Für die Medienpräsenz in Sachen Raumfahrt war 2014 ein besonders gutes Jahr. Im August landete die von der europäischen Weltraumbehörde ESA betriebene Sonde „Rosetta“ auf einem Kometen; die Mission vergleichen einige Forscher sogar mit der Mondlandung. Während der Fußball-WM setzte sich der deutsche Astronaut Alexander Gerst von der internationalen Raumstation ISS als Fan der Nationalmannschaft medienwirksam in Szene. Die Berichterstattungen zum Thema Weltraum nehmen merklich zu. Den Weltraum betreffende technologische und politische Fragen werden bedeutender. Daher versuchen viele Staaten sowie Start-Ups sich frühzeitig in dieser Entwicklungsphase zu positionieren. 

Spielzeugdrohne bis Weltraumkapsel

Damit die USA ihre Astronauten wieder selber auf die ISS schicken können, wurden Boeing und das private Raumfahrtunternehmen SpaceX von der NASA beauftragt, neue Transporter für die bemannte Raumfahrt zu bauen. Die Weltraumkapsel namens „Dragon V2“ soll laut Plan 2017 einsatzbereit sein. Auch Airbus und die ESA kooperieren bezüglich einer Reihe von Weltraum-Projekten. Die Luftfahrtgiganten Boeing und Airbus sind zugleich führende Raumfahrt-Konzerne. Zwischen den beiden Bereichen Luft- und Raumfahrt bestehen enge Verbindungen und fließende Übergänge. Die Erkenntnisse aus der Raumfahrtforschung können von der zivilen Luftfahrt beispielsweise für verbesserte Antriebe genutzt werden. Die ohnehin zahlreichen Überschneidungen zwischen Raketentechnologien und ihrer militärischen Verwendung nehmen ebenfalls stetig zu.

Zu den rasanten Entwicklungen in der Luftfahrt der letzten Jahre zählen Drohnen. Das Wort Drohne wird gemeinhin mit Kriegsführung verbunden und hat daher ein negatives Image. Nun könnten die Fluggeräte auch das alltägliche Leben revolutionieren. Die Möglichkeiten der zivilen Nutzung von Drohnen sind vielfältig. Amazon experimentiert mit Mini-Drohnen, die für einen schnelleren Versand von Waren genutzt werden sollen. Ende 2013 sagte Jeff Bezos, der Chef  des Online-Versandhändlers, dass die automatischen Flugmaschinen in vier bis fünf Jahren einsatzbereit sein sollten. Zu dieser geplanten Zeit - 2017 oder 2018 - könnten vielleicht auch schon Pizzen per Drohne geliefert werden. Es gibt eine Reihe weiterer Möglichkeiten: Beispielsweise können sie bei gefährlichen Arbeiten in großer Höhe, wie etwa bei der Wartung von Gebäuden oder Windrädern, eingesetzt werden. Für Zivil- und Katastrophenschutzorganisationen sind Drohnen ebenfalls interessant, damit sie in schwer zugängliche Gebiete nach Überlebenden suchen oder Verpflegung und Medikamente dorthin transportieren könnten. Die US-Luftfahrtaufsichtsbehörde prognostizierte 2013, dass ab 2015 derartige Drohnen bereits weitläufig im Einsatz sein könnten und erließ entsprechende Gesetze, um die zivile Nutzung unbemannter Flugobjekte anzupassen. Schon Spielzeugdrohnen erobern vermehrt die Kinderzimmer und dürften Weihnachten 2014 unter vielen Bäumen gelegen haben; auch als Geschenke für Erwachsene.

Satellitenwürfelchen

In Sachen Weltraumtechnologie sind Satelliten von besonderer Bedeutung. Durch sie werden Radio- und Fernsehprogramme empfangen oder das Navigationsgerät im Auto mit den notwendigen Daten gefüttert. Klassische Satelliten wiegen über eine halbe Tonne. Die künstlichen Trabanten gibt es auch in leichteren Varianten. Vor allem so genannte Kleinsatelliten wiegen bis zu 20 Kilogramm. Der „CubeSat“ ist ein standardisierter Kleinsatellit in Würfelform. Damit gehört er zu der Kategorie der Pico-Satelliten, die zwischen 100 Gramm und ca. 1 kg wiegen. Anfangs wiesen sie in Höhe, Breite und Länge jeweils 10 cm auf. Mittlerweile wurden sie auf Formate erweitert, die 20 cm oder 30 cm lang sind. Seit 1999 wurden Dutzende dieser Würfel ins All geschickt. Vor allem sind es die Universitäten weltweit, die erforschen wollen, wie mit den Cubesats Satelliten kostengünstig in die Umlaufbahn der Erde gebracht werden können, und die Studenten werden dadurch praktisch ausgebildet. Eine Kooperation von verschiedenen Forschungsinstituten in den USA hat einen funktionsfähigen Kleinsatelliten mittels 3D-Drucker hergestellt und ins All befördert.

Mehr al 1000 Satelliten umkreisen die Erde. Die Hälfte davon stammte aus den USA und ca. ein Drittel teilten sich die traditionell starke Weltraumnation Russland sowie China auf. Die ESA zählt mit ihren 20 Mitgliedsstaaten zu den konkurrenzfähigsten Weltraumorganisationen weltweit. Indien, Mexiko, Brasilien und die Türkei sind weltraumtechnologisch relativ gut aufgestellt. Mit der Herstellung von Kleinsatelliten beteiligen sich auch aufstrebende Länder wie Südafrika, Vietnam, Ecuador, Peru oder Pakistan an der Forschung; sie alle haben bereits erfolgreich ihre Cubesats ins All geschickt.  An den Universitäten wird an verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten geforscht: Erdbeben-Früherkennung, die Vermessung der Erd- bzw. Meeresoberfläche oder an Spannseilen (Space Tether), die die Kleinsatelliten miteinander verbinden. Die Technologien kommen langsam auch an den Märkten an. Das österreichische Start-Up-Unternehmen Spire, vormals NanoSatisfi, stellt Kleinsatelliten her, mit deren Hilfe Schiffe, Container oder Flugzeuge sehr viel besser geortet werden können als heutzutage möglich ist. Spire sammelte über Crowdfunding und Beteiligungen 30 Millionen Euro ein und wurde von der NASA als eines der TOP-Hoffnungsunternehmen der Gegenwart bezeichnet.

Fazit

Das renommierte Wissenschaftsmagazin Science bezeichnete die Rosetta-Mission als den beachtlichsten  Durchbruch des Jahres 2014. Nicht nur die großen Technologien jenseits der Atmosphäre, sondern auch die kleineren entwickeln sich rasant weiter. Der Weltraum ist nicht mehr bloße Science-Fiction, sondern politisch relevante Realität. Die Regierungen vieler Länder fördern deshalb die Weltraumforschung. Dadurch wächst der Konkurrenzdruck, weshalb sich in den kommenden Jahren auch die jeweiligen Potenziale entfalten sollten.

In den 1960er Jahren, mitten im Kalten Krieg, war der Wettlauf zum Mond ein prestigeträchtiges Projekt im Kampf der Systeme. In der aktuellen weltpolitischen Lage sind ähnliche Entwicklungen zu erkennen. Vielmehr als der Mond sollte jedoch der Wettlauf zum Mars eine wichtigere Rolle spielen. Dieser Meilenstein der Menschheitsgeschichte sollte den Ehrgeiz vieler Staaten - insbesondere Russlands, Chinas und Indiens - schüren und dem frühen 21. Jahrhundert seinen Stempel aufdrücken. Darüber hinaus ist die militärische Bedeutung bzw. der „Krieg der Sterne“ ein elementarer Faktor der Weltraumpolitik – dieses Thema wird demnächst in einem eigenen Beitrag behandelt.

Schon 1985 war Sultan Salman al-Saud und 1990 der Fernsehjournalist Toyohiro Akiyama als nicht professioneller Astronaut im Weltall. Mittlerweile bietet der Milliardär Richard Branson mit seinem Unternehmen Virgin Galactic Privatpersonen die Möglichkeit als Tourist in den Weltraum zu fliegen. Es entstehen mehrere Start-Ups, die auf den Zug des Weltraumtourismus aufspringen wollen. Auch auf anderen Gebieten wird das große Geschäft im All gewittert. Der deutsche börsennotierte Technologie- und Raumfahrtkonzern OHB AG hat sich in den Bereichen Navigation, Wissenschaft, Kommunikation und Erdbeobachtung breit aufgestellt. China plant bis 2020 einen Taikonauten auf den Mond zu schicken. Unter diesen Vorzeichen betrachtet, könnte sich bis dahin der gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Blick auf den Weltraum entscheidend weiterentwickelt haben.