Der Gesamtmarkt ist angeschlagen und seit Wochen kennt er nur eine Richtung: Süden! Die Berichtssaison ist wieder mal gespickt von Überraschungen und Unternehmen werden durch die kleinsten Verfehlungen im Zahlenwerk oder im Ausblick im zweistelligen Prozentbereich abverkauft.

Investoren suchen nach sicheren Häfen, die sind derzeit aber kaum zu finden. Die steigenden Zinsen lassen im Gegenzug die Kurse der Staatsanleihen einbrechen. Je länger die Laufzeit, desto herber die Verluste und die Zinsen sind noch weit davon entfernt die Inflation auszugleichen.

Der Markt der Kryptowährungen gleicht derzeit einem Schlachtfeld. Kleine Projekte wie Terra werden zum faktischen Totalverlust, während Bitcoin seit seinem Hoch im Dezember per heute Mittag von 68.000 USD auf 25.000 USD und somit 2/3 seines Wertes verloren hat.

Die von vielen erhoffte Stabilität der Kryptos zum Schutz vor Aktienmarktturbulenzen ist nirgends zu sehen. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Welt der Kryptos noch immer hauptsächlich ein Spekulationsmarkt ist, in dem in der Euphorie gekauft und in der Panik verkauft wird. Im Gegensatz zu Aktien fehlt hier jedoch jede fundamentale Bodenlinie, da weder Gebäude, noch Maschinen, noch Geschäftsmodell oder Patente vorhanden sind.

Selbst die Edelmetalle können von der Inflationsentwicklung nicht profitieren. Gold fiel seit März von 2060 USD um 10 % auf 1840 USD, Silber fiel sogar um 20 %. Es scheint als gäbe es einen Run auf Cash. „Raus aus Allem“. Das hatten wir schon 2008 während der Lehman-Krise erlebt, als die Investoren nur eines dringend brauchten: Geld! um ihre Spekulationskredite zu bezahlen, deren hinterlegte Sicherheiten mit jedem Tag wertloser wurden.

Wie seit mindestens 2020 befürchtet, sind die Inflation und die dadurch verursachten Zinsanhebungen absolutes Gift für Wirtschaft und Finanzmärkte. Die immer wieder beschriebene Stagflation ist das zu erwartende Szenario.

Die zehnjährigen US-Zinsen liegen bei rund 2,85 %. Aber die Handelsspanne ist für diese Art von Investitionen schon extrem. Lag die Rendite Ende April noch bei 2,80 %, stieg sie innerhalb von nur wenigen Tagen auf 3,20 % um dann wieder zu fallen. Das ist sehr ungewöhnlich und zeigt die Spannung im System.

Aktuell sind die Aktienmärkte technisch massiv überverkauft, aber die Volatilitätsindikatoren zeigen noch keine Ausverkaufs- oder Paniksituation. Die Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 hielten sich – trotz starker Kursverluste zahlreicher Einzelaktien- bis vor kurzem relativ stabil, da die beiden großen Schwergewichte Apple und Microsoft sich dem Abverkauf entziehen konnten.

Doch das änderte sich in den letzten 48 Stunden. Apple kam massiv unter Druck (gestern minus 5 %) und zog die Indices stärker nach unten als viele andere Aktien. Grund hierfür ist, dass die Privatanleger, die bis vor kurzem blind jede Schwäche genutzt haben um in ETFs mit Schwerpunkt Apple zu investieren, inzwischen alle Gewinne seit Januar 2020 eingebüßt haben. So eine Studie von Morgan Stanley.

Jetzt kommt die Angst um Verluste und die Kleinanleger haben in den letzten Tagen begonnen zu verkaufen. So wie sie es waren, die zwei Jahre lang die Märkte (ganz wesentlich durch Apple und Microsoft) in die Höhe zu trieben, lösen sie jetzt die Stampede nach unten aus. Ob dadurch auch kurzfristig weiterer Abwärtsdruck entsteht, oder die überverkaufte Situation der Profis zu einer schnellen und starken Gegenbewegung führen, lässt sich kaum vorhersehen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit müssen wir uns in den kommenden Monaten noch auf extreme Kursbewegungen einstellen. Wir sind dafür im Fonds bestens aufgestellt, halten uns weiter stabil, wenngleich diese Turbulenzen auch bei uns für ein klein wenig mehr Volatilität sorgen.

Was wir derzeit erleben ist genau das Szenario, das wir vor Jahren erwartet haben, für das wir den Fonds gebaut haben. Jetzt geht es einerseits darum Verluste möglichst zu vermeiden und zugleich die Grundlage für die Kursgewinne NACH dieser Börsen- und Wirtschaftskrise zu legen. Dafür passen wir die Strategie in den kommenden Wochen sukzessive dem Plan entsprechend an, um rechtzeitig nach oben dabei sein zu können. Noch gilt aber als oberste Prämisse die Verlustvermeidung. Wer 10 % verloren hat, muss nur 11 % steigen um beim Einstand zu sein. Wer 50 % verloren hat, der muss um 100 % zulegen um die Verluste wettzumachen.

Die US-CPI Zahlen (Verbraucherpreise) in dieser Woche haben die Schleusen der Verkaufsaufträge an der Börse noch weiter geöffnet. Im Monatsvergleich stieg die Inflation zwar nur um 0,3 % nach zuvor noch 1,2 % an. Rechnet man Lebensmittel und Energie raus, war es aber ein Plus von 0,6 %. Im Jahresvergleich erreichte der Wert 8,3 % nach 8,5 %. Erstmal ein gutes Zeichen, dass die Inflation nicht weiter stieg. Jedoch wird sie wohl für einen längeren Zeitraum auf erhöhtem Niveau bleiben und das verschreckt die Anleger zunehmend. Die Lohn-Preis-Spirale hat schon begonnen und die Lohnstückkosten steigen mit gleichzeitigem geringerem Wachstum der Unternehmen. Ein Teufelskreis!

Die Zentralbanken haben gar keine andere Wahl als das Tempo der Zinserhöhungen zu beschleunigen. Die FED in den USA tut dies bereits und die EZB denkt nun auch laut darüber nach. Die nächste Sitzung der Europäischen Zentralbank ist am 09.06.22 und Frau Lagarde steht vor einem Scherbenhaufen. Sie muss die Zinsen irgendwie anheben, um die Inflation zu bekämpfen, ohne die südlichen Euroländer und deren Schuldenpolitik zu gefährden. Ein Spagat der sicherlich nicht ohne Folgen bleiben wird.

Der S&P 500 ist im Berichtszeitraum (22.04. bis 11.05.) um 7,88 % gefallen. Die Verliererliste ist lang. Bei Dish Network hat sich die Aktie in wenigen Tagen fast halbiert. Die Gewinnerliste wird von Aktien aus dem Energiesektor angeführt. Der technologielastige Nasdaq 100 verbuchte ein Minus von 10,4 %. Auch hier ist die Liste lang und die Kurstafel blutrot.

Unser Vergleichsindex MSCI World Value Net (EUR) fiel 3,37 % von 153,43 auf 148,26. Der Dirk Müller Premium Aktien Fonds blieb mit minus 0,8 % auf 90,25 Euro weitgehend stabil.

Einige Unternehmen aus unserem Portfolio haben bereits ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Hier ein kurzer Auszug. Mehr und detailliertere Informationen finden Sie wie gewohnt im Forum.

Amazon

Einmal Top und einmal Flop, wie erwartet kamen die Amazon Zahlen! Der Umsatz stieg 7,3 % auf 116,44 Mrd. USD, die Bruttomarge wurde mit 42,9 % beziffert. Amazon teilt die Umsatzkategorien in die folgenden zwei Teile auf:

  • Net Product Sales: 56,46 Mrd. nach 57,49 Mrd. USD in Q1 2021

  • Net Service Sales: 59,99 Mrd. nach 51,03 Mrd. USD

Im Produktgeschäft musste man also rückläufige Umsätze verbuchen, das Geschäft rund um Service, also auch die Cloud AWS boomt weiter. Der operative Ertrag schmolz also wie Butter in der Sonne von 8,87 Mrd. USD auf nur noch 3,67 Mrd. USD. Der Free Cashflow für die vergangenen zwölf Monate wurde mit minus 18,6 Mrd. USD nach noch einem Plus von 26,4 Mrd. USD berichtet. Im aktuellen Quartal waren es 17,74 Mrd. USD.

Nach den letzten Quartalszahlen (Q4 2021) haben wir auf die Rivian-Beteiligung hingewiesen. Rivian ist ein Hersteller von E-Autos - oder möchte dies zumindest in Zukunft sein. Noch sind die Umsätze überschaubar, die Verluste dafür aber groß.

Amazon hält laut Bloomberg rund 17,7 % oder 158,36 Mio. Aktien. Im Bericht zu Q4 2021 wurde die Beteiligung durch den Kursanstieg der Rivian Aktie aufgewertet und Amazon verbuchte einen „Gewinn“ von 11,8 Mrd. USD. Wie das so mit Beteiligungen ist müssen diese jedes Quartal bewertet werden. Der Kurs der Rivian Aktie stürzte von 103,69 (31.12.2021) auf 50,24 USD (31.03.2022) ab, was einen „Verlust“ von rund 8,5 Mrd. USD ausmachte. Diese Wertberichtigung finden wir nun im aktuellen Quartalsbericht, zwar wurden nur 7,6 Mrd. USD angesetzt aber dafür noch mal 1,33 Mrd. USD an anderen nicht operativen Ausgaben, die Summe beläuft sich auf 8,934 Mrd. USD. Das Nettoergebnis implodierte von plus 8,1 Mrd. auf minus 3,84 Mrd. USD.

Apple

Im letzten Bericht schrieben wir noch „Apple stemmt sich gegen die Naturgewalten“. Im abgelaufenen Quartal sehen wir, dass auch Apple nicht gegen jede Flutwelle gewinnen kann. Im zweiten Quartal 2022 (endete am 26.03.2022) wurden 97,28 Mrd. Umsatz erzielt, ein Plus von nur 8,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Bruttogewinn stieg von 38,08 Mrd. auf 42,56 Mrd. USD. Die Marge lag bei 43,7 %, nach noch 42,5 %. Die Umsatzkosten auf der Produktseite konnten leicht verbessert werden, im Servicebereich sogar deutlich. Waren es im zweiten Quartal 2021 noch 29,93 % sind es im abgelaufenen Quartal 2022 nur 27,39 %. Der Free Cashflow kletterte auf 25,65 Mrd. USD.

Apple spürt die Flutwelle der aktuellen Probleme erheblich. Der Hardwarebereich hinkt deutlich hinterher, das wichtige Servicesegment läuft aber. Aktien von Tech-Unternehmen haben es in den letzten Monaten nicht einfach, auch steigende Zinsen machen einigen durchaus zu schaffen. Apple ist weiterhin in solides Investment, auch wenn die derzeitige „Börsenstraße“ einige Schlaglöcher mit sich bringt.

herzlichst

Ihr

Dirk Müller & Fonds Team