Wir glaubten schon, heute würde es wieder langweilig, aber da fiel uns beim letzten Rundumblick unten stehender SPIEGEL-Online-Artikel in die Hände. Unser Bundesbankpräsident will keinen Schuldenschnitt, kann ja sein, recht triviale Angelegenheit. Aber die Begründung ist eine konkretere Untersuchung wert! Und zwar dürften nach Herrn Weidmann Notenbanken „das ihnen anvertraute Vermögen nicht verschenken.“ Was meint er denn damit? Ist das nicht hoch spannend? Erst einmal redet der oberste deutsche Notenbanker hier wie der Kreisvorstand einer jeden Provinz-Sparkasse, denn die dürfen das ihnen anvertraute Vermögen sicherlich auch nicht verschenken, wenn ihnen ein außer Kontrolle geratener Schuldner aufgesessen hat, kann ja sein. Banken verschenken ihnen anvertrautes Vermögen denkbar ungern. Allerdings wurde auch diversen Privatbanken Vermögen anvertraut, dass durch die private Gläubiger-Beteiligung für Griechenland zumindest ein kleines Stückchen weit abgeschrieben werden musste. Nicht umsonst steht die einjährige Rendite für griechische Staatsanleihen wieder knapp über 500 Prozent. Will er uns also damit sagen, für die Notenbanken gelten andere Regeln als für herkömmliche Banken? Gut, hier gibt es klar Unterschiede. Aber dann wäre doch die Frage angemessen, ob Herr Weidmann sich jemals mit den Target-2-Salden der Bundesbank auseinandergesetzt hat! Hierzu sagte er außerdem Folgendes: „Der entscheidende Punkt ist, dass es uns nicht erlaubt ist, auf Forderungen gegenüber einem Staat zu verzichten.“ Vielleicht ist dies des Rätsels Lösung. Wenn ein Forderungsverzicht schlicht nicht erlaubt sei, dann kann man ja beliebig viele Forderungen aufladen, auch oder gerade im Interesse des „anvertrauten Vermögens“. Aber die spannendste Frage kommt noch. Wer um alles in der Welt vertraut überhaupt den Notenbanken Vermögen an, dass er oder sie bevorzugte Vermögens-Behandlung erfährt? Wenn irgendein wirtschaftendes Individuum oder Unternehmen Geld besitzt, wird dies zu einer herkömmlichen Bank und keiner Notenbank getragen. Vertraut der Staat den Notenbanken Vermögen an? Das wäre etwas ganz Neues, vor allem, wenn man sich ansieht, wie die Politiker mit „anvertrautem Staatsvermögen“ umgehen. Hm. Schwierige Frage. Also an der EZB sind ja die Notenbanken der Euro-Länder beteiligt, ähnlich wie in den USA die lokalen Fed-Banken sich die Fed-Zentralbank teilen. Über Letzteres weiß man, dass es sich schlussendlich in privater Hand befindet. Also nochmal: Wer vertraut ausgerechnet Herrn Weidmann Vermögen an, das dieser nicht verschenken „darf“? Jemand Ideen?

 
===== N E W S =====

BUNDESBANK-CHEF WEIDMANN SPRICHT SICH GEGEN SCHULDENSCHNITT AUS
„Die Notenbanken dürften das ihnen anvertraute Vermögen nicht verschenken“ – Wie bitte?
SPIEGEL

TREFFEN ABGESAGT ? IN GRIECHENLAND GEHT TATSÄCHLICH NICHTS VORAN
325 Million Euro Sparzusagen fehlen noch, die Wirtschaft stürzt allmählich ins Chaos…
Berliner Morgenpost

SYRIEN RESOLUTION FÜR UN-VOLLVERSAMMLUNG AM DONNERSTAG ERWARTET
„Trotz des Widerstands aus Russland und China gilt eine Annahme der Resolution als sicher.“ Na dann.
Handelsblatt

CHINESISCHE Notenbank WILL IN DER EURO-KRISE AUSHELFEN
Entweder reine Höflichkeitsfloskel, weil gerade EU-China-Gipfel ist, oder die meinen das wirklich so…
ORF

ZUKUNFTSBRANCHE ? BASF ÜBERNIMMT BATTERIE-HERSTELLER
97 Patente für 58 Millionen Dollar. Schaden wird’s nicht. Interessante Story!
Reuters


===== H I N T E R G R U N D =====

FOLLOW-UP ZUR ÖKONOMISCHEN SITUATION JAPANS
Vor allem das Dilemma der gegenwärtigen Situation wird dargestellt, hier USA mit QE3, etc.
wirtschaftsfacts.de

MITT ROMNEY FÄLLT IN VORWAHL-UMFRAGEN ZURÜCK
Liegt nun hinter Rick Santorum. Damit fällt die endgültige Entscheidung wohl erst am 6. März…
Der Standard

OECD WARNT VOR KREDITKLEMME AUCH IN DEUTSCHLAND
Dann sitzen also auch beim Thema Kreditklemme wieder alle im selben Boot. Gutes Gelingen!
DMN

US-JANUAR-BENZINPREISE DIE HÖCHSTEN ALLER ZEITEN
Verglichen mit der Saisonalität könnte also 2012 ein spaßiges Jahr für die Verbraucher werden…
ZeroHedge

ZU GUTER LETZT ? DAS DÜMMSTE PASSWORT ALLER ZEITEN
„12345“ – und genau damit waren die „gehackten“ syrischen Mail-Accounts versehen…
newser.com


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Kommentare

Michael am 15.02.2012 um 09:09 Uhr
Sehr wohl tragen wirtschaftliche Individuen Geld zur Notenbank. Siemens hat das erst vor kurzem getan. (http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2011/09/25448/)
Meines wissens zwar über den Umweg der Siemens Financial Services aber egal. Jedenfalls wurde auch hier auf Cashkurs darüber berichtet. Also warum diese reiserische Aufmachung? Was wird denn hier vermutet?
SkeptischesSchaf am 15.02.2012 um 13:42 Uhr
Ist ja im Großen und Ganzen (für "uns") nichts neues, dass die (mehr oder weniger geheime) Weltfinanzelite IHR Finanzsystem u.a. über die Zentralbanken kontrollieren und uns immer weiter enteignen.

"Wer vertraut ausgerechnet Herrn Weidmann Vermögen an, das dieser nicht verschenken „darf“?"

Da könnte man genauso gut fragen, wer Hinter den Kulissen an der Entscheidungsspitze steht!? Da wird wohl auch ein Herr Ackermann nur ein kleines Licht sein im Machtzirkel!

Interessant finde ich vorallem, dass diese Machtjunkies sich immer weniger Mühe geben (müssen) ihr egoistisches Vorgehen zu vertuschen! Sehr traurig! :-(

Trotzdem weiter so! Solche Artikel sind immer interessant und informativ zum aktuellen Geschehen!

Schönen Tag noch@All
Cashkurs-Redaktion am 15.02.2012 um 16:30 Uhr
Wir wollten hier weder vermuten noch implizieren, es ist eine rein aus Neugierde und Fehlinformationen motivierte offene Frage gewesen. Dass sämtliche Banken ihre Gelder über Nacht zur Zentralbank tragen wissen wir doch...

Andererseits ist die Frage, ob es überhaupt "Vermögenspositionen" in einer Zentralbankbilanz in den Zeiten von "STRG+P" (Drucken per Knopfdruck) gibt. Ein Schuldenschnitt würde zu einer Reduktion der Forderungen führen und damit auf der anderen Bilanzseite Verbindlichkeiten affektieren. Ist ja nicht so, dass der einzelne Euro heutzutage exakt zurükverfolgt werden kann, also eine technische Angelegenheit.

In der Bankbilanz finden sich EInlage-Positionen natürlich auf der Verbindlichkeits-Seite, damit wären wir der Sache schon ein Stückchen näher. Hier liegen seit der Bilanz-Explosion beispielsweise die ganzen "hinterlegten Sicherheiten" der Geldinstitute, wahrscheinlich allesamt auch mit festgeschriebenem Wert. Es ist dieser Tage wahrscheinlich ein übles Chaos in der Buchhaltungsabteilung.

Anderer Gedanke: Wenn ich als Bundesbank 500 Milliarden an offenen Target-2-Forderungen habe, die ja als systemisch hochriskant bis für-immer-verloren eingestuft werden sollten, was stell ich mich dann hin und sage, es gäbe nichts zu verschenken? Das ist doch der Punkt, wurde auch angesprochen.

Summa sumarum diente der Kommentar wohl einzig dazu, kurzfristig "das Vertrauen der Finanzmärkte" nicht zu erschüttern, denn es wären schon spannende Neuigkeiten gewesen, wenn der BuBa-Präsident einen Schuldenschnitt so einfach befürwortet hätte. Trotzdem: Geld ist Geld, Gläubiger ist Gläubiger, wieso genießen Notenbanken eine bevorzugte Behandlung? Sollen sie doch gleich ein paar Commerzbank-Aktien kaufen und dann die Verluste einfach nicht buchen, weil "es kein Vermögen zu verschenken gibt"... Erklärt das mal einem Kleinanleger.

Und dennoch.. der Tonfall hat doch schon sehr was von Klientelpolitik, vor allem, da die Aussage nicht weiter spezifiziert wird. Es ist nicht wirklich davon auszugehen, dass er damit EZB-Übernacht-Einlagen gemeint hat. Notenbanken sind schließlich keine Dienstleister! ... oder doch? :-)

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