock für die ökonomische Zukunft Europas darstellen! Und diese ganze Schnüffelei auch unter Mitwirkung deutscher Geheimdienste. Mit dem Wissen, wenn nicht sogar der Billigung der dafür verantwortlichen Politiker und Beamten?! Zudem ohne jegliche Sanktionen oder gar strafrechtlichen Folgen, zumal unter der hierfür mehr als einschlägigen Überschrift „Landesverrat“?! Geht’s noch?! Wie lautete noch einmal die Eidesformel, die Kanzlerin, Minister und Staatssekretäre öffentlich abgegeben haben?!

Das eigentlich Bedenklichste an diesem Skandal ist jedoch, dass große Teile der deutschen Öffentlichkeit, einschließlich zahlreicher verantwortlicher Wirtschaftslenker, angesichts dieser die Interessen eines jeden Einzelnen unmittelbar berührenden Vorgänge, in sträflicher Passivität und Gleichgültigkeit verharren. Das wieder einmal beharrliche Schweigen der Kanzlerin steht also geradezu sinnbildhaft für die geistige Abwesenheit des Deutschen Michel bei diesem Thema. Hat also einmal mehr ein Volk genau jene Regierung, die es verdient…?

US-Zinswende? Es darf weiter spekuliert werden

Würde man einem medial gehypten Thema eine Wertpapier-Kennnummer verpassen und an der Börse handeln, dann wäre der Zinswende ein Platz neben den mit reichlich heißer Erwartungsluft gefüllten Blasen und Bläschen aus der New Economy 2.0 mehr als sicher. Trader hätten ganz gewiss ihre tagtägliche Freude daran. Hierbei ist es übrigens genauso wenig von Belang, ob die jeweils herumgereichten Argumente oder Begründungen auch nur ansatzweise fundamentalökonomisch vernünftig begründet sind oder nicht. Die insbesondere seit Jahresbeginn 2015 bestenfalls mäßigen US-Konjunkturdaten, welche zudem gerne und regelmäßig mit reichlich statistischem Botox aufgespritzt werden, liefern zumindest keinen schlüssigen Grund für eine deutliche und nachhaltige Zinswende. Womöglich verfolgt man aber auch mit Hilfe dieser bis an die Grenzen der Erträglichkeit breitgeschlagenen Debatte ein ganz anderes Ziel. Und zwar unter dem (nicht nur) zwischen Washington und Wall Street durchaus gängigen Motto „Tricksen und Täuschen“. Verbunden mit viel verbalem Füllstoff zur effektiven Ablenkung des geneigten Mainstream. Mögliche Antworten, Begründungen und Auswege aus der bisherigen Diktion der Fed ließen sich beispielsweise mittels folgender Schlagworte benennen: Verhinderung weiterer (übrigens zuvor selbst induzierter) Preisblasen, geostrategische Erwägungen oder – am anderen Ende der Skala – letzten Endes doch ein QE4…

 

Welche Entscheidungen auch immer ab September anstehen mögen – wir wünschen Ihnen zunächst einmal ein sonniges und erholsames Sommer-Wochenende, schöne Ferien und viel Spaß beim Lesen der Beiträge!

Beste Grüße

Ihre Cashkurs-Redaktion