Um seine Entscheidungen zu treffen, beschafft sich der Anleger aus den verschiedensten Quellen seine Informationen. Je mehr für eine Analyse zur Verfügung stehen, desto breiter die Entscheidungsgrundlage. Daraus resultiert die generelle Einstellung, möglichst viel zu sammeln, um bei der Analyse aus „dem Vollen“ schöpfen zu können. Die häufige Annahme, dass die Qualität einer Analyse mit der Menge der verwendeten Informationen steigt, muss jedoch nicht immer zutreffen. Das übertriebene Sammeln ist nicht nur zeitraubend, es kann darüber hinaus zu einer zunehmenden Wahrnehmungsverzerrung bzw. Fehlentscheidungen führen. Die Verhaltensökonomie bietet verschiedene Ansätze, um dem gegenzusteuern.

Informationen sind die Ressource des Anlegers. Sie sind die Bausteine, auf denen seine Entscheidungen beruhen. „Je mehr, desto besser“ ist in diesem Zusammenhang ein Motto, das die Beschaffung von Informationen manchmal in einer regelrechten Sammelwut ausarten lässt. Jedoch geht mit der steigenden Menge auch ein zunehmender Arbeitsaufwand einher. Häufig verwendete Schlagworte wie Informationsflut oder Informationslawine implizieren die Schwierigkeit, die enorme Masse an den täglich einströmenden Daten und Fakten - die genau genommen erst zur Information werden, wenn sie in einem bestimmten Kontext Relevanz besitzen - effizient einzuordnen. Welche sind wichtig, welche unwichtig? Und wo verläuft der Grat zwischen Mangel und Überfluss an Informationen?

Da der Mensch an der Börse Entscheidungen unter Unsicherheit trifft, verbindet er mit der steigenden Menge an Informationen eine gewisse Klarheit. Er geht davon aus, dass jede hinzukommende bzw. neue Information einen Nutzen bringt. Selbstverständlich ist es grundsätzlich sinnvoll, viele Informationen zu berücksichtigen, um sich ein umfassendes Bild von der Marktlage zu verschaffen. Doch hängt die Nützlichkeit davon ab, welche Informationen zur Meinungsbildung verwendet werden. Falls sich die Informationen beispielshalber zu sehr gleichen oder die Einseitigkeit der vorherrschenden Meinung verstärken, kann sich dies kontraproduktiv auswirken.

Wenn der Investor das bloße Heranziehen jeder neuen Information als erstrebenswert erachtet, wird dieser Effekt in der Behavioral Finance „Information Bias“ (Informations-Verzerrung) genannt. Dieses Phänomen weist Ähnlichkeit mit der Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) auf, bei der ebenfalls Informationen gesucht oder so interpretiert werden, damit die eigene Meinung bestätigt wird. Im Gegensatz zur Confirmation Bias, bei der der Anleger davon überzeugt ist, auf exakte und umfangreiche Informationen zurückzugreifen, erfüllt die weitschweifende Informationssuche beim Information Bias lediglich einen Selbstzweck, ohne einen nennenswerten Mehrwert zu bringen. Bei dem Information Bias wird selbst dann weiter nach neuen Informationen gesucht, wenn sie irrelevant sind oder der eigentliche Zweck der Handlung dadurch nicht mehr beeinflusst werden kann.

Dass der Nachrichtenwert neuer Informationen generell überschätzt wird, liegt mitunter an dem so genannten „Information Sources Effekt“ (Informationsquellen-Effekt). Dieser Effekt besagt, dass mehrere Informationen aus derselben Quelle stammen, aber als voneinander unabhängig wahrgenommen werden. Die ansteigende Menge und das häufige Auftauchen einer Information in den Medien erwecken den Eindruck, dass es sich um ein sorgfältig recherchiertes und wichtiges Thema handeln muss, selbst wenn sie veraltet, belanglos oder gar unwahr ist. Die hohe Verfügbarkeit sowie die hohe Präsenz in den Medien verleitet oft dazu, die gleiche Information wiederholt zu sammeln und sich damit intensiver auseinanderzusetzen als erforderlich wäre.

Das eifrige Ansammeln von Informationen endet oft darin, dass sie nach einer Weile im Überfluss vorhanden sind. Dieser wirkt sich dann meist hinderlich aus, wenn komplexe Themen wie die Börsenmärkte analysiert werden. Die Nobelpreisträger Kahneman und Tversky, die Wegbereiter der Behavioral Finance, haben (sinngemäß) Folgendes dazu angemerkt: „Wir können nicht mehr Informationen verarbeiten, als unsere natürlichen Kapazitäten zulassen. Anderenfalls leiden wir unter Informationsüberfluss. Studien dazu zeigen, dass wir bei der Entscheidungsfindung schrittweise immer mehr Informationen hinzuziehen und die Analyse dadurch immer besser wird. Ab einem gewissen Punkt beginnt die Qualität kontinuierlich abzunehmen, je mehr Informationen wir dazu fügen.“

Unter Berücksichtigung der beschriebenen Einflussfaktoren, die irrationales Verhalten bei der Handhabung von Informationen hervorrufen, ergeben sich eine Reihe strategischer Ansätze. Eine elementare Methode dabei ist es die Quellen bzw. Medien so auszuwählen, dass dadurch eine breite Meinungsvielfalt abgedeckt wird. Damit kann dem Informationsquellen-Effekt entgegengewirkt werden. Vor allem das Angebot im Internet, das uns mit einer immensen und stetig steigenden Fülle an Informationen konfrontiert, bietet gleichermaßen die Möglichkeit, uns mit anderen Sichtweisen jenseits der Mainstream-Perspektive auseinanderzusetzen.

Eine derartige Vorgehensweise kann den Nachteil mit sich bringen, dass bei bestimmten Punkten eine detailliertere Analyse nicht vorgenommen werden kann. Denn die zur Verfügung stehende Zeit für die Recherche ist normalerweise begrenzt. Die nutzbare Zeit als knappes Gut stellt naturgemäß ein wichtiges Kriterium dar. Je nach individueller Arbeitsweise sollte eine Selbsteinschätzung vorgenommen werden, um die Dauer für die Sammlung und Verarbeitung der Informationen zu bestimmen. Diese somit geschaffenen persönlichen Richtlinien können dann je nach Situation variiert bzw. angepasst werden.

Fazit: In der Regel zahlt sich eine differenzierte Betrachtung verschiedener Meinungen mehr aus als die Detailanalyse gleichartiger Standpunkte. In Bezug auf die Information Bias gilt: Genug ist besser als zu viel.