Das ist doch mal eine gelungene Valentinstags-Headline… Eigentlich versteht sich kaum eine Nation im Umgang mit der Notenpresse so geschickt wie die japanische. Wann immer ein paar fundamentale Zahlen zum Schuldenstand oder der Schuldenquote angeführt werden, gibt es einen einsamen weltweiten Spitzenreiter: Japan. Der japanische Staat ist mit etwa 200 Prozent der jährlichen Gesamtwirtschaftsleistung verschuldet. Für das vierte Jahr in Folge kommt 2012 mehr Geld durch Schuldenaufnahme in die Staatskasse als durch Steuern bei den Bürgern eingesammelt wird. Das BIP taumelt derweil auf einem Niveau von ca. 400 Billionen Yen – so viel hatte man auch schon in den Boom-Jahren 1993/94 erreicht. Mit Wachstum sieht es also schlecht aus. Gestern hatte nun auch die Bank of Japan ihr Zinsmeeting. Der Leitzins wird dabei unverändert bei 0,1 Prozent gelassen. Das ist keine Neuigkeit, der japanische Leitzins befindet sich bald seit Jahrzehnten im Niedrigst-Bereich. Womit allerdings niemand gerechnet hat: Auch die japanischen Notenbanker weiten ihre Anleihen-Ankäufe aus, wie in den frühen Morgenstunden bekannt wurde. Und zwar gleich um knackige 18 Prozent auf nun insgesamt 835,83 Milliarden Dollar, also um die 65 Billionen Yen zum aktuellen Wechselkurs. Man versucht also, denselben Trick wie die US-Notenbank anzuwenden – und die Staatsschulden einfach direkt aus der Notenpresse heraus zu „finanzieren“. Scheint ja tatsächlich zu funktionieren, nur mit einem Anziehen der Inflation, was die Notenbank Japans auch direkt als Ziel vorgibt (auf zwei Prozent statt einem) scheint es nicht so recht klappen zu wollen. Das würde die Notenbanker allerdings freuen, denn der entgegen aller Maßnahmen starke Yen belastet die japanischen Exporte. Dies neuerdings auch in einem Maß, dass Japan erstmalig seit ganz langer Zeit kürzlich ein Handelsbilanzdefizit vermelden musste. Es wurden also mehr Güter ein- statt ausgefahren. So viel zum Thema Exportland. Was aber ist jetzt eigentlich das Spannende an Japan? Nun, die japanische Blase ist im Grunde 1998 geplatzt, also fast zehn Jahre vor Lehman. Seither schlägt man sich dort mit zweifelhaften Konjunkturprogrammen und einer beispiellosen Schuldenorgie durch, während die Wirtschaft depressiv stagnierend darniederliegt. Ein stärker werdender Yen und eine Notenbank, die verzweifelt auf zwei Prozent Inflation kommen will und dazu Unmengen an Geld freimütig druckt – das ist absolut kontra-intuitiv, finden Sie nicht? All die eifrigen Inflations-Propheten sollten vielleicht das Beispiel Japan nicht vergessen. Beim Thema Schuldenkrise sind uns die Japaner tatsächlich voraus!

 
===== N E W S =====

JAPANISCHE Notenbank WEITET ANLEIHENKÄUFE ÜBERRASCHEND AUS
Etwa 10 Billionen Yen, Gesamtvolumen bald eine Billion Dollar, Inflation soll steigen!
Godmode Trader

TEPCO ERHÄLT WEITERE 6,7 MILLIARDEN EURO STAATSHILFE
Gut, dass die Bank of Japan so viele Anleihen kauft. Damit räumt man sogar den GAU auf.
NZZ Online

MOODY’S MÄHT DURCH DIE EUROZONEN-RATINGS
Runter mit Spanien, Italien, Portugal, Slowenien, Slowakei und Malta. Paar Ausblicke negativ. Yo!
FOCUS

SPEKTAKULÄR ? MONSANTO WIRD IN FRANKREICH SCHULDIG GESPROCHEN
Folgeschäden nach Einatmung eines giftigen „Unkrautvernichters“. Da schau her!
SPIEGEL

GOOGLE DARF MOTOROLA MOBILITY ÜBERNEHMEN
12,5 Milliarden Dollar. Nicht schlecht. Dafür spart man also Geld im Silicon Valley!
Reuters


===== H I N T E R G R U N D =====

SCHÄUBLE GIBT INTERVIEW IM „HEUTE JOURNAL“
Sparpaket „alternativlos“, die „griechische Wirtschaft wettbewerbsfähig“ machen. Brillant!
Handelsblatt

DAS DRAMA (NICHT NUR) DES IRISCHEN HÄUSERMARKTES
Ca. zwei Drittel aller Häuser mit negativem Vermögenswert, sprich Schulden > Marktpreis…
Wirtschaftsfacts

LEO KIRCH’S ERBEN ERSTREITEN SICH WOHL 800 MILLIONEN VON DER DEUTSCHEN BANK
Boah, 800 Millionen ist eine ganze Stange Geld. Und wieder endet ein Prozess im Vergleich.
FAZ

„WAS IN UNGARN WIRKLICH LOS IST“
[27.1.] Kontrovers, teils unbelegt, aber durchaus glaubwürdig. Interessante Story.
ASR Blog

ZU GUTER LETZT ? DIE GUTE SEITE DER Inflation
Papiergeld hat seinen Heizwert, wie man in Ungarn jüngst herausgefunden hat.
failblog.org


Hinweis: Die verlinkten Beiträge stellen nicht immer die Meinung der Cashkurs-Redaktion dar, dienen aber in jedem Falle der eigenen Urteilsbildung.

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Kommentare

klebaer am 14.02.2012 um 09:18 Uhr
Ui ein link zu Failblog, ich muss sagen Chashkurs ist wirklich sehr aufgeschlossen und nicht der übliche konservative Medien-Einheitsbrei. Top!
Nik am 14.02.2012 um 09:31 Uhr

Schönen Guten Morgen an die "Cashkurs-Redaktion" !

Der Clipping-Service und insbesondere Eure Einleitung zum Top-Thema ist einfach Spitze ! Ich nutze Euren hervorragenden Clipping-Service täglich mehr !

Danke für diese herausragende Arbeit !!!

LG Nik
Oxfarm am 14.02.2012 um 10:10 Uhr
Schönen Morgen an die Redaktion und ein grosses Lob für Eure Einleitung ,aber die Blase in Japan ist bereits 1990 geplatzt.
Cashkurs-Redaktion am 14.02.2012 um 14:34 Uhr
An alle:

Danke für das positive Feedback! Das nehmen wir gerne auf. Wir haben den Clipping Service ja immer wieder weiterentwickelt, aber mit der aktuellen Ausgestaltung sind wir im Grunde sehr zufrieden. Trotzdem: Wir sind auch kritikfähig, sollte wem was auffallen.

An Oxfarm:

Okay, akzeptiert. Vor allem die Tokioter Immobilienblase ist unmissverständlich 1990 geplatzt. 1998 stellt eine Zäsur dar (vor allem da die japanischen Autobauer Anfang und Mitte der 90er den europäischen noch massiv zu Schaffen machten mit ihrer ganzen Just-In-Time-Produktion und der englischen quasi den Todesstoß versetzten) und da schert man der Einfachheit halber gerne ganz Fernost über einen Kamm, auch wenn es nicht wunderbar akkurat ist. Erst per 1998 wurde der japanische Leitzins quasi auf Null gesetzt und seither darbt es dort erst so richtig.

Spricht letztlich für die Cashkurs-Gemeinschaft, dass auch eine solche Fahrlässigkeit irgendwem sofort ins Auge sticht. Das positive Feedback können wir also nur zurückgeben.

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