Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,0022 (05:43 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0007 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 137,18. In der Folge notiert EUR-JPY bei 137,51. EUR-CHF oszilliert bei 0,9852.

An den Finanzmärkten bleibt die Nervosität ausgeprägt. Es gibt zwei Themen, die primär belasten. In Asien wird das Thema Corona für verstärkte Risikoaversion herangezogen. In den europäischen Märkten dient die Unsicherheit über die weitere Gasversorgung im Kontext der Ukraine-Krise als Katalysator für Zurückhaltung bei Risikoaktiva.

So kamen die Aktienmärkte global unter Druck. Der MSCI World Index verlor 1,20 %. Deutschlands exponierte Lage im Energiesektor führte dazu, dass der DAX 1,40 % sank.

An den Kapitalmärkten stellt sich die Rendite der Bundesanleihe mit 10-jähriger Laufzeit aktuell auf 1,25 %. Die US-Treasury Anleihe mit identischer Laufzeit rentiert mit 2,98 %.

An den Edelmetallmärkten kommt keine Euphorie auf. Sowohl Gold als auch Silber verloren gestern gegenüber dem USD an Boden.

Der Euro wird weiter nach unten durchgereicht. Heute wurde ein neuer 20-Jahrestiefstkurs gegenüber dem USD bei 1,0007 im asiatischen Markt markiert. Die Kaufkraft des Euros verliert weiter. Das Thema der importierten Inflation wird potenter. Ebenso gewinnt das Thema Wohlstandsverlust an Bedeutung. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung spielt die EZB eine bedeutende Rolle.

Bundesbankpräsident Nagel erläutert seine Haltung zum neuen EZB-Instrument

Bundesbank-Präsident Nagel will seine Zustimmung zum Instrument der EZB zur Bekämpfung unerwünschter Renditeausschläge von Bedingungen abhängig machen. Man dürfe sich nicht der Gefahr einer fiskalischen Dominanz aussetzen. Die Konditionalität müsse so angelegt sein, dass sie begründbar sei. Es müsse eine Proportionalität geben, wie ein solches Instrument eingesetzt werde.

Die Ausgestaltung des Programms solle sich an die Erfahrungen mit dem OMT-Programm anlehnen. Das Mandat der EZB sei Preisstabilität. Darauf sollte jetzt der Fokus liegen. Würde das Thema der Fragmentierung ordentlich gelöst, könne er auch Unterstützer des neuen Instruments sein.

Kommentar: Sachlich, auf den Punkt. Die Frage ist, ob seine Haltung mehrheitsfähig ist.

Gitzels Sorgen – meine Replik

Hintergrund: Die Bundesnetzagentur wagt keine Prognose, ob Nord Stream 1 nach den Wartungsarbeiten wieder in Betrieb geht. Der Chef der Agentur sagte, dass man in circa zehn Tagen wissen würde, ob Gas weiterhin fließe. Die Nord Stream 1 Pipeline sei seit gestern früh turnusgemäß auf Null gesetzt worden. Dies sei am Sonntagnachmittag angekündigt worden. Man würde am Ende der Wartung erst wissen, was passierte.

Der Kollege Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, hat dazu Stellung genommen. Machen wir daraus einen Meinungsaustausch. Ökonomen erwarten mittelfristig einen Konjunktureinbruch, wenn die Gaspipeline Nord Stream 1 nach den nun begonnenen Wartungsarbeiten nicht wieder am 21. Juli ihren Betrieb aufnehmen sollte.

Kommentar: Dem widerspreche ich nicht, das kann sogar ohne die Betriebsaufnahme von Nord Stream 1 passieren.

Thomas Gitzel: „Es wird befürchtet, dass die russische Seite das Gas als strategische Waffe benutzt.“

Kommentar: Ja, die Befürchtung ist verständlich. Warum sollte Russland aber die Pipeline warten (Kosten), wenn sie dann nicht genutzt werden soll? Auch bot der Chef von Gazprom an wegen des Turbinenproblems, das mittlerweile gelöst ist, die Pipeline Nord Stream 2 zu nutzen, die betriebsbereit ist. Indizien liefern Grundlagen für Zuversicht, dass die Inbetriebnahme in circa zehn Tagen erfolgen wird, mehr noch, dass mit der Turbine aus Kanada dann auch verstärkt Gas fließen könne. Aber fraglos bleiben Restrisiken. In diesem Risikocluster der geopolitischen Auseinandersetzung gibt es keine ultimativen Gewissheiten.

Thomas Gitzel führte weiter aus, dass die Augen der Welt am 21. Juli auf den Pipeline-Knotenpunkt in Lubmin gerichtet sein würden. Bliebe das Gas aus, würde zwar nicht sofort der Gas-Notstand herrschen, doch eine weitere Befüllung der Gasspeicher für den Winter wäre schwierig und spätestens 2023 müsste das Gas rationiert werden. Es käme damit erneut zu Lockdowns der Wirtschaft. Die deutsche und die europäische Wirtschaft würden in eine tiefe Rezession abrutschen. Dies sei zwar ein Worst-Case-Szenario, zeige aber wie entscheidend der 21. Juli in diesem Sommer werden würde.

Kommentar: Ja, unser aller Fokus liegt auf dieser Entwicklung. Die Prognosen über den Verlauf bei einer denkbaren Nichtinbetriebnahme sind nachvollziehbar. Die Wirkungen auf die Weltwirtschaft wären auch prekär, da sich damit in nahezu allen Sektoren Lieferkettenprobleme potenzieren würden.

Ich tendiere zu der Ansicht, dass die Inbetriebnahme erfolgen wird. Wie hoch ist meine Konfidenz bezüglich dieser Einschätzung? Sie liegt bei circa 60 %, ergo ist das Risiko eines Irrtums nicht unerheblich.

IWF will Schuldenerleichterungen für ärmste Länder

Der IWF drängt wichtige Gläubiger, hochverschuldeten Entwicklungsländern Zugeständnisse zu machen. Ansonsten drohe eine Abwärtsspirale, sagte die IWF-Chefin. Ende der Woche beraten die G-20 Länder in Bali. Die G20-Gruppe hatte sich im Oktober 2020 auch wegen der finanziellen Folgen der Corona-Krise auf einen Rahmen geeinigt, wie Staatskonkurse verhindert werden könnten. Bisher folgten den Worten aber kaum Taten. Bei dem Thema könne man sich laut IWF keine Bequemlichkeit erlauben. Sonst würde Vertrauen verspielt und es könnte eine Abwärtsspirale geben.

Laut IWF sind ein Drittel der Schwellenländer und zwei Drittel der Entwicklungsländer wegen hoher Schulden betroffen. Die Zinserhöhungen in den westlichen Ländern würden die Situation verschärfen, weil in der Folge Kapital aus ärmeren Staaten abgezogen würde.

Kommentar: Ich teile die Sichtweise des IWF grundsätzlich. Hinsichtlich der geopolitischen Auseinandersetzung zwischen G-7 und BRICS könnte an dieser Stelle eine Brücke des Konsenses generiert werden. Das wäre zu begrüßen, aber ist es wahrscheinlich?

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Italien mit starkem Einzelhandel – Portugal mit Rekorddefizit

Italien: Die Einzelhandelsumsätze nahmen per Mai im Monatsvergleich um 1,90 % nach zuvor 0,30 % (revidiert von 0,00 %) zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 7,00 % nach zuvor 8,30 % (revidiert von 8,40 %).

Portugal: Die Handelsbilanz wies per Berichtsmonat Mai ein Defizit in Höhe von 7,358 Mrd. EUR nach zuvor -7,126 Mrd. EUR aus. Damit wurde ein neues Rekorddefizit markiert (Historie bis 06/2008).

 

UK: Einzelhandelsumsätze weiter schwach

Laut BRC sanken die Einzelhandelsumsätze im Jahresvergleich per Juni um 1,3 % nach zuvor -1,5 %.

USA: Beschäftigungstendenzen in luftigen Höhen

Der Index „Employment Trends“ (Beschäftigungstendenzen) legte per Juni von zuvor 118,88 (revidiert von 119,77) auf 119,38 Punkte zu. Der Index bewegt sich hinsichtlich der Historie weiter auf luftigen Höhen.

Japan: Erzeugerpreise auf hohem Niveau

Die Erzeugerpreise nahmen per Juni im Jahresvergleich um 9,2 % (Prognose 8,8 %) nach zuvor 9,3 % (revidiert von 9,1 %) zu.

China: Kreditwachstum erholt sich

Das Kreditwachstum lag per Berichtsmonat Juni bei 11,2 % (Prognose 11,0 %) nach zuvor 11,0 %.

Australien: Stimmung gibt nach

Der NAB Business Confidence Index sank per Juni von zuvor sechs Punkten auf einen Punkt, während der NAB Business Conditions Index von 15 (revidiert von 16) auf 13 Zähler nachgab.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0870 – 1.0900 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!