Geschäftsmodell und Absatzmärkte

Die in Belgien beheimatete UCB fliegt unter dem Radar vieler Anleger. Zu Unrecht, schließlich gehört das Unternehmen zu den umsatzstärksten Biopharma-Unternehmen Europas.

UCB ist weltweit tätig, mit 55 Prozent der Umsätze ist der US-Markt für die Belgier von essentieller Bedeutung. Bekannt ist der Konzern für Medikamente gegen Epilepsie (Vimpat), Schuppenflechte (Cimzia) und Parkinson (Neupro).

Mit auslaufenden Patenten für Vimpat (2022) sowie Cimzia (2024) bekommen gleich zwei Blockbustermedikamente mittelfristig generische Konkurrenz. Für das umsatzstarke Epilepsie-Medikament Keppra gibt es bereits generischen Ersatz, weshalb bei diesem Biopharmakonzern ein besonderes Augenmerk auf der Pipeline liegt. Derzeit befinden sich hier zwölf Wirkstoffe - und gleich mehrere davon in der entscheidenden Phase drei.

 

 

Quelle: Unternehmen

Die Hoffnungen des Unternehmens liegen auf Bimekizumab, einem vielversprechenden Wirkstoff gegen Schuppenflechte. Zilucoplan und Rozanolixizumab, die für die Behandlung bestimmter Autoimmunkrankheiten vorgesehen sind, könnten – falls behördlich genehmigt - ebenfalls für Impulse sorgen.

Über die Investmentgesellschaft Financiere de Tubize hält die Gründerfamilie Janssen noch 35 Prozent am Unternehmen und mehrere Familienmitglieder sitzen im Board. Übernahmegerüchte, die immer wieder kursieren, wurden stets mit dem Verweis auf diese Struktur relativiert.

 

 

Quelle: guidants.com

Nach einer langgezogenen Korrektur setzt die Aktie zum nächsten Angriff an. Über 82 Euro bleibt das Bild bullisch. Kann die Aktie über 100 Euro steigen, stehen die Chancen auf neue Allzeithochs sehr gut. Käufe bieten sich bei korrektiven Rücksetzern bzw. prozyklisch oberhalb 100 Euro an.

 

 

Quelle: guidants.com

Die Aktie von UCB zeigt sich im Vergleich zum Bel 20, dem sektoral gesehen breit aufgestellten belgischen Dax-Pendant, wesentlich sprunghafter. Wer gerne Ausbrüche tradet, könnte sich den Bel 20 schon mal auf die Watchlist setzen.

 

 

 

 

Bewertung

Dank der Korrektur, ausgehend vom Juli-Hoch letzten Jahres, ist die Aktie derzeit attraktiv bewertet. Das Management erwartet einen Gewinn pro Aktie in einer Spanne zwischen 5,60 und 6,10 Euro, was einem KGV zwischen 15 und 16 entspräche. Eine ansprechende Bewertung im Vergleich zum eigenen historischen Schnitt sowie zur Branche.

Berücksichtigt werden muss hierbei allerdings auch, dass der Erfolg eines Investments darauf fußt, dass die zukünftigen Umsatzrückgänge bei den bestehenden Blockbuster-Medikamenten durch neue Medikamente kompensiert werden können.

 

 

Die Dividendenausschüttungen sorgen in Anbetracht der geringen Rendite zwar für keine Freudensprünge, sollen allerdings fortlaufend gesteigert werden.

Bilanz und Verschuldung

In der Bilanz führt das Unternehmen eine vergleichsweise hohe Goodwill-Last mit sich. Diese steht aber bereits seit Jahren in der Bilanz, was die Chancen auf böse Überraschungen (= Abschreibungen) verringert. Die immateriellen Vermögenswerte (intangible assets) stiegen zuletzt allerdings deutlich an, was auf die Übernahme von Ra Pharma (Zilucoplan) zurückgeht. Ob sich die Investition gerechnet hat, wird sich erst dann zeigen, wenn das Medikament, das man sich mit der Übernahme eingekauft hat, genehmigt wird und erfolgreich auf den Markt gebracht werden kann.

Alles in allem macht die Bilanz aber einen aufgeräumten und stabilen Eindruck.

Profitabilität

Die Margen konnten in den letzten Jahren auf einem stabilen Niveau gehalten werden. Bis 2025 möchte der Konzern die bereinigte EBITDA-Marge von aktuell 27 - 28 Prozent auf 30 - 35 Prozent steigern. In puncto Margen erhält die Story also einen Schuss Fantasie.

 

 

Gerade Phase-3-Studien schlagen bei Pharmaunternehmen kostenseitig stark zu Buche. Der Forschungsetat ist zuletzt deutlich angestiegen. 2020 wurden 29 Prozent des Umsatzes in die Weiterentwicklung der Pipeline gesteckt.

Wachstum

Der Umsatztrend kann sich sehen lassen. In den nächsten Jahren fällt für einige Medikamente allerdings der Patentschutz aus, weshalb neue Umsatzbringer her müssen. Wer investieren möchte, muss deshalb aufmerksam beobachten, ob UCB in 2021 bzw. 2022 Erfolge bei der Zulassung neuer Medikamente feiern kann.

Konkurrenz

Generikahersteller, die nach Verfall des Patentschutzes Nachahmerprodukte anbieten, aber natürlich auch andere Biopharma-Konzerne und klassische Pharmaunternehmen kämpfen mit UCB um Marktanteile. Die stabile Umsatzentwicklung beweist aber, dass sich UCB bisher als starker Player im Sektor beweisen konnte.

Risiken

Die breite Pipeline sorgt dafür, dass die Chancen gut stehen, ehemalige Blockbuster-Medikamente durch neue ersetzen zu können. Allerdings muss die Pipeline auch weiterhin vielversprechende Ergebnisse liefern bzw. Behörden wie die FDA oder EMA neue Medikamente von UCB auch tatsächlich zulassen.

Porter’s Five Forces

UCB hat es mit konkurrierenden Biopharma-Unternehmen, konventionellen Pharmakonzernen (Branchenrivalen, neue Konkurrenz) sowie Generikaherstellern (Substitution) zu tun. Und der Kampf um Marktanteile wird vielfach über den Preis ausgefochten. Abnehmer freut’s, bei UCB kann das auf die Ergebnisse drücken.

Einzig das Lieferantenrisiko nimmt hier keinen besonderen Stellenwert ein.

 

 

Die Chancen, dass UCB auch zukünftig mit einer starken Produktpipeline aufwarten kann, stehen gut. Wer davon überzeugt ist, kann die aktuell attraktive Bewertung zum Einstieg nutzen. Für ein erfolgreiches Investment ist aber nötig, dass die aussichtsreichsten Wirkstoffe auch tatsächlich von den Behörden durchgewunken werden. Interessierte Investoren müssen Nachrichten mit Bezug zu Genehmigungsprozessen deshalb eng verfolgen.

Herzlichst

Ihr

Christof von Wenzl

Quellen: sentieo.com, morningstar.com, www.ucb.com, guidants.com, wikipedia.de

Alle Kennzahlen wurden – sofern nicht anders erwähnt - auf Sicht der letzten vier verfügbaren Quartale berechnet.


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