Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1794 (08.09 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1793 heute im frühen europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.84. In der Folge notiert EUR-JPY bei 131.88. EUR-CHF oszilliert bei 1.1511.

Das politische Umfeld liefert viel Akzente für die Finanzmärkte. Kataloniens Regierungschef bittet Madrid um einen Dialog im Zeitraum der nächsten zwei Monate und um die Einstellung des Gerichtsverfahrens gegen den katalanischen Polizeipräsidenten. Er forderte Ministerpräsidenten Rajoy zu einem Treffen in zeitlicher Nähe auf, ohne jedoch die geforderte klare Antwort zu geben, ob er die Unabhängigkeit ausgerufen hat.

Fassen wir die Position Barcelonas zusammen: Bitten, fordern und nicht liefern ist im Zusammenhang mit einer Sinn stiftenden Lösung des nicht verfassungskonformen Agierens Barcelonas mehr als sportlich ambitioniert. Es wird nicht funktionieren.

Hinsichtlich der prekären Verhandlungslage sucht die britische Premierministerin May heute das direkte Gespräch mit EU-Kommissionchef Juncker. Auch die Verhandlungsführer Barnier und Davis nehmen teil.

Bezüglich der Verantwortung, die die britische Regierung gegenüber ihren Bürgern und Gästen hat, ist eine Neuausrichtung der Verhandlungstaktik Londons mehr als überfällig. Das kann massive innenpolitische Konsequenzen im UK zur Folge haben.

In Österreich kam es den Erwartungen entsprechend zu einem klaren Rechtsruck. Sowohl die ÖVP als auch die FPÖ legten deutlich zu. Der kommende Kanzler heißt kurz und bündig Kurz. Er ist 31 Jahre alt – das ist recht jung. Fakt ist, dass Österreich lauter sein wird, es wird gegenüber Deutschland und Brüssel selbstbewusster auftreten.

In Niedersachsen hat die CDU innerhalb von gut zwei Monaten eine 12% Führung gegenüber der SPD in einen Rückstand von mehr als 3% verwandelt. Die Frage nach dem „Warum“ darf beschäftigen. Die SPD hat die Niedersachsenwahl mit einem Stimmenanteil von 36,9% (zuvor 32,6%) gewonnen. Die CDU kommt auf 33,6% (zuvor 36,0%). Eine große Koalition oder Ampelvarianten stehen auf der Agenda.

Das politische Bild, das die EU abgibt, könnte vielversprechender sein.

Spanien steht im Fokus der Sorge, da nationalistische Kräfte die Basis der Demokratie, die spanische Verfassung, angreifen. Mehr Eskalation wird voraussichtlich auf der Agenda stehen.

Österreich rückt nach rechts. Auch das kann den Diskurs der EU potentiell schwächen. Es kann aber auch ein Katalysator für klare Entscheidungen werden.

Die Wahlen in Deutschland, die in Richtung breiter Koalitionen gehen, implizieren, dass die politische Agenda und damit die Durchschlagskraft Deutschlands leiden könnte, da breite Koalitionen auf zu viele Partikularinteressen der teilnehmenden Parteien Rücksicht nehmen müssen.

Der Brexit ist mehr und mehr ein britisches Problem. Je länger London zaudert und die Regeln der Spieltheorie bemüht, die nicht von Brüssel angenommen werden (weise!), desto stärker werden sich Teile des britischen Kapitalstocks in Richtung Kontinentaleuropa bewegen. Mehr Jobs, mehr Sozialkontribution stünden damit für Kontinentaleuropa auf der Agenda. Das ließe uns dann auch die geringeren Exporte in Richtung UK mehr als verschmerzen (das geht in Richtung Ifo und DIW!).

US-Präsident Trump verschärft seine Politik gegenüber dem Iran. Er spielt mit dem Bestand des Atomabkommens, dessen Einhaltung seitens der internationalen Energiebehörde belegt wurde. Diese Politik findet völlig ohne Abstimmung mit den Partnern der USA statt und ruft Widerstand nicht nur in Berlin und Brüssel, sondern auch in London hervor.

Fakt ist, dass die USA mit dieser Politik sich immer stärker selbst isolieren. Große Mächte scheiterten häufig an Selbstüberschätzung.

Von der konjunkturellen Seite kamen in den letzten 24 Berichtsstunden positive Signale

Die Zentralbank Chinas erwartet laut Notenbankpräsident Xiaochuan im zweiten Halbjahr 2017 einen Wachstumsclip von 7%. Das offizielle Wachstumsziel lag per 2017 bei 6,5%. Die US-Verbraucherpreise nahmen per September um 0,5% im Monatsvergleich (Prognose 0,6%) und um 2,2% im Jahresvergleich (Prognose 2,3%) zu. Die Kernrate verzeichnete per September im Monatsvergleich einen Anstieg um 0,1% (Prognose 0,2%) und im Jahresvergleich um 1,7% (Prognose 1,8%).

Fazit: So wie in den USA Preise gemessen werden (Boskin-Kommission), ist der Preisdruck überschaubar.

Die Einzelhandelsumsätze legten per September im Monatsvergleich um 1,7% zu. Die Prognose lag bei 1,6%. Dieser Anstieg ist korreliert mit Hamsterkäufen wegen der Stürme als auch Preiseffekten (Benzin). Ohne Automobile und Benzin lag die Zunahme bei 0,5% (Prognose 0,4%). Gekoppelt mit der Revision des Vormonatswerts von -0,2% auf -0,1% lieferte diese Datenreihe einen positiven Akzent bezüglich der Erwartungshaltung.

Die US Lagerbestände wurden per August kräftig um 0,7% aufgestockt. Das entsprach exakt der Konsensusprognose. Der Vormonatswert wurde von +0,2% auf +0,3% revidiert.

Das Verbrauchervertrauen nach Lesart der Universität Michigan schoss per Berichtsmonat Oktober laut vorläufiger Erfassung von zuvor 95,1 auf 101,1 Punkte nach oben. Die Prognose war bei 95,0 Zählern angesiedelt. Damit markierte dieser Index das höchste Niveau seit Januar 2004! Das nehmen wir zur Kenntnis – mehr ist bezüglich der harten Daten nicht möglich.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das eine positive Haltung bezüglich der Bewertung des USD favorisiert. Erst ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1880 - 00 negiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!