Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0237 (05:21 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0180 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 136,47. In der Folge notiert EUR-JPY bei 139,69. EUR-CHF oszilliert bei 0,9861.

Heute biete ich Ihnen ein Interview aus dem Jahr 2016 in dem Kontext der aktuellen Ukraine-Krise an, das bis heute Aktualität hat. Es belegt, dass unsere heutige Realität kein Zufallsprozess ist. Es titelt unter der Überschrift „Die neue Seidenstraße Moskau–Peking – eine Bedrohung für den Westen?“

An den Finanzmärkten kommt es zu keinen nennenswerten neuen Trendbewegungen

Die Ausnahme ist der Renditerückgang an dem europäischen- und US-Kapitalmarkt in den letzten Wochen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe stellt sich heute früh auf 1,01 %. Die 10-jährige US-Treasury-Anleihe rentiert mit 2,79 %. Die Aktienmärkte litten gestern nach freundlichem Start unter der Ankündigung reduzierter Gasliefermengen via NS1 von circa 40 % auf 20 % des Potentials der Pipeline. Im weiteren Verlauf des Report nehmen wir uns des Themas intensiv an.

Am Währungsmarkt tut sich wenig. Die Handelsbandbreiten der Hauptwährungen sind überschaubar. Der Euro bleibt strukturell schwächeanfällig, da Deutschland und als Folge der Eurozone existentielle Risiken drohen. Zusätzlich belastet das Thema Neuwahl und damit Rechtsruck in Italien. Die edlen Metalle können sich der Anziehungskraft des USD an den Finanzmärkten nicht entziehen und bewegen sich weiter auf den deutlich ermäßigten Niveaus.

USA: Positives und Negatives

Die Ukraine-Krise hat sowohl positive als auch negative Folgen für die USA. Positives ergibt sich am Energiemarkt. Die USA sind jetzt laut EIA größter weltweiter Flüssiggasexporteur. 71 % gehen in die EU und das UK. Negative Entwicklungen deuten sich im Konsumsektor an. Der weltgrößte Einzelhändler Walmart ist wegen der Inflation skeptischer für das Gesamtjahr. Walmart reduzierte seine Erwartung für das bereinigte Ergebnis je Aktie. Walmart geht von einem Rückgang des Gewinns um 11 % bis 13 % aus (bisher -1,0 %). Hinsichtlich der starken Inflation hielten sich die Kunden mit ihren Anschaffungen zurück. Als Reaktion hätte Walmart mit Preisnachlässen agiert, um die Waren absetzen zu können. Die Walmart-Aktie sank nachbörslich um acht Prozent.

Gazprom kappt Lieferung auf 20 % des Potenzials - Klartext!

Zunächst die positiven Meldungen aus Moskau: Die gewartete Gas-Turbine werde zeitnah in die Pipeline NS1 eingebaut. Dies werde geschehen, sobald sie aus Kanada zurück transportiert worden sei. Die Turbine wird installiert, nachdem alle Formalitäten abgeschlossen seien. Das Gas wird in den Mengen gepumpt, die möglich sind. Die Regierung in Moskau sei nicht an einem vollständigen Stopp der Gaslieferungen nach Europa interessiert.

Kommentar: Moskau vertritt nach außen eine konstruktive Haltung, die darauf abzielt, dass Russland und Gazprom vertragstreu sind. Die Nichtbelieferung wird als Folge „Höherer Gewalt“ durch die verfügten Sanktionen definiert, für die weder Russland noch Gazprom verantwortlich gemacht werden können. Die Frage, ob nicht mehr Gas lieferbar wäre, lässt sich nicht beantworten. Die diesbezüglichen Einlassungen aus Berlin nehmen wir zur Kenntnis. Ich verweise darauf, dass die Nutzung von NS2 alle Probleme, also Versorgungssicherheit und Preislichkeit , lösen würde. Berlin meint sich an ein Prinzip halten zu müssen. Oberstes Prinzip sollte sein, Deutschland und seine Unternehmen als auch Bürger nicht existentiell zu gefährden. Ich erinnere daran, dass NS2 auf Veranlassung Deutschlands gebaut wurde.

Gestern wurde seitens Gazprom angekündigt, dass die Gasliefermenge durch NS1 von circa 40 % auf 20 % ab 27. Juli reduziert wird. Was ist der Hintergrund der angekündigten Reduktion der Gasliefermenge? Moskau verweist auf zusätzliche technische Probleme und Wartungsarbeiten bei anderen Turbinen. Siemens Energy sei sich der Lage bewusst. Für Gazprom bleiben Fragen bei der gewarteten Siemens-Turbine für die Pipeline NS1 offen. Es seien nicht alle Risiken und Probleme bezüglich der Unterlagen geklärt. Dabei gehe es um die von der EU und dem UK verhängten Sanktionen.

Kommentar: Wir hatten bereits gestern in diesem Report dieses Risiko angeschnitten. Moskau „spielt“ die westliche Sanktionskarte, durch die wir uns faktisch selbst sanktionieren, denn die (westliche) Infrastruktur der Pipeline macht Wartungsarbeiten latent erforderlich, die nicht im Einklang mit den westlichen Sanktionen stehen. Da wir über Jahre hinaus noch russisches Gas brauchen, stellt sich die Frage, in wie weit es nicht zielführend wäre, das Sanktionsregime bezüglich der Gasinfrastruktur zu überarbeiten, ansonsten drohten laufend diese Eskalationen, die den deutschen und europäischen Standort schädigten.

Werfen wir einen Blick auf unser deutsches Krisenmanagement. Diesbezüglich meldete sich der DIHK zu Wort. Der DIHK drängt die Bundesregierung zur Eile bei den Maßnahmen gegen drohende Gasknappheit und beklagt bürokratische Hemmnisse. So würden seit März die Voraussetzungen für die Umstellung der Energieversorgung von Unternehmen von Gas auf Öl diskutiert, aber der Genehmigungsprozess werde voraussichtlich acht Monate dauern. Das sei zu lang. Der Chef des DIHK konstatierte, man müsse davon ausgehen, dass unser Standort erheblich schlechter geworden sei. Er verwies darauf, dass Gas derzeit in den USA nur ein Zehntel von dem koste, was in Deutschland dafür verlangt werde.

Kommentar: Was kann Deutschland eigentlich? Lag Sarrazin doch richtig, dass wir uns abschaffen? Acht Monate für Umstellungen von Gas auf Öl in einer existentiellen Krise? Die USA sind jetzt globaler Champion bei dem Verkauf von LNG und zahlen selbst nur zehn Prozent unseres Preises. Was heißt das für uns, den energieintensivsten westlichen Industriestandort Deutschland? Sind wir noch konkurrenzfähig oder sägen wir den staatlichen und privaten Einkommensast, der für uns unentbehrlich ist, gerade aus prinzipiellen Erwägungen pro USA ab? Würden die USA das ihrer Ökonomie und existentiellen Grundlage antun?

Wenden wir uns dem nächsten deutschen Drama zu. Der geplante Ersatz von Gas-Kraftwerken durch nicht genutzte Kohlekraftwerke kommt kaum voran. Es sei laut Bundesnetzagentur nur eine Anzeige für die Wiederaufnahme des Betriebs eines einzigen Steinkohlekraftwerks eingegangen (16 in Reserve). Der Zeitpunkt der Inbetriebnahme sei derzeit nicht bekannt.

Kommentar: Nein, hier verweigere ich einen Kommentar, den denken Sie sich selbst.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: IFO-Geschäftsklima taucht ab

Deutschland: der IFO-Geschäftsklimaindex brach per Juli von zuvor 92,2 (revidiert von 92,3) auf 88,6 Punkte ein. Die Prognose war bei 90,2 Zählern angesiedelt. Das war der tiefste Indexwert seit Juni 2020. Der Lageindex brach von 99,4 (revidiert von 99,3) auf 97,7 Punkte ein (Prognose 98,0), während der Erwartungsindex von 85,5 (revidiert von 85,8) auf 80,3 Zähler abtauchte (Prognose 83,0).

UK: Geschäftsklima besser, aber trotzdem schwach

Der vom CBI ermittelte Auftragsindex sank per Berichtsmonat Juli von 18 auf acht Punkte (tiefster Wert seit 04/2021).

Der vom CBI berechnete Geschäftsklimaindex (Business Optimism) stieg im dritten Quartal 2022 von zuvor -34 auf -21 Zähler.

USA: Durchgehend schwache Werte

Der Chicago Fed National Activity Index (Sammelindex aus 85 Einzelindikatoren) verharrte per Berichtsmonat Juni bei -0,19 Punkte, weil der Vormonat von +0,01 auf -0,19 Zähler revidiert wurde.

Der Dallas Fed Manufacturing Business Index verlor per Berichtsmonat Juli von zuvor -17,70 auf -22,60 Punkte und markierte den tiefsten Indexwert seit Mai 2020.

Südkorea: BIP setzt positiven Akzent

Das BIP verzeichnete per vorläufiger Berechnung im zweiten Quartal 2022 im Quartalsvergleich einen Anstieg um 0,7 % (Prognose 0,4 %) nach zuvor 0,6 %. Im Jahresvergleich kam es zu einer Zunahme um 2,9 % (Prognose 2,5 %) nach zuvor 3,0 %.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.0450 – 1.0480 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!