Gehirn-Chips und Internet am Arm

Einem amerikanischen Unternehmen ist es erstmals gelungen, menschliches Gewebe mithilfe eines 3-D-Druckers zu drucken. IBM hat einen so genannten Neuromorphen Computerchip entwickelt, der dem menschlichen Gehirn nachempfunden ist, somit Informationen auf völlig neuartige Weise verarbeiten kann und sogar lernfähig ist. Solche Beispiele lassen erahnen, welche Möglichkeiten die Forschung für die Zukunft parat hält. Doch gibt es auch Entwicklungen, die auf unser Alltagsleben Einfluss haben werden und womöglich bald oder unmittelbar bevorstehen. Vor allem die Digitale Welt verändert sich zügig. Das Forschungsinstitut Statista schätzt die weltweite Anzahl der Smartphones für 2014 mit 1,64 Milliarden; 2013 waren es noch 1,31 Milliarden.

Der Markt für Smartphones ist heiß umkämpft, doch mittlerweile ist auch sein Expansionspotenzial zurückgegangen. Ein Trend, der sich momentan noch schneller als dieser entwickelt, ist der Markt für Smartwatches, das Smartphone an der Armbanduhr. Apple will das eigene Watch 2015 herausbringen. Apple, Google und der Mediengigant BuzzFeed haben ihren Mitarbeitern vor Weihnachten Smartwatches geschenkt. Google hat das pro Angestellten 200 Dollar gekostet. Weitere Boom-Sparten - und neue Anglizismen - sind beispielsweise auch Streaming Stick oder Smart Grids. Der Web-Videos streamende USB-Stick macht den Fernseher internetfähig. Die Fernbedienung ist auch nicht mehr notwendig, weil sich der Fernseher über das Smartphone oder das Tablet bedienen lässt. Intelligente Stromnetze bzw. Smart Grids sind so vernetzt, dass die Stromversorgung effizienter gestaltet und zuverlässiger betrieben werden kann.

Roll-Up

Samsung, Phillips, Sony, LG und andere Unternehmen entwickeln schon seit Jahren zusammenrollbare Folien-Monitore, die für den Verkauf an den weltweiten Märkten geplant sind. Somit bietet die Technik einen hochauflösenden großen Bildschirm, und das Gerät lässt sich gleichzeitig gut verstauen. Der Trend, dass Monitore oder digitale Geräte leistungsfähiger und praktischer werden, setzt sich immer stärker fort. Handliche Laser-Tastaturen beispielsweise projizieren die Tastatur auf den Tisch. Laserprojektoren werden auch bei Armbändern genutzt, die das Display auf den Unterarm projizieren. Das Gerät ist über Funk bzw. Blue Tooth mit dem Smartphone verbunden. Viele Unternehmen planen, innerhalb der kommenden fünf Jahre derartige Produkte auf den Markt zu bringen. Kleine Geräte, die effizienter und funktionaler sind, befinden sich im Trend. Viele Forscher sehen in Wearables - am Körper getragene oder in die Kleidung integrierte Technik - einen sehr interessanten Markt in den kommenden Jahren.

Revolution der Roboter

Im Autobau oder in der Logistik werden Roboter schon seit Langem genutzt. Doch Roboter sind mehr als nur Automatisierungstechnik in Fabrikhallen. In Japan, wo schon seit den 70er Jahren die Fahrzeuge von Robotern zusammengeschraubt werden, werden sie häufig auch als Haushalts- oder Service-Roboter verkauft. Beispielsweise Haushaltsroboter, die in der Küche selbständig aufpassen, dass das Essen in der Pfanne nicht anbrennt. Roboter, die monotone, mühsame oder gefährliche Aufgaben übernehmen, sind ein sehr interessanter Zukunftsmarkt. Es gibt Unternehmen, die bereits Roboter als Sicherheitspersonal einsetzen. In den nächsten Jahren könnten sie schon auf Firmengeländen oder in Parkhäusern auf ihren vorprogrammierten Routen patrollieren.

Die japanischen Autohersteller stellen schon seit Jahrzehnten Humanoide Roboter her, die der menschlichen Gestalt nachempfunden sind. Konzerne wie Toyota, Honda oder Sony haben ihre Forschungen schon in den 80er oder 90er Jahren stark vorangetrieben. Das Vorhaben der japanischen Regierung mit einer „Roboter-Revolution“ ein Wirtschaftswunder hervorzurufen, und damit Japans Ökonomie aus der Talsohle zu befreien, ist nicht neu. Doch im September 2014 gab der Premierminister Abe bekannt, dass sie eine Erklärung mit dem Titel „Verwirklichung der Roboter-Revolution“ verfasst hätten. Sie sollen neben der Autoindustrie auch vermehrt im zivilen Bereich - vorerst überwiegend im Gastronomie-Gewerbe - eingesetzt werden. 

Elite-Universitäten und das Militär in den USA forschen wie die Japaner ebenfalls seit den 80er Jahren an Robotertechnologien. Vor allem Endkundenprodukte wie Roboterstaubsauger werden dort immer beliebter. Daneben stellen vor allem Korea und Deutschland alltagsnützliche bzw. qualitativ hochwertige Haushalts- und Service-Roboter her. In den Medien wurde in letzter Zeit vermehrt über das selbstfahrende Auto von Google berichtet. Durch die ins Auto eingebaute Robotik kann es sich selbständig orientieren und an den Verkehr anpassen. Die Branche entwickelt sich, doch ob 2020 schon einen Roboter-Taxidienste existieren werden, bleibt abzuwarten.

Fazit

Viele Konzerne weltweit forschen schon über Jahre an Zukunftstechnologien. Eine Reihe von Erfindungen warten marktreif in ihren Produkt-Pipelines. Ihre Markteinführungen sind für die nächsten Jahre geplant. Google bietet mit seiner internetfähigen Brille, bei der die Brillengläser als Monitore dienen, das zurzeit wohl bekannteste Wearable an. 

In vielen Zukunftsbranchen, von Bio- über Nano- bis hin zur Hologramm-Technologie, stehen bis 2020 noch Innovationen an, die vielleicht schon bald erheblichen Einzug in unser Alltagsleben finden werden. Wie die Google-Brille zeigt, müssen aber teils auch datenschutzrechtliche Fragen geklärt werden. In der Biotechnologie beispielsweise sind es Herausforderungen ethischer Art.

Die Politik reagiert auf die globalen technischen Entwicklungen. Ende November brachte die EU einen 315 Milliarden Euro schweren Investitionsplan auf den Weg, der die Wirtschaft stärken soll. Die Bundeskanzlerin Merkel sagte, dass gezielt in Branchen investiert werden müsse, in denen die EU schwächer positioniert sei, und nannte die Elektromobilität als Beispiel. China und Russland kooperieren seit mehreren Jahren bei der zukunftstechnologischen Forschung. Im Gegensatz zum EU-Investitionsplan werden in China - seit Maos Zeiten in den 1950ern - Fünfjahrespläne für die Unternehmen vorgegeben, wie es auch in der Sowjetunion üblich war. Darin ist die bezweckte Förderung vieler hochtechnologischer Zukunftssparten festgehalten. Russland und China kooperieren stark in der Forschung und Entwicklung bei der Weltraumtechnologie, die besonders aus geopolitischer Sicht von großem Gewicht ist. Auf dieses Thema wird der zweite Teil eingehen.