Am 09.08. berichtete ich an dieser Stelle über eine Programmbeschwerde wegen bildtäuschender Nachrichten in der Tagesschau.

Noch am selben Tag wurde der Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V. erneut aktiv.

Dieses Mal geht es um eine Programmbeschwerde wegen Informationsunterdrückung in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. Ein Vorfall mit dem sich die Redaktion selbst disqualifiziert und die Sendung überflüssig macht.

Zunächst zum Hintergrund, konkret zum Tathergang.

Zeugenaufruf

Im öffentlich einsehbaren Zeugenaufruf der Polizei Hamburg vom 12.06.2017 heißt es wörtlich:

(…) Die Polizei Hamburg fahndet nach zwei bislang unbekannten Männern, die am frühen Sonntagmorgen zwei 26 und 30 Jahre alte Frauen angegriffen und versucht haben, sexuelle Handlungen an ihnen vorzunehmen. Das Fachdezernat für Sexualdelikte (LKA 42) führt die Ermittlungen.

Die beiden 26 und 30 Jahre alten Geschädigten befuhren mit ihren Fahrrädern einen Wirtschafts-/Radweg zwischen einem Kleingartenverein und der AS Georgswerder. (…)

Die beiden späteren Täter kamen den Geschädigten zu Fuß entgegen. Sie machten ihnen zunächst Platz für die Durchfahrt. Bei der Vorbeifahrt griffen sie die Geschädigten dann unvermittelt an, woraufhin diese zu Boden stürzten.

Die beiden Männer schlugen auf die am Boden liegenden Geschädigten ein und zerrten sie in einen Grünstreifen. Die weiteren Handlungen der beiden Täter waren offensichtlich sexuell motiviert. Sie ließen erst von den Frauen ab, als ein Zeuge durch die Hilferufe der Geschädigten auf die Situation aufmerksam geworden war. Die Täter flüchteten daraufhin in Richtung AS Georgswerder/ Georgswerder Bogen.

Die beiden Geschädigten erlitten erhebliche Gesichtsverletzungen. Sie wurden in ein Krankenhaus eingeliefert und dort stationär aufgenommen.

Die Täter konnten von den Geschädigten wie folgt beschrieben werden: -1,70 m bis 1,75 m groß - "südländisches" Erscheinungsbild - schlanke Figur - kurze, dunkle Haare - einer der Täter war mit einer hellen Oberbekleidung bekleidet

Die Bekleidung der beiden Täter war nach der Tat möglicherweise blutverschmiert.(…)


Link zum Zeugenaufruf der Polizei Hamburg

Abweichung des Moderators von der polizeilichen Täterbeschreibung

Die Programmbeschwerde wurde aus Sicht des Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V. erforderlich, da der Moderator in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ vom 09.08.2017 erheblich von den Angaben der Hamburger Polizei abgewichen sei. Selbst die von Rudi Cerne angegebene Beschreibung der Körpergröße der Straftäter werde im Polizeibericht anders beziffert.

Aktenzeichen XY ungelöst“ habe demnach folgende Personenbeschreibung veröffentlicht:
„Die Männer sollen etwa 1,70 bis 1,80 Meter groß und dunkelhaarig gewesen sein.“

Leider ist der Link vom ZDF zur Sendung nicht mehr direkt verfügbar.

Allerdings verweist der Verein auf folgenden Link https://vimeo.com/229042844. Unter diesem Link kann der Fall und der Fahndungsaufruf ab Minute 40:40 bis 43:47 angesehen werden.

Die Reihe „Aktenzeichen YX ungelöst“ hat laut Eigenbeschreibung seit nunmehr 50 Jahren den Anspruch, durch die Involvierung der Öffentlichkeit die Verbrechensbekämpfung zu unterstützen. „Themenlieferanten" für die Beiträge in XY seien Strafverfolgungsbehörden, wie z.B. die örtliche Kriminalpolizei, die Staatsanwaltschaften, die Landeskriminalämter und das BKA. Es erschließt sich daher nicht im Mindesten, warum die Verantwortlichen und der Moderator Rudi Cerne derart von den Inhalten der „Themenlieferanten“ – hier die Polizei HH – abweichen“ so der Verein in seiner veröffentlichten Programmbeschwerde.

Der Verein fragt noch, was genau nach Ansicht der Redaktion dagegen spräche, den korrekten Wortlaut eines öffentlich einsehbaren Polizeiberichtes zu übernehmen und  welchen Sinn eine Öffentlichkeitsfahndung nach unberechenbaren, gewaltbereiten Sexual-Straftätern habe, wenn die von der Polizei bereitgestellten Fahndungsmerkmale nicht in die komfortable Veröffentlichung durch eine reichweitenstarke Sendung einbezogen würden.

Das offensichtliche Unbehagen und die Unsicherheit von journalistischen Betrieben, sich durch die Preisgabe eines vagen Herkunftsmerkmals der Stigmatisierung schuldig zu machen, verfinge bei diesem Fall nicht. Ein Journalismus, der wider besseren Wissens Realitäten verschleiere, sorge lediglich dafür, dass Zweifel und Misstrauen gegenüber der Berichterstattung weiterhin anwüchsen. Neueste Studien belegten diesen Trend. Link zur Programmbeschwerde

Da fragt man sich unwillkürlich: wie sollen sich potentielle weitere Opfer verhalten, wenn ihnen wichtige Merkmale der Täter vorenthalten werden? Wie können sie die Täter erkennen und sich schützen, wenn relevante Identifikationsmerkmale verschleiert werden.

Schade eigentlich, Herr Cerne. So bringt das niemanden weiter.