CK*CS - Schweizer Notenbank-Chef tritt zurück

Da ist er: Der erste interessante Paukenschlag im neuen Jahr. Philipp Hildebrand hat sein Amt als Präsident der Schweizer Nationalbank niedergelegt. Das gab er gestern am Nachmittag in einer Pressekonferenz bekannt. Das hohe Amt hatte er seit 2003 inne, richtig spannend wurde es aber wohl erst in der jüngsten Vergangenheit, denn Finanz-, Währungs- und Schuldenkrise zogen auch am Schweizer Franken nicht vorbei. Denkwürdiger Höhepunkt seiner Tätigkeit war vermutlich die historische Quasi-Kopplung des Franken an den Euro. Der Wechselkurs solle die Marke von 1,20 nicht mehr unterschreiten und um dies zu gewährleisten, würde die Notenbank einfach unlimitiert intervenieren. Mit diesem Manöver setzte sich Hildebrand einer Menge nicht unberechtigter Kritik aus, doch es ist das Nachspiel eben dieser Maßnahme, dass sich jetzt zum Bumerang entwickelt hat. Die Geschichte ist schnell erklärt: Vor der Ankündigung der Währungskopplung war von einem massiven Sprung im Devisenpaar EUR/CHF auf besagte 1,20 oder darüber auszugehen und passend dazu legte sich Hildebrands Frau einige Zocker-Papierchen ins Depot, die von eben dieser Bewegung massiv profitierten. Das ist Insider-Handel par excellence – und ausgerechnet dies wurde dummerweise und recht unbestreitbar öffentlich. Hildebrand konterte zunächst mit den üblichen Unschulds- und Unwissenheitsbekenntnissen. So hatte er beispielsweise von den Machenschaften seiner Ehedame nicht den leisesten Schimmer. Auch juristisch wäre er nicht direkt angreifbar gewesen. Dennoch gab er nun aufgrund der massiv beschädigten Glaubwürdigkeit sein Amt ab. Ein fahler Beigeschmack bleibt, besondere Aufarbeitungen oder gar Konsequenzen sind zur Stunde kaum zu erwarten. Über die vielen Parallelen zur Geschichte um einen anderen Präsidenten darf sich aber jeder selbst Gedanken machen...

===== N E W S =====

SNB-PRÄSIDENT STELLT SEIN AMT ZUR VERFÜGUNG

Philipp Hildebrand zeigt sich nach acht Jahren konsequent. Na wer sagt’s denn?

NZZ Online

DEUTSCHLAND PLATZIERT Anleihe MIT NEGATIV-ZINSEN

Jawohl! Erfolgsmodell! Schuldenkrise gelöst? Wohl doch nur eine Laune der Märkte…

WELT

UNICREDIT-Aktie VOM HANDEL AUSGESETZT ? Kurs SCHMIERT AB

Die Anleger können sich mit Kapitalerhöhung und EZB-Spielchen wohl nur schwer anfreunden…

Die Presse

QUARTALSZAHLEN-SAISON ERÖFFNET ? ALCOA MACHT VERLUST

Obacht: Die Zahlen lagen dennoch leicht über den Erwartungen, Aktie nachbörslich im Plus.

n-tv

BERLINER OCCUPY-LAGER WIRD NACH POLIZEI-DRUCK FREIWILLIG GERÄUMT

Da harren die so tapfer aus in der kalten Zeit, aber es ist halt einfach nicht rechtens…

Berliner Morgenpost

===== H I N T E R G R U N D =====

UNTERSUCHUNGEN BEI DER CME NACH MF-GLOBAL-PLEITE

[6.1.12] Höchste Zeit, dass die jetzt nach alledem auch mal ins Visier geraten.

foxbusiness.com

SINGAPUR IST DIE NEUE SCHWEIZ

Jaja, das Kapital wandert. Aber ob es sich da dann schöner lebt…?

manager magazin

VOM DÄMON DER KAPITALKONZENTRATION

Schön beschrieben inklusive Lösungs-Skizze. Wird nur leider nix werden…

The Intelligence

2012 MUSS DEUTSCHLAND WOHL GETREIDE IMPORTIEREN

Abhängig vom Ausland dank wundervoller Agrarpolitik. Chapeau!

SPIEGEL

ZU GUTER LETZT ? SCHULDENSITUATION DER USA EINFACH DARGESTELLT

Video leider englisch, aber es kommt schließlich auf die Zahlen an. Man staune!

youtube

Hinweis: Die verlinkten Beiträge stellen nicht immer die Meinung der Cashkurs-Redaktion dar, dienen aber in jedem Falle der eigenen Urteilsbildung.

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Kommentare

nirvär am 10.01.2012 um 13:49 Uhr
MUST SEE!!

http://www.ibtimes.com/articles/278411/20120108/jan-crawford -cbs-reporter-slammed-excluding-ron.htm

für alle mit Englischkenntnissen.
Berichterstattung über Vorwahlen in NH (USA) von CBN lassen komplett Ron Paul (in Umfragen an zweiter Stelle bei 20%) unter den Tisch fallen. Das Schaubild zeigt Platz 1,3,4 und 5 und berichtet wird sogar über Bachmann, die schon aufgegeben hat.
Für wie BLÖD halten die eigentlich die Bevölkerung!!!
Cashkurs-Redaktion am 10.01.2012 um 15:13 Uhr
Sehr schön, vielen Dank, nirvär! Eine Frechheit...
4fairconomy am 11.01.2012 um 03:47 Uhr
Schade übernehmen Sie hier im Falle Hildebrand die in den Medien kolportierte Kurzfassung welche letztlich einer üblen, rufschädigenden Kampagne entsprang. Die aufgedeckten Fakten, lassen eigentlich kein Zweifel an der Integrität Hildebrand aufkommen! Sein einziger Fehler war, seiner Ehefrau zuviele Freiheiten zu gewähren und nicht zu verhindern, dass sie ohne sein Wissen Geschäfte tätigt, welche ihn in eine schwierige Lage bringen könnten. Rein juristisch zumindest kann Hildebrand keine Verfehlungen angelastet werden.


Konkret und sich auch auf die veröffentlichten Dokumenten (E-Mails, Notitzen des Bankkundenberaters von Hildebrand) stützend: Seine Frau (Amerikanerin und frühere Devisenhändlerin) war schon lange scharf darauf, sich günstig Dollar zu beschaffen wegen der für sie historisch tiefen Kursen. Philip Hildebrand hat nun gemäss einer veröffentlichten Notiz seines Bankkundenberaters sein Einverständnis gegeben gehabt, dass seine Frau Dollar kaufen dürfe - und zwar über ihrem gemeinsamen Konto. Die Frau zögerte nicht lange und verschickte am 15. August den Order zum Kauf von 500'000 $ per E-Mail an die Bank. Wohl erschrocken von der Dimension des Kaufes, untersagte Hildebrand anderntags jegliche weitere Transaktionen seiner Frau ohne sein vorheriges Einverständnis und meldete die Transaktion dem Bankrat, dem Aufsichtsorgan für Rechtsfragen, zur Überprüfung der Rechtsmässigkeit. Der Bankrat sah darin keine Verfehlung. Nur wenige Wochen später, Anfang September, fand das historische Eingreifen der SNB auf den Devisenmärkten statt. Nach Ablauf der reglementskonformen Sperfrist verkaufte Hildebrand im Oktober die $ und der Kursgewinn von 70'000 CHF spendete er einer Wohltätigkeitsorganisation.

Die Transaktionen auf dem Konto Hildebrands wurden durch Verletzung des Bankgeheimnises bekannt: ein IT-Mitarbeiter der Bank (und SVP-Parteimitglied), fertigte Screeschots der Kontodaten an.
Natürlich kann man daraus eine Riesengeschichte machen, wie es die Weltwoche tat und Hildebrand aufgrund der ihr vorliegenden Daten als Gauner betitelte und ihm vorwarf er habe die fragliche Transaktion selbst getätigt und dabei sein Insiderwissen zur Selbstbereicherung eingesetzt. Die Weltwoche steht politisch einem erklärten Erzfeind von Peter Hildebrand nahe: Christoph Blocher, SVP-Vizepräsidenten (und eigentliche Leitfigur der SVP). Zwischen ihnen bestehen bezüglich Geldpolitik und Regulation des Finanzmarktes erhebliche Differenzen, wobei Blocher zur Lobby des Finanzplatzes zu zählen ist, welches z.B. möglichst wenig Auflagen in der "too-big-to-fail" -Frage fordert. Hildebrand hingegen setzte sich mit seiner Forderung durch, höheren Eigenkapitalvorschriften als Basel III verlangt festzulegen.
Sicher ist: die Fakten lassen überhaupt kein Anzeichen erkennen, Philip Hilderbrand habe sein Insiderwissen zur Selbstbereicherung eingesetzt und Devisenspekulation betrieben, welche diesen Namen verdient. Bedenklich an dieser Affäre: die Unschuldsvermutung wurde auf den Kopf gestellt, objektiv kann man Hildebrand nur unkluges Handeln welches ihn angreifbar macht vorwerfen. Es wurde ein fähiger Mann mit Rückgrad und Engagement abgeschossen mit Methoden welche eines Rechtsstaates unwürdig sind: aus Indizien, gewonnen aus illegalen Machenschaften (Verletzung des Bankgeheimnisses!) wurde eine rufschädigende Story konstruiert. Und das hat offensichtlich funktioniert. Ironie der Geschichte: Gerade die patriotischen, ultrarechten Kreise (SVP, Christoph Blocher), welche die Daten aus der Bankgeheimnisverletzung für ihre Kampagne einsetzten, sind politisch die härtesten Verfechter des Bankgeheimnisses!
Cashkurs-Redaktion am 11.01.2012 um 12:39 Uhr
Danke, 4fairconomy, für diesen erneuten ausführlichen Beitrag!

Wir sind über die etwas monotone Darstellung im obigen Clipping Service selbst nicht 100prozentig glücklich gewesen, daher findet sich im aktuellen Clipping Service (11.1.) gleich im Bereich "Hintergrund" ein Link zu einer Gegendarstellung, die im Grunde nahe bei Ihrer liegt. Diese Seite sollte in der Rücktritts-Geschichte unbedingt mit berücksichtigt werden. Vielen Dank nochmal hierfür!

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