Dass die US-Zinsen steigen werden, ist hinlänglich bekannt. Über das endgültige Ausmaß und Tempo des Zinsanstieges wird weiter heiß diskutiert und dies ist neben den politischen Spannungen derzeit die Haupttriebfeder an den Aktienmärkten. Die Renditen der als sicher eingestuften 10-jährigen US-Staatsanleihen waren zwischenzeitlich auf 2,05 % gestiegen, bevor Umschichtungen von Aktien in Anleihen im Vorfeld der Eskalation um die Ukraine für einige Stunden für einen Rückgang auf 1,85 % gesorgt haben. In unsicheren Zeiten flüchtet mancher Investor in vermeintlich sichere Häfen der Staatsanleihen.

Nach dem Kursdebakel einiger Tech-Aktien haben wir uns das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) der drei wichtigsten Indizes in den USA angeschaut. Der Nasdaq Composite, als der breitere Technologieindex mit rund 3.700 Mitgliedern hat seit den Höchstständen im November 2021 rund 15 % verloren, das KUV brach von 4,6 auf nur noch 2,8 ein, also um rund 40 %. Der S&P 500 hat ca. zehn Prozent seit den Höchstständen im Januar 2022 verloren, das KUV fiel in ungefähr gleichem Ausmaße von 3,1 auf 2,8. Der Dow-Jones-Index mit den 30 wichtigsten Unternehmen der USA fiel seit Januar 2022 um sieben Prozent, das KUV gab aber schon seit Sommer 2021 kontinuierlich von 2,7 auf nun 2,4 nach.

Viel heiße Luft, gerade aus den Tech-Aktien von Unternehmen mit wenig Umsatz und oft ohne Gewinne, wurde somit bereits aus dem Markt gelassen. Ob es das schon gewesen ist? Wir denken nicht, denn der normalisierte Abstand der letzten fünf Jahre zwischen dem Nasdaq 100 und dem S&P 500 lässt erkennen, dass noch viel Luft vorhanden ist, die bei steigenden Zinsen aus dem Technologieindex entweichen könnte.

Der S&P 500 ist im Berichtszeitraum um 3,01 % gefallen. Die Schwankungen bei einzelnen Aktien sind seit Wochen außergewöhnlich hoch und oft verfehlten Quartalszahlen geschuldet.

Der technologielastige Nasdaq 100 sackte um 3,85 % ab. Auch hier wurden Aktien, die mit ihren Zahlenwerken die Erwartungen nicht erfüllen konnten, gnadenlos abgestraft. Die Auswahl der Unternehmen ist in einer Phase von steigenden Zinsen, unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und geopolitischen Spannungen das A und O.

Im Berichtszeitraum 07.02. bis 21.02.22 sank unser Vergleichsindex MSCI World Value Net (EUR) um 0,90 % von 148,36 auf 147,03 - der Dirk Müller Premium Aktien Fonds blieb weiterhin stabil auf 90,31 Euro.

Unterdessen läuft die Berichtssaison auf Hochtouren. Anbei einige Kurzinformationen zu Nvidia, Microsoft und Qualcomm. Die ausführlichen Berichte finden Sie wie gewohnt im Forum.

Nvidia

Nvidia, starke Aktie und starke Zahlen, wenn da nicht die Bewertung wäre!

Im abgelaufenen vierten Quartal (endete 30.01.22) wurden 7,64 Mrd. USD umgesetzt, ein Plus von 52,8 % im Vergleich zum vierten Quartal 2021. Brutto verdiente Nvidia über fünf Mrd. USD nach 3,25 Mrd. USD, die Marge betrug 65,4 %. Der operative Ertrag stieg auf 2,97 Mrd. USD. Netto verdiente der Chiphersteller satte drei Mrd. USD, was einer Marge von 39,3 Prozent entsprach. Der Free Cashflow lag bei 2,76 Mrd. nach noch 1,78 Mrd. in Q4 2021.

Der Blick auf die einzelnen Segmente zeigt, wo die Umsatzsteigerungen ihren Ursprung hatten: Die Gaming-Sparte schaffte 3,42 Mrd. USD Umsatz (44,8 % der Gesamtumsätze). Das waren 37 % mehr als noch im Vorquartal. Das Geschäft im Segment Datencenter (42,7 % der Gesamtumsätze) stieg um 71 % auf 3,26 Mrd. USD Umsatz. Der Bereich Professionelle Visualisierung schaffte ein Umsatzplus von über 100 % auf nunmehr 643 Mio. USD (8,4 % der Gesamtumsätze). Das Geschäft OEM IP wuchs 25 % auf 192 Mio. USD (2,5 % der Gesamtumsätze).

Microsoft

Mit Spannung wurden auch die Zahlen von Microsoft erwartet und man wurde im Grunde nicht enttäuscht, wenn da nicht der angeschlagene Gesamtmarkt wäre. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2022, welches zum 31.12.21 endete, stieg der Umsatz um 20 % auf 51,7 Mrd. USD. Der Bruttoertrag wuchs von 28,9 auf 34,7 Mrd. USD, was einer Marge von 67,2 % entsprach. Operativ verdiente Microsoft 22,2 Mrd. USD oder 24,3 % mehr als noch im zweiten Quartal 2020. Beim Nettoergebnis stand ein Plus von 21,4 % auf 18,8 Mrd. USD zu Buche. Der Free Cash-Flow betrug 8,6 Mrd. USD nach noch 8,3 Mrd. USD im Vergleichsquartal.

Die Umsätze im Segment „Productivity and Business Processes“ wuchsen insgesamt 19 % auf 15,94 Mrd. USD. Enthalten sind hier die LinkedIn-Umsätze, welche um 37 % stiegen, sowie Office 365 und Cloud mit einem Zuwachs von 14 % im kommerziellen Bereich und 15 % im Konsumentensegment. Die Microsoft Abo-Zahlen stiegen um 19 %. Im Segment „Personal Computing“ betrug der Umsatz 17,47 Mrd. USD oder 15 % mehr als noch vor einem Jahr. Die Gaming-Umsätze (Xbox) wuchsen nur zehn Prozent, dies wird sich aber mit der Übernahme von Activision ändern, sollte diese von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Der wichtige Cloudbereich „Intelligent Cloud“ wurde im Call mit 18,33 Mrd. Umsatz berichtet, was ein Plus von 26 % bedeutet. Das Wachstum der Cloud-Computing-Plattform Azure lag mit 46 % nur leicht neben den Erwartungen (48 %).

Qualcomm

Die Zahlen für das erste Quartal 2022 (gebrochenes Geschäftsjahr) von Qualcomm zeigten ein starkes Wachstum, trotz Gegenwind aus den bekannten Lieferketten und Covid-Problemen. Mit einem Umsatz von 10,7 Mrd. USD lag der Wert 30 % über dem Vorjahresquartal (Q1 2021). Die Bruttomarge stieg leicht auf 59,8 % und das Nettoergebnis lag mit einer Marge von 31,8 % ebenso über dem Wert des Vergleichszeitraums. Der Free Cash-Flow konnte den außergewöhnlichen Wert von 2,7 Mrd. USD nicht schlagen und lag bei 1,47 Mrd. USD.

Das Umsatzwachstum war vor allem im Geschäftsbereich QCT (83 % des Umsatzes) mit Plus 35 % zu finden, das Segment QTL (17 % des Umsatzes) konnte lediglich einen Anstieg von zehn Prozent verbuchen. Schaut man sich die Zahlen auf EBT Basis (Gewinn vor Steuern) an, so ist das Bild jedoch klar und man sieht wo Qualcomm das Geld verdient. Das EBT im Bereich QCT lag bei 3,11 Mrd. USD, was einer Marge von 35 % entsprach. Im Segment QTL verdiente man 1,40 Mrd. USD oder 77 % vom Umsatz.

QCT entwickelt und vertreibt u.a. integrierte Schaltkreise und Systemsoftware basierend auf 3G/4G/5G- und anderer Technologien für den Gebrauch in Mobilfunkgeräten, kabellosen Netzwerken, Geräten im Internet der Dinge (IoT) oder auch im Markt für Automotive. Innerhalb von QCT waren es vor allem die Segmente RF (Radiofrequency) Front-End (plus 7 %), Automotive (plus 21 %) und insbesondere der Bereich Handsets mit einem Plus von 42 %, der zum Erreichen der internen Ziele beitrug. Qualcomm verlagert das Geschäft in diesen Bereich, um vor dem chinesischen Neujahr ausreichend Produkte für die Mobilfunkindustrie bereitzuhalten.

Der Geschäftsbereich QTL (Auslizenzierung von Technologie-Patenten u.a. an OEM-Hersteller) wuchs nur zehn Prozent. Da die Vorsteuergewinnmarge von QTL mit satten 77 % jedoch weitaus höher ist als die 35 % von QCT, ist QTL immer noch für über 30 % des Vorsteuergewinns verantwortlich. Der Vorsteuergewinn lag im Vergleichsquartal Q1 2021 jedoch noch bei rund 40 % des Umsatzes.

Derzeit geschieht an den Märkten genau das, was wir bei Auflage des Fonds befürchtet hatten und das beinhaltet das Risiko schwerer Marktverwerfungen in den kommenden Monaten. Folglich bleiben wir weiterhin bei unserer Sicherungsstrategie, die genau für diese Phase der weltwirtschaftlichen Entwicklung entworfen wurde. Jetzt ist die Zeit das Pulver trocken und in Sicherheit zu halten, die Zeit zum Geldverdienen folgt nach der umfangreichen Bereinigung der Märkte mit außergewöhnlich guten Chance-Risikoverhältnissen, die es so in den vergangenen Jahren nicht gab.

Lassen Sie sich von den aufgeregten Meldungen dieser Tage nicht nervös machen. Mit ruhigen Überlegungen und klarer Struktur kommt man am besten durch diese sehr besondere Phase und kann sie sogar zum eigenen Vorteil nutzen.

Herzliche Grüße

Ihr

Dirk Müller & Fonds Team