Geschäftsmodell und Absatzmärkte

Neben Smartphones produziert der chinesische Tech-Konzern verschiedenste Elektro- und Elektronikgeräte wie TV-Geräte, Waschmaschinen, Klimaanlagen oder Staubsaugerroboter. Der Umsatzanteil außerhalb Chinas macht aktuell 40 Prozent aus. Xiaomi macht sich damit weniger abhängig vom hart umkämpften Heimatmarkt und diversifiziert so auf verschiedene Regionen. Besonders in den aufstrebenden Märkten Indien und Indonesien ist der Konzern stark vertreten.

Zudem betätigt sich das Unternehmen im Bereich des Online-Gamings und der digitalen Vernetzung (Internet der Dinge, IoT), und damit in gleich zwei Bereichen, die spannende Wachstumsfantasien bereit halten. Xiaomi konnte im Dezember vergangenen Jahres durch die Partnerschaft mit dem Möbelkonzern Ikea bereits erste Erfolge im Bereich von IoT vermelden. Damit beweist der Konzern, dass er auch in Europa erfolgreich Fuß fassen kann, wobei politische Einflüsse (…Fall Huawei) jedoch immer noch Ungemach bereiten könnten.

Quelle: Unternehmenshomepage

  

  

Die Aktie ist zweifelsohne – wie so viele chinesische Tech-Titel - nichts für schwache Nerven. Hauptbörsenplatz ist Honkong, die Aktie lässt sich aber auch problemlos über Frankfurt handeln. Darüber hinaus gibt es auch ein ADR mit einem US-ISIN, das aber in Frankfurt weniger stark gehandelt wird.

Quelle: tradingview.com

Die Chartanalyse erfolgt anhand des Charts in Honkong-Dollar. Der Titel befindet sich hier nach wie vor im Abwärtstrend und hält sich noch gerade so über der Unterstützung bei neun HKD. Ein Stopp unter dieser Marke macht aus charttechnischer Sicht Sinn. Kann die Aktie allerdings wieder Dynamik nach oben aufbauen, wartet bei zwölf HKD die nächste charttechnische Hürde.

Wie gewohnt liegt der Fokus in unserer Analyse auf den fundamentalen Aspekten des Unternehmens.

  

Bewertung

Ist die Aktie gerade günstig? Ich muss zugeben, dass ich hin- und hergerissen bin. Einerseits fällt das Unternehmen durch eine schwache Profitabilität auf und wirtschaftet in einer äußerst konjunktursensiblen Branche, die zudem von geopolitischen Einflüssen geplagt wird. Andererseits vereint die Aktie jede Menge Wachstumsfantasie und die Bilanz sieht robust aus. Auch das Produktportfolio ist stark.

Alles in allem steht und fällt alles mit dem Sentiment. Verflüchtigen sich die dunklen Wolken am chinesischen Tech-Himmel in Bezug auf Wirtschaft und Geopolitik, sind leicht zweistellige Kursgewinne möglich. Gleiches gilt natürlich aber auch auf der Unterseite!

Bilanz und Verschuldung

Hier erhält der Konzern eine gute Note. Die Eigenkapitalbasis ist solide, Xiaomi unterm Strich schuldenfrei. Was allerdings sauer aufstößt, ist der negative freie Cashflow in den letzten Jahren. Ändert sich dies nicht, ist auch irgendwann das größte Eigenkapitalpolster aufgezehrt.

Profitabilität

Das Smartphone-Segment ist zwar umsatztechnisch das Zugpferd, weist aber lediglich eine Bruttomarge von 6,2 Prozent auf. Bei TV-Geräten & Co. liegt diese für das Jahr 2018 bei 10,3 Prozent. Lediglich der Bereich Internetservices (u. a. Online-Gaming) weist eine auskömmliche Bruttomarge von 64,4 Prozent auf, wobei konstatiert werden muss, dass bei der Bruttomarge im Gegensatz zur operativen Marge lediglich die reinen Produktionskosten verrechnet werden. Kosten für Forschung, Werbung und Verwaltung sind in der Bruttomarge noch nicht verrechnet!

Die Begründung für die tiefen Margen liest sich doch recht abenteuerlich:

Quelle: 2018er Bilanz

  

Das Unternehmen hat also beschlossen, bei seinem Hardwarebusiness niemals eine Nettomarge über fünf Prozent zu erzielen, weil es stets qualitative Produkte zu fairen Preisen anbieten will. So etwas habe ich bis zum heutigen Tage noch nie von irgendeinem anderen börsennotierten Unternehmen gelesen.

Mit oder ohne diesen Schwur, das Geschäft mit Elektronik- und Haushaltsprodukten ist aufgrund der starken Konkurrenzsituation ohnehin kein Zuckerschlecken. Unternehmen aus dieser Branche haben generell Schwierigkeiten damit, eine auskömmliche Nettomarge zu generieren. Eine Tatsache, die sich besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten rächen kann.

Wachstum

Mit diesen Zahlen, von denen Branchengrößen wie Apple oder Samsung nur träumen können, kann der Konzern auftrumpfen - was natürlich aber ebenfalls den günstig angebotenen Produkten geschuldet ist. Auch für die Zukunft prognostizieren Analysten weiterhin starke Wachstumszahlen.

Quelle: Unternehmenshomepage

  

Konkurrenz

Die Gegner im Smartphone-Markt sind prominent und bekannt. Auch im Bereich der Haushaltsgeräte und IoT muss sich der Konzern an Samsung und weiteren international angesehenen Anbietern messen, wobei aber das Momentum aufgrund der Wachstumsdynamik gerade bei Xiaomi liegt.

Risiken

Die niedrigen Margen sind das Hauptproblem des Unternehmens, gerade in wirtschaftlich fragilen Zeiten. Zudem ist es nicht auszudenken, was mit dem Aktienkurs geschehen würde, falls Xiaomi ein ähnliches Schicksal wie Huawei drohen würde.

Porter’s Five Forces

Das Portermodell unterstreicht die doch recht hohe Risikoanfälligkeit der Aktie. Neue Konkurrenten können ebenso ein Problem für den Konzern darstellen, wie das Risiko der Substitution oder der Branchenrivalität. Bleibt der Konzern über hohe Forschungs- und Werbeausgaben nicht ständig am Ball, gehen Marktanteile und Know-How-Vorsprünge schnell verloren. Auch können Produktabsätze im Falle einer Rezession schnell einbrechen, was in der Verhandlungsmacht der Abnehmer festgehalten wird.

  

Der Konzern macht sich durch sein diversifiziertes Geschäftsmodell zu einem spannenden Technologie-Player. Die Wachstumsraten der letzten beiden Jahre waren phänomenal, wenn auch auf Kosten der Profitabilität und der hohen Investitionen, was allein der stark negative freie Cashflow im Jahr 2018 beweist.

Auch charttechnisch ist die Kuh noch nicht vom Eis. Allerdings, verflüchtigt sich beispielsweise die Sorge um die Wirtschaft oder kommt es im Handelskonflikt unerwarteterweise zu einer Einigung, könnten Aktien wie Xiaomi überproportional profitieren.
 
Herzlichst
Ihr Christof von Wenzl

  

Quellen: reuters.com, morningstar.com, marketscreener.com, www.mi.com, tradingview.com

Alle Kennzahlen wurden – sofern nicht anders erwähnt - auf Sicht der letzten 4 auf morningstar.com verfügbaren Quartale berechnet.


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